authentisches Leben und authentische Religion

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Travis
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon Travis » Fr 6. Jul 2018, 08:48

michaelit hat geschrieben: Er wollte nur sagen, zwingt euch nicht in das biblische Sündensystem, lebt frei, dann seid ihr in der Auferstehung. Aber stattdessen wollen wir nur das Kreuz.
Das Kreuz ist die Grundlage für die Auferstehung. Die leibliche Auferstehung ist die Bestätigung, dass Gott das Opfer seines Sohnes angenommen hat.

Folgende Aussage hat mich sehr beeindruckt.
Phil 3,10+11 hat geschrieben:10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Paulus war sich sehr bewusst, dass wir Menschen dazu neigen, die Kreuzigung zu verdrängen, zu vergessen oder gering zu achten. Denn wer lässt sich schon gerne an das eigene Versagen und die eigene Sündhaftigkeit erinnern, die Jesu Opfer am Kreuz überhaupt notwendig machte? Daher erinnert er die Christen, die das Kreuz nicht mehr im Zentrum haben möchten, gerne an diesen zentralen Punkt ihrer Erlösung
1Kor 2,2 hat geschrieben: Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.
Ps 86,15 "Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit."
Hiob 19,25 "Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben."

Sola
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon Sola » Fr 6. Jul 2018, 09:58

Hallo Daniel
Wenn ich deine Beschreibung lese, wie du Christen in deinem Umfeld wahrnimmst (und dich selbst auch noch vor ein paar Jahren), dann hört sich das für mich irgendwie trostlos an.

Und wenn ich weiter überlege, was ich da anders erlebe, dann ist es vor allem der Punkt: Ich bin nicht allein.
Ich stehe nicht allein da mit einer hoch idealisierten Lebensanleitung in der Hand, die mein Vermögen hoffnungslos überfordert und mich in einen inneren Zwiespalt reisst.

Ich erlebe mich geliebt und getragen und lebe mein Leben in der ständigen Kommunikation mit Gott.

Er ist bei mir in den schönen Momenten und meine Freude wird durch das dankbare Empfangen noch viel mehr gesteigert und dadurch, dass ich seine liebende Hand in dem erkenne, was er mir schenkt.

Und er ist auch bei mir, wenn es schwierig oder traurig wird, hilft mir, die Last zu tragen und an ihn abzugeben, schenkt mir Trost, Kraft und Mut, wenn es in mir leer und dunkel wird.

Ich höre sein Reden in vielen Situationen, auch wenn ich oft gar nicht damit gerechnet habe.
Er lässt mich vieles erkennen und darüber staunen.
Zeigt mir aber auch Dinge, die anzupacken und in Ordnung zu bringen sind ....

Nicht die Bibel als Anleitungsbuch ist die Grundlage meines Lebens.
Aber ich lese gerne darin - auch eher kommunizierend. Da begegnet mir Gott in besonderer Weise, da ist sein Reden sozusagen besonders intensiv. Aber es ist keine einseitige Belehrung, sondern eher eine Gesprächssituation.

Wenn ich mein Christsein so empfinden würde, wie es mir aus deiner Beschreibung heraus klingt, dann wäre ich wahrscheinlich auch nicht mehr dabei. ;)
Liebe Grüsse
Sola

JackSparrow
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon JackSparrow » Fr 6. Jul 2018, 10:18

Sola hat geschrieben:Es geht darum, dass ein Mensch ohne Gott den "Begierden seines Herzen" ausgeliefert ist und es nicht schafft, sich mit seinem Willen, Gutes zu tun (nach seiner inneren Überzeugung) durchzusetzen.

Die "Begierden seines Herzens" sind sein Wille und seine innere Überzeugung. Und der Rest ist religiöses Gewäsch.

Röm 6,16 Wisst ihr nicht? Wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und dem gehorcht ihr – entweder als Knechte der Sünde zum Tode

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Todesstrafe abgeschafft.

Ich höre sein Reden in vielen Situationen, auch wenn ich oft gar nicht damit gerechnet habe.

Zum Beispiel während der Uni-Klausur oder beim Ausfüllen eines Lottoscheins?


Travis hat geschrieben:Denn wer lässt sich schon gerne an das eigene Versagen und die eigene Sündhaftigkeit erinnern,

Bitte erinnere mich daran, was ich für ein Versager bin und welch schlimme Sünden ich begangen habe, damit ich das großzügige Opfer des lieben Jesuleins zukünftig adäquat würdigen kann.

Sola
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon Sola » Fr 6. Jul 2018, 10:42

JackSparrow hat geschrieben: Und der Rest ist religiöses Gewäsch.



Mit dem meisten religiösen Gewäsch ist es so, dass man seine Wahrheit erst erkennt, wenn man eigene Erfahrungen damit gemacht hat.
Von aussen betrachtet hört sich vieles sehr fremd an - vor allem dann, wenn man es durch die Brille eines eigenen Weltanschauungskonzepts liest, das stark davon abweicht. ;)
Liebe Grüsse
Sola

michaelit
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon michaelit » Di 10. Jul 2018, 10:46

@Travis,

versuch doch mal ganz normal zu denken. Die Kreuzigung bedeutet Leid und Schmerzen für Jesus. Wenn ich daran denke ist es so als würde ich mich zu einem Unfallopfer ins Krankenbett mit hineinlegen. Manchmal fühlt sich das wirklich so an. Ich kriege Angst vor Blut und Versagen. Ich weiß schon was die Kreuzigung eigentlich bedeutet. Aber ich kann darin Jesus gar nicht folgen. Ich soll ihm doch nachlaufen, Aufgaben suchen und wahrnehmen, Liebe üben, alle Angst verlieren. Das Kreuz, wichtig wie es ist, hilft mir nicht darin. Die meisten Sünden sind ja von der Gnade des lebendigen Gottes her gedeckt. Für die ist kein Tod Gottes notwendig. Gott kann auch so vergeben. Aber das Kreuz ist für große Sünden immens wichtig, da es ein Gegengewicht zu diesen darstellt und so in Anspruch genommen werden kann. Es gilt ja auch für die ganze Welt.

Aber wenn es um Nachfolge geht muß man mehr an die Auferstehung denken. Versuche es doch mal aus Jesu' Perspektive zu sehen, ich denke nicht daß er die Kreuzigung liebte. Er hat sich mehr an seiner Auferstehung gefreut. Wenn ich über Bonhoeffer nachdenke dann auch weniger an seinen Tod sondern mehr an sein Leben. Ich will nicht soviel an das Dunkle und Leidende denken.

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Travis
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon Travis » Di 10. Jul 2018, 10:53

michaelit hat geschrieben:versuch doch mal ganz normal zu denken.
Oha. "Normal"?
michaelit hat geschrieben:Aber ich kann darin Jesus gar nicht folgen.
Bis zu einem bestimmten Bereich erwartet er dies von seinen Jüngern. Aber eben nur bis zu einem bestimmten Punkt. Da außer ihm niemand die Schuld der Welt auf sich nehmen kann und soll, wird dies auch nicht verlangt.
Ps 86,15 "Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit."
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon michaelit » Di 10. Jul 2018, 12:41

Wenn ich Leiden auf mich nehmen soll, dann, so glaube ich, muß eine Notwendigkeit vorliegen. Ich hatte manchmal üble Lustgedanken. Ich nahm das Leid auf mich ihnen nicht zu folgen und sie zu verleugnen. Das war notwendig. Aber macht es einen Sinn als Mensch sich die Hand abzuhacken und die Augen auszureißen? Hierzu besteht keine Notwendigkeit und es wäre schlimm. Leiden ist eine Krankheit von der man genesen soll, und damit ist es auch keine Pflicht als Christ normalerweise.

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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon Magdalena61 » Mi 11. Jul 2018, 02:17

In diversen "Auslegungen" von Versen des AT/ der Bibel in diesem Thread sind so viele Fehler drin, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

So kann man doch nicht mit dem Wort Gottes umgehen. Ich setze mal nicht böse Absicht, sondern Verständnisprobleme voraus, sowie eine Unkenntnis der Denk- und Lebensweise des frühen Volkes Israel. Aber aus den eigenen Mängeln dann Ablehnung und Behauptungen konstruieren, die einfach nicht haltbar sind-- damit könnte man sich dann tatsächlich handfesten Ärger mit Gott einhandeln.

Bitte recherchiert im Internet zu den einzelnen Versen, die ihr an den Pranger stellt. Lest Auslegungen und Predigten geisterfüllter Lehrer dazu, um mehr zu verstehen.

Jesus IST der "Gott des AT"; der "steinigende Racheengel". Er hat keine Metamorphose durchgemacht, um im NT dann als das zahnlose "liebe Jesulein" aufzutreten. Im Prinzip sagt Er sowohl im AT als auch im NT dasselbe.

Das hier ist der "Jesus des NT":
Offb. 19, 11-16 (SLT): Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt »Der Treue und der Wahrhaftige«; und in Gerechtigkeit richtet und kämpft er.
Seine Augen aber sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst.
Und er ist bekleidet mit einem Gewand, das in Blut getaucht ist, und sein Name heißt: »Das Wort Gottes«.
Und die Heere im Himmel folgten ihm nach auf weißen Pferden, und sie waren bekleidet mit weißer und reiner Leinwand.
Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er die Heidenvölker mit ihm schlage, und er wird sie mit eisernem Stab weiden; und er tritt die Weinkelter des Grimmes und des Zornes Gottes, des Allmächtigen.
Und er trägt an seinem Gewand und an seiner Hüfte den Namen geschrieben: »König der Könige und Herr der Herren«.

LG

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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon JackSparrow » Do 12. Jul 2018, 11:14

michaelit hat geschrieben:Die Kreuzigung bedeutet Leid und Schmerzen für Jesus.

Sehr viele Menschen müssen Leid und Schmerzen ertragen. Es wurden auch sehr viele Menschen gekreuzigt, und viele davon völlig unverschuldet.

Jesus hingegen verstieß mit voller Absicht gegen die jüdischen Gesetze und hielt die dafür gesetzmäßig vorgesehene Strafe für den Willen seines "Vaters im Himmel". Er ließ sich widerstandslos festnehmen, obwohl er durchaus einige Gelegenheiten zur Flucht gehabt hätte. Und im Gegensatz zu anderen Straftätern wachte Jesus nach seiner Hinrichtung wieder auf - rein juristisch ist die Bestrafung also gar nicht vollzogen worden, und wir wissen nicht, ob das jüdische Recht eine Verjährungsfrist vorsah.

Menschen, die erst zwei Jahrtausende später geboren wurden, für Jesu angebliche Kreuzigung persönlich verantwortlich zu machen, ist da schon eine ziemliche perfide Masche. Glücklicherweise ist die aber auch ziemlich leicht durchschaubar.

michaelit
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Re: authentisches Leben und authentische Religion

Beitragvon michaelit » Do 12. Jul 2018, 11:43

Jack, ich denke über die Kreuzigung oft in unbiblischen Begriffen. Jesus hat sich geopfert weil er einen Deal mit den Pharisäern und mit dem Hohepriester gemacht hat, die für seinen Tod dann die Jünger straffrei ausgehen ließen. Das heißt sie wurden nur ausgepeitscht und mußten nicht selbst ans Kreuz und man war freundlicher zu ihnen. Es war eine harte Zeit und die Pharisäer wollten sich nicht an das jüdische Liebesgebot halten und damit das Gesetz ganz anders verstehen. Denn wenn man Nächstenliebe wirklich verinnerlicht tut man niemanden steinigen oder kreuzigen. Diese Einsicht hatten die Pharisäer zu Jesu Zeiten noch nicht alle.

Ich glaube man kann die Bibel oft als religiös-geschichtliches Dokument hernehmen und Informationen sammeln und spirituelle Meinungen erkunden. So ist es ein nützliches Buch. Aber wenn man es wie die Fundamentalisten als fehlerloses Wort Gottes nimmt dann kommt nichts Gutes dabei heraus. Dieses Dogma der Irrtumslosigkeit der Bibel wurde aber nicht immer eingehalten und kam im Katholizismus auch erst Ende des 19. JH hoch.

Ich weiß deine Meinung nicht zur Religion, aber mir scheint du kritisierst zwar die Bibel nimmst aber dieses Dogma der Irrtumslosigkeit auf. Das brauchst du gar nicht zu tun sondern kannst dir deine eigene Meinung bilden. Die Bibel ist nicht besonders heilig und ich nehme ja auch nicht die Meinung Hitlers auf die er in "Mein Kampf" geäußert hat. Ich bekämpfe Nazismus nicht mit nazistischen Büchern und Ideen. Genauso kann ich Jesus rein menschlich beurteilen und mir mittels logischer und menschenfreundlicher Philosophein ein besseres Bild von ihm machen. Wir haben nun einmal recht wenig Material und gesicherte Aussagen Jesus, ich denke da fehlt es an vielen Ecken und Enden.


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