Warum?

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Pluto
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Re: Warum?

Beitrag von Pluto » Fr 9. Nov 2018, 11:33

Spice hat geschrieben:Kann man sich überhaupt einen anderen denken?
Oh ja. Schau dir nur das Verhalten der Christen und Juden an. Sie gehen von einer göttlichen Schöpfung aus.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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closs
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Re: Warum?

Beitrag von closs » Fr 9. Nov 2018, 13:47

Pluto hat geschrieben:Wozu "soll"?
Aus christlicher Sicht ist das so.
Pluto hat geschrieben:Das ist von Christen so erfunden.
Bzw "ge-funden".
Pluto hat geschrieben:Nicht notwendig, denn der Mensch ist in seinen Gedanken immer ICH-orientiert. Er kann gar nicht anders wil das Bewusstsein so funktioniert.
Eben. - Das ist doch der Gag des sog. "Sündenfalls": Sobald der Mensch bewusst wird, ist er ich-orientiert. - Ist es aber seine Erkenntnis-Sendung, Gott zu erkennen, stehen sich Ich-Orientierung und Gott-Orientierung ständig im Wege.
Pluto hat geschrieben:Warum gib es Erdbeben die undiskriminierend tausende Menschen töten? — Gute und Böse.
(Irdischer) Tod ist aus christlicher Sicht kein Beinbruch für den Betroffenen, sondern eine Prüfung für Hinterbleibende.
Pluto hat geschrieben:Wieder Erfindungen, bzw. ge-offenbarte Wahrheiten, die leider ungeprüft bleiben.
Das geht prinzipiell nicht. Unter "Prüfung" verstehst Du kritisch-rationale-wissenschaftliche Prüfung - diese greift nicht so weit.
Pluto hat geschrieben:Woher weißt du das? Wenn es nur deine persönliche Vermutung ist, warum sagst du es dann nicht?
Ich versuche, christliche Denkweise zu vermitteln. - "Wissen" tut der Mensch eh nichts außer innerhalb hermeneutischer Systeme.
Pluto hat geschrieben:Sehe ich auch so. Obwohl wir es heute geschafft haben so viel Handel mit anderen Ländern zu erreichen, dass es im erneuten Kriegsfall nur noch Verlierer geben wird. Aber vielleicht nimmt das Jemand in kauf.
Das ist leider möglich - guck Dir nur Trump an. - Es kann aber auch ganz anders kommen: Alle Länder sind zwar happy, dass es Frieden gibt und man handeln kann, aber die Natur macht nicht mit.

ThomasM
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Re: Warum?

Beitrag von ThomasM » Fr 9. Nov 2018, 14:03

Pluto hat geschrieben: Das Theodizee-Problem lässt sich sehr wohl erklären, wenn man davon ausgeht, dass Gott böse ist. Aber das lehnen fast alle Menschen ab.
Das ist ja auch die Antwort der Atheisten, wenn man nach dem Warum des Leids fragt. Die Natur ist halt böse und kümmert sich nicht um die Menschen.

Insofern ist die Antwort, dass Gott böse ist nicht ausreichend, wenn es nicht Möglichkeiten gibt, ihn milde zu stimmen. Ein schlicht böser Gott, an dem man nichts ändern kann, ist äquivalent wie beim Atheismus, notwendigerweise fatalistisch.

Fast alle Menschen wollen aber ihr Schicksal mindestens teilweise bestimmen. Daher wird diese Antwort auf das Warum nicht akzeptiert.
Wenn es Gott nicht bereits gäbe, müsste man ihn schon der geistigen Gesundheit wegen erfinden :lol:
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

Andreas
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Re: Warum?

Beitrag von Andreas » Fr 9. Nov 2018, 15:18

Ein böser Gott löst das Theodizee-Problem, schafft aber dafür das ebenso unlösbare Liebes-Problem. Wie kommt das Gute in die Welt? Durch den Tugendfall, wobei sich der Mensch von Gott abwendet?

traydor
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Re: Warum?

Beitrag von traydor » So 11. Nov 2018, 17:59

Vielen Dank für die vielen und sehr interessanten Beiträge.

Ich weiß, dass sich die Christen mit diesen Fragen sehr schwer tun - ich wahr ja jahrzehntelang selbst in dieser Position und konnte auch keine Antworten finden. So begann ja mein "Ausstieg"... Dass man Atheisten vorwirft keine Erklärung vorwirft, dass sie eben so wenig Antworten haben finde ich etwas unredlich, denn die größte dieser Fragen, nämlich die unendliche Folter der Menschheit in der Hölle (mit ein paar Ausnahmen), stellt sich hier gar nicht. Ansonsten kann man als Atheist gut damit leben, keine Antworten zu haben, da es keine gibt. Nur der christliche Glaube erhebt den Anspruch solche Fragen beantworten zu können - was er aber eben nicht kann.

Mir vorzuwerfen, dass ich nicht wisse, was der christliche Glaube ist, finde ich lustig. Ich wurde quasi per Geburt dort hinein geworfen und habe mein halbes Leben damit zugebracht, alles dafür zu tun, Gott zu gefallen. Ich habe mein Leben wirklich auf "diese Karte gesetzt" und bemerkte gerade noch rechtzeitig, dass dieser Glaube nicht der Wahrheit entspricht und ich ein totes Pferd reite. Und ich habe so gut wie alle Ausprägungen des Glaubens probiert, da ich es unbedingt wissen wollte. Ich lasse mir aber gerne erklären, wie der wahre christliche Glaube ist. Dabei bin ich insbesondere auf das Verhältnis dieses Glaubens zur Bibel (verbalinspiriert/inspiriert/Erfahrungen von Menschen mit Gott/Mythos/etc.) gespannt. Muss man sich an die Bibel halten, wenn ja an was genau und was nicht? Beliebigkeit?

Interessant fand ich den Hinweis, die Theodizee-Frage wäre lösbar, wenn man annimmt, das Gott böse ist. Tatsächlich hatte ich in letzter Zeit Gespräche mit Christen (fundamentalistischer Hintergrund), die auch an den angeführten Fragen fast verzweifeln und sich insgeheim auch schon gefragt haben, ob Gott vielleicht tatsächlich böse ist. Zu einem anderen Schluss kann man bei evangelikaler Auslegung der Bibel und der darin enthaltenen Heilsgeschichte nur schwerlich kommen. Denn nach dieser ist das Gros der Menschheit für immer verloren. Eine ewige Folter könnte ich nicht mal meinem schlimmsten Feind wünschen - Gott zieht das aber bei seinen geliebten Geschöpfen knallhart durch.

Schönen Sonntagabend an alle.

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Re: Warum?

Beitrag von Pluto » So 11. Nov 2018, 18:00

Andreas hat geschrieben:Ein böser Gott löst das Theodizee-Problem, schafft aber dafür das ebenso unlösbare Liebes-Problem. Wie kommt das Gute in die Welt? Durch den Tugendfall, wobei sich der Mensch von Gott abwendet?
Das Gute und die Liebe kommen aus dem Menschen heraus.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Warum?

Beitrag von Pluto » So 11. Nov 2018, 18:09

ThomasM hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben: Das Theodizee-Problem lässt sich sehr wohl erklären, wenn man davon ausgeht, dass Gott böse ist. Aber das lehnen fast alle Menschen ab.
Das ist ja auch die Antwort der Atheisten, wenn man nach dem Warum des Leids fragt. Die Natur ist halt böse und kümmert sich nicht um die Menschen.
Nee. Die Natur ist nicht "BÖSE", sondern sie ist gleichgültig. Manchmal ist sie sogar sehr gut.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Travis
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Re: Warum?

Beitrag von Travis » So 11. Nov 2018, 18:14

Pluto hat geschrieben:Das Gute und die Liebe kommen aus dem Menschen heraus.
Leider längst nicht nur das.
-Areopag Aufseher-

1Sam 3,9b "Rede, HERR, denn dein Knecht hört."

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Re: Warum?

Beitrag von Pluto » So 11. Nov 2018, 18:25

Travis hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben:Das Gute und die Liebe kommen aus dem Menschen heraus.
Leider längst nicht nur das.
Der Punkt ist: Auch das Gute kommt aus dem Menschen.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Travis
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Re: Warum?

Beitrag von Travis » So 11. Nov 2018, 18:27

Pluto hat geschrieben:Der Punkt ist: Auch das Gute kommt aus dem Menschen.
Dann bist Du sicher zufrieden mit dem, was der Mensch (sich) geleistet hat.
-Areopag Aufseher-

1Sam 3,9b "Rede, HERR, denn dein Knecht hört."

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