Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

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closs
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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von closs » Do 28. Jun 2018, 21:07

SilverBullet hat geschrieben:Ich habe damit gerechnet, dass du wenigstens 20 Links aufführst, was natürlich immer noch nicht repräsentativ wäre – aber das ist vollkommen egal, denn du bringst noch nicht einmal einen einzigen Fall :-) Du hast dein Märchen damit selbst blossgestellt.
Hast Du keine Augen im Kopf und Bekannte im Ort oder Kinder in der Schule - oder guckst Du kein Fernsehen, wo dieses Thema mehrfach besprochen wurde? - Willst Du ernsthaft andeuten, das Kopftuch sei immer Ausdruck einer offensiven religiösen Botschaft? - Dann ist es Zeit, dass Du mal vor die Tür gehst.
SilverBullet hat geschrieben:ich dachte es wäre sogar zu meinen Lebzeiten gewesen, dass versucht wurde den durchgeknallten „Islamischen Staat“ zu gründen
Der IS wurde nicht in Europa gegründet und auch nicht für Europa vorgesehen.
Closs hat geschrieben:Das ist in Europa Schnee von übervorgestern - dieses Thema ist spätestens seit 1804 gegessen.
SilverBullet hat geschrieben:Das Gericht hat den zitierten Text geschrieben, damit klar ist, dass das, was du hier schreibst nicht weiter zu untersuchen ist.
Richtig - es hat es offen gelassen. - Ich will es ja ebenfalls nicht untersuchen, sondern einfach "sein" lassen, solange es in Übereinstimmung mit unseren Gesetzen ist.
SilverBullet hat geschrieben:Wenn du aus dem Christentum die Auflage ableitest, die christliche Überzeugung bei Interaktion einem anderen Deutschen unmissverständlich und dominant vors Gesicht zu halten ....
Du versuchst, das Kopftuch darzustellen wie die Ordenstracht einer Nonne, um Deine merkwürdige Abgrenzungs-Theorien über Wasser zu halten. - Das ist lächerlich. - Das hat alles nichts mit Realität zu tun.

Realität ist, dass sich viele vor allem ältere Türken traditionell kleiden wollen und es auch tun - bei der jüngeren Generation ist es weniger - irgendwann werden es noch weniger sein, wer weiß. - Alles überhaupt kein Problem. - Dass dieses Problem derart gehyped wird (Du bist ja nur ein Beispiel dafür) ist aus meiner Sicht Ausdruck mangelnden Bewusstseins dafür, welche Probleme wir WIRKLICH für die Zukunft haben.

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von SilverBullet » Do 28. Jun 2018, 21:43

closs hat geschrieben:Hast Du keine Augen im Kopf und Bekannte im Ort oder Kinder in der Schule - oder guckst Du kein Fernsehen, wo dieses Thema mehrfach besprochen wurde? - Willst Du ernsthaft andeuten, das Kopftuch sei immer Ausdruck einer offensiven religiösen Botschaft? - Dann ist es Zeit, dass Du mal vor die Tür gehst.
Märchen über Märchen.

Schau dir dieses Video an (hab ich ja schon mal verlinkt).

Da nimmt eine Frau teil, die hängt auch dieser Kultur-Legende an. Sie muss aber gegen Ende feststellen, dass sie auf dem Holzweg war – so wie du.

Mir kommt es so vor, als könnte ich beliebig viele konkrete Aussagen zu „mein Kopftuch, mein Glaube“ bringen.

Warum kannst du keinen einzigen Fall für deine Behauptung vorlegen (wobei es ja, wie gesagt, hunderte sein müssten)?
closs hat geschrieben:Der IS wurde nicht in Europa gegründet und auch nicht für Europa vorgesehen.
Mach dich nicht lächerlich, du bist der einzige, der plötzlich von Europa sprechen möchte und zudem ist Europa voll und ganz in den Kampf involviert – „seit 1804 nicht mehr“ ist maximaler Blödsinn.
closs hat geschrieben:Richtig - es hat es offen gelassen.
Nein, das Bundesverfassungsgericht ist nicht die Instanz, die hierbei etwas offen läst.
Wie sollte es denn damit zu letztinstanzlichen Kopftuchurteilen kommen können?
closs hat geschrieben:Du versuchst, das Kopftuch darzustellen wie die Ordenstracht einer Nonne
Ehrlich gesagt, weiss ich nichts von „Auflagen aus der Unsichtbarkeit“ bzgl. „dem Schutz der Weiblichkeit“ von Nonnen vor der „Schlechtigkeit des männlichen Geschlechts“, mit dem Ziel einer Gesellschaftsordnung.
Kannst du eine Bibelstelle oder die Aussage eines unfehlbaren Grossmuftis anbringen? – mir soll’s recht sein.
closs hat geschrieben:Realität ist, dass sich viele vor allem ältere Türken traditionell kleiden wollen und es auch tun - bei der jüngeren Generation ist es weniger
"Jaja, die jüngere Generation" – ich bewundere deine „Expertiese“ :-)

Märchen, Märchen und „es war einmal“…

Schau mal, so funktioniert es, wenn man mit Leichtigkeit einen Link angeben kann:
In Deutschland wird eine „Generation Allah“ herangezogen

Bei meiner Arbeit erlebe ich seit Jahren Jugendliche, die fehlgeleitete Begriffe im Kopf haben. Sie wachsen mit einem traditionellen Islamverständnis auf, das auch in unseren deutschen Moscheen gelehrt wird. Es wird eine ganze „Generation Allah“ herangezogen, die nicht mit den demokratischen Werten unserer Gesellschaft konform geht.

Die Nicht-Gleichberechtigung der Frau, die Tabuisierung von Sexualität, starke hierarchische Muster und einfache Schwarz-Weiß-Bilder setzen den Grundstein, auf dem Fundamentalisten aufbauen. Es ist kein Zufall, dass mehr Jugendliche aus muslimischen Familien zu Islamisten werden als Kinder aus nicht-muslimischen Haushalten


"Ach wie kulturbewusst doch die jungen Kopftuchträgerinnen heute wieder sind"... :-)

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von closs » Do 28. Jun 2018, 22:08

SilverBullet hat geschrieben:Mir kommt es so vor, als könnte ich beliebig viele konkrete Aussagen zu „mein Kopftuch, mein Glaube“ bringen.
Könnte ich ebenfalls - es war doch nie die Sprache davon, dass das Kopftuch NUR kulturell zu bewerten ist. - Zudem: Was soll das alles? - Da hat jemand ein Kopftuch auf, das ästhetisch/kulturell/traditionell/religiös gemeint ist - geht uns doch nichts an.
SilverBullet hat geschrieben:Warum kannst du keinen einzigen Fall für deine Behauptung vorlegen
Weil ich nicht über jedes Stöckchen springe, wenn Sachen derart klar sind wie diese - ich bin schlicht zu faul, im Netz nach Selbstverständlichkeiten zu suchen, weil Du in der Realität nicht die Augen aufmachst.
SilverBullet hat geschrieben:„seit 1804 nicht mehr“ ist maximaler Blödsinn.
Maximal wahr - seitdem gibt es in Deutschland/resp. Großteil Europas faktisch keine religiöse Macht ÜBER dem Staat. - Und wenn Du jetzt so tust, als sei der IS eine diesbzügliche Bedrohung, dann outest Du Dich als unaufgeklärtes Medien-Opfer.
SilverBullet hat geschrieben: das Bundesverfassungsgericht ist nicht die Instanz, die hierbei etwas offen läst.
Lies nochmal genau durch, was es schreibt.
SilverBullet hat geschrieben:Ehrlich gesagt, weiss ich nichts von „Auflagen aus der Unsichtbarkeit“ bzgl. „dem Schutz der Weiblichkeit“ von Nonnen vor der „Schlechtigkeit des männlichen Geschlechts“, mit dem Ziel einer Gesellschaftsordnung.
Non sequitur - keine Ahnung, was Du meinst.
SilverBullet hat geschrieben:In Deutschland wird eine „Generation Allah“ herangezogen
Das mag für Gruppen gelten - die meisten jungen Türken würden Dich für so einen generalisierenden Quatsch auslachen.

Im Text selber wird - soweit ich es überlesen konnte - etwas differenzierter dargestellt. - Insofern glaube ich auch, dass es Gruppierungen gibt, die zum Fundamentalismus neigen - und das ist selbstverständlich ein Thema für den Verfassungsschutz.

Umgekehrt: Meinst Du wirklich, dass etwas wahr ist, weil es schwarz auf weiß geschrieben ist? - Das sind alles Interessensvertreter/Meinungsvertreter, die da schreiben - das steht immer vorne dran. - Das heißt nicht, dass sie unrecht haben - zitierter Autor wird sicherlich in einigen Dingen recht haben. - Aber so zu tun, als stehe Europa/Deutschland vor einer islamischen Bedrohung, ist erst mal albern.

WENN dann doch was dran ist, dann deshalb, weil unsere eigene Gesellschaft dekadent geworden ist und zu wenig Kinder bekommt. - Ähnlich war es im späten Rom: Die "Ethno-Römer" haben die hohen gesellschaftlichen Positionen eingenommen, aber die ehemaligen Sklaven haben nach und nach die Gesellschaft maßgeblich geprägt. - Natürlich kann das über Generationen bei uns passieren.

Das bekämpft man aber nicht damit, dass man andere schwach macht, sondern sich stark macht. - Siehst Du Chancen dazu? - Davon abgesehen: JEDE Kultur ist bisher dadurch entstanden, dass sich Verschiedenes vermischt hat.

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von piscator » Fr 29. Jun 2018, 12:30

closs hat geschrieben:WENN dann doch was dran ist, dann deshalb, weil unsere eigene Gesellschaft dekadent geworden ist und zu wenig Kinder bekommt.
Inwieweit wir dekadent sein sollen, erschließt sich mir nicht. [/Quote]- Ähnlich war es im späten Rom: Die "Ethno-Römer" haben die hohen gesellschaftlichen Positionen eingenommen, aber die ehemaligen Sklaven haben nach und nach die Gesellschaft maßgeblich geprägt.[/Quote] Wie die römische Geschichte zeigt, wurden aus diesen Sklaven echte Römer, d.h. sie haben die Sitten und Gebräuche der Römer angenommen und da recht schnell innerhalb einer Generation.
Natürlich kann das über Generationen bei uns passieren.
Im Falle der Türken braucht man da schon zwischen 10 und 12 Generationen :lol:.(Das war jetzt ein Witz, nur zur Klarstellung :lol: :lol: )
Das bekämpft man aber nicht damit, dass man andere schwach macht, sondern sich stark macht. - Siehst Du Chancen dazu? - Davon abgesehen: JEDE Kultur ist bisher dadurch entstanden, dass sich Verschiedenes vermischt hat.
Das mag sein, in der Regel werden aber schwache Kulturen von den stärkeren geschluckt. Und so wie es gegenwärtig aussieht, wird sich zum Leidwesen mancher Gutmenschen der herkömmliche Islam in Europa auf Dauer nicht etablieren können, da ihm im Gegensatz zum Christentum entscheidende Merkmale, wie eine an unserer Arbeitswelt angepasste Sozialethik, insbesondere das "ora et labora", oder die Trennung von Religion und Staat schon in Ansätzen, fehlen.

Wenn ich mal die Fanatiker ausblende, bleibt vom Islam hier nicht viel übrig. Ich kenne kaum einen Moslem, der die 5 Säulen des Islam aufzählen kann oder im Alltag beachtet, im Gegenteil, da wird oft das Schweinefleisch und Alkoholverbot mit aufgezählt. Die Moscheen hier sind Freitags genauso voll oder auch leer, wie die Kirchen am Sonntag :lol:

Ich habe schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass Moslems genauso wenig wissen, was sie glauben, wie der normale Christ, der Kirchen nur bei Hochzeiten oder Taufen sieht.

Und um das Kopftuch zurückzukommen, die meisten Türken, die ich kenne, tragen kein Kopftuch, sondern lehnen das ganz offen als rückständig ab. Der verkrampfte Versuch der hier schreibenden Moslemversteher, das Kopftuch als Symbol irgendeiner Kultur darzustellen, löst bei diesen Leuten nur Kopfschütteln aus.

Und auch die schauen irritiert, wenn im Sommer eine junge Muslima mit Kopftuch, Leggins und Mantel, mit Baby im Kinderwagen, ein Kleinkind an der Hand und das dritte Kind im Bauch, irgendwo auftaucht. Damit identifizieren sie sich nicht. Auch mit Burkinis können die nichts anfangen und lachen ganz offen darüber.
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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von closs » Fr 29. Jun 2018, 13:58

piscator hat geschrieben:Inwieweit wir dekadent sein sollen, erschließt sich mir nicht.
Das wäre ein eigenes Thema - Stichworte:
* extrem hohe materielle Anforderungen an "Normalität"
* fast nur noch Ausbildung statt Bildung
* geistige Athrophisierung
* immer mehr Individualismus zu Lasten von Familien-Bewusstsein
* etc.
piscator hat geschrieben:Wie die römische Geschichte zeigt, wurden aus diesen Sklaven echte Römer, d.h. sie haben die Sitten und Gebräuche der Römer angenommen und da recht schnell innerhalb einer Generation.
Ja - das kann sein, dass dort mehr assimiliert als integriert wurde. - Trotzdem ist die Gesellschaft im 4. Jh. nach Christums eine deutlich andere als die in der Zeit des Kaisers Augustus. - Wenn eine Strömung schwächer und eine andere stärker wird, schlägt sich das überall nieder.
piscator hat geschrieben:Und so wie es gegenwärtig aussieht, wird sich zum Leidwesen mancher Gutmenschen der herkömmliche Islam in Europa auf Dauer nicht etablieren können
Das ist nicht zum "Leidwesen" so. - Den "Gutmenschen" geht es nicht um ein solches Ergebnis, sondern um die unaufgeregte Umsetzung des Grundgesetzes.

Meine Sorge ist wirklich, dass unsere Wohlstandsdemokratie schnell an ihre Grenzen kommt, sobald irgendwas zwickt - wenn das bereits bei gut 5% allermeistens höchst harmlosen Türken in Deutschland so ist: Was wird los sein, wenn (siehe Demographie und allgemeine Wirtschaftsprognosen) Deutschland in 10 Jahren von Frankreich und GB volkswirtschaftlich überholt sein wird und die "extrem hohe materielle Anforderungen an Normalität" nicht mehr befriedigt werden können (s.o.)? - Ich sehe erste Anzeichen einer unguten Entwicklung.

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von piscator » Fr 29. Jun 2018, 14:27

closs hat geschrieben:Das wäre ein eigenes Thema - Stichworte:
* extrem hohe materielle Anforderungen an "Normalität"
* fast nur noch Ausbildung statt Bildung
* geistige Athrophisierung
* immer mehr Individualismus zu Lasten von Familien-Bewusstsein
* etc.
Selbst wenn das dekadent sein sollte, wovon ich nicht überzeugt bin, ist mir das lieber als eine starre, zementierte Gesellschaft, wie man sie in islamischen Staaten so oft antrifft.
Meine Sorge ist wirklich, dass unsere Wohlstandsdemokratie schnell an ihre Grenzen kommt, sobald irgendwas zwickt - wenn das bereits bei gut 5% allermeistens höchst harmlosen Türken in Deutschland so ist: Was wird los sein, wenn (siehe Demographie und allgemeine Wirtschaftsprognosen) Deutschland in 10 Jahren von Frankreich und GB volkswirtschaftlich überholt sein wird und die "extrem hohe materielle Anforderungen an Normalität" nicht mehr befriedigt werden können (s.o.)? - Ich sehe erste Anzeichen einer unguten Entwicklung.
Ich nicht. Es gibt immer gute und schlechte Perioden, aber durch die starke Verflechtung der europäischen Länder sowohl in politscher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehe ich diese Gefahr nicht.
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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von closs » Fr 29. Jun 2018, 14:40

piscator hat geschrieben:Selbst wenn das dekadent sein sollte, wovon ich nicht überzeugt bin, ist mir das lieber als eine starre, zementierte Gesellschaft, wie man sie in islamischen Staaten so oft antrifft.
Mir auch - aber das ändert doch bei uns nichts.
piscator hat geschrieben:durch die starke Verflechtung der europäischen Länder sowohl in politscher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehe ich diese Gefahr nicht.
Das ist in der Tat die beste Versicherung dagegen - aber guck mal nach Ungarn, Polen, Tschechien, Österreich, Bayern, etc. - Meine Sorge ist, dass jeder mit seinem "We first" nationalisiert und am Ende nur noch eine taube EU-Hülle übrig bleibt.

Falls Du mit Deiner Einschätzung recht hast, kann mir nichts Besseres passieren - allein: Mir gefallen einige Entwicklungen der letzten Zeit ganz und gar nicht. - Das betrifft sehr wohl die Integrations-Debatte, bei der ich sehe, dass ein Großteil der Bevölkerung überhaupt noch nicht unser Grundgesetz verstanden hat. - Aber es betrifft ganz andere Sachen noch mehr (kurzer Themenwechsel):

Neulich war mal eine Prognose von Volkswirtschaftlern in der ZEIT, wie es uns unter demographischen und weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten wohl in 10 Jahren gehen werde - zusammenfassen kann man diese Prognosen mit dem Bonmot eines dieser Volkswirtschaftler:
"Uns wird es noch gut gehen, aber wir werden ca. ein Drittel weniger haben".

Jetzt die Frage an Dich: Glaubst Du, dass unsere materiell erfolgsgewohnte und anspruchs-behaftete (jüngere) Bevölkerung bei einem Drittel weniger mitgeht, ohne auszuflippen? - Ein Jahr mal GAR nicht in Urlaub fahren können - KEIN Leasingauto - wohnen im Altbau - 3 Jahre dieselben Klamotten - etc. ---????

Und dann kann halt (auf Basis heutiger Vorbereitung) auch wieder mal ein Sündenbock gefunden werden (= Minderheit): Die Moslems waren es, weil sie ihre Rente in der Türkei nicht versteuern müssen (oä) - tolle BILD-Überschrift. --- Glaubst Du, dass es in den nächsten 10 Jahren einen demokratischen Reifeprozess geben kann, der all dies verhindert? - Ich will es nicht ausschließen, aber ausgemacht ist das noch lange nicht.

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von piscator » Fr 29. Jun 2018, 16:26

closs hat geschrieben:
piscator hat geschrieben:durch die starke Verflechtung der europäischen Länder sowohl in politscher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehe ich diese Gefahr nicht.
Das ist in der Tat die beste Versicherung dagegen - aber guck mal nach Ungarn, Polen, Tschechien, Österreich, Bayern, etc. - Meine Sorge ist, dass jeder mit seinem "We first" nationalisiert und am Ende nur noch eine taube EU-Hülle übrig bleibt.
Ich denke dass man Österreich und Bayern nicht mit den anderen genannten Staaten in einen Topf werfen sollte. Ungarn, Polen und Tschechien erholen sich gerade halbwegs von dem Desaster des Ostblocks, die haben mit sich zu tun und wollen die Probleme anderer Staaten nicht auch nich haben.
Bayern ist ein Fall für sich, aus meiner Sicht hat Seehofer genauso recht wie Merkel. Ich sehe Seehofer als notwendigen Anstoß um die Diskussion überhaupt in Gang zu bringen.
Falls Du mit Deiner Einschätzung recht hast, kann mir nichts Besseres passieren - allein: Mir gefallen einige Entwicklungen der letzten Zeit ganz und gar nicht. - Das betrifft sehr wohl die Integrations-Debatte, bei der ich sehe, dass ein Großteil der Bevölkerung überhaupt noch nicht unser Grundgesetz verstanden hat.
Das Grundgesetz ist ein Regelwerk, das mit Leben zu erfüllen ist und da helfen Paragrafen oder Artikel wenig. Ich denke, dass die Integration nicht mal das Problem ist, sonst hätte die AfD weitaus mehr Stimmen. Den Menschen stinkt, dass ihnen in der Vergangenheit ständig gepredigt wurde, was für ach so tolle Menschen die Asylsuchenden doch sind. Lauter Fachleute, Spezialisten und gute Demokraten, sobald sie die deutsche Grenze überschritten haben. Keiner hat gesagt, dass es sich um ganz normale Menschen handelt, und dass da auch jede Menge Ar***löcher darunter sind, die die betreffenden Staaten in Nordafrika ganz einfach los werden wollten. Und natürlich sind auch Menschen dabei, die hier einfach nur ihr Glück suchen wollen.
- Aber es betrifft ganz andere Sachen noch mehr (kurzer Themenwechsel):

Neulich war mal eine Prognose von Volkswirtschaftlern in der ZEIT, wie es uns unter demographischen und weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten wohl in 10 Jahren gehen werde - zusammenfassen kann man diese Prognosen mit dem Bonmot eines dieser Volkswirtschaftler:
"Uns wird es noch gut gehen, aber wir werden ca. ein Drittel weniger haben".

Jetzt die Frage an Dich: Glaubst Du, dass unsere materiell erfolgsgewohnte und anspruchs-behaftete (jüngere) Bevölkerung bei einem Drittel weniger mitgeht, ohne auszuflippen? - Ein Jahr mal GAR nicht in Urlaub fahren können - KEIN Leasingauto - wohnen im Altbau - 3 Jahre dieselben Klamotten - etc. ---????
Okay, dann mal die Frage zurück an dich. Wie kommst du darauf, dass die jungen Leute hierzulande im Wohlstand schwimmen? Die sind froh, wenn sie eine bezahlbare Wohnung finden und ihr Leben halbwegs genießen können. Große Autos und teure Urlaube sind da nicht drin. Die paar jungen Leute, die buchstäblich in Geld schwimmen sind nicht typisch und das sage ich dir als Steuerberater.
Und dann kann halt (auf Basis heutiger Vorbereitung) auch wieder mal ein Sündenbock gefunden werden (= Minderheit): Die Moslems waren es, weil sie ihre Rente in der Türkei nicht versteuern müssen (oä) - tolle BILD-Überschrift. --- Glaubst Du, dass es in den nächsten 10 Jahren einen demokratischen Reifeprozess geben kann, der all dies verhindert? - Ich will es nicht ausschließen, aber ausgemacht ist das noch lange nicht.
Man kann Probleme auch herbeireden, wen interessiert, wo ein Türke seine Steuern zahlt oder auch nicht?
Die haben wenigstens noch ein Schlupfloch, die Einheimischen dagegen werden abkassiert auf Teufel komm raus. Auch wieder eine berufliche Aussage: Es ginge vielen Menschen deutlich besser, wenn sie von der Steuern nicht über Gebühr geschröpft werden würden. Auch ich als Fachmann frage mich zuweilen, wo die ganzen Milliarden eigentlich bleiben.
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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von closs » Fr 29. Jun 2018, 17:44

piscator hat geschrieben:Ich denke dass man Österreich und Bayern nicht mit den anderen genannten Staaten in einen Topf werfen sollte.
Mag sein - mir geht es um das "We first" - um Ansätze europäischer Trumpisierung.
piscator hat geschrieben: Den Menschen stinkt, dass ihnen in der Vergangenheit ständig gepredigt wurde, was für ach so tolle Menschen die Asylsuchenden doch sind.
Dieses Argument habe ich in Bezug auf berufliche Qualifikation (und so meinst Du es ja) nie gehört - dass man daraus volkswirtschaftlich was machen kann - ja, das schon. - Aber doch nicht, dass die Leute als ausgebildete Fachleute herkommen bzw. hierbleiben wollen - die muss man "machen".

Allerdings ist diesbezüglich (zumindest in Bayern) viel falsch gelaufen. - Nachdem wir aktiv mittendrin steck(t)en, haben wir mitgekriegt, was all die Syrer, Iraner und Eritreer alles machen dürfen und was nicht. - Sie dürfen z.B. (als Anerkannte) NICHT irgendwo jobben, bevor sie 3 Jahre (DREI) lang in (nutzlosen) Deutsch-Lern-Kursen sitzen mussten (ich habe einige Male reingespitzt: WIRKLICH nutzlos). - Wir haben dann "unsere" Asyl-Leute ab und zu versucht, irgendwo für Handlanger-Sachen unterzukriegen (der Markt ist da). - Danach kamen sie hoch-motiviert und haben gesagt: "An einem Tag in einer Restaurant-Küche lerne ich mehr Deutsch als in einem Monat in der Schule".

Und damit wären wir an einer anderen Dekadenz-Sache, das ich an anderer Stelle vergessen haben:
Hauptsache die Papiere stimmen - Hauptsache "zertifiziert" - die Qualität und das Ergebnis sind egal.
piscator hat geschrieben: Wie kommst du darauf, dass die jungen Leute hierzulande im Wohlstand schwimmen?
Das war nicht meine Aussage - ich sprach von
* extrem hohe materielle Anforderungen an "Normalität"
* fast nur noch Ausbildung statt Bildung
* geistige Athrophisierung
* immer mehr Individualismus zu Lasten von Familien-Bewusstsein.

Aber DAS, was da ist, wird tendenziell für unmittelbare Selbstverwirklichungs-Befriedigung ausgegeben. - Das heißt: Hätte unsere Generation und die unserer Eltern die Kaufkraft zur Verfügung gehabt, die heute junge Leute oft haben, wären sie reich gewesen. - Das ist ja allen zu gönnen - aber was ist, wenn es dazu nicht mehr langt UND mangels WIRKLICHER Bildung keine kostenlosen Befriedigungen möglich sind (= "Habe kein Geld - lese ich Mal die Werke von Thomas Mann")?
piscator hat geschrieben: wen interessiert, wo ein Türke seine Steuern zahlt oder auch nicht?
Wenn man damit das Volk aufpeitschen kann, ist es medial sehr interessant.
piscator hat geschrieben:Es ginge vielen Menschen deutlich besser, wenn sie von der Steuern nicht über Gebühr geschröpft werden würden. Auch ich als Fachmann frage mich zuweilen, wo die ganzen Milliarden eigentlich bleiben.
Ist die Lohnsteuer WIRKLICH das Problem?

Ich sehe das Problem eher bei den Sozialabgaben, allerdings: So selbstverständlich, wie die Leute heute zum Arzt latschen, war es auch nicht immer (ich war während meiner Job-Zeit vielleicht 5 Mal pro 10 Jahre beim Arzt). - Und diejenigen, die WIRKLICH schwer krank sind, sind nicht das Problem, weil es relativ wenige sind.

Was die Rentenabgaben angeht: Naja - da gibt die Demografie die Antwort - Pflege dito.

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Re: Der Wahnsinn der Kopftuch-Debatte

Beitrag von SilverBullet » So 1. Jul 2018, 12:55

closs hat geschrieben:
SilverBullet hat geschrieben:Mir kommt es so vor, als könnte ich beliebig viele konkrete Aussagen zu „mein Kopftuch, mein Glaube“ bringen.
Könnte ich ebenfalls - es war doch nie die Sprache davon, dass das Kopftuch NUR kulturell zu bewerten ist. - Zudem: Was soll das alles? - Da hat jemand ein Kopftuch auf, das ästhetisch/kulturell/traditionell/religiös gemeint ist - geht uns doch nichts an.
Du kannst keinen einzigen Fall vorlegen, tust aber so als sei es die Regel (müsstest also eigentlich hunderte Fälle vorlegen können).

Das islamische Kopftuch ist (laut Bundesverfassungsgericht) das Bekenntnis zu einer religiösen Überzeugung, also ein Verhalten, das explizit gegen Integration gerichtet ist. Bei einer Begegnung zwischen Menschen ist der optische Eindruck, der erste Eindruck und genau hier wird eine religiöse Absolutbehauptung mit beabsichtigter Auswirkung auf den Anderen Menschen zementiert –> nicht integriert.
closs hat geschrieben:Weil ich nicht über jedes Stöckchen springe, wenn Sachen derart klar sind wie diese - ich bin schlicht zu faul, im Netz nach Selbstverständlichkeiten zu suchen, weil Du in der Realität nicht die Augen aufmachst.
Naja, das ist nur die Fortsetzung deines erbärmlichen Märchens.
closs hat geschrieben:Maximal wahr - seitdem gibt es in Deutschland/resp. Großteil Europas faktisch keine religiöse Macht ÜBER dem Staat. - Und wenn Du jetzt so tust, als sei der IS eine diesbzügliche Bedrohung, dann outest Du Dich als unaufgeklärtes Medien-Opfer.
Der IS ist ein Beispiel für die Bestätigung meiner Aussage:
Bisher gab es in der Geschichte immer Grund für „mulmig“, wenn Religiöse mächtig wurden und einzelne Menschen nicht dazugehören wollten.

Wie aufgeklärt möchtest du sein, wenn du dies in Frage stellst?
closs hat geschrieben:Im Text selber wird - soweit ich es überlesen konnte - etwas differenzierter dargestellt. - Insofern glaube ich auch, dass es Gruppierungen gibt, die zum Fundamentalismus neigen - und das ist selbstverständlich ein Thema für den Verfassungsschutz.
Es geht nicht um diejenigen, die bereits vom Fundamentalismus eingefangen wurden, sondern um den allgemeinen Nährboden, der anfällig für Fundamentalismus macht.

Solltest du Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, kein Problem hier kannst du es dir ansehen und anhören.
(na so was, schon wieder kann ich einen Link angeben und von dir kommt rein gar nichts :-))
closs hat geschrieben:WENN dann doch was dran ist, dann deshalb, weil unsere eigene Gesellschaft dekadent geworden ist und zu wenig Kinder bekommt.
Blödsinn, Nicht-Integration hat rein gar nichts mit dem Kinder-Kriegen von integrierten Bürgern zu tun.
Als „Dekadent“ kann man das absichtliche Nicht-Beachten-Wollen von Funktionszusammenhängen bezeichnen – so was muss man sich tatsächlich leisten können, aber den jeweiligen „Überzeugten“ kann man getrost unterstellen, dass sie sich der Funktionszusammenhänge noch nicht einmal ansatzweise im Klaren sind.
Schau deine Haltung an, obwohl du keine Fallbeispiele nennen kannst, willst du eine Gegenposition vertreten können – heraus kommt Unsinn (siehe z.B. „deine Schweizer Abstammungsidee“).
closs hat geschrieben:Das bekämpft man aber nicht damit, dass man andere schwach macht, sondern sich stark macht.
Es geht hier nicht um „bekämpfen/schwach und stark“, sondern um das Betonen des Funktionierenden und die klare Abwertung dessen, was nicht funktioniert.
Die Umgangsform zwischen den deutschen Volksgruppen funktioniert -> Frieden!
Das Verhalten der „islamischen Kopftuch“-Fans gehört nicht zu dieser Funktionalität -> diese Leute sind nicht der Grund für Friede (was man an den Stammländern ihrer religiösen Durchgeknalltheit ohne Probleme erkennen kann – „Augen auf“ reicht aus).
closs hat geschrieben:JEDE Kultur ist bisher dadurch entstanden, dass sich Verschiedenes vermischt hat.
Das Vermischen von Funktionalität mit Nicht-Funktionalität ist die reine Dummheit.

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