Das Geschäft mit dem Tod

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Novas
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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Novas » Mo 13. Mär 2017, 20:08

Pluto hat geschrieben:
1Johannes4 hat geschrieben:Dann lass uns doch mal einen Bericht des Spiegel über die schöne, neue Welt der aktiven Sterbehilfe lesen:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 47585.html
Insbesondere überraschte mich die Zahl derer, die es sich vor einer Entscheidung wieder anders überlegt hatten. So wohlüberlebt, wie gerne behauptet, ist es wohl doch nicht.
Genau diese Umentscheidung der Unentschlossenen, beweist aber die Freiheit des Menschen. Auch in der Schweiz (wo ich mich besser auskenne) werden Sterbewillige psychologisch betreut und man tut alles Mögliche, um die Leute vom Freitod abzuhalten. Doch am Ende sollte der mündige Mensch immer noch derjenige sein, der selbst über sein Weiterleben entscheidet. — Und das ist gut so
Da sind wir einer Meinung. Außerdem kann ein Mensch, der das wirklich möchte, ohnehin seinem Leben ein Ende bereiten. Wer sollte ihn davon abhalten? Besser ist es, wenn das gesetzlich geregelt wird und Menschen psychologisch betreut, beraten und begleitet. Das finde ich sinnvoller, als wenn jemand beispielsweise vor den Zug springt. Vielleicht können sie so - aus eigener innerer Einsicht - auf einen anderen Weg gebracht werden. Dazu müsste man sie als mündige Wesen mit ihrer Selbstbestimmung erst mal ernst nehmen.
Pluto hat geschrieben:Ich spreche da aus Erfahrung, denn meine verstorbene Frau litt unter diesem Leiden, und hat es geschafft in den Freitod zu gehen. Ich muss gestehen, ich war danach unendlich einsam und suchte hinterher Trost
Das tut mir leid. Das ändert nichts an dem Schmerz, aber meiner Erfahrung nach ist es schon sehr hilfreich, wenn man davon ausgeht, dass zwar die sterbliche Form vergeht, aber das Leben zeitlos weiter geht. Wer glauben kann, dass Gott, also der Grund allen Seins, die Liebe ist (1Joh 4,16) kann leichter und im Vertrauen und dankbaren Herzens loslassen. Denn wir übergeben dieser Liebe, diesem größeren göttlichen Leben, unser Leben und das Leben aller Wesen, die wir geliebt haben, so wie sich eine Welle dem Ozean überlässt. Zur Erinnerung an deine Frau:




Ich verabschiede nicht nur nahe stehende Menschen, sondern auch meine Haustiere, beerdige sie im Garten und spreche ein Gebet für sie, bedanke mich für die gemeinsame Zeit, um sie dann innerlich dem Herrn und Schöpfer allen Lebens zu übergeben. Das ist für mich ein selbstverständlicher Akt der Ehrerbietung gegenüber dem Leben, denn jede Lebensform ist eine Inkarnation des Herrn.

JackSparrow
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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von JackSparrow » Mo 13. Mär 2017, 21:28

Novalis hat geschrieben:Das ist leider gängige Praxis. Da muss man nur mal eine Krankenschwester fragen.
Solange sich ein Patient gegenüber seinem Arzt nicht äußert, geht der Gesetzgeber von dem mutmaßlichen Willen des Patienten aus, dass er am Leben bleiben möchte. Andernfalls würde sich der Arzt der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. An dieser menschenverachtenden gängigen Praxis ist aber der Gesetzgeber schuld und nicht die Ärzte.

Wenn ein Patient unter Zeugen erklärt, dass er keine weitere Behandlung wünscht, dann wird jeder Arzt diesem Wunsch Folge leisten. In unserem Land wird niemand gegen seinen Willen therapiert.

Ein Medikament, dass einen Patienten sofort umbringt, überschreitet die Zuständigkeit des Arztes und ist völlig zurecht verboten. Genauso wie es verboten ist, einen Patienten einfach zu erschießen. Um Leute umzubringen, gibt es auf dem Schwarzmarkt nun wirklich genug andere Anbieter.

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Helmuth
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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Helmuth » Mo 13. Mär 2017, 21:47

JackSparrow hat geschrieben: Solange sich ein Patient gegenüber seinem Arzt nicht äußert, geht der Gesetzgeber von dem mutmaßlichen Willen des Patienten aus, dass er am Leben bleiben möchte. Andernfalls würde sich der Arzt der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. An dieser menschenverachtenden gängigen Praxis ist aber der Gesetzgeber schuld und nicht die Ärzte.
Wird der grundsätzliche Gedanke ein Leben am Leben zu erhalten tatsächlich von dir als menschenverachtend bezeichnet? Sag, hast du dich mit dieser Formulierung denn nicht geirrt, oder meinst du das im wahrsten Sinne des Wortes?
Herzliche Grüße
Helmuth

JackSparrow
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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von JackSparrow » Mo 13. Mär 2017, 21:55

Ich meine das sarkastisch, weil immer mal wieder irgendwelche Leute behaupten, sie würden gegen ihren Willen im Krankenhaus festgehalten.

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Janina » Mo 13. Mär 2017, 22:21

Komisch, die Betroffenen sind immer froh, selbst entscheiden zu können.
https://www.welt.de/vermischtes/weltges ... erben.html

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von AlTheKingBundy » Di 14. Mär 2017, 07:08

JackSparrow hat geschrieben:Ich meine das sarkastisch, weil immer mal wieder irgendwelche Leute behaupten, sie würden gegen ihren Willen im Krankenhaus festgehalten.
So einfach ist das nicht. Es gibt ja Fälle, da kann man sich, wenn man ans Bett gefesselt ist und die Stimme versagt eben nicht mehr äußern. Oder dem Patienten wird eine komplett falsche Hoffnung verkauft (wie erlebt) oder man hat es mit inkompetenten Ärzten.

Sicher, es gibt verschiedene Möglichkeiten des passiven Freitods. Z.B. kann man auf Medikamente verzichten oder die Nahrungsaufnahme verweigern. Aber auch das bedeutet oft einen unnötig leidvollen Weg.
Beste Grüße, Al

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
(Albert Einstein, 1879–1955)

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Helmuth » Di 14. Mär 2017, 10:11

AlTheKingBundy hat geschrieben: So einfach ist das nicht. Es gibt ja Fälle, da kann man sich, wenn man ans Bett gefesselt ist und die Stimme versagt eben nicht mehr äußern. Oder dem Patienten wird eine komplett falsche Hoffnung verkauft (wie erlebt) oder man hat es mit inkompetenten Ärzten.
Es gibt zwei biblische Berichte, sich nicht auf allein auf die Ärzte zu verlassen. Der Fall Asa und der Fall der blutflüssigen Frau. Asa verließ sich auf die Ärzte und die Frau auf Jesus. Was meinst du war besser?
Herzliche Grüße
Helmuth

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Pluto » Di 14. Mär 2017, 10:23

Novalis hat geschrieben:Zur Erinnerung an deine Frau:
Schönes Video... Danke dir.
Sie liebte diesen Song.




Heute weiß ich warum. Zum Einen war es eine Erinnerung an glücklichere Zeiten, zum anderen hat Israel Kamakawiwo'ole den Freitod gewählt.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Christian41285 » Di 14. Mär 2017, 10:39

Niemand würde eine Leiche ohne Bezahlung verkarren ;)

LG Christian Klingenberg
The ultimate way is the way you control!!!

SlipKnoT is my Life!

https://youtu.be/gtPpB2tgieI

:thumbup: :) :yawn:

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Re: Das Geschäft mit dem Tod

Beitrag von Pluto » Di 14. Mär 2017, 10:49

Helmuth hat geschrieben:Es gibt zwei biblische Berichte, sich nicht auf allein auf die Ärzte zu verlassen. Der Fall Asa und der Fall der blutflüssigen Frau. Asa verließ sich auf die Ärzte und die Frau auf Jesus. Was meinst du war besser?
Beim damaligen Stand der Forschung, war es wohl besser nichts zu tun, als einem Arzt zu vertrauen.
Im 19. Jahrundert fand eine Wende statt, und die Krankenhäuser machten die Menschen gesünder. Dann kam das Wundermittel Penicillin, und in den 50-er und 60-er Jahren, die Revolution der Operation. Deshalb ist es heute mit Sicherheit besser, einem Arzt zu vertrauen.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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