Medien: Vertrauenswürdig oder Lügenpresse?

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closs
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Medien: Vertrauenswürdig oder Lügenpresse?

Beitragvon closs » Mo 21. Mai 2018, 01:47

Abgetrennt aus: Hochzeiten im britischen Königshaus
Magdalena61 hat geschrieben:Diana wurde von den Paparazzis in den Tod gejagt. Wirklich; ich wünsche den Beiden, dass sie es schaffen.
Das tun wir - und vor allem beneiden wir sie nicht. - Beneiden sollte man nur diejenigen, bei denen man SICHER weiss, dass es ihnen besser geht als einem selbst - und wer weiß das schon?

Was Paparazzis angeht: Das hat sich meines Erachtens insofern gelegt, dass die Bevölkerung diesbezüglich WIRKLICH aufgeklärter und toleranter geworden ist. - Mir fallen (ein Schwenk, der aber nicht OT ist) da russische Studenten ein, die gefragt wurden, wie sie unter einer Putin-Presse leben könnten. - Sie haben gelacht und sinngemäß gesagt:

"Warum 'unter'? - Wir sind doch drüber. - Wir können frei studieren, können ins Theater gehen und in Diskos. - Dass der offizielle Apparat mit seinen PResseorganen dummes Zeug redet, wissen wir. - Sogar Putin weiß, dass wir das wissen. - Aber es gehört halt dazu". - Das klingt natürlich etwas unpolitisch, aber auch sehr pragmatisch.

Will heißen: Die Massenmedien haben zu einem großen Teil ausgeschissen - zwar noch Einfluss auf das Prekariat, aber nicht mehr auf die halbwegs fitten jungen Leute. - Deshalb wird es keine Fall "Diana" mehr geben. - Und in Deutschland vermutlich auch keinen Fall Wulff mehr - der wurde zwar nicht in den Tod, sondern aus dem Amt gejagt - aber trotzdem hat dieser Fall die Presselandschaft bzw. die Medien-Glaubwürdigkeit nachhaltig verändert. - Man soll ja auch mal gute Nachrichten verkünden dürfen. :D

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sven23
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon sven23 » Mo 21. Mai 2018, 07:36

closs hat geschrieben:Was Paparazzis angeht: Das hat sich meines Erachtens insofern gelegt, dass die Bevölkerung diesbezüglich WIRKLICH aufgeklärter und toleranter geworden ist. - Mir fallen (ein Schwenk, der aber nicht OT ist) da russische Studenten ein, die gefragt wurden, wie sie unter einer Putin-Presse leben könnten. - Sie haben gelacht und sinngemäß gesagt:
"Warum 'unter'? - Wir sind doch drüber. - Wir können frei studieren, können ins Theater gehen und in Diskos. -

Man kann sich jede Diktatur oder autokratisches System schön reden. Selbst im Nationalsozialismus konnte man als regimetreuer Arier "gut leben", wenigstens bis zu dem Zeitpunkt, als der Wind, den man gesät hatte, als Sturm zurückkam.

closs hat geschrieben:- Deshalb wird es keine Fall "Diana" mehr geben. -

Ganz so unschuldig war Diana auch nicht. Sie hat die Presse auch für ihre Zwecke benutzt, es war ein gegenseitiger Deal. Bis zu dem Punkt, an dem sie die Geister, die sie gerufen hat, nicht mehr los wurde.
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closs
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon closs » Mo 21. Mai 2018, 10:41

sven23 hat geschrieben:Man kann sich jede Diktatur oder autokratisches System schön reden. Selbst im Nationalsozialismus konnte man als regimetreuer Arier "gut leben"
Putin ist nicht Hitler, sondern ein rational handelnder Halb-Demokrat. Wir sollten darauf verzichten, alles andere als unsere prolokratisch anfällige Demokratie auf die Stufe des Nationalsozialismus zu stellen. - Die Jugendlichen in Russland sind ziemlich aufgeklärt (wahrscheinlich aufgeklärter als bei uns), weil sie ein System haben, an dem sie sich reiben müssen - was kein Kompliment für Putin sein soll. :lol:

sven23 hat geschrieben:Ganz so unschuldig war Diana auch nicht. Sie hat die Presse auch für ihre Zwecke benutzt, es war ein gegenseitiger Deal. Bis zu dem Punkt, an dem sie die Geister, die sie gerufen hat, nicht mehr los wurde.
Klar - vielleicht sind ja inzwischen Promis besser geschult, wie sie sich in PR-Sachen zu verhalten haben. - Entscheidend für mich ist, dass gerade die jüngere Bevölkerung nicht mehr so anfällig ist, was Medien von sich geben - das scheint ein gesamt-europäisches Phänomen von London bis Moslau zu sein.

Das wäre erstmal eine gute Nachricht - eine schlechte Nachricht wäre, wenn es mit einer weiteren De-Politisierung verbunden wäre. - Aber da stimmen die Umstände von Macrons Wahl eher optimistisch - wobei hier wiederum schlecht ist, dass er de facto einer Ein-Mann-Partei vorsteht: Stirbt Macron, fällt die Partei evt. in die Bedeutungslosigkeit. - Es bleibt spannend in Sachen Demokratie-Entwicklung.

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sven23
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon sven23 » Mo 21. Mai 2018, 10:58

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Man kann sich jede Diktatur oder autokratisches System schön reden. Selbst im Nationalsozialismus konnte man als regimetreuer Arier "gut leben"
Putin ist nicht Hitler, sondern ein rational handelnder Halb-Demokrat. Wir sollten darauf verzichten, alles andere als unsere prolokratisch anfällige Demokratie auf die Stufe des Nationalsozialismus zu stellen. - Die Jugendlichen in Russland sind ziemlich aufgeklärt (wahrscheinlich aufgeklärter als bei uns), weil sie ein System haben, an dem sie sich reiben müssen - was kein Kompliment für Putin sein soll. :lol:

Und laut closs wären Flüchtlinge in Russland besser aufgehoben als bei uns, wenn sie "geistige Orientierung" suchen. Das Problem ist nur: weder wollen die Flüchtlinge dorthin, noch wollen die Russen Flüchtlinge.

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Ganz so unschuldig war Diana auch nicht. Sie hat die Presse auch für ihre Zwecke benutzt, es war ein gegenseitiger Deal. Bis zu dem Punkt, an dem sie die Geister, die sie gerufen hat, nicht mehr los wurde.
Klar - vielleicht sind ja inzwischen Promis besser geschult, wie sie sich in PR-Sachen zu verhalten haben. - Entscheidend für mich ist, dass gerade die jüngere Bevölkerung nicht mehr so anfällig ist, was Medien von sich geben - das scheint ein gesamt-europäisches Phänomen von London bis Moslau zu sein.

Da wäre ich mir nicht so sicher. Wer seine Informationen nur aus Verschwörungsforen im Internet oder aus den (a)-sozialen Medien bezieht, tappt in eine andere Falle.
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon closs » Mo 21. Mai 2018, 11:33

sven23 hat geschrieben:wären Flüchtlinge in Russland besser aufgehoben als bei uns, wenn sie "geistige Orientierung" suchen.
Das hat nichts mit Russland zu tun, sondern um die Frage, ob eine kulturelle Grundstimmung spirituell oder säkularistisch ist. - Aber dieses Problem gibt es ja nicht: Die meisten Flüchtlinge haben kulturbedingt ihre geistige Orientierung.

sven23 hat geschrieben:Da wäre ich mir nicht so sicher. Wer seine Informationen nur aus Verschwörungsforen im Internet oder aus den (a)-sozialen Medien bezieht, tappt in eine andere Falle.
Auch richtig - andererseits wurden der Brexit und Trump von der älteren Generation gekürt. - Also vorsichtiger Optimismus ist erlaubt.

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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon sven23 » Mo 21. Mai 2018, 11:53

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:wären Flüchtlinge in Russland besser aufgehoben als bei uns, wenn sie "geistige Orientierung" suchen.
Das hat nichts mit Russland zu tun, sondern um die Frage, ob eine kulturelle Grundstimmung spirituell oder säkularistisch ist. - Aber dieses Problem gibt es ja nicht: Die meisten Flüchtlinge haben kulturbedingt ihre geistige Orientierung.

Es war deine Behauptung, Flüchtlinge würden im Westen keine geistige Orientierung finden und wären dazu in Putinland besser aufgehoben.
Aber wie gesagt: weder wollen die Flüchtlinge dorthin, noch wollen die Russen Flüchtlinge.
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon closs » Mo 21. Mai 2018, 12:46

sven23 hat geschrieben:Es war deine Behauptung, Flüchtlinge würden im Westen keine geistige Orientierung finden
Im Großen und Ganzen richtig - wie soll es eine geistige Orientierung geben, wenn Geist als spirituelle Größe weltanschaulich verworfen ist? - Das ist woanders anders.

Ob dies nun die orthodoxe Welt Russlands oder die islamische oder buddhistische oder jüdische Welt ist, ist zunächst zweitrangig - aber zumindest gibt es dort geistige Orientierung. - Das heißt übrigens nicht, dass diese Orientierung gut sein muss - das muss man sich jeweils angucken. - Aber sie ist da.

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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon sven23 » Mo 21. Mai 2018, 17:11

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Es war deine Behauptung, Flüchtlinge würden im Westen keine geistige Orientierung finden
Im Großen und Ganzen richtig - wie soll es eine geistige Orientierung geben, wenn Geist als spirituelle Größe weltanschaulich verworfen ist? - Das ist woanders anders.

Ob dies nun die orthodoxe Welt Russlands oder die islamische oder buddhistische oder jüdische Welt ist, ist zunächst zweitrangig - aber zumindest gibt es dort geistige Orientierung. - Das heißt übrigens nicht, dass diese Orientierung gut sein muss - das muss man sich jeweils angucken. - Aber sie ist da.

Und seltsamerweise (oder gerade deshalb) wird in diesen Ländern der barmherzige Samariter gerne zum Schein im Munde geführt, wenn es an die praktische Umsetzung geht, will man nichts mehr davon wissen. Was nützt der schönste Glaube, wenn ihm kein Taten folgen?
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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon closs » Mo 21. Mai 2018, 20:55

sven23 hat geschrieben:Was nützt der schönste Glaube, wenn ihm kein Taten folgen?
De facto nichts :D - aber trotzdem ist doch die geistige Basis DA - es gibt also eine Orientierungsgröße des Soll-Zustands.

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Re: Hochzeiten im britischen Königshaus

Beitragvon sven23 » Fr 25. Mai 2018, 17:36

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Was nützt der schönste Glaube, wenn ihm kein Taten folgen?
De facto nichts :D - aber trotzdem ist doch die geistige Basis DA - es gibt also eine Orientierungsgröße des Soll-Zustands.

Bringt aber nichts, wenn man im wirklichen Leben genau das Gegenteil des Soll-Zustandes propagiert.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
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