Organspende: Wer nicht widerspricht, soll Spender werden.

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thomas4
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Re: Organspende: Wer nicht widerspricht, soll Spender werden.

Beitrag von thomas4 » Mo 6. Mai 2019, 08:50

Meine ursprüngliche Entscheidung "pro" geriet ins Wanken, als ich las, dass es in der Anfangszeit der Herztransplantationen Überlegungen gegeben haben soll, die betreffenden Chirurgen als Mörder vor Gericht stellen zu lassen. Um das ein- für allemal aus der Welt zu schaffen, wurde der "Hirntod" erfunden, um die betreffenden Ärzte freizustellen. Ob das zutreffend ist oder nicht, spielt für mich keine Rolle, daran entzündete sich lediglich mein Denkprozess.

Heute weiß ich, dass Patienten, denen Organe entnommen werden, nicht "tot" sein können (dürfen), denn sonst wären ihre Organe nicht mehr zu gebrauchen. Je mehr ich mich mit dem Thema befasste, desto klarer wurde mein Entschluss. Mal abgesehen davon, dass von mir vermutlich niemand mehr irgendwas haben will, wenn ich meine Hülle mal hinter mir gelassen habe, widerspricht die ganze Thematik meinem Glauben und der besagt, dass allein Gott das Ende meiner Zeit bestimmt. Und darum will ich da so wenig wie möglich Menschen dabei haben. Genausowenig möchte ich, wenn meine Nieren beispielsweise versagen, auf irgendeiner Empfängerliste stehen. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

Ich werde also meinen Widerspruch auch weiterhin mit mir tragen.

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Magdalena61
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Re: Organspende: Wer nicht widerspricht, soll Spender werden.

Beitrag von Magdalena61 » Mi 8. Mai 2019, 01:50

Momentan liegen verschiedene Gesetzentwürfe vor. Zu der von Jens Spahn geforderten Widerspruchslösung gibt es einen Gegenentwurf:
Parlamentarier um Grünenchefin Annalena Baerbock sprechen sich dagegen für Aufklärungskampagnen aus sowie für ein Register, in dem jeder Bürger seine Entscheidung festhalten und jederzeit revidieren kann. Die Abstimmung verläuft ohne Fraktionszwang und wird frühestens im Herbst erwartet.
spiegel.de
Wenn ein solches Register eingeführt wird, sollte man nicht versäumen, sich dort einzutragen.

Viel Vertrauen habe ich allerdings nicht in die Ehrlichkeit der Behörden und Transplantationsmediziner. Deshalb wird es ratsam sein, sich mehrfach abzusichern.

Einträge kann man fälschen oder einfach behaupten, der potenzielle Organspender habe seine Einwilligung zur Organentnahme erteilt. Wer kann das nachprüfen? --
Einen Nicht- Organspendeausweis kann man auch verschwinden lassen. Wie wollen Angehörige die Verweigerung des "Hirntoten" beweisen, wenn sie nichts in der Hand haben?

Meinen Kindern habe ich gesagt: Wir brauchen die Erklärung in mehreren Ausführungen. Eine tragt ihr bei euch. Eine andere wird zu Hause deponiert, sodass jeder, der die Interessen eines angeblich "hirntoten" Familienmitglieds vertreten will, Zugriff darauf hat. Eine braucht man eventuell für eine einstweilige Verfügung oder sonstige rechtlichen Schritte.

Es ist furchtbar, was mit Menschen, die sich nicht wehren können, gemacht wird.
Eine Organentnahme dauert mehrere Stunden. Und nicht jeder "Patient" erhält eine Vollnarkose. Seine Reaktionen auf Schmerz und Streß nennt man "Reflexe".

Der "Organlieferant" wird über die Dauer der "OP" hinweg künstlich am Leben erhalten.
Wie viel kriegt er noch mit, so lange er nicht sterben darf? Wie lange dauert es, bis ein Mensch, dem unsägliche Schmerzen zugefügt werden, endlich bewußtlos wird?



LG
God bless you all for what you all have done for me.

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