Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

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Bastler
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Bastler » Di 26. Apr 2016, 10:53

Um wieder zum Threadthema zurückzukommen:

Manchmal tut mir Maria leid, weil sie zu etwas gemacht wurde, worüber es in den biblischen Texten keinen klaren Hinweis gibt. Die Aussagen über Maria sind ja in den biblischen Texten recht mager gesät.

Ob sie sich wirklich selbst als "Gottesgebärerin", als "Himmelskönigin", als "Morgenröte der Erlösung", als "Urbild der Kirche", oder als "Unser aller Mutter" und als "Himmelspforte" gesehen hat?

So was hat man natürlich nie in der Hand. Che Guevara oder Mahatma Gandhi konnten ja auch ihre postmortale Wirkungsgeschichte nicht kontrollieren.

Bei mir war mal eine Grenze erreicht, als bei einer Veranstaltung der "legio Mariens" ein Gebet zu Maria vorgelesen wurde. Veneratio oder adoratio waren für mich da keine Frage, sondern die Bezeichnung von Maria.
"Maria, furchtbar anzuschauen, wie ein schlachtbereites Heer", hieß es da.
Was für eine Aussage über das Mädchen aus Israel und die Mutter Jesu!

Ich habe nachgefragt. Es war - selbstredend - natürlich der Kampf gegen das Böse gemeint, in dem sie die Schlachtenführerin sei. Diese Erklärung hat mich aber trotzdem nicht beruhigt. Ich bin aus der Veranstaltung gegangen - in dem Bewusstsein, dass hier einige nicht alle Tassen im Schrank haben.

Novas
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Di 26. Apr 2016, 11:12

Bastler hat geschrieben:Ob man sich vor Maria niederknien und sie verehren darf?

Seid mir nicht böse, wenn ich das Thema etwas vertiefe. Es hängt nämlich davon ab, wie weit man die Göttlichkeit Jesu ausweiten kann.

Ist die Göttlichkeit eines Menschen eine Aussage über einzig und allein Jesus?

In der orthodoxen Kirche gibt es das zentrale Thema der "Theosis", also der Anteilhabe der Menschen (manche sagen auch: der Gläubigen) an der Göttlichkeit Jesu.

In der katholischen Kirche gibt es das Gebet, das ein Priester bei der Gabenbereitung (still) spricht: "Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat."

Die Gemeinde kann dazu singen:
Wie Wein und Wasser sich verbinden,
so gehen wir in Christus ein,
wir werden die Vollendung finden
und seiner Gottheit teilhaft sein.

Meister Eckhart spricht von einer fortwährenden Inkarnation.
Gott wird in jedem Moment der menschlichen Geschichte immer neu Mensch bei der Geburt des Gottessohnes im Abrund einer jeden Menschenseele.

Nicht mal die Gläubigen bevorzugt Eckhart.

Das sind gewaltige Aussagen über die Menschennatur.
In diesem Falle müsste man sich vor jedem Menschen niederknien können, ohne sich der Abgötterei schuldig zu machen. Wenn doch auch auf dem Abgrund deiner Seele in jedem Augenblick der Gottessohn in dir neu geboren wird.

Letztlich ist es dasselbe, was natürlich einem jeden Juden oder Moslem ein Graus sein muss: Wie wenn sich der Apostel Thomas vor Jesus niederkniet und sagt "Mein Herr und mein Gott!"

Da verwischt sogar die Grenze zwischen adoratio und veneratio. Wenn ich im anderen Menschen die Gegenwart Gottes anerkenne. Wenn ich damit rechne, dass mich aus den Augen eines anderen Menschen Gott selber ansieht. Wenn der Traum des hl. Martin eine Realität spiegelt und die Worte "was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan" nicht nur im übertragenen Sinne verstehen. ....

Dann kann man auch vor Maria hinknien.

Ich vermute, dass die Schwachstellen dieser Vorstellung nun fleißig benannt werden. Und ja: Diese Schwachstellen gibt es. Trotzdem finde ich, dass man diesen Gedankengang erst einmal wahrnehmen muss, bevor man ihn ablehnt.

Ein sehr guter Beitrag übrigens. Ich möchte Dir Ted Nottingham ans Herz legen (ich hoffe Du verstehst Englisch ausreichend), der - meiner Ansicht nach - zu den größten christlichen Mystikern unsrer Zeit gehört. Er spricht auch über all diese Inhalte, die Du aufgezählt hast.

Zum Thema "THEOSIS":








Mary Magdalene: Hidden Illumined One by Theodore J. Nottingham
http://www.amazon.com/Mary-Magdalene-Il ... nottingham

"MARIA MAGDALENA":





und hier "MARIA MUTTER GOTTES (THEOTOKOS)" wirklich erhabene Musik...... ;)



Novas
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Di 26. Apr 2016, 12:07

Erleuchtender Klang .... :thumbup:



Novas
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Sa 30. Apr 2016, 05:56

;) Agni Parthene (Αγνή Παρθένε) ist eine liturgische Hymne komponiert von dem Heiligen Nektarios von Aigina, ein Teil des „Theotokarion“ (Buch der Hymnen an die Mutter Gottes) ~ mein Zugang zur Religion war immer die sinnliche-ästhetische Dimension. Die beste Antwort auf die Frage „Welche Bedeutung hat Maria?“ kann man vielleicht mit solch einer spirituellen Musik geben.

Das geht direkt ins Herz.



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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » So 8. Mai 2016, 00:48

Hier noch mal ein Hinweis auf das Buch von Navid Kermani....sehr lesenswert!

Aber spätestens jetzt, seit Kermanis jüngstem Buch "Ungläubiges Staunen" (C. H. Beck), sollte noch dem verstocktesten Christentumverteidiger klar werden, wie sehr dem Glauben an Jesus die Vorbehalte und Distanzen Kermanis nutzen. So leuchtet die christliche Verehrung der schönen Jungfrau Maria neu ein, wenn Kermani in seinem aus Bildbetrachtungen zusammengestellten Buch vom islamischen Gedanken ausgeht, "dass die Anschauung Gottes in der Frau die vollkommenste ist".
Friedenspreisträger Navid Kermani beschreibt in seinem Buch auch diese Kreuzigungsszene von Guido Reni (1575-1642) in San Lorenzo in Lucina, Rom
Foto: Getty Images Friedenspreisträger Navid Kermani beschreibt in seinem Buch auch diese Kreuzigungsszene von Guido Reni (1575-1642) in San Lorenzo in Lucina, Rom

So lässt sich von Muslimen lernen, dass es nicht Ablenkung von Gott und Jesus ist, wenn Katholiken und Orthodoxe Maria preisen. Sondern Gottesverehrung, die im Christentum geradezu angewiesen ist auf die Aufwertung des Femininen. Ist doch, so Kermani, "für die Menschwerdung Gottes das weibliche Prinzip konstitutiv".

http://www.welt.de/kultur/literarischew ... elbst.html

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Magdalena61 » Di 8. Mai 2018, 02:44

SO sieht eine sachlich- kompetente Diskussion über Maria aus.

Hier haben vernünftige User nachdenkliche, tiefsinnige Posts geschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen. :)
LG

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PeB
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von PeB » Di 8. Mai 2018, 10:45

Ich hoffe, ich bin nicht die Ausnahme ;) , wenn ich frage, ob Jesus womöglich die Gefahr einer 'Vergötzung' Marias vorausgesehen hatte. Vielleicht kann man folgende Bibelstelle auch in diesem Sinne verstehen:
Markus 3, 33-34 hat geschrieben:Da erwiderte Jesus: »Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?« Dann sah er die an, die rings um ihn herum saßen, und sagte: »Diese Leute hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Deine Worte sind mein Leben. Ich freue mich von Herzen, wenn du mit mir redest, denn ich gehöre ja dir, Herr, du Allmächtiger. (Jeremia 15,16)

ThomasM
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von ThomasM » Mo 14. Mai 2018, 15:34

PeB hat geschrieben:
ich frage, ob Jesus womöglich die Gefahr einer 'Vergötzung' Marias vorausgesehen hatte. Vielleicht kann man folgende Bibelstelle auch in diesem Sinne verstehen:
Markus 3, 33-34 hat geschrieben:Da erwiderte Jesus: »Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?« Dann sah er die an, die rings um ihn herum saßen, und sagte: »Diese Leute hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Das halte ich für nicht wirklich begründbar, wenn man sich den Kontext und die Zuhörer dieser Bibelstelle ansieht.
Meines Erachtens ist die Vergötzung Marias ein Prozess, der erst lange nach der biblisch dokumentierten Zeit eingesetzt hat.
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von PeB » Mo 14. Mai 2018, 15:48

ThomasM hat geschrieben:
PeB hat geschrieben:
ich frage, ob Jesus womöglich die Gefahr einer 'Vergötzung' Marias vorausgesehen hatte. Vielleicht kann man folgende Bibelstelle auch in diesem Sinne verstehen:
Markus 3, 33-34 hat geschrieben:Da erwiderte Jesus: »Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?« Dann sah er die an, die rings um ihn herum saßen, und sagte: »Diese Leute hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Das halte ich für nicht wirklich begründbar, wenn man sich den Kontext und die Zuhörer dieser Bibelstelle ansieht.
Meines Erachtens ist die Vergötzung Marias ein Prozess, der erst lange nach der biblisch dokumentierten Zeit eingesetzt hat.
Du hast natürlich recht. Der Bezug des Zitates ist ein anderer. Aber man kann es übertragen: auch Jesus ging es in dieser Angelegenheit unter anderem darum, dass Maria anderen nicht vorgezogen wird, weil sie seine Mutter ist. Gleichermaßen sollte wir sie ebenfalls nicht überhöhen.
Deine Worte sind mein Leben. Ich freue mich von Herzen, wenn du mit mir redest, denn ich gehöre ja dir, Herr, du Allmächtiger. (Jeremia 15,16)

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Travis
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Travis » Di 15. Mai 2018, 07:08

PeB hat geschrieben:Ich hoffe, ich bin nicht die Ausnahme ;) , wenn ich frage, ob Jesus womöglich die Gefahr einer 'Vergötzung' Marias vorausgesehen hatte. Vielleicht kann man folgende Bibelstelle auch in diesem Sinne verstehen:
Markus 3, 33-34 hat geschrieben:Da erwiderte Jesus: »Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?« Dann sah er die an, die rings um ihn herum saßen, und sagte: »Diese Leute hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Da würde ich noch
Joh 2,3+4 hat geschrieben:3 Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter Jesu zu ihrem Sohn: »Sie haben keinen Wein mehr!« 4 Jesus erwiderte: »Ist es deine Sache, liebe Frau, mir zu sagen, was ich zu tun habe? Meine Zeit ist noch nicht gekommen.«
ergänzen wollen.

Maria war klar, dass sie mit Jesus keinen durchschnittlichen Jungen aufgezogen hatte. In Joh 2,3+4 wird eine sich verändernde Situation in der Familie deutlich. Dafür waren die beschriebenen Umstände zu außergewöhnlich und von Maria wurde berichtet, dass sie die Umstände und Worte sehr bewusst wahrgenommen hatte.
-Areopag Raumpfleger-

1Sam 3,9b "Rede, HERR, denn dein Knecht hört."

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