Die Sache mit Özil

Politik und Weltgeschehen
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Munro
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Munro » Fr 3. Aug 2018, 14:07

Erkut Sögüt ist der Mann hinter Mesut Özil

Özil sagt immer nur, was Sögut ihm vorschreibt, was er zu sagen hat.
Der Entourage Mesut Özils gehören mehr als eine Handvoll Mitglieder an. Einer von ihnen spielt in der Affäre um den Rücktritt aus der DFB-Elf die zentrale Rolle. Wer ist dieser Berater an der Seite Özils?
Mehr dazu: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussba ... 04658.html
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

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sven23
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von sven23 » Fr 3. Aug 2018, 14:46

ThomasM hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:
closs hat geschrieben: Aber das wichtigste: Was hat das mit dem Thema zu tun, das Özil aufgebracht hat?
Das hat mit dem Thema "gescheiterte Integration" zu tun. Insofern muss man Özil dankbar sein, dass das Thema mal auf die Agenda kommt.
Das Lustige ist, dass Özil nicht ein Beispiel für gescheiterte, sondern für gelungene Integration ist. Er hat ausschließlich einen deutschen Pass, er hat für Deutschland Fußball gespielt, er spricht akzentfrei deutsch, er hat sich für Deutschland entschieden (wobei persönliche Motive durchaus eine Rolle gespielt haben)
Was wollt ihr denn noch?
Ökonomisch ist er unbestritten gut integriert. Das ist hier aber nicht das Problem.
Wieso fühlt sich ein deutscher Staatsbürger aufgerufen, für einen Despoten, der Erdogan mittlerweile unzweifelhaft geworden ist, Werbung zu machen, wohlwissend, dass dies zu politischen Zwecken instrumentalisiert wird?
closs hat geschrieben: Nur als Özil seine - vom deutschen Grundrecht gestütztes - Recht auf freie Meinung und freie Handlung ausgeübt hat, wurde ihm seine Integration von sogenannten Deutschen abgesprochen.
Die Grundrechte sind unbestritten und werden ja auch gerne genutzt. Özil muss nicht befürchten, wegen seiner Haltung ins Gefängnis zu müssen. In der Türkei sieht die Sache anders aus. Alle Rechte, die Özil und Co hier in Anspruch nehmen können, werden aber den dortigen Landleuten verweigert. Darum geht es eigentlich und das muss auch einem Fussballmillionär mit 29 Jahren bewußt sein.
Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei gehört aber ebenfalls zur schizophrenen Situationsbeschreibung dazu.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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Magdalena61
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Magdalena61 » Sa 4. Aug 2018, 06:30

ThomasM hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:
Er kann den Präsidenten der Türkei hofieren, wann und so oft er will, aber nicht gerade, wenn er in seiner Eigenschaft als Mitglied der Nationalelf, also als Vertreter der BRD unterwegs ist.
LG
Ich bin sicher, dass du eine Liste der Dinge vorlegen kannst, in denen Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft in ihren Verfassungsmäßigen Rechten beschnitten sind.
Vielleicht sollte das auch noch um eine Liste von politischen Standpunkten ergänzt werden, die zu vertreten die Mitglieder der Nationalmannschaft gezwungen werden.
Auch ich genieße das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und muß mich dafür nicht blöd anmachen lassen, Herr Thomas M.

Von einem Fußballer, der in wichtigen Spielen für Deutschland spielt, erwarte ich, dass er die deutsche Nationalhymne mitsingt. Diese Tradition steht für die Identifikation mit dem Land, für das er (hoffentlich) 100% gibt. Wenn er das nicht kann oder nicht will, hätten die Verantwortlichen ihn nicht für diese Mannschaft aufstellen dürfen.
Mit Söldnern kann man keine Lorbeeren holen. Sieht man ja.

Wenn diese Kumpelei mit den türkischen Despoten nicht einer Menge Deutschen gehörig auf den Sack gehen würde, dann würde darüber nicht so viel diskutiert werden.
LG

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Magdalena61
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Magdalena61 » Sa 4. Aug 2018, 06:43

SamuelB hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Von mir aus können Frauen gerne so ein Teil anziehen. Damit habe ich kein Problem.
Liebe Magdalena, es geht ja jetzt nicht darum, ob ich dieses 'Kleidungsstück' optisch ansprechend finde. Es geht darum, dass ich es nicht akzeptiere, den gesamten weiblichen Körper als Schambereich zu bezeichnen, den es zu verhüllen gilt! Dafür steht der Burkini wie die Burka.
Hm, wenn eine Frau sich im Burkini wohler fühlt, dann sollte sie sich für ihre Entscheidung, das Teil zu tragen, nicht rechtfertigen müssen.

Vorausgesetzt, es ist ihre Entscheidung.

Natürlich ist es nicht in Ordnung, Frauen zwangsweise einzuschränken, indem man ihnen verwehrt, ihre Haare, ihr Gesicht oder andere Teile ihres Körpers zu zeigen.
Was ist denn überhaupt mit den Männern?
Die sehen doch alle gleich aus... wer will denn die schon anschauen?
Wenn diese Leute sich in Badeanstalten schämen, weil sie spärliche Bekleidung nicht gewohnt sind und ihnen wer weiß was eingeredet wurde wie verwerflich das ist, brauchen sie die nicht besuchen.
Wie gesagt: Einen Burkini kann ich ohne Weiteres akzeptieren.
Selber habe ich auch schon in T- Shirt und Bikinihose gebadet, weil ich mich darin wohler fühlte; T- Shirts sind aber in öffentlichen Schwimmbädern nicht erlaubt.

Um ehrlich zu sein: Es gibt Frauen, die sehen in einem Bikini halt einfach nicht gut aus, auch nicht in einem Badeanzug, und wenn der Burkini ihnen einen Vorteil verschafft, rein optisch, dann sollten sie nicht dafür geächtet/ ausgegrenzt werden, wenn sie so einen tragen (wollen).

Wenn der Burkini allerdings dazu benützt wird, um (mal wieder.... ) eine Sonderstellung und -behandlung zu erzwingen und aufzufallen, würde ich für Bikinizwang plädieren.
LG

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SamuelB
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von SamuelB » Sa 4. Aug 2018, 09:20

Magdalena61 hat geschrieben:Um ehrlich zu sein: Es gibt Frauen, die sehen in einem Bikini halt einfach nicht gut aus, auch nicht in einem Badeanzug, und wenn der Burkini ihnen einen Vorteil verschafft, rein optisch, dann sollten sie nicht dafür geächtet/ ausgegrenzt werden, wenn sie so einen tragen (wollen).
Und da gibt es keine andere Möglichkeit von der Modeindustrie? ^^ :mrgreen:
So einen Burkini musst du dir wie ein Ganzkörperkondom vorstellen. Der klebt dir an Armen und Beinen und über dem Haar! Ist das alles auch derart unansehnlich, dass man sich so schämt? Menschen, die sich so krass unwohl in ihrem Körper fühlen, gehen wohl kaum ins Schwimmbad. Auch nicht mit Kartoffelsack drüber.

Magdalena61 hat geschrieben: Wenn der Burkini allerdings dazu benützt wird, um (mal wieder.... ) eine Sonderstellung und -behandlung zu erzwingen und aufzufallen, würde ich für Bikinizwang plädieren.
Gute Idee! :clap:
Viele Grüße
von Sam

SilverBullet
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von SilverBullet » Sa 4. Aug 2018, 10:54

Magdalena61 hat geschrieben:Selber habe ich auch schon in T- Shirt und Bikinihose gebadet, weil ich mich darin wohler fühlte
Ich mach jetzt einfach meine Äuglein zu und stell es mir vor – auch wie schön :-)

Siehst du, ich schaue auch gerne Frauen an, wobei ich mir mit Komplimenten tatsächlich etwas schwer tue, denn im Sinne der höflichen Neutralität, die im Umgang zwischen Deutschen gepflegt wird, ist es nicht angebracht, eine Wirkung direkt in den privaten Bereich eines anderen Menschen abzusetzen – es sei denn man kennt sich „recht gut“.

Es gibt bestimmt Frauen, die das direkte Komplimentverhalten eher als lästig einschätzen würden.

Vielleicht kann man sagen, dass jede Frau ihren persönlichen Kulturanspruch hat, wenn es darum geht, dass ihr Aussehen zum Thema gemacht wird.
Da Deutschland ein Multikulturland ist, hat sich die höfliche Neutralität, bei gleichzeitigem Zusammengehörigkeitsgedanke, etabliert und deckt unterschiedliche, persönliche Kulturansprüche ab (nicht nur von Frauen).

Wenn man diesem Prinzip folgt, verhält man sich integriert.

Wenn nun (wenige) Südländer durch raffinierte Komplimente auffallen, dann fallen diese als Exoten auf, die so manche Frau als sehr angenehm empfinden mag, aber eine ganz andere Sache wäre es, dieses Verhalten zum gesellschaftlichen Grundprinzip zu erklären.

Wie gesagt, in Deutschland gibt es eine funktionierende gesellschaftliche Verhaltensgrundlage für das Ausprägen von vielen Kulturansprüchen.
Einfaches Prinzip: „man knallt sich den persönlichen Kulturanspruch nicht gegenseitig vor den Latz“.

Wenn nun eine Gruppe organisiere Verhaltensregeln ausleben möchte, bei denen es exakt um dieses „Knallen des Kulturanspruchs vor den Latz des Anderen“ geht, dann ist das sozusagen der Punkt, der am weitesten von Integration entfernt ist :-)

Das kann am Ende durchaus toleriert werden, selbst wenn es sich umfangreich ausbreiten sollte, aber eines bleibt: es ist keine Integration.
Magdalena61 hat geschrieben:Von einem Fußballer, der in wichtigen Spielen für Deutschland spielt, erwarte ich, dass er die deutsche Nationalhymne mitsingt.
Ei ei ei, da hast du dich zu einer überspitzten Aussage hinreissen lassen – „macht aber nichts, ich bin eh noch beim nassen T-shirt“ :-)

Mich interessieren die Hymnen keinen Millimeter – ich nutze die Zeit, um mich mit Futter einzudecken :-)
Das liegt wohl daran, weil ich jegliches Auffallen mit Nationalpathos als reine Zeitverschwendung ansehe (Leistung entdecken, finde ich viel lustiger).

Genau hier liegt auch der wunde Punkt beim „Özil-Photo mit Erdogan“ („Fussballer mit Beilage“ :-)). Es handelt sich um dümmlichen Nationalpathos, der mir Schmerzen in Bereichen verursacht, die gar nicht zu mir gehören (-> Fremdschämen).

Meiner Ansicht nach könnte man die Diskussion um die Photo-Aktion noch „etwas optimieren“, denn hier haben zwei junge Fussballspieler einen „Bock geschossen“ und einem Politiker (sprich „Stimmungsexperte“) eine Gelegenheit gegeben, sich grossflächig in Szene zu setzen.

Fussball ist ein Kampfsport und die Veranstaltungen können als „Kleinkriege ohne Todesopfer“ angesehen werden. Es ist natürlich maximal fatal, wenn die Fans ein Zeichen eigentlich nur noch ungünstig deuten können, Motto: „der kämpft ja gar nicht für uns“.

Das ist bestimmt bei einem Kampfsport extremer als in anderen Umfeldern, aber meiner Meinung nach müsste sich die Diskussion irgendwann darum drehen, dass Personen, die eher für „Unterhaltungsaktivitäten“ stehen, sich nicht von Politik vereinnahmen lassen dürfen.

Wenn man so will, kann man Unterhaltung als die „vierte Gewallt im Staate“ ansehen (oder „die fünfte“, falls Journalisten unbedingt ihr Näschen nach oben strecken wollen) :-)
Wie bei den drei anderen Gewalten (Gesetzgebung, Rechtsprechung und Rechturchsetzung), darf es keine Überschneidung/Beeeinflussung geben.

Aus meiner Sicht hätte sich die Diskussion relativ kurz mit dem Schnitzer der Einzelpersonen („Özil“ und „Gündogan“) beschäftigen dürfen, aber dann hätte man auf allgemeine Zusammenhänge schwenken müssen (Politik-Verhalten von Spielern, von Fussball, von Sport, von Unterhaltung)

Dass nun die Integrationsdebatte rund um die Photoaktion ins Spiel kommt, halte ich nicht für sinnvoll.
Da wird nichts herauskommen, denn Politiker werden sich hierbei sofort wieder in Szene setzen, wobei das doch das eigentliche Problem war :-)

Naja…

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piscator
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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von piscator » Sa 4. Aug 2018, 13:12

SilverBullet hat geschrieben:Wenn nun (wenige) Südländer durch raffinierte Komplimente auffallen, dann fallen diese als Exoten auf, die so manche Frau als sehr angenehm empfinden mag, aber eine ganz andere Sache wäre es, dieses Verhalten zum gesellschaftlichen Grundprinzip zu erklären.
Wie gesagt, in Deutschland gibt es eine funktionierende gesellschaftliche Verhaltensgrundlage für das Ausprägen von vielen Kulturansprüchen.
Einfaches Prinzip: „man knallt sich den persönlichen Kulturanspruch nicht gegenseitig vor den Latz“.
Wenn nun eine Gruppe organisiere Verhaltensregeln ausleben möchte, bei denen es exakt um dieses „Knallen des Kulturanspruchs vor den Latz des Anderen“ geht, dann ist das sozusagen der Punkt, der am weitesten von Integration entfernt ist :-)
Das kann am Ende durchaus toleriert werden, selbst wenn es sich umfangreich ausbreiten sollte, aber eines bleibt: es ist keine Integration.
Sehr schön formuliert :thumbup:
Als Gott mich schuf wollte er angeben!

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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Magdalena61 » Sa 4. Aug 2018, 18:13

SamuelB hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Um ehrlich zu sein: Es gibt Frauen, die sehen in einem Bikini halt einfach nicht gut aus, auch nicht in einem Badeanzug, und wenn der Burkini ihnen einen Vorteil verschafft, rein optisch, dann sollten sie nicht dafür geächtet/ ausgegrenzt werden, wenn sie so einen tragen (wollen).
Und da gibt es keine andere Möglichkeit von der Modeindustrie? ^^ :mrgreen:
Es gibt Badeanzüge mit Schößchen. Bei denen sieht man aber die Beine. Männer verstehen es vielleicht nicht so: Wenn eine Frau unschöne Beine hat oder gar unter dem Lipödem leidet- das ist krankhaft und nur durch eine OP zu lindern, die von den Kassen nicht bezahlt wird- dann ist es ihr SEHR unangenehm, angestarrt und abwertend abgeurteilt zu werden ("Fette Kuh, frißt zu viel...").
In solchen Fällen halte ich einen Burkini für eine gute Lösung, da er die Problemstellen an Armen, Beinen und Hüfte bedeckt.
Und auch für die muslimischen Frauen ist er eine Lösung, weil die sonst gar nicht ins Wasser dürften!
So einen Burkini musst du dir wie ein Ganzkörperkondom vorstellen. Der klebt dir an Armen und Beinen und über dem Haar
Ein Taucheranzug "klebt" auch. Trotzdem ziehen die Taucher ihn an. :)
Das Material ist wahrscheinlich so wie bei einem Badeanzug. Ein solcher ist ja auch nicht "lästig". Die Kopfbedeckung müsste nicht sein... die würde ich abnehmen. Die Zeit der Bademützen ist glücklicherweise vorbei.
Menschen, die sich so krass unwohl in ihrem Körper fühlen, gehen wohl kaum ins Schwimmbad. Auch nicht mit Kartoffelsack drüber.
Guck mal: http://www.alhamra.co.uk/product/alhamr ... e-3xl-6xl/
Diese Figur nennt man "Große Größe" oder "vollschlank".

Wenn es einer Frau gefällt, dann soll sie so etwas anziehen (dürfen). Nur nicht unter Zwang, wie bereits gesagt.
Die Arme und die Beine aus dem nassen Burkini zu schälen ist ja das Problem der Frau, nicht das der Betrachter.

Manche Burkinis sehen echt gut aus: https://medinadesign.de/product/frauen/ ... ornamente/
-- etwas länger als ein Tankini, und den gibt es bei uns schon lange.
Magdalena61 hat geschrieben: Wenn der Burkini allerdings dazu benützt wird, um (mal wieder.... ) eine Sonderstellung und -behandlung zu erzwingen und aufzufallen, würde ich für Bikinizwang plädieren.
Gute Idee! :clap:
Ja, es geht um die Sonderstellung. Um das Sich- abheben- wollen von der "degenerierten", "schamlosen" Menschheit, die eben KEINEN Burkini trägt und deshalb insgeheim oder offensichtlich respektlos behandelt und verachtet wird.

Und wenn Männer den Anblick von Frauen in Badeanzug und Bikini nicht ertragen, dann müssen sie sich halt darin üben, ihre Blicke zu disziplinieren.
LG

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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Magdalena61 » Sa 4. Aug 2018, 18:45

SilverBullet hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Selber habe ich auch schon in T- Shirt und Bikinihose gebadet, weil ich mich darin wohler fühlte
Ich mach jetzt einfach meine Äuglein zu und stell es mir vor – auch wie schön :-)
:lol:
Ich kann dir auch erzählen, warum ich im T-Shirt badete. Damals war ich 15 oder 16 und hatte nur einen einzigen Bikini. Geerbt von meiner älteren Schwester. Dieses blöde Oberteil ging immer auf, wenn ich ins Wasser sprang. Und wie soll man dann schwimmen, wenn man mit einer Hand das Oberteil festhalten muß?
Geld für einen neuen Bikini hatte ich nicht. Folglich musste ich eine andere Lösung finden. Das "Freibad" war ein Naturschwimmbad, also ein See mit Eintritt, da ging das mit dem T-Shirt.

Interessanterweise taten andere es mir nach. Für diesen Sommer hatte ich die Idee zu einer neuen Bademode angestoßen.

Als ich dann in der Ausbildung war und verdiente, kaufte ich mir einen supertollen schwarzen Badeanzug... in Göppingen, wo sich die Berufsschule befand. Der kostete knapp 100 DM, hielt echt lange übrigens... und meine Oma fiel fast um, als ich ihre Frage nach dem Preis beantwortete. Mein Monatsgehalt betrug damals 291 DM, von denen ich noch die Busfahrkarte zur Arbeit (ca. 30 DM) , die Tickets für den Zug nach Göppingen (pro Woche etwa 40 DM), das Internat in Göppingen (ca. 50 DM) bezahlen und 50 DM zu Hause abgeben musste. Für den Badeanzug hatte ich ja selbst gearbeitet, niemand musste dafür berappen, nur ich.
Siehst du, ich schaue auch gerne Frauen an, wobei ich mir mit Komplimenten tatsächlich etwas schwer tue, denn im Sinne der höflichen Neutralität, die im Umgang zwischen Deutschen gepflegt wird, ist es nicht angebracht, eine Wirkung direkt in den privaten Bereich eines anderen Menschen abzusetzen – es sei denn man kennt sich „recht gut“.
:lol: Da haben die "Spaghettifresser" euch deutschen Mannsleuten etwas voraus. Da kommen nette Worte, aber der Typ wahrt trotzdem höfliche Distanz.
Es gibt bestimmt Frauen, die das direkte Komplimentverhalten eher als lästig einschätzen würden.
Wahrscheinlich. Aber ich sah sie nur lächeln. Ein Arbeitskollege, gebürtiger Italiener, verbesserte die Atmosphäre am Arbeitsplatz, indem er zu allen Leuten sehr freundlich war und den Frauen immer wieder Komplimente machte. Er war mit einer Deutschen verheiratet. Wenn er zu weit gegangen wäre, hätte sie das mitgekriegt.
Vielleicht kann man sagen, dass jede Frau ihren persönlichen Kulturanspruch hat, wenn es darum geht, dass ihr Aussehen zum Thema gemacht wird.
Da Deutschland ein Multikulturland ist, hat sich die höfliche Neutralität, bei gleichzeitigem Zusammengehörigkeitsgedanke, etabliert und deckt unterschiedliche, persönliche Kulturansprüche ab (nicht nur von Frauen).
:lol: :lol:
Faule Ausrede. *freundlich gemeint ist*
Probier's doch mal mit einigen netten Bemerkungen... du musst es ja nicht gleich übertreiben.
Wenn man diesem Prinzip folgt, verhält man sich integriert.
Wenn möglich, sage ich meinen Mitmenschen etwas Nettes. Dabei lege ich Wert darauf, bei der Wahrheit zu bleiben. Man muss halt genau hinschauen, sich für den Nächsten interessieren. Dann entdeckt man öfter etwas, das man "loben" kann. Die Menschen kämpfen sich alle durch's Leben, sie haben es schwer, sind vielleicht auch oft genug frustriert worden. Manche sind so verblüfft, wenn ich das tue... man merkt, dass sie lange nicht mehr respektiert wurden. :(

Das biblische "Ermahnen" kann bisweilen auch mit "Ermutigen" übersetzt werden.
Genau das tue ich, wenn möglich. Und das tun die Charmyboys, wenn auch vermutlich mehrheitlich aus anderen Gründen. Die Wirkung ist dieselbe. Die Zielperson fühlt sich "geehrt" und--- lächelt.
Wenn nun (wenige) Südländer durch raffinierte Komplimente auffallen, dann fallen diese als Exoten auf, die so manche Frau als sehr angenehm empfinden mag, aber eine ganz andere Sache wäre es, dieses Verhalten zum gesellschaftlichen Grundprinzip zu erklären.
Also, darum ging es mir nicht im Originalthread.
Mein Eingangspost sollte nur eine freundliche Erinnerung sein... ich griff einige Fragmente aus dem verschwundenen Thread auf, und diese werden offenbar anders interpretiert als von mir beabsichtigt.

Die Ausgangslage war eine andere gewesen. Im ersten Thread hatte ich das kollektive Verhalten von "Gastarbeitern" der 70er mit dem kollektiven Verhalten muslimischer Zuwanderer verglichen.
Da gibt es für mein Empfinden schon gravierende Unterschiede. Ich reflektierte auf die mir bekannten "Gastarbeiter" und stellte fest: Die waren anders. Sie hatten lange nicht eine so - m.E. unverschämte!- Anspruchshaltung an das Gastland wie diverse Zuwanderer der neueren Zeit, sowohl in wirtschaftlicher als auch in ideeller Hinsicht. Möglicherweise hat die Religion doch etwas damit zu tun.

Ich hatte lange Kontakt zu Ungarndeutschen und Rußlanddeutschen. Solche mit Kopftuch und voll streng in den Gemeinden- evangelikal, pietistisch, alles andere als liberal. Aber weder die "Gastarbeiter" noch die deutschstämmigen Spätaussiedler aus dem Osten christlicher Prägung mach(t)en so ein Gedöns um ihre religiösen und kulturellen Extrawürste, auf die das Gastland gefälligst Rücksicht zu nehmen hat.

Sie vergessen nicht, wo sie hergekommen sind, das ist richtig, und das soll auch so sein. Die Grundhaltung gegenüber Deutschland war/ ist eher Dankbarkeit. Bescheidenheit.
Wenn nun eine Gruppe organisiere Verhaltensregeln ausleben möchte, bei denen es exakt um dieses „Knallen des Kulturanspruchs vor den Latz des Anderen“ geht, dann ist das sozusagen der Punkt, der am weitesten von Integration entfernt ist :-)
Wenn Politiker und Gutmenschen um ihre Gäste herumschwänzeln und - dienern, auch dann, wenn deren Anspruchshaltung jedes vernünftige Maß übersteigt, dann muß man sich nicht wundern, dass hier auf Kosten des Volkes munter beantragt und geklagt wird.
Ein Großteil der Bevölkerung hat es SATT, welche Prioritäten hier in der Politik gesetzt werden. Sie melden sich zu Wort. Das ist ihr gutes Recht.
LG

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Re: Die Sache mit Özil

Beitrag von Magdalena61 » Sa 4. Aug 2018, 19:03

Das kann am Ende durchaus toleriert werden, selbst wenn es sich umfangreich ausbreiten sollte, aber eines bleibt: es ist keine Integration.
Wer soll sich intergrieren?
Ich?
Nö. Ich bleibe, was ich bin. Deutsche.
Denkst du, wenn ich in die Türkei ziehen müsste, würde irgendjemand Rücksicht nehmen auf meine Befindlichkeiten? Etwa Herr Erdogan?
Magdalena61 hat geschrieben:Von einem Fußballer, der in wichtigen Spielen für Deutschland spielt, erwarte ich, dass er die deutsche Nationalhymne mitsingt.
Ei ei ei, da hast du dich zu einer überspitzten Aussage hinreissen lassen
Finde ich nicht.
Nationalelf.
Ob jemand schwarz ist oder weiß, ist mir egal. Wichtig ist mir die Identifikation mit dem Land, für das er rausgeht. Wenn der DFB und andere Länder ihre Nationalmannschaften lieber mit Söldnern betreiben möchten, die halt das Geld abkassieren und ihre Chancen nützen; Karriere machen wollen, braucht es keine Weltmeisterschaften mehr.
Genau hier liegt auch der wunde Punkt beim „Özil-Photo mit Erdogan“ („Fussballer mit Beilage“ :-)). Es handelt sich um dümmlichen Nationalpathos, der mir Schmerzen in Bereichen verursacht, die gar nicht zu mir gehören (-> Fremdschämen).
Özil und sein Kollege haben sich dazu manipulieren lassen, für Herrn Erdogan Wahlkampf zu machen. Herr E. wußte ganz GENAU, dass die Bundesregierung ihm nicht gestattet hatte, in Deutschland Wahlkampfveranstaltungen abzuhalten. Also schnappte er sich die Gelegenheit und die Spieler, und machte das von London aus.
Wenn Özil darauf besteht, "Deutscher" zu sein, dann ist in dieser Frage die Marschrichtung der Bundesregierung für ihn verbindlich!
Die in Deutschland lebenden wahlberechtigten Türken haben Herrn E. zum Sieg verholfen. Dafür gibt es keine Worte. Sie genießen hier Freiheit... und verwehren sie ihren Landsleuten in der Türkei.
Meiner Ansicht nach könnte man die Diskussion um die Photo-Aktion noch „etwas optimieren“, denn hier haben zwei junge Fussballspieler einen „Bock geschossen“ und einem Politiker (sprich „Stimmungsexperte“) eine Gelegenheit gegeben, sich grossflächig in Szene zu setzen.
Richtig.
Dann muß man hinterher aber nicht die Kritiker einer "rassistischen haltung" bezichtigen. Özil wurde doch nicht für seine Abstammung kritisiert. Sondern für sein Verhalten.
Abgesehen davon setzte Erdogan dann noch eins drauf, indem er Özil nach dessen Rücktritt öffentlich lobte". Ich meine, etwas von "Faschismus" gelesen zu haben... suche das jetzt aber nicht, da es anfängt zu gewittern.
Dass nun die Integrationsdebatte rund um die Photoaktion ins Spiel kommt, halte ich nicht für sinnvoll.
Darum geht es aber eigentlich.
Das ist das Thema hinter der Fotoaktion.
Wie man sieht, beschäftigt es die Menschen in diesem Land... sonst würden sie nicht so viel darüber reden.
Da wird nichts herauskommen, denn Politiker werden sich hierbei sofort wieder in Szene setzen, wobei das doch das eigentliche Problem war :-)
Es gibt auch klare Worte, beispielsweise von Cem Özdemir. Seine Politik muß man nicht mögen. Wenigstens ist er nicht in der AfD, also kann man ihn zitieren. :mrgreen: :devil:
LG

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