Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

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Ska'ara
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Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ska'ara » Mo 20. Aug 2018, 08:08

Als Jesus auf der Erde war, suchte er Menschen, die sein Wirken unterstützten und machte sie zu seinen Aposteln oder Jüngern. Jesus erwartete, dass sie ihr bisheriges Leben hintenanstellten. Diese Menschen mussten davon überzeugt gewesen sein, dass er etwas Besonderes darstellte und nicht nur ein Guru war, der andere nur von sich abhängig machte. Was er vermittelte, war das Wissen oder die Wahrheit ... es war keine esoterische Lebensweise und es wurde auch kein blindes Gehorchen erwartet. Ich glaube, dass die Apostel/Jünger aus Überzeugung handelten und genau wussten, was sie taten. Wenn heute andere Menschen jemandem folgen, dann geschieht dies oft aus einer Abhängigkeit heraus und aus Nichtwissen mit esoterischem Getue.

Dieses „Wissen“, dass Jesus ihnen vermittelte, wurde bis heute erhalten, wird aber leider oft nicht mehr verstanden, sondern abgewertet, so dass ein überzeugter Glaube immer schwieriger wird. Genau dies wird aber mit blindem Glauben gleichgesetzt. Blinder Glaube hat aber immer etwas mit Angst zu tun und Angst ist eine Kraft des Bösen.

Heute spüren wir von dem Wirken Jesu nicht mehr viel, aber die Grundlage ist da. Wir müssen allerdings auch einen anderen Weg gehen wollen, als die Masse es uns vorgibt. Es könnte auch gut sein, dass wir wie Jesus damals zu Außenseitern werden. Da ist dann die Überzeugung wichtig, nicht der blinde Glaube. Nur wer ohne Angst ist und das Richtige will, kann auch erkennen. Die anderen retten sich mit irgendwelchen Krücken wie Wissenschaft oder Geld, um ihrem Leben einen Sinn zu geben. Die Wissenschaft hat natürlich auch viel zu sagen, ist aber nichts Endgültiges und muss laufend angepasst werden, da sie ja ergebnisoffen ist. Man kann sich also die Wissenschaft zunutze machen, sollte aber nicht an sie „glauben“. Man sollte jedes Wissen prüfen, was aber gar nicht so einfach ist, wenn etwas als richtig vorgegeben wird und mangels Wissen nicht überprüfbar ist. Dazu kommt, dass Wissenschaftler auch Geld verdienen wollen und auf diese Weise auch käuflich sein können.

Jeder definiert somit seine „Religion“ aufgrund von Wissen mit unterschiedlicher Grundlage, für den normalen Menschen kaum überprüfbar. Wir glauben, was wir glauben wollen, um damit unser Leben möglichst angstfreier zu gestalten, und arbeiten auch viel mit Verdrängung. Immer mehr Menschen wollen etwas aus ihrem Leben etwas machen, bewusst erleben – da wird die Ernährung umgestellt und auch die Persönlichkeit umgeformt. Dazu sind dann Gesundheitsfanatiker und auch Persönlichkeitstrainer nötig. Das Geschäft mit der Angst boomt. Sicherlich ist es gut, einiges zu optimieren, aber es sollte nicht aus Angst geschehen. Denn dann ist man bereit, viel zu opfern oder zu zahlen, um dann am Ende enttäuscht zu werden.

Es ist wichtig, nicht irgendwelchen Versprechungen zu folgen, nur um nicht an Gott glauben zu müssen.

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Ska'ara
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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ska'ara » Mo 20. Aug 2018, 11:28

Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung ist doch nicht das, was wir von Jesus lernen können, aber es wird zu einem Lebensinhalt, so als gäbe es nichts Wichtigeres als uns selbst. Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Leute vorrangig an ihr eigenes Leben denken. Auch ich bin frustriert, wenn ich Zeit opfere für andere und dabei nichts heraus kommt. Da könnte man glatt denken: wozu Nächstenliebe, wenn sie ausgenutzt wird?

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Tree of life
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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Tree of life » Mo 20. Aug 2018, 11:32

....und Angst ist eine Kraft des Bösen.

Quatsch!

Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (Fight-or-Flight) einleitet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Angst

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Sola » Mo 20. Aug 2018, 11:57

Ska'ara hat geschrieben:Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung ist doch nicht das, was wir von Jesus lernen können, aber es wird zu einem Lebensinhalt, so als gäbe es nichts Wichtigeres als uns selbst. Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Leute vorrangig an ihr eigenes Leben denken. Auch ich bin frustriert, wenn ich Zeit opfere für andere und dabei nichts heraus kommt. Da könnte man glatt denken: wozu Nächstenliebe, wenn sie ausgenutzt wird?


Genau an dieser Frage "wozu" hängt der Sinn meiner Handlungen und daran entscheidet sich, wie "erfüllend" und befriedigend mein Tun ist; wie mein Leben empfinde, ob ich mich selbst verwirklichen kann oder mich als "fremdbestimmt" und unfrei wahrnehme.

Deshalb ist es so wichtig, sich damit auseinander zu setzen. Besonders wenn es zu Enttäuschungen und Frust kommt.
Sich zu fragen: Wofür tue ich das, was will ich damit erreichen, wovon hängt es ab, ob das, was ich tue, sinnvoll oder sinnlos ist?

Das Leben in der richtigen Perspektive - das hat Jesus gelehrt.
Er hat bspw gelehrt, dass, wenn man alles auf sich selbst bezogen tut, um das erfüllte Leben zu finden, man es auf diese Weise gerade verliert....es dagegen findet, wenn man sich selbst "verliert" in der Selbstlosigkeit.
Das ist eine "paradoxe" Wahrheit, die man im Ausprobieren erfahren kann.

Wenn man anderen etwas Gutes tut, um dafür etwas zu bekommen, zB Anerkennung oder Liebe oder dass sie sich einem verpflichtet fühlen und das Gute irgendwie erwidern .... dann sind Enttäuschungen quasi vorprogrammiert.

Wenn man das Gute tut, weil man es selbst so will, aus gutem Herzen, ohne einen Lohn dafür zu erwarten, indem man sich im Tun des Guten selbst verwirklicht, weil das dem entspricht, was man glaubt. Indem man es als "Frucht" dessen hervorbringt, was in einem angelegt ist - wie ein Baum, der Frucht bringt, weil es seine Bestimmung ist und er "sich darin selbst verwirklicht".

Dann ist man sich selbst genug im Tun des Guten, ohne äussere "Belohnung".

Und aus dieser Art der "Selbstverwirklichung" entspringt so unvergleichlich viel mehr Freude, Friede und Erfüllung als durch jeden äusseren Lohn.

Das, was uns dabei am meisten im Weg steht, sind wir selbst ....
Liebe Grüsse
Sola

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ska'ara » Mo 20. Aug 2018, 13:29

Tree of life hat geschrieben:
....und Angst ist eine Kraft des Bösen.

Quatsch!

Doch!

Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (Fight-or-Flight) einleitet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Angst

Du glaubst an das, was du willst. :lol:
Nein, Angst ist keine Lebensgrundlage, sondern wird durch Menschen, Umwelt und andere Bedingungen erzeugt. Angst kann sehr zerstörerisch sein und fördert keine Entwicklung, zu der der Fortschritt nur bedingt gehört.

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ska'ara » Mo 20. Aug 2018, 13:43

Sola hat geschrieben:Genau an dieser Frage "wozu" hängt der Sinn meiner Handlungen und daran entscheidet sich, wie "erfüllend" und befriedigend mein Tun ist; wie mein Leben empfinde, ob ich mich selbst verwirklichen kann oder mich als "fremdbestimmt" und unfrei wahrnehme.

Immer mehr Fremdbestimmung wird als Selbstverwirklichung wahrgenommen. Das "Ego" wird auf eine Weise gesteuert, so dass dadurch angeblich eine Chance besteht, als Mensch besser zu funktionieren, um mehr vom Leben zu haben. Das Ausleben der eigenen Bedürfnisse wird in den Vordergrund gestellt.

Er hat bspw gelehrt, dass, wenn man alles auf sich selbst bezogen tut, um das erfüllte Leben zu finden, man es auf diese Weise gerade verliert....es dagegen findet, wenn man sich selbst "verliert" in der Selbstlosigkeit.

Ich denke aber doch, dass heutzutage die Gefahr sehr groß ist, ausgenutzt zu werden. Es gilt als naiv, alles zu geben. Auch Jesus wird da seine Grenzen gesehen und auch so eine Art Selbstschutz gekannt haben. Nächstenliebe heißt ja nicht, dass man sich aufgibt.

Wenn man anderen etwas Gutes tut, um dafür etwas zu bekommen, zB Anerkennung oder Liebe oder dass sie sich einem verpflichtet fühlen und das Gute irgendwie erwidern .... dann sind Enttäuschungen quasi vorprogrammiert.

Stimmt, darauf kam ich beim Lesen deines Beitrages auch. :thumbup:

Und aus dieser Art der "Selbstverwirklichung" entspringt so unvergleichlich viel mehr Freude, Friede und Erfüllung als durch jeden äusseren Lohn.

Das, was uns dabei am meisten im Weg steht, sind wir selbst ....

Vielleicht passt Selbstverwirklichung da nicht, weil sie nur die eigene Person abdeckt. Gottes Botschaft durch Jesus sollte immer an erster Stelle stehen und lässt auch Raum für uns, aber eben nicht an erster Stelle. Wer Gott an die erste Stelle setzt, ist sicherer, auch dann, wenn es nicht so aussieht und wir alles (Materielle) verlieren.

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Sola » Mo 20. Aug 2018, 14:08

Der Raum, den wir bei Gott für uns haben, hängt in erster Linie vom Vertrauen ab, das wir ihm und seinem Plan für unser Leben entgegenbringen.

Wenn wir wirklich glauben, dass er unserem Leben eine Bestimmung gegeben hat und dass es dann sinnvoll, erfüllt und reich ist, wenn wir dieser Bestimmung entsprechend leben ... und wenn wir darüber hinaus auch noch glauben können, dass er jederzeit alles in seiner Hand hat und uns alles zum Besten dienen lassen wird - auch wenn es nicht immer alles so läuft, wie wir es uns gewünscht haben ... und auch dann, wen "nette" Mitmenschen alles dran setzen, dass etwas nicht klappt ....
Dann gibt das eine grosse Freiheit und einen weiten Raum.
Liebe Grüsse
Sola

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ska'ara » Di 21. Aug 2018, 00:22

Sola hat geschrieben:Der Raum, den wir bei Gott für uns haben, hängt in erster Linie vom Vertrauen ab, das wir ihm und seinem Plan für unser Leben entgegenbringen.

Das Vertrauen ist Voraussetzung, auch für unseren inneren Frieden. Den werden wir woanders nicht finden, auch nicht, wenn wir uns noch so anstrengen. Es ist nur eine Jagd nach Nichts und eine Verschwendung von Zeit.

... auch wenn es nicht immer alles so läuft, wie wir es uns gewünscht haben ... und auch dann, wen "nette" Mitmenschen alles dran setzen, dass etwas nicht klappt ....
Dann gibt das eine grosse Freiheit und einen weiten Raum.

Viele nennen diesen Raum die große Leere, die sich dann mit Dingen füllen, die nachrangig sind.

Findest du nicht auch, dass Jesus zu einem Menschen degradiert wird, der auf Biegen und Brechen etwas erreichen wollte? Wollte er sich tatsächlich nur zum Märtyrer machen? Es ging ihm doch nicht nur um sich selbst.

Sola
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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Sola » Di 21. Aug 2018, 11:16

Ska'ara hat geschrieben:
Findest du nicht auch, dass Jesus zu einem Menschen degradiert wird, der auf Biegen und Brechen etwas erreichen wollte? Wollte er sich tatsächlich nur zum Märtyrer machen? Es ging ihm doch nicht nur um sich selbst.


Nein, das kann ich nicht so sehen.

Hätte er wirklich etwas auf Biegen und Brechen erreichen wollen, dann hätte er das wohl gekonnt.
Dass er das aber nicht wollte, wird in verschiedenen Begebenheiten ganz deutlich, zB schon ganz zu Beginn seines Wirken, als in der Wüste fastete und nicht der Versuchung nachgab, einfach "zu machen", was ihm möglich gewesen wäre.
Oder zB als Petrus ihm nahelegte, doch lieber bei den himmlischen Gestalten zu bleiben und nicht seinen irdischen Weg bis zum bitteren Ende zu gehen ....

Er ist bewusst seinen ihm vorbestimmten Weg konsequent gegangen.
Auch das ist "Selbstverwirklichung", die Verwirklichung seiner Bestimmung.
Er hat nicht auf Biegen und Brechen irgendwelche Pläne durchgeboxt, die nach menschlichem Ermessen vernünftig und sinnvoll erschienen
Liebe Grüsse
Sola

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Re: Wollte Jesus sich selbst verwirklichen?

Beitragvon Ruth » Di 21. Aug 2018, 15:47

Ich glaube nicht, dass Jesus es nötig hatte, sich selbst zu verwirklichen.
Jesus war schon an dem Punkt der Selbstverwirklichung, als er auf die Erde geboren wurde.

Wenn Menschen sich selbst verwirklichen wollen, dann gehen sie davon aus, dass sie noch nicht wirklich selbst die sind, die sie sein wollen/sollen.
Jesus kam mit voll perfektem "Programm" zu den Menschen, um ihnen etwas zu geben, was sie von sich aus nicht erreichen konnten. Wenn er etwas zu geben hatte, musste er das selbst ja bereits besitzen.

Bestenfalls hat Jesus den Menschen gezeigt, wie sie sich selbst verwirklichen können - indem sie ehrlich und authentisch leben, ohne sich von negativen Urteilen anderer Menschen runterziehen zu lassen. Jesus hat von Anfang bis Ende seiner Erdenzeit authentisch und unbestechlich so gelebt, wie er selbst war. Er hat gelehrt, wie es geht, mit Gott im Einklang zu leben, aus dessen Fülle zu nehmen - und den Segen, den er selbst empfing, weitergegeben. Und nur das hat er seinen Nachfolgern als Konzept vorgelegt und vorgelebt.
Ich erhebe in keinem meiner Beiträge den Absolutheitsanspruch. Es ist immer meine Meinung, die ich schreibe. Ebenso lese und verstehe ich auch andere Beiträge : als Meinung des jeweiligen Schreibers.
In dem Sinne ... LG :wave:


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