Ostern feiern früher und heute

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2Lena
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Ostern feiern früher und heute

Beitragvon 2Lena » So 5. Apr 2015, 14:04

Etwas wehmütig dachte ich heute morgen - es ist Ostern, und was erinnert eigentlich noch an das Kirchenfest? Kein Glocken läuten, kein Brauchtum ist im Ort zu spüren ... und für den nächsten Gottesdienst ist es mit dem Fahrrad die vielen Kilometer bei dem kühlen Wetter definitiv zu unangenehm. Dort hole ich mir weitere Depressionen, durchzuckte es mich. Vor denen fürchte ich mich mehr, denn ich bin mutterseelen allein - mit dem was ich weiß. Alleinsein - das ginge noch. Da hat man keinen Streit.

Doch ich sehe, wie all die Rituale, die fast zwei Jahrtausende im gleichen Schema gehalten wurden, nun - als ob sie "alt" wären, keine Beachtung mehr finden. Es wir in die Kirche wird gegangen, "weil es sich so gehört". Zur Unterhaltung dient der Chor. Für viele ist die Messfeier nur eine Prüfung, ob einer alle Lieder und Gebete auch einwandfrei auswendig hergesagen kann.

Ganz anders war es noch mit der lateinischen Messe (vor 50 Jahren), als das Nachsagen ohne zu Verstehen angesagt war. Da konnte kein Pfarrer etwas "falsch" machen, weil keine eigene Meinung über die Bibel vorkam. Die Texte der Messe sagten damals so manchem Lateiner - ein ganz klein bisschen was über die alten Zusammenhänge vom Christsein. So kam es, dass in der Predigt der Pfarrer seinen Schäfchen recht ordentlich im Ort "die Leviten lesen" konnte. So sagt man, wenn es nicht allein um Geschimpfe oder Märchen, sondern um rechtschaffene Angelegenheiten geht.

In heutiger Zeit ist Ostern nur ein "arbeitsfreier" Tag mit beseren Spielfilmen im Fernsehen. Ach welch ein Glück, passend mit Karfreitag und Ostermontag gibt es ein "langes Wochenende" für Freizeitvergnügen.

Ostern, das war in meiner Jugend auch nicht von allen geglaubt worden. Dem Frühlingsanfang konnte man nicht abstreiten und die Alten sorgten dafür, dass die Jungen wenigstens fromm taten. Dazu gab es viele besondere Bräuche, welche auf die Wichtigkeit des Ereignisses auf viele Arten hinwiesen.

Da waren am Palmsonntag die langen geschmückten Stangen, welche die Jungs zur Weihe in die Kirche trugen, mit Unterstützung des Taufpaten, des Godl. Der half nicht nur tragen (oft 6 m Stangen und mehr) sondern besorgte danach eine gute Brotzeit im Wirtshaus. Die Mädels gingen für's Schmücken leider leer aus, aber sie erhielten einen Großteil der Brezen, die an der Palmlatte waren. Es gab keine Glocken in der Karwoche. Ratschen (Holzklappen) ersetzten sie. Alles war verhängt und sah traurig aus. Fasten war angesagt. So kam es, dass Ostern dann wirklich mit großer Freude begrüßt wurde und die Kinder über den "Godlpack" sehr froh waren. Extra zu diesem Zweck gab es gebackene süße Zöpfe oder Figuren mit einem kleinen Geschenk und gefärbte Eier. Damals beeindruckte mich stets ein Lämmchen, gebacken, bezuckert mit einer roten Fahne. Das Symbol berührte mich, aber ich wusste nie wieso.

Heute ist das anders. Ich hätte nie gedacht, was in diesem "Lämmchen" alles drin steckt.
Vermutlich kann man das in ein paar Sätzen sagen. Um es zu verstehen habe ich Jahrzehnte gebraucht. Um das in Schritten zu erklären, würden die Osterfeiertage nicht ausreichen.

2Lena
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Pesach (Ostern) im Judentum

Beitragvon 2Lena » So 5. Apr 2015, 14:11

In vielen europäischen Sprachen klingt Ostern ähnlich wie Pesach - Spanisch Pascuas, Französisch Paques, Italienisch Pasqua. Das ist erklärlich, grenzen die Länder doch ebenso an das Mittelmeer und man meint, sie pflanzten die gleichen Traditionen fort.

Das Pesach-Fest wird nach dem Mondkalender genau am ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Dabei kann, weil Sonnenkalender und Monate nicht immer passend sind, ein Schaltmonat dazwischenkommen. Ähnliche Frühlingsfeste gibt es in fast allen Kulturen. Ostern ist am Sonntag nach dem Vollmond.

Zurückzuführen ist Pesach auf den Auszug aus Ägypten. Dabei gab es früher das Fest in anderen Monaten. Wann und wie der Wechsel kam, weiß ich leider nicht genau. Wie die Texte moralisch wirken, muss ich an anderer Stelle schreiben, weil das hier zu unübersichtlich und lang wird. Pesach heiß lahmen, hinken.

Ich erinnere mich an ein Theaterstück an Pesach in Arad, das den Auszug aus der Knechtschaft darstellte. Erst tanzten alle den Reigen sehr gebückt, geschlagen vom Aufseher, aber immer mutiger werdend. Schließlich humpelte fast jeder aus der Reihe und bekam "Flügel". So etwa kann man die Szene (mit dem Inhalt der Texte) "körperlich" zeigen.

Die Gebräuche an Pesach sind sehr vielseitig. Zu Jesu Zeit gab es im Tempel ein blutiges Schlachtfest. In modernen Haushalten werden am Vorabend neben dem Lamm auch eine Reihe anderer Speisen vorbereitet. Aber erst mal wird dafür gesorgt, dass der ganze Haushalt glänzt. Es werden nur Matzen gegessen, ungesäuerte Brote. Im übertragenen Sinn:
Es darf nichts "Saures" (kein Sauersein) im Haushalt sein!

Ein Pesachfest habe ich in Israel in einem Hotel am See Genezerath gefeiert und damals wirklich nichts von der Speisenfolge verstanden, auch nicht die Bräuche und Lieder auf dem Tonband. Selbst als - nach Anfragen - die Tafelordnung erklärte wurde, konnte die "Heiligkeit" wegen dem fehlenden Wissen nicht nachvollzogen werden. Da war einmal das Händwaschen, Genuss von Erdfrucht in Salzwasser, Teilung der Matzen. Teile der Mosegeschichte vom Auszug wurden gelesen. Wieder ein Händewaschen, Segenssprüche über die Brote, Genuss des bisseren Krauts, dann Meerrettisch und ein Paste aus Apfel, Mandel Nüsse mit Wein und Zimt verrührt zu den Matzen. Schließlich kam die ganze Mahlzeit, mit einem Tischgebet nach dem Essen, was der Lautsprecher besorgte. Was das alles mit dem Aufbrechen zu tun hat - erklärt die Symbolik der Worte (auf Anfrage, wenn es genauer interessiert).

An jenem Ostern, an dem ich durch Israel wanderte, die Bibel im Rucksack, hatte ich sehr viele Erlebnisse. Nicht nur, dass ich Land und Leute zu verstehen begann. Es war auch als ob an jedem Ort die Vergangenheit aus vielen Zeiträumen buchstäblich lebendig wurde und merkwürdige Dinge passierten.

Ich kannte einen Freund in Deutschland, der mir eine hebräische Bibel geschenkt hatte. Er war schon länger krank gewesen. Ich hatte ihn lange nicht sehen können. Er hatte ein paarmal versichert, er wolle nach seinem Ableben in Jerusalem sein.

Meine Ankunft dort begann mit einem Knall. Grad an der Stelle, wo wenige Zeit davor ein Bus explodiert war, schepperte mein Koffer durch das Fahrzeug. Panik brach aus und ich verließ selbst - schockiert vom ausgebrannten Wrack neben der Straße - sofort den Bus. Da stand ich im "Schönen Tor", bis ich mich davon erholt hatte, nein, bis ein junger Mann mich anredete und wünschte, dass ich "Neueröffnung" auf ein Blatt Papier schreiben solle. Den Gefallen tat ich ihm. Er aber lotste mich zu einem Schmuckladen. Der Chef wolle, dass ich das "bestätige". Komisch, dachte ich, der Laden war gar nicht neu eröffnet. Es muss ihn schon länger gegeben haben. Was die "Neueröffnung" bedeutet, merkte ich allmählich an den Reden des Geschäftsinhabers, der mir Dinge erzählte, die kein Mensch (außer mein damaliger Freund) wissen konnte. Er sprach Deutsch. Es gab auch kein Internet damals. Er besprach so viel, das ich es überhaupt nicht fassen konnte, wie in Trance oder im Schock war ... und schließlich musste ich auch noch in ein paar Stunden am Flugplatz sein ... dämmerte mir die Pflicht.

Nach der Ankunft in München rief ich die Familie im Norden Deutschlands an, mit der ich lange keinen Kontakt mehr hatte. Voll Entsetzen fragten sie, wieso in aller Welt ich von dem Tod des Freundes wusste und grad im Zustand ihrer Trauer etwas wissen wolle ... Ich glaube, die haben es nicht kapiert, was ich sagen wollte und Patsch, wütend aufgelegt.

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Magdalena61
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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon Magdalena61 » Mo 6. Apr 2015, 01:54

2Lena hat geschrieben:Etwas wehmütig dachte ich heute morgen - es ist Ostern, und was erinnert eigentlich noch an das Kirchenfest? Kein Glocken läuten, kein Brauchtum ist im Ort zu spüren ... und für den nächsten Gottesdienst ist es mit dem Fahrrad die vielen Kilometer bei dem kühlen Wetter definitiv zu unangenehm.
...
ich sehe, wie all die Rituale, die fast zwei Jahrtausende im gleichen Schema gehalten wurden, nun - als ob sie "alt" wären, keine Beachtung mehr finden. Es wir in die Kirche wird gegangen, "weil es sich so gehört". Zur Unterhaltung dient der Chor. Für viele ist die Messfeier nur eine Prüfung, ob einer alle Lieder und Gebete auch einwandfrei auswendig hergesagen kann.

Ganz anders war es noch mit der lateinischen Messe (vor 50 Jahren), als das Nachsagen ohne zu Verstehen angesagt war.
Möchtest du die "alten Zeiten" wieder haben, 2Lena?

Würdest du es besser finden, wenn es so wäre "wie früher"?

In heutiger Zeit ist Ostern nur ein "arbeitsfreier" Tag mit beseren Spielfilmen im Fernsehen. Ach welch ein Glück, passend mit Karfreitag und Ostermontag gibt es ein "langes Wochenende" für Freizeitvergnügen.
Es ist noch "schlimmer". Viele unserer Zeitgenossen können die Frage: "Was feiern wir eigentlich an Ostern?" gar nicht mehr beantworten.



Mit Pfingsten verhält es sich ähnlich.
LG

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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon closs » Mo 6. Apr 2015, 02:37

Magdalena61 hat geschrieben:Viele unserer Zeitgenossen können die Frage: "Was feiern wir eigentlich an Ostern?" gar nicht mehr beantworten.
Neulich wurde mal die Frage an Passanten gestellt "Wann wurde Jesus geboren?" - Eine Antwort war: "Ca. 600 nach Christus". :thumbup: :devil:

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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon 2Lena » Mo 6. Apr 2015, 07:25

Es klingt oft so, als möchte ich die alten Zeiten wieder haben.
Nicht alles davon, liebe Leute ... nur alles nach dem Schema, das ich aus den *Gesetzen Abrahams kenne und aus Genesis 3:

Alles behalten was gut ist!
Nichts davon verlieren, nichts entwickeln was schlechter ist!

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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon Magdalena61 » Mo 6. Apr 2015, 18:33

:) Was du geschrieben hattest, klang ein bißchen wehmütig.
Ostern, das war in meiner Jugend auch nicht von allen geglaubt worden. Dem Frühlingsanfang konnte man nicht abstreiten und die Alten sorgten dafür, dass die Jungen wenigstens fromm taten.
"Gewöhne einen Knaben an seinen Weg.... " Spr. 22,6---
Einerseits müssen Vorgaben sein, wie sollen die Kinder sonst lernen? Andererseits birgt die "Treue" gesellschaftlichen Traditionen gegenüber immer die Gefahr, sich in Menschengeboten zu veheddern oder zu verlieren.

Die "Bräuche" um (Weihnachten und) Ostern herum sind mir bestens bekannt. Manches davon finde ich gut oder zumindest nachvollziehbar, bewundere manchmal ein wenig die Bauernschläue, mit der die Alten die harten Gesetze ihrer Zeit kompensierten, sodass für den Einzelnen kein größerer Schaden entstand.

Jedoch habe ich das Meiste davon.... "entsorgt", da nur leere Hülle, sinnlose Mühe, vergebliche Arbeit oder sogar Huldigung fremder Götter-- Zeitverschwendung.

Der Klang des vollen Glockengeläuts am Morgen hoher Feiertage, der durch die offenen Fenster-- und weit über das Land die Menschen zur Besinnung und in die Gottesdiensten rief, berührte mein Herz. Am liebsten wäre ich auf den Wellen der wohlklingenden Schwingungen durch das Fenster direkt in den Himmel geflogen (und dort geblieben).

Aber ich mußte auf der Erde bleiben und mich angepasst verhalten. Es war immer so ein Zwang dabei. Ein verstecktes "Drohen": "Wenn du das und das nicht machst, wirst du den Zorn der Familie (und den Zorn Gottes) spüren".
Also fügte man sich als Kind und ertrug die aufgezwungenen Bräuche und Rituale. Man versuchte, sich darin einzuleben--- alleine.... mir gelang das nicht.

Denn die Seele blieb leer!

Meine Eltern waren zwar nicht sonderlich gläubig, doch die Traditionen machten sie mit. Danke, das brauche ich nicht nochmals :mrgreen: , und meine Kinder werde ich auch nicht mit so einem Tand beglücken oder ihnen gar Lügengeschichten erzählen.

Man lebt recht gut ohne das... :)

Gott ist anders. Er ist NAHE denen, die zerbrochenen Herzens/ demütig sind. Die Nähe Gottes bewirkt eine ganz andere Geborgenheit/ Lebensqualität als alles, das die Welt bieten kann an Ersatzritualen, "Seelentröstern" und sonstigen Beruhigungssaugern/ Freuden.
LG

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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon Munro » Di 13. Mär 2018, 11:46

Dort könnt ihr nun für Ostern stimmen:

viewtopic.php?f=11&t=4899

Wenn ihr mögt.
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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon Munro » Di 13. Mär 2018, 11:47

2Lena hat geschrieben:Es klingt oft so, als möchte ich die alten Zeiten wieder haben.
Nicht alles davon, liebe Leute ... nur alles nach dem Schema, das ich aus den *Gesetzen Abrahams kenne und aus Genesis 3:

Alles behalten was gut ist!
Nichts davon verlieren, nichts entwickeln was schlechter ist!


Dass bei den Gesetzen Abrahams kein Osterhase erwähnt wird, stört mich so an und pfirsich nicht. :)
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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon SamuelB » Di 13. Mär 2018, 12:51

Munro hat geschrieben:so an und pfirsich

:lol: Merke ich mir.
Ich mache derzeit eine Pause.

Im Notfall --> urakaabarameel@gmx.de Und wehe, es ist nicht wichtig!

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Re: Ostern feiern früher und heute

Beitragvon Munro » Di 13. Mär 2018, 14:35

Ich habe die besten Erinnerungen an den Osterhasen! :thumbup:

Ohne den Osterhasen wäre meine Kindheit weniger nett gewesen.
Hab Dank dafür. lieber Osterhase! :Herz:
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