Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

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Detlef
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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Detlef » Mo 15. Okt 2018, 20:38

closs hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Nein
Wieso "nein"? - Danach schreibst Du: "Die gesamte Praxis in Bezug auf Schwangerschaftsunterbrechungen beruht auf einem gesellschaftlichen Konsens" - dieser Konsens IST doch gerade eine Weltanschauung.
Detlef hat geschrieben:der ist entstanden aus m e h r e r e n , auch unterschiedlichen bzw. entgegen gesetzten Weltanschauungen!
Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich eine Weltanschauungen seine Zutaten von verschiedenen Ecken holt.
Eine Übereinkunft zwischen unterschiedlichen und entgegengesetzten Weltanschauungen ist aber was völlig anderes als der Standpunkt einer in sich geschlossenen Weltanschauung (wie z.B. der katholischen).
closs hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Er kriminalisiert Frauen
Ein Papst "kriminalisiert" eh nicht, weil er nicht juristisch spricht. - Davon abgesehen ist es in der RKK üblich, Kind UND Mutter als Opfer zu sehen.
Spricht so ein Kirchenoberhaupt, ein angeblich leuchtendes Vorbild für Millionen von Katholiken? Die Äußerung zeugt von ungewohnter Brutalität. Aber er wäre wohl nicht der Chef eines weltumspannenden Syndikats, wenn er nicht über Splitter in fremden Augen reden würde, während die Balken aus den eigenen Augen starren.
Die Wahrheit lässt sich pachten, mit dem Glauben an des Gottes Sohn, doch die Thesen sind vergänglich, allen Gläubigen zum Hohn! (Gert Reichelt)

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closs
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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von closs » Mo 15. Okt 2018, 21:14

Pluto hat geschrieben:Gegen die Vielerorts geltende Gesetzgebung.
Klar - das meine ich doch mit "eigenständigem Gegengewicht zur säkularen Gesellschaft". - Es ist eine gesetzes-unabhängige Orientierungs-Größe, der man folgt oder nicht.
Detlef hat geschrieben:Eine Übereinkunft zwischen unterschiedlichen und entgegengesetzten Weltanschauungen ist aber was völlig anderes als der Standpunkt einer in sich geschlossenen Weltanschauung (wie z.B. der katholischen).
Kann man so sehen - aber was ändert das an der gleichen Kategorie "Weltanschauung"? - Wobei die von Dir zitierten "unterschiedlichen und entgegengesetzten Weltanschauungen" EINES als Basis gemeinsam haben: Sie gehen von "Geist kommt aus Materie" aus, während Religionen von "Materie kommt aus Geist" ausgehen - das sind nicht-falsifizierbare Vorannahmen, von denen man einer glaubt und daraus seine darauf basierenden Weltanschauungen entwickelt.
Detlef hat geschrieben:Spricht so ein Kirchenoberhaupt, ein angeblich leuchtendes Vorbild für Millionen von Katholiken?
Man könnte es diplomatischer tun - Franziskus scheint sich dafür entschieden zu haben, so zu reden, dass man es nicht diplomatisch missverstehen kann.
Detlef hat geschrieben: wenn er nicht über Splitter in fremden Augen reden würde, während die Balken aus den eigenen Augen starren.
Wollen wir uns jetzt darüber streiten, ob Mord schlimmer oder weniger schlimm ist als sexueller Kindes-Missbrauch? - Übrigens: Die Kirche geht mit BEIDEN Tätergruppen gleich barmherzig um - was ihr im Fall der Verfehlungen der Täter in ihren Reihen übel genommen wird. - Also was jetzt?

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Magdalena61 » Mo 15. Okt 2018, 23:21

ThomasM hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:
Es ist also nicht Gott, der die befruchteten Eizellen sterben lässt, sondern das körpereigene "Sicherungssystem", welches notwendig ist in einer Welt nach dem Sündenfall.

Eine befruchtete Eizelle trägt die Möglichkeit des Werdens eines Menschen in sich. Doch sie ist noch kein Mensch.
Ich würde den Zeitpunkt, von dem an man von einem Menschen sprechen muß, auf den Beginn der Herztätigkeit datieren. Das ist relativ früh.
Ich halte es für ziemlich problematisch, solche Definitionen nach seinem Gottesbild zu formen.
Das tut doch jeder, der gläubig ist. Und Naturalisten haben auch ein "Bild", in das sie die Bruchstücke ihrer Annahmen oder ihres Wissen einordnen.
Für dich ist ein Gott, der einen Menschen körperlich sterben lässt kein Gott, du willst diesen Aspekt Gottes nicht wahrhaben.
Nein, das kann ich mir durchaus vorstellen, und da Gott immer den besseren Weg wählt für den Menschen, könnte ich es auch akzeptieren, wenn Er einen Menschen sterben lässt, bevor dieser geboren wird.
Wenn die Schwangerschaft schon bekannt war und eventuell länger bestand, ist das schmerzlich für die Eltern.
Für mich bestätigt ein Gott, der einen Menschen körperlich sterben lässt, als Gott.
Denn Gott kann Leben geben, wie er will. Und auch einen körperlich toten Menschen wieder auferwecken, sogar einen ungeborenen Zellhaufen.
Ja, natürlich kann Er das.
Der "Zellhaufen" ist in den Augen Gottes ja vielleicht ein Mensch, den Er mit Namen kennt und von dem Er auch die Persönlichkeit kennt. Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass 8 Zellen oder von mir aus am 3. Tag nach der Befruchtung 32 Zellen, die noch nicht spezifisch sind, ein "Mensch" sein sollen, wenn die Entwicklung in einem sehr frühen Stadium dann aufgrund von genetischen Defekten oder Fehlern bei der Teilung einen letalen Verlauf nimmt.

Die Annahme eines eigenständig arbeitenden körpereigenen Kontrollsystems, welches von Gott gegeben/ konstruiert/ mit eingebaut wurde, passt doch in die Theorie der Evolutionsbiologen. Leider funktioniert das Kontrollsystem nicht fehlerfrei. Sonst würden überhaupt keine Kinder mit Handycap geboren werden.

Wenn man sagt: Gott "sortiert" im Mutterleib und deshalb ist der Wille Gottes ursächlich für das Absterben von bis zu 50 % der befruchteten Eizellen, dann muß ich fragen: Kann Gott nicht ordentlich arbeiten oder will Er nicht? Warum ließ Er Babys mit Anenzephalie denn dann nicht in den ersten Tagen sterben? Oder Babys mit Chromosomenabweichungen / Erbkrankheiten/ Mißbildungen durch äußere Einwirkungen wie beispielsweise den Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft?

Es gäbe noch ein zweites Problem, und zwar Schwangerschaften betreffend, die durch verbotene Verbindungen, also durch Sünde/ ein Verbrechen entstanden. Wenn Gott der Urheber einer jeden Schwangerschaft wäre, dann würde Er, wenn er anlässlich o.g. Fälle neues Leben schafft, gegen seine eigenen Prinzipien handeln.

Ich glaube, die Genesis will uns sagen: Gott hat die Erde und so weiter erschaffen und dann hat Er sie dem Menschen übergeben, damit dieser sie bebaue und bewahre, das schließt den Gebrauch sämtlicher Naturgesetze und - mechanismen, soweit sie vom Menschen beeinflusst werden können, mit ein.

Auch Nichtchristen werden Eltern. Sie können selbst entscheiden, ob sie ein Kind wollen und den dafür vorgesehenen (von Gott geschenkten) Mechanismus aktivieren. Irgendwann im Verlauf der Schwangerschaft schenkt Gott dem werdenden Leben den "Odem"- eine ewige Seele.
Der körperliche Tod von Lebewesen ist in der Schöpfung der Erde mit angelegt worden und ist daher auch schon vor dem Sündenfall ein Teil des täglichen Lebens.
Gott wußte, wie es kommen würde. So gesehen stimme ich dir zu.

Man liest aber erst nach dem Sündenfall von der Realität des Todes. Als Gott den Menschen Kleider aus Fellen machte, mussten wohl Tiere sterben.
LG

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Magdalena61 » Mo 15. Okt 2018, 23:46

Detlef hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Hinter pro familia steht sehr wohl eine Weltanschauung.
Nein, die gesamte Praxis in Bezug auf Schwangerschaftsunterbrechungen beruht auf einem gesellschaftlichen Konsens, und der ist entstanden aus m e h r e r e n , auch unterschiedlichen bzw. entgegen gesetzten Weltanschauungen!
Ja, von mir aus. Dann sind es halt mehrere.
Die Frage war: Vertritt pro familia überhaupt (irgendeine) Weltanschauung.
Magdalena61 hat geschrieben:Die Wurzeln der ideologischen Haltung sind ja mal voll gruselig. Stichwort Rassenhygiene.
Wenn ich nicht weiter weiß....hole ich die Nazikeule raus. :roll:
Hast du den Link aufgerufen?
Das habe ich doch nicht erfunden.
Aber nicht Du, sondern der gesellschaftliche Konsens legt fest, wann eine befruchtete Eizelle ein schützenswerter Mensch ist.
Es gibt keinen allgemeingültigen Konsens. Es gibt gegensätzliche Meinungen.
Der Konsens muss nicht von allen getragen werden, aber von einer großen Mehrheit. Und die ist eben anderer Meinung als RKK, Papst oder auch du.
Die Mehrheit wird meist nicht völlig ahnungslos- unschuldig von einer Schwangerschaft überfallen.
Entsorgt werden unerwünschte Babys und kranke Babys. Bei Letzteren kann ich es ja noch verstehen, wenn die Eltern es sich nicht zutrauen, gegen den Strom zu schwimmen und ein behindertes Kind aufzuziehen. Das Leben wird sehr schwer damit. Und Unterstützung durch das Gros der Gesellschaft müssen sie nicht erwarten. Eher Anfeindungen; Ausgrenzungen. Dazu kommt die Sorge um das Wohl ihres Zeit seines Lebens unselbständig bleibenden Kindes, wenn die Eltern älter werden und es nicht mehr versorgen können.
Aber Babys, die lediglich gerade nicht in den eigenen Lebensplan passen, töten lassen? Die könnte man doch zur Adoption freigeben und mit dieser Entscheidung ein unfruchtbares Paar sehr glücklich machen.
Magdalena61 hat geschrieben:Und, ja, ich finde es gut, dass Papst Franziskus mit einer krassen Formulierung aufwartet.
Er kriminalisiert Frauen, die per Gesetz abtreiben dürfen als Auftraggeberinnen von Auftragsmördern und alle Ärzte, die diesen armen Frauen letztlich beistehen in völlig unzutreffender Form!
Er beschreibt die Realität. Hoffentlich bringt das einige Frauen zum Nachdenken. Eines Tages werden sie froh sein, der Abtreibungsmafia widerstanden zu haben.
Ein unfassbar schäbiges Ablenkungsmanöver: Auf verzweifelte Mädchen und Frauen, sowie auf Ärzte mit hocherhobenem moralischem Finger zeigen, um bspw. vom Missbrauchskandal abzulenken.
Der Zeitpunkt war in der Tat nicht sehr gut gewählt.
Papst Franziskus ist - lediglich- der Vorgesetzte der mißbrauchenden Personen seiner Belegschaft. Er hat diese Taten nicht selbst begangen.

Wenn ein Lehrer eine Schülerin mißbraucht, schiebt man die Verantwortung dafür doch auch nicht dem Direktor der Schule zu. Allerdings erwartet man vom Schulleiter ein gesteigertes Engagement: Er soll klären, was geschehen ist und die entsprechenden Sanktionen verhängen.
Die Worte Bergoglios ... stellen einen Skandal dar, sie sind ein Affront gegen alle Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben und sie verhöhnen alle Angehörigen, die um das Opfer eines wirklichen Auftragskillers trauern.
Ja klar, wäre es ziemlich vielen Leuten lieber, wenn der Papst den Mund halten und sie weiterhin in ihr Verderben rennen lassen würde. -
Herr Bergoglio macht sich selbst durch das Festhalten am Verhütungs- und Abtreibungsverbot schuldig.
Was er anordnet, ist (nur) für Katholiken verbindlich.
Warum regen sich dann Nichtkatholiken darüber auf? :) --
Und Katholiken verhüten auch, wenn's sein muss. Das Verbot ist nicht biblischer sondern kirchlicher Natur, also so etwas wie eine Vereinssatzung.
Die Hörigkeit der Gläubigen diesbezüglich ist die Ursache, dass die starke Vermehrung zu einem Bevölkerungswachstum führt, und dass für die nachkommende Generation nicht genügend Lebenschancen bleiben - dass ein "weiter so" einige Jahrzehnte später zu viel Leid führen wird... aber vielleicht ist es ja das was der Herr Bergoglio und seine Kirche will???
Meinst du Afrika? - Bei vielen Völkern dort sind Kinder eine Lebensversicherung, oftmals auch eine Einkommensquelle. Da liegt der Hund primär im Sozialen und in Traditionen begraben, und nicht unbedingt in Vorgaben der Kirche.
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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Pluto » Di 16. Okt 2018, 08:35

closs hat geschrieben:Sie gehen von "Geist kommt aus Materie" aus, während Religionen von "Materie kommt aus Geist" ausgehen - das sind nicht-falsifizierbare Vorannahmen, von denen man einer glaubt und daraus seine darauf basierenden Weltanschauungen entwickelt.
Der Glaube,dass Geist aus Materie entsteht erhärtet sich aber immer mehr. Sie gilt heute schon als Tatsache, Der christliche Glaube hingegen, Materie entstehe aus Geist, wird durch kein einziges Indiz bestätigt.
Detlef hat geschrieben: wenn er nicht über Splitter in fremden Augen reden würde, während die Balken aus den eigenen Augen starren.
Wollen wir uns jetzt darüber streiten, ob Mord schlimmer oder weniger schlimm ist als sexueller Kindes-Missbrauch? - Übrigens: Die Kirche geht mit BEIDEN Tätergruppen gleich barmherzig um - was ihr im Fall der Verfehlungen der Täter in ihren Reihen übel genommen wird. - Also was jetzt?[/quote]Nur Du und Franziskus redet von Mord. Andere sehen Abtreibung als Erfüllung des Gesetzes.

PS: Ich bin auch nicht dafür, dass manche Frauen die Regelung missbrauchen, um eine Abtreibung nach der anderen vollbringen zu lassen. Das ist in meinen Augen ein Missbrauch des Gesetzes.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von closs » Di 16. Okt 2018, 09:50

Pluto hat geschrieben:Der Glaube,dass Geist aus Materie entsteht erhärtet sich aber immer mehr.
INNERHALB der Naturwissenschaft. - Dieses Ergebnis ist übrigens zu erwarten. - Denn irgendeine materielle Stelle im Körper muss doch dafür zuständig sein.

Was Naturwissenschaft NICHT klären kann und prinzipiell und somit NIE klären können wird, ist: Sind die Kausalitäten zwischen Materie und Geist schaffender oder abbildender Natur?
Pluto hat geschrieben:Nur Du und Franziskus redet von Mord.
Ich zitiere Franziskus. - Von "Mord" würde ich persönlich NICHT sprechen, da "Mord" ein juristischer Begriff ist - insofern ist Abtreibung KEIN Mord, weil es sonst vom Gesetz verfolgt werden würde. - Es ist "Tötung".
Pluto hat geschrieben:Andere sehen Abtreibung als Erfüllung des Gesetzes.
Dann spiegele dies als diesbezüglich besonders Sensibler mal in die Geschichte: "Juden-VErgasung als ERfüllung des Gesetzes" - denn Gesetze dazu gab es. - Mit anderen Worten: Säkulare GEsetzlichkeit sagt erst mal gar nichts - außer, dass man es ohne Sanktion tun darf.
Pluto hat geschrieben:Ich bin auch nicht dafür, dass manche Frauen die Regelung missbrauchen, um eine Abtreibung nach der anderen vollbringen zu lassen. Das ist in meinen Augen ein Missbrauch des Gesetzes.
Ja, das gibt es auch - ich habe live gehört: "Abtreibungen bekomme ich bezahlt - die Pille nicht".

PS: Ich würde es nie wagen, auch nur mit einem Finger auf eine Frau zu deuten, die abgetrieben hat. - Das sind schlicht und ergreifend seelische oder materielle oder gesellschaftliche oder medizinische Notsituationen, die Frauen zu einer Entscheidung zwingt - letztlich hängen die Frauen dran. - Aber das ändert nichts an der anderen Seite der Medaille.

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Detlef » Mi 17. Okt 2018, 15:04

Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Hinter pro familia steht sehr wohl eine Weltanschauung.
Nein, die gesamte Praxis in Bezug auf Schwangerschaftsunterbrechungen beruht auf einem gesellschaftlichen Konsens, und der ist entstanden aus m e h r e r e n , auch unterschiedlichen bzw. entgegen gesetzten Weltanschauungen!
Ja, von mir aus. Dann sind es halt mehrere.
Die Frage war: Vertritt pro familia überhaupt (irgendeine) Weltanschauung.
Diese Pferd reitet eigentlich nur @closs, warum auch immer?
Magdalena61 hat geschrieben:Die Wurzeln der ideologischen Haltung sind ja mal voll gruselig. Stichwort Rassenhygiene.
Detlef hat geschrieben:Wenn ich nicht weiter weiß....hole ich die Nazikeule raus. :roll.
Magdalena61 hat geschrieben:Hast du den Link aufgerufen? Das habe ich doch nicht erfunden.
Hab'ich. Angebliche Einzelschicksale taugen aber nicht für Verallgemeinerungen, zudem ist dort einiges sehr unglaubwürdig, da wird z.B. gesagt:
"...Eine Bekannte wurde auch ungewollt schwanger und lies sich von der profamilia beraten, sie wollte nur Hilfe (finanziell und psychisch) und das Kind behalten. Aber sie wurde geradezu zu einer Abtreibung überredet und ehe sie sich versah stand sie auf der Straße und hatte einen Abtreibungsschein in den Händen, welcher ihr mit den Worten "machen Sie`s noch heute, bald ist es zu spät" in die Hände gedrückt wurde. Ihr sollte nicht mal Zeit gelassen werden, darüber nachzudenken!.."
So ein Pfeffer! Zwischen Beratung und ärztlichem Eingriff m ü s s e n laut Gesetzgeber drei Tage liegen!Professionellen Beratungsstellen wie "pro familia" sind zur ergebnisoffenen Auseinandersetzung und Information verpflichtet. Und selbst, wenn die Frau den "Schein" hat, ist nicht gesagt, dass sie nun tatsächlich abtreibt, es bleibt immer noch ihre Entscheidung.
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Aber nicht Du, sondern der gesellschaftliche Konsens legt fest, wann eine befruchtete Eizelle ein schützenswerter Mensch ist.
Es gibt keinen allgemeingültigen Konsens. Es gibt gegensätzliche Meinungen.
Dann nenne es eben "Kompromiss".
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Der Konsens muss nicht von allen getragen werden, aber von einer großen Mehrheit. Und die ist eben anderer Meinung als RKK, Papst oder auch du.
Die Mehrheit wird meist nicht völlig ahnungslos- unschuldig von einer Schwangerschaft überfallen. Entsorgt werden unerwünschte Babys und kranke Babys. Bei Letzteren kann ich es ja noch verstehen, wenn die Eltern es sich nicht zutrauen, gegen den Strom zu schwimmen und ein behindertes Kind aufzuziehen. Das Leben wird sehr schwer damit. Und Unterstützung durch das Gros der Gesellschaft müssen sie nicht erwarten. Eher Anfeindungen; Ausgrenzungen. Dazu kommt die Sorge um das Wohl ihres Zeit seines Lebens unselbständig bleibenden Kindes, wenn die Eltern älter werden und es nicht mehr versorgen können.
Aber Babys, die lediglich gerade nicht in den eigenen Lebensplan passen, töten lassen? Die könnte man doch zur Adoption freigeben und mit dieser Entscheidung ein unfruchtbares Paar sehr glücklich machen.
Ich denke, die überwiegende Mehrheit der Frauen macht sich die Entscheidung zum Abbruch nicht leicht und die Gründe für einen Abbruch sind vielfältiger als du oder ich... sich das vorstellen können.
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Und, ja, ich finde es gut, dass Papst Franziskus mit einer krassen Formulierung aufwartet.
Er kriminalisiert Frauen, die per Gesetz abtreiben dürfen als Auftraggeberinnen von Auftragsmördern und alle Ärzte, die diesen armen Frauen letztlich beistehen in völlig unzutreffender Form!
Er beschreibt die Realität. Hoffentlich bringt das einige Frauen zum Nachdenken. Eines Tages werden sie froh sein, der Abtreibungsmafia widerstanden zu haben.
Den Frauen jede Eigenverantwortung absprechen, ist aber absolut nicht mehr zeitgemäß.Für mich ist deshalb kaum nachvollziehbar, weshalb Frauen sich nicht in Scharen von der Männergesellschaft namens "katholische Kirche" abwenden.
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Ein unfassbar schäbiges Ablenkungsmanöver: Auf verzweifelte Mädchen und Frauen, sowie auf Ärzte mit hocherhobenem moralischem Finger zeigen, um bspw. vom Missbrauchskandal abzulenken.
Der Zeitpunkt war in der Tat nicht sehr gut gewählt. Papst Franziskus ist - lediglich- der Vorgesetzte der mißbrauchenden Personen seiner Belegschaft. Er hat diese Taten nicht selbst begangen. Wenn ein Lehrer eine Schülerin mißbraucht, schiebt man die Verantwortung dafür doch auch nicht dem Direktor der Schule zu. Allerdings erwartet man vom Schulleiter ein gesteigertes Engagement: Er soll klären, was geschehen ist und die entsprechenden Sanktionen verhängen.
Die Worte Bergoglios ... stellen einen Skandal dar, sie sind ein Affront gegen alle Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben und sie verhöhnen alle Angehörigen, die um das Opfer eines wirklichen Auftragskillers trauern.
Ja klar, wäre es ziemlich vielen Leuten lieber, wenn der Papst den Mund halten und sie weiterhin in ihr Verderben rennen lassen würde. -
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben: Herr Bergoglio macht sich selbst durch das Festhalten am Verhütungs- und Abtreibungsverbot schuldig.
Was er anordnet, ist (nur) für Katholiken verbindlich. Warum regen sich dann Nichtkatholiken darüber auf? :) -- Und Katholiken verhüten auch, wenn's sein muss. Das Verbot ist nicht biblischer sondern kirchlicher Natur, also so etwas wie eine Vereinssatzung.
Die katholische Kirche behandelt das Thema "Verhütung" aber längst nicht so lax, wie du das darstellst! Und er spricht ja nicht nur für seinen antidemokratischen Staat namens Vatikanstadt, sondern macht auch erheblichen Einfluss auf andere Staaten geltend. Und hier verdeutlicht verdeutlicht der Gottesvertreter wieder einmal, dass er die deutsche Gesetzgebung nicht akzeptiert. Der gesellschaftliche Einfluss über seinen verlängerten Arm bzw. lobbyistischen Einfluss "katholische Kirche" ist ja nun auch nicht zu bestreiten.
Magdalena61 hat geschrieben:
Detlef hat geschrieben:Die Hörigkeit der Gläubigen diesbezüglich ist die Ursache, dass die starke Vermehrung zu einem Bevölkerungswachstum führt, und dass für die nachkommende Generation nicht genügend Lebenschancen bleiben - dass ein "weiter so" einige Jahrzehnte später zu viel Leid führen wird... aber vielleicht ist es ja das was der Herr Bergoglio und seine Kirche will???
Meinst du Afrika? - Bei vielen Völkern dort sind Kinder eine Lebensversicherung, oftmals auch eine Einkommensquelle. Da liegt der Hund primär im Sozialen und in Traditionen begraben, und nicht unbedingt in Vorgaben der Kirche.LG
Sicher, aber auch hier stielt die katholische Kirche sich aus der Verantwortung und wird vom eigenen Machtanspruch geleitet.
Die Wahrheit lässt sich pachten, mit dem Glauben an des Gottes Sohn, doch die Thesen sind vergänglich, allen Gläubigen zum Hohn! (Gert Reichelt)

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Magdalena61 » Fr 19. Okt 2018, 00:40

Detlef hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Ja, von mir aus. Dann sind es halt mehrere.
Die Frage war: Vertritt pro familia überhaupt (irgendeine) Weltanschauung.
Diese Pferd reitet eigentlich nur @closs, warum auch immer?
Man schreibt halt, was man denkt. Und das muß gestattet sein.
Detlef hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Die Wurzeln der ideologischen Haltung sind ja mal voll gruselig. Stichwort Rassenhygiene.
Detlef hat geschrieben:Wenn ich nicht weiter weiß....hole ich die Nazikeule raus. :roll.
Magdalena61 hat geschrieben:Hast du den Link aufgerufen? Das habe ich doch nicht erfunden.
Hab'ich.
Ichmeine diesen hier: Hintergründe zur Organisation Pro Familia
Detlef hat geschrieben:Angebliche Einzelschicksale taugen aber nicht für Verallgemeinerungen, zudem ist dort einiges sehr unglaubwürdig, da wird z.B. gesagt:
...
So ein Pfeffer! Zwischen Beratung und ärztlichem Eingriff m ü s s e n laut Gesetzgeber drei Tage liegen!Professionellen Beratungsstellen wie "pro familia" sind zur ergebnisoffenen Auseinandersetzung und Information verpflichtet. Und selbst, wenn die Frau den "Schein" hat, ist nicht gesagt, dass sie nun tatsächlich abtreibt, es bleibt immer noch ihre Entscheidung.
Wenn sie in ihrer Situation souverän denken und handeln könnte, würde sie ja nicht zu einer solchen "Beratung" gehen. Oder sie würde auf das Ergebnis der Beratung, falls sie damit nicht wirklich zufrieden ist, relativ unbekümmert pfeifen.
Hm, ich könnte mir vorstellen, dass nicht immer alles nach den Vorgaben des Gesetzgebers gehandhabt wird. Als Frau mit mehr als zwei Kindern habe ich vielleicht etwas mehr praktische Erfahrung in diesen Dingen als du. :)
Detlef hat geschrieben:Ich denke, die überwiegende Mehrheit der Frauen macht sich die Entscheidung zum Abbruch nicht leicht und die Gründe für einen Abbruch sind vielfältiger als du oder ich... sich das vorstellen können.
Es fehlt an der Akzeptanz und an umfassender Unterstützung für die betroffenen Frauen.

Frauen sind in der ersten Phase der Schwangerschaft emotional instabil. Die Hormone bewirken ein anderes "Ich- Gefühl", man nimmt sich als verunsichert wahr, man fühlt sich ungeborgen. Man traut sich das Kind nicht zu und hat auch Angst vor möglichen Behinderungen. Das ist existenziell.
Der Partner/ Kindsvater ist kein verlässlicher Halt, oder er verlangt die Abtreibung, setzt die Frau unter Druck... oder es gibt gar keinen festen Partner.

Und ausgerechnet in dieser äußerst sensiblen Phase soll die Frau diese weit reichende "Entscheidung" treffen, und das innerhalb eines sehr begrenzten Zeitraums.

Einige Wochen später würde es ruhiger werden im Hormonhaushalt und die werdende Mutter könnte sich immer besser mit ihrem ungeborenen Kind identifizieren. So ganz langsam wächst dann auch der "Löwenmut", der das Kleine gegen alle widrigen Umstände verteidigen will und wird.

Ich verstehe die Frauen, die sich in den ersten Tagen oder Wochen der Schwangerschaft zur Abtreibung entschließen. Aber ich sehe auch, wie verletzt sie hinterher sind.
Detlef hat geschrieben:Den Frauen jede Eigenverantwortung absprechen, ist aber absolut nicht mehr zeitgemäß.
Da oben habe ich dir erklärt, wie es den meisten Frauen zu Beginn einer Schwangerschaft psychisch ergeht. Die körperlichen Beeinträchtigungen kommen noch dazu. Übelkeit, Müdigkeit... das Leben "tickt" anders als sonst, für Männer: Stell dir einfach vor, du hast Besuch. Es ist zwar ein Bekannter, ein Freund, aber du musst seinetwegen deinen Tagesablauf umstellen, und ständig ist der Bekannte halt da und du musst auf ihn Rücksicht nehmen. Und er kann nicht nach Hause gehen, denn er hat keine Wohnung mehr und auch kein Geld. Eine Änderung seiner Verhältnisse ist frühestens in neun Monaten zu erwarten. Deshalb musst du dich mit der Existenz und den Bedürfnissen deines Bekannten arrangieren. Der bleibt einfach da. Und du möchtest einfach nur dein altes Leben wieder zurück haben.
Würdest du den Bekannten umbringen lassen? Dann hättest du deine Wohnung wieder für dich.

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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von Magdalena61 » Fr 19. Okt 2018, 00:44

II.
Detlef hat geschrieben:Für mich ist deshalb kaum nachvollziehbar, weshalb Frauen sich nicht in Scharen von der Männergesellschaft namens "katholische Kirche" abwenden.
:D
Frauen werden in der RKK besser behandelt. Die "bibeltreuen Fundis" müssen sich echt nicht wundern, wenn ihnen ihre Frauen weg- und zur RKK überlaufen. Oder wenn sie die RKK nicht verlassen wollen.

Es ist nicht so, dass die Frauen so scharf wären auf die unbiblischen Seiten der RKK. Aber warum sollen sie aus ihrer Kirche austreten, wenn die Vertreter der "bibeltreuen Gemeinden" durch ihr arrogantes und überhebliches Verhalten nun einmal nicht überzeugen-- mehr von Jesus zu haben als die RKK?

Die Evangelikalen haben auch ihre Götzen, an denen sie eisern festhalten. Einer davon ist: Die Vergötzung der eigenen Männlichkeit, die in einigen (zu vielen) konservativen Fundikreisen gelehrt und, notfalls unter Anwendung von Gewalt, praktiziert wird,
inklusive der Annahme, dass in Differenzen zwischen Männern und Frauen niemals der Mann das Problem ist, denn der ist ja das "Haupt", welches meint, aufgrund seines Geschlechts der Frau, der "Gehilfin" (im Original heißt es Hilfe, "ezer", männliche Form), überlegen zu sein. Grundsätzlich ist die Frau die "Schuldige", die diszipliniert und gedemütigt werden muß, damit sie Buße tut (den Männern untertan/zu Willen ist).

Was, genau genommen, ein katastrophaleres Dogma ist als die RKK es sich jemals ausdenken konnte. :mrgreen:

Die RKK hat Maria mit im Programm. Von daher ist das Frauenbild auch vieler männlichen Mitglieder ein anderes als in den Kirchen und Gemeinden, in denen Maria keine Rolle spielt.
Detlef hat geschrieben: Die katholische Kirche behandelt das Thema "Verhütung" aber längst nicht so lax, wie du das darstellst!
Natürliche Familienplanung ist auch Verhütung. Und die ist von der Kirche "erlaubt". Es soll Paare geben, die damit tatsächlich klar kommen.
Denkst du, Katholiken müssen, bevor sie kirchliche Dienste in Anspruch nehmen wollen, einen Fragebogen ausfüllen, in welchem sie auch über ihr Liebesleben Auskunft geben müssen?
Detlef hat geschrieben: Und er spricht ja nicht nur für seinen antidemokratischen Staat namens Vatikanstadt, sondern macht auch erheblichen Einfluss auf andere Staaten geltend.
... auf die Katholiken in diesen Staaten. Ansonsten kümmert es doch niemanden, was der Papst sagt.
Detlef hat geschrieben: Und hier verdeutlicht verdeutlicht der Gottesvertreter wieder einmal, dass er die deutsche Gesetzgebung nicht akzeptiert.
Die akzeptiere ich auch nicht!
Weil die Handhabung unerwünschter Schwangerschaften sowas von verlogen ist:
Eine Mutter, die ihr Kind kurz nach der Geburt tötet, wird verurteilt und bestraft.
Eine Mutter, die das vor der Geburt macht, mit dem Segen/ der Erlaubnis des Staates in Form eines Beratungsscheins, wird nicht belangt.
Dabei ist die Mutter, die das Baby alleine geboren hat mit Sicherheit in den ersten Stunden/ Tagen nach der Geburt psychisch absolut durch den Wind und von daher nicht schuldfähig.

Eine Frau, die mehrmals abgetrieben hat, kann ihr Leben unbehelligt weiterführen.
Eine Frau, die mehrmals ihr Neugeborenes tötete und irgendwo versteckte, kommt 14 Jahre in den Knast.
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Re: Papst nennt Abtreibung Aufragsmord

Beitrag von closs » Fr 19. Okt 2018, 01:28

Magdalena61 hat geschrieben: Detlef hat geschrieben:

Magdalena61 hat geschrieben:
Ja, von mir aus. Dann sind es halt mehrere.
Die Frage war: Vertritt pro familia überhaupt (irgendeine) Weltanschauung.

Diese Pferd reitet eigentlich nur @closs, warum auch immer?

Man schreibt halt, was man denkt. Und das muß gestattet sein.

Detlef hat geschrieben:
Das ist ein sprachliches Problem, das man relativ schnell klären kann:

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich eingebürgert, dass "Weltanschauung" nur etwas Religiöses sie - dabei ist Agnostizismus oder Säkularismus ebenfalls etwas Weltanschauliches. - Wenn die Gesellschaft meint, dass die werdende Mutter alleinig zu entscheiden hat, ob sie ihr Kind austrägt (ich kritisere das nicht), ist das eine Weltanschauung des Individualismus: Das Ich als Maßstab.

Ich behauptet ausdrücklich nicht, dass dies eine schlechte Weltanschauung sei, aber sie ist relativ neu und ist in Antike und im christlichichen Kulturkreis, die eher aus der Gruppe/Familie und/oder aus dem Verhältnis zwischen Gott und Mensch gekennzeichnet sind, unbekannt. - Der Individualismus ist nicht die Überwindung von Weltanschauung, sondern eine neue Weltanschauung - mit allen Vor- und Nachteilen.

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