Wann die Natur „kippen“ wird ...

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1Johannes4
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Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon 1Johannes4 » Di 10. Jul 2018, 11:26

Hallo zusammen,

am Wochenende hatten wir uns mal wieder zusammen im Dienst eine Partypizza bestellt. Die Pizza wurde in einer ca 40 cm * 60 cm großen Alu-Schachtel geliefert und ein Kollege sprach mich darauf an, was ich denn meinen würde wie es mit der Umweltverschmutzung weitergehen werde. Und da erzählte ich ihm von meiner Theorie des „Kippens“ der Natur bzw. der Umwelt.

Das heißt, dass ich eine Analogie zwischen einfachen Lebewesen wie Einzellern, komplexeren Lebewesen wie dem Menschen, regional begrenzten Ökosystemen wie Seen und eben auch der Natur bzw. der Umwelt als planetares Ökosystem sehe.

Bei den „kleineren“ Systemen handelt sich sich vereinfacht dargestellt um selbstregulierende Systeme, die jeweils in der Lage sind mit Störungen durch ihre Umgebung fertig zu werden, d.h. Umweltbelastungen sind bis zu einem bestimmten Maß von den jeweiligen Systemen kompensierbar. Wird aber eine Schwelle überschritten, dann ändert das gesamte System seinen Zustand - bei Lebewesen spricht man dann z.B. von einer Krankheit, bei Seeen von zu starkem Algenwachstum infolge von Überdüngung und bei der Welt von Umweltverschmutzung - kurzum, es treten erste Symptome einer Erkrankung auf.
Es kommt nun darauf an, ob diese Systeme eine Möglichkeit haben oder bekommen um sich wieder zu erholen. Hält die Belastung aber an oder wird gar noch schlimmer, dann gibt es eine weitere Schwelle, wo die Selbstregulierung der Systems schließlich versagt, bei Lebewesen z.B. weil sie infolge der Belastung auch innerlich vergiften, bei Seen z.B. weil nun die Fische ersticken.

Bei Lebewesen und regional begrenzten Ökosystemen hat man Erfahrungswerte, wann solche Systeme zu stark belastet wurden, dass diese somit „starben“. Aber woher kann man die Schwelle unserer Umwelt kennen oder berechnen? Also den Punkt, an den dieses komplexe selbstregulierende System eine Schädigung erfährt, die es nicht mehr kompensieren kann und die es zum Kollabieren bringt. Das Problem dabei ist auch, dass bis zu diesem Punkt der Eindruck bestehen kann, dass die Schädigung immer weiter linear zunehmen könne: wenn das Fieber eines Lebewesens etwas mehr steigt, etwas mehr Algen in einem See entstehen oder die Temperatur der Weltmeere etwas mehr steigt: unterhalb einer Schwelle verhalten sich solche Systeme linear bis exponentiell, aber eben nicht immer weiter.

Aber wenn es um die Umwelt geht, scheint jeder zu glauben, dass es schon gut gehen wird, den Patienten Erde immer kränker werden zu lassen. Und wie gesagt, meiner Meinung nach gibt es da eine Schwelle, wo jedes System schließlich kippt und kollabiert, und danach - das zeigen alle anderen Syteme - kommt man nicht wieder so einfach zurück in den alten Zustand.

Grüße,
Daniel.

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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon Janina » Di 10. Jul 2018, 12:17

1Johannes4 hat geschrieben:meiner Meinung nach gibt es da eine Schwelle, wo jedes System schließlich kippt und kollabiert, und danach - das zeigen alle anderen Syteme - kommt man nicht wieder so einfach zurück in den alten Zustand.
Wüstenbildung ist das beste Beispiel dafür, dass das längst geschehen ist.
Was aussieht wie Dummheit, ist vielleicht keine. Möglicherweise profitiert jemand davon, nur du bist nicht dabei.
http://www.4religion.de/viewtopic.php?p=161626#p161626
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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon 1Johannes4 » Di 10. Jul 2018, 12:58

Hallo Janina,

Janina hat geschrieben:
1Johannes4 hat geschrieben:meiner Meinung nach gibt es da eine Schwelle, wo jedes System schließlich kippt und kollabiert, und danach - das zeigen alle anderen Syteme - kommt man nicht wieder so einfach zurück in den alten Zustand.
Wüstenbildung ist das beste Beispiel dafür, dass das längst geschehen ist.


ja, das ist ein weiteres gutes Beispiel für ein regionales Ökosystem, das bereits „gekippt“ ist. Aber ich meinte, dass auch das planetare System irgendwann kippen wird. Und vor allem auch, dass es kein wirklich wissenschaftlich fundiertes Modell dafür geben kann, ab wann genau das passieren wird, da man noch nicht mal sagen kann, was der entscheidende Faktor dafür sein wird, dass das planetare System als Ganzes „kippt“. Und deswegen finde ich es eben so unglaublich dämlich, dass man es einfach darauf ankommen lässt in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen wird.

Grüße,
Daniel.

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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon Janina » Di 10. Jul 2018, 13:45

1Johannes4 hat geschrieben:Aber ich meinte, dass auch das planetare System irgendwann kippen wird. Und vor allem auch, dass es kein wirklich wissenschaftlich fundiertes Modell dafür geben kann...
Doch, gibt es. Da funktioniert die Newtonsche Mechanik ausreichend. Die begrenzende Randbedingung ist dabei das Aufblähen der Sonne, welches das Planetensystem beenden wird.
Was aussieht wie Dummheit, ist vielleicht keine. Möglicherweise profitiert jemand davon, nur du bist nicht dabei.
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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon 1Johannes4 » Di 10. Jul 2018, 14:29

Janina hat geschrieben:
1Johannes4 hat geschrieben:Aber ich meinte, dass auch das planetare System irgendwann kippen wird. Und vor allem auch, dass es kein wirklich wissenschaftlich fundiertes Modell dafür geben kann...
Doch, gibt es. Da funktioniert die Newtonsche Mechanik ausreichend. Die begrenzende Randbedingung ist dabei das Aufblähen der Sonne, welches das Planetensystem beenden wird.

Naja, irgendwie scheinst Du mich nicht zu verstehen bzw. drücke ich mich anscheinend nicht gut genug aus. Mich interessiert eigentlich gerade eher die Möglichkeit, dass die durch den Menschen verursachte Umweltverschmutzung das gesamte ökologische System auf der Erde zum Kippen bringen könnte. Am Werdegang der Sonne ändert der Mensch (noch) nichts.

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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon Janina » Di 10. Jul 2018, 14:43

1Johannes4 hat geschrieben:Mich interessiert eigentlich gerade eher die Möglichkeit, dass die durch den Menschen verursachte Umweltverschmutzung das gesamte ökologische System auf der Erde zum Kippen bringen könnte.
Ja, das kann durchaus passieren. Heißester Kandidat dafür wäre Wüstenbildung durch Überbevölkerung, und im Niedergang werden noch die letzten grünen Inseln kahlgefressen. Passiert ist das schonmal auf der Osterinsel.
https://de.wikipedia.org/wiki/Osterinse ... geschichte
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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon Lena » Di 10. Jul 2018, 17:01

Danke für Deinen Beitrag, lieber Daniel. Ein klein wenig beruhigt es mich, das es doch noch einige Menschen gibt, die sich Gedanken machen und den ernst der Lage erkennen.

1Johannes4 hat geschrieben:Aber wenn es um die Umwelt geht, scheint jeder zu glauben, dass es schon gut gehen wird, den Patienten Erde immer kränker werden zu lassen.

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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon Pluto » Di 10. Jul 2018, 17:34

Irgend wann wird die Erde ihr katastrophales Ende nehmen. Aber sie scheint mir extrem widerstandsfähig zu sein.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon AlTheKingBundy » Di 10. Jul 2018, 18:42

Pluto hat geschrieben:Irgend wann wird die Erde ihr katastrophales Ende nehmen. Aber sie scheint mir extrem widerstandsfähig zu sein.


So ist es, nur skaliert sich die Natur auf sehr langen Zeitachsen und der Mensch nur auf einer sehr kleinen. Deswegen würde es der Menschheit nicht schaden, sich nicht derart arrogant über die Natur zu stellen und zu behaupten, man würde diese zerstören. Wir selbst sind ein Produkt der Natur und diese wird alles nach ihren Gesetzmäßigkeiten regeln.
Beste Grüße, Al

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
(Albert Einstein, 1879–1955)

R.F.
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Re: Wann die Natur „kippen“ wird ...

Beitragvon R.F. » Do 12. Jul 2018, 11:34

Janina hat geschrieben:- - -
Die begrenzende Randbedingung ist dabei das Aufblähen der Sonne, welches das Planetensystem beenden wird.

Und das in bereits fünf Milliarden Jahren. Furchtbar, furchtbar... :P


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