Macht Trump jetzt ernst?

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Hiob
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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von Hiob » Mo 20. Jul 2020, 16:19

CoolLesterSmooth hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 13:11
Ich bin mal gespannt, was passiert, sollte Trump im November verlieren und im Januar das WH verlassen. Ich erwarte nicht unbedingt, dass etwas passiert, aber es bleibt diese leichte Sorge, dass es unter den Qultisten mindestens einen Fanatiker gibt, der den Fall seines Gott-Imperators nicht verkraftet, sich sein Maschinengewehr schnappt und (erfolglos) versucht, im Alleingang einen Bürgerkrieg loszutreten.
Gut möglich - einer neuer Präsident wird viel aufräumen müssen, damit die Spaltung im Volk wieder weniger wird. - Trump hat da viel angerichtet - aber auch die Republikaner. - Denn es ist nur durch ethisch vollkommen losgelösten Machtwillen zu erklären, dass die Republikaner haben Trump 4 Jahre lang machen lassen - von absolut verantwortungslosen Macht-Sendern wie Fox ganz abgesehen. - Hier sieht man, wie eine Demokratie wertemäßig kaputt gehen kann.

Trump selber wird möglicherweise (falls er verliert) sich selber auf Lebenszeit für alle Zeiten für das, was er angerichtet hat, amnestieren - falls das geht. --- Es steht zu hoffen, dass er nicht in seiner pathologischen Persönlichkeit etwas größeres anstellt, falls er verliert.

Falls Trump weg ist, sollten sich Europa und die USA ganz schnell an einen Tisch setzen und SCherben einsammeln und kitten - denn eigentlich wären die USA ein besserer Partner als Russland oder China.

CoolLesterSmooth
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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von CoolLesterSmooth » Mo 20. Jul 2020, 20:23

Hiob hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 16:19
Gut möglich - einer neuer Präsident wird viel aufräumen müssen, damit die Spaltung im Volk wieder weniger wird. - Trump hat da viel angerichtet - aber auch die Republikaner. - Denn es ist nur durch ethisch vollkommen losgelösten Machtwillen zu erklären, dass die Republikaner haben Trump 4 Jahre lang machen lassen.
Der zukünfitige Umgang mit den aktuellen republikanischen Abgeordneten und Senatoren ist in der Tat ein riesiges Fragezeichen und das Rennen um den Senat wird aller Voraussicht nach deutlich knapper, als das Rennen um das Weiße Haus und darf in seiner Relevanz nicht unterschätzt werden. Selbst wenn die Demokraten die Mehrheit zurückholen, bleiben 45+ Senatoren im Amt, die Trumps Administration bei jeder noch so irrsinnigen Aktion die Treue gehalten haben. Das Konzept party over country greift stärker als je zuvor, die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg ist so gering, wie noch nie und ich sehe keine Besserung am Horizont. Die Galleonsfigur der Spaltung in Washington ist für mich auch nicht Trump, sondern Mitch McConnell. Bevor ich mehr zu diesem ********* sage, möchte ich aber der Vollständigkeit wegen noch dazu sagen, dass die aktuelle Problematik nicht alleinige Schuld der Republikaner ist. Die Demokraten mögen gemessen an der niedrigen Messlatte besser sein, aber da liegt auch einiges im Argen.

Man kann über McConnell sagen, was man möchte, ich würde den Mann nicht einmal anspucken, wenn er in Flammen stehen würde, aber die bittere Realität ist, dass er einen wichtigen Teil seiner Strategie umsetzen konnte.
Um mal ein Beispiel zu nennen:
Unter Obama wurden im Lauf von zwei Amtszeiten neue 339 Bundesrichter ernannt, davon allerdings nur 23 (weniger als 7%) nach dem 3. Januar 2015. Dieses Datum ist wichtig, da ab diesem Zeitpunkt der Senat wieder in republikanischer Hand unter Mitch McConnell war und sein Plan war klar: So viele Posten wie möglich unbesetzt lassen und dann ab 2017 unter einem hoffentlich wieder republikanischen Präsidenten richtig loslegen. Die Krone dieses Vorgehens war natürlich, als man Obama nicht mehr erlaubt hat einen neuen Supreme Justice zu ernennen, nachdem Scalia im Februar 2016 (also gut 11 Monate bevor Obama aus dem Amt geschieden wäre) verstorben ist. Natürlich konnte Obama einen Nachfolger nominieren, was er mit Garland auch tat, weiter ging es aber nicht. Nicht etwa, weil der Senat gegen Garlands Ernennung gestimmt hätte, es kam einfach nie zu einer Abstimmung, McConnell hatte in seiner Funktion als Mehrheitsführer im Senat einfach entschieden, dass die Causa Garland nicht weiter behandelt wird. Später hat McConnell den Moment, als er Obama mitgeteilt hat, dass dieser die Obergerichtshofsposition nicht füllen wird, als einen seiner stolzesten bezeichnet.
Unter Trump war McConnells Senat deutlich fleißiger. Inzwischen wurden 217 Richter bestätigt. Weniger als unter Obama, ja, aber nicht vergessen, bei Obama waren es 8 Jahre, Trump hat ist bei etwa 3.5. Dazu kommen 56 Nominierungen, die noch bestätigt werden müssen. Und McConnell wird alles dafür tun, sie zu bestätigen, er selbst hat das Motto vorgegeben: "leave no vacancy behind".
Warum das so relevant ist? Bundesrichter werden auf Lebenszeit ernannt. Zwar kann ein Richter von sich aus vorzeitig sein Amt niederlegen, aber prinzipiell hat McConnell hier die Möglichkeit die Judikative der USA für die nächsten Jahrzehnte zu prägen. Die Art der Prägung ist ebenfalls deutlich: Make American courts white and male again.
Waren unter Obama noch 58% der bestätigten Bundesrichter Männer, sind wir unter Trump aktuell bei 76% und wenn ich jetzt sage, dass bei Trump 85% der neuen Richter weiß sind (64% bei Obama), dann dürfte das ebenfalls keinen überraschen.
Trump selber wird möglicherweise (falls er verliert) sich selber auf Lebenszeit für alle Zeiten für das, was er angerichtet hat, amnestieren - falls das geht.
Das ist eine schwierige Frage, weil die Selbstbegnadigung in der Verfassung nicht explizit, der gängigen Interpretation nach aber implizit ausgeschlossen wird. Einfacher wäre es ohnehin, das Amt vorzeitig niederzulegen und sich von Pence begnadigen zu lassen. In beiden Fällen würde es für Trump aber bedeuten, dass er dafür eingestehen müsste, dass er gesetzeswidrig gehandelt hat und ich weiß nicht, ob sein krankhafter Narzissmus das zulässt, zumal auch geklärt werden müsste, welche Gesetze tatsächlich gebrochen wurden.
Sollte sich Trump selbst begnadigen und damit durchkommen, kannst du den Laden dicht machen, das wäre der letzte Nagel im Sarg der Ideale auf denen diese Nation begründet wurde.
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er das bringt, aber "ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er das bringt" ist leider eine Hürde, die Trump in seiner Amtszeit mehr als einmal genommen hat.
Falls Trump weg ist, sollten sich Europa und die USA ganz schnell an einen Tisch setzen und SCherben einsammeln und kitten
Ich denke, man wird es auf jeden Fall versuchen, einfach um eine Zusammenarbeit in der unmittelbaren Zukunft so ertragreich und erträglich wie möglich zu gestalten, aber ich sehe nicht, wo das Vertrauen herkommen soll, dass die USA nicht bei der nächsten Gelegenheit wieder umkippt. Ich persönlich hab dieses Vertrauen zumindest nicht.

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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von Hiob » Mo 20. Jul 2020, 21:07

CoolLesterSmooth hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 20:23
Die Galleonsfigur der Spaltung in Washington ist für mich auch nicht Trump, sondern Mitch McConnell.
Ja - ich habe ihn einige Male im Fernsehen gesehen und war sofort abgestoßen. Und er ist auch noch "Christ" (bzw. die Pervertierung davon).
CoolLesterSmooth hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 20:23
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er das bringt, aber "ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er das bringt" ist leider eine Hürde, die Trump in seiner Amtszeit mehr als einmal genommen hat.
So ist es. ---- Du bist ja als Native nah dran: Kannst Du Dir vorstellen, dass das Amerika, das wir von früher kennen, wieder kommen kann? - Wie ticken die Menschen selber? Fällt denen was auf?
CoolLesterSmooth hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 20:23
ich sehe nicht, wo das Vertrauen herkommen soll, dass die USA nicht bei der nächsten Gelegenheit wieder umkippt. I
Naja - wenn die USA auf diplomatischer Ebene weiträumig vermitteln würde, dass man sich da was auf breiter Ebene was vorgenommen hat, würde die EU das gerne glauben.

By the way:
Die Frage in EU, ob man Huawei berücksichtigt, kommt ja nicht von aktiver Begeisterung für China, sondern von der Befürchtung, dass die USA einen noch schlimmer abziehen könnten (NSA) als die Chinesen.

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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von lovetrail » Mo 20. Jul 2020, 21:40

CoolLesterSmooth hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 09:05

Welche Unterstützung des Volkes? Das Szenario, das im Video beschrieben und sehnsüchtig erwartet wird, bei dem US-Bürger aus dem Land geschafft und dort (vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit) von einem Militärtribunal verurteilt und hingerichtet werden, mag ein feuchter Traum der Q-Idioten sein, die gerne in einer Diktatur unter Trump leben würden, aber ein beträchtlicher Teil des Volks dürfte immer noch so klar genug im Kopf sein, um zu erkennen, dass dieses Vorgehen rechtlich überhaupt nicht zulässig ist.
Man müsste da schon öffentliche Prozesse machen bzw die Straftaten der jeweiligen Personen öffentlich darstellen. Von solchen Plänen habe ich auch schon gehört.
Man darf übrigens auch gespannt sein, was da in der Causa Epstein noch alles ans Tageslicht kommt-
Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, so wird Christus dich erleuchten!

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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von Hiob » Mo 20. Jul 2020, 22:15

lovetrail hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 21:40
Man darf übrigens auch gespannt sein, was da in der Causa Epstein noch alles ans Tageslicht kommt-
Das halte ich nicht für system-relevant. - Da hat einer Parties gefeiert, von denen die Männer wussten, dass es dort junge Mädchen gibt - das ist zwar ethisch nicht in ORdnung, aber normal. - Dass man bei einer 18Jährigen sagt, dies sei ok, und bei 17Jährigen, dies sei Missbrauch, ist eine rein formaljuristische Sache, die selbstverständlich sehr folgenschwer ist. - Aber von der Sache her wussten die Mädchen spätestens beim zweiten Mal, was sie erwartet.

Was von der Sache interessant wäre: Wurden die Mädchen gezwungen zu kommen? (Menschenhandel, etc.)

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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von CoolLesterSmooth » Di 21. Jul 2020, 01:56

Hiob hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 21:07
Und er ist auch noch "Christ" (bzw. die Pervertierung davon).
Würde Jesus heute versuchen, in die USA einzureisen, die Republikaner würden ihn an der Grenze bzw. am Flughafen einkassieren und in einen Käfig sperren.
Kannst Du Dir vorstellen, dass das Amerika, das wir von früher kennen, wieder kommen kann?
Kommt zunächst drauf an, welches "früher" bzw. welches Amerika du meinst. Ich bin mir auch agr nicht sicher, ob das wünschenswert ist.
- Wie ticken die Menschen selber?
Ich glaube, das kann man für die USA noch weniger pauschalisieren als für Deutschland, weil hier die Enden des Spektrums noch weiter auseinander liegen. Zudem muss ich auch sagen, ja, ich bin Amerikaner, ich fühl auch noch als Amerikaner, aber ich habe inzwischen mehr Zeit meines Lebens hier in Deutschland verbracht und mein Blick auf die USA ist so halb als In-, halb als Outsider, irgendwie, wie sage ich das am besten... vielleicht liegt es daran, dass ich durch die Ereignisse der letzten Monate und Jahre aktuell eine sehr pessimistisch gefärbte Sicht auf die USA habe, aber ich habe mich v.a. mit Blick auf den Umgang mit COVID-19, aber z.B. auch den Nachwehen von George Floyds Ermordung immer wieder dabei ertappt, dass ich mir gedacht habe, was für ein zutiefst gestörtes Volk wir eigentlich sind. Aber das geht jetzt noch weiter vom Thema weg und ich glaube, das würde bei mir schnell in einem Rant, statt in einer sachlichen Darstellung enden.
lovetrail hat geschrieben:
Mo 20. Jul 2020, 21:40
Man müsste da schon öffentliche Prozesse machen bzw die Straftaten der jeweiligen Personen öffentlich darstellen. Von solchen Plänen habe ich auch schon gehört.
Wozu dann nach GTMO? Unabhängig davon ob die Nummer dann öffentlich wäre oder nicht, bleibt immer noch der Umstand, dass du einen US-Bürger nicht einfach vor ein amerikanisches Militärtribunal stellen kannst, noch nicht einmal wegen Hochverrat. Militärtribunale sind dafür schlicht und einfach nicht vorgesehen[1]. Das einzige Schlupfloch, das es erlaubt, einen US-Bürger vor ein Militärtribunal zu stellen, ist indem man ihn zu einem enemy combatant[2] erklärt und selbst dann hat man als US-Bürger zuerst einmal die Möglichkeit, diese Einordnung vor Gericht anzufechten und wäre damit bei diesem Thema auch erfolgreich, weil diese Einordnung an dieser Stelle abolut schwachsinnig wäre.

Diese Versteifung auf ein Militärtribunal ist einfach nur das Aufgeilen an der Fantasie von einer Neuauflage der Nürnberger Prozesse. Was sich die Qultisten dabei eigentlich wünschen, ist dass Trump einfach gegen die Verfassung verstößt, denn ändern kann er sie nicht, dafür fehlen ihm die 2/3-Mehrheiten im Kongress oder bei einer constitutional convention.

[1] https://www.law.cornell.edu/uscode/text ... _default_2
[2] https://ihl-databases.icrc.org/customar ... -27-08.pdf

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Re: Macht Trump jetzt ernst?

Beitrag von lovetrail » Di 21. Jul 2020, 07:32

Hm, bei Covid wurde doch auch gegen die Verfassung verstoßen. Wenn es also die Schwere des Falles erfordert, geht so einiges.
Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, so wird Christus dich erleuchten!

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