Anschläge auf Andersgläubige

Judentum, Islam, Hinduismus, Brahmanismus, Buddhismus,
west-östliche Weisheitslehre
Antworten
Benutzeravatar
Oleander
Beiträge: 6507
Registriert: Sa 2. Feb 2019, 00:04

Anschläge auf Andersgläubige

Beitrag von Oleander »

Abgetrennt aus: viewtopic.php?p=479879#p479879
Zippo hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 14:43
Magdalena61 hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 14:51 Ich weiß nicht,ob ihr es mitgekriegt habt: Am Pfingstsonntag wurden in Nigeria mindestens 50 Christen nach einem Gottesdienst ermordet. Der Priester und viele Gläubige wurden entführt.
Open Doors
Und wer solchen Menschen, die ohne eigene Schuld unsägliches Leid erfahren, noch zusätzliche Lasten auflädt, der provoziert mindestens Weherufe.
LG
Vielleicht sind sie gewarnt worden. Die meisten Christen haben so ein Gottvertrauen, aber sie rechnen nicht damit, daß Satan sie mit bösen Menschen ins Jenseits befördern kann.
...
Gerade gelesen und darum auch diesen Thread eröffnet:
Bei einem Granatenangriff auf einen Tempel der Sikhs sind am Samstag mindestens zwei Menschen verletzt worden.

Eine Gruppe bewaffneter Männer hat am Samstagmorgen einen Tempel der Sikhs in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen.
Er habe Explosionen und Schüsse aus dem Tempel gehört, sagte ein führender Vertreter der Religionsgemeinschaft, Gurnam Singh, der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums wurden zwei Sikhs bei der Explosion von mindestens einer Granate verwundet. Laut Singh könnte sich die Zahl der Opfer aber noch erhöhen.
https://www.gmx.at/magazine/politik/afg ... l-37030076

Es "trifft" also nicht immer NUR Christen!
Die Sikh-Religion (Sikhi oder auch Sikhismus) wurde von Guru Nanak, der 1469 in Talwandi (heute Pakistan) geboren wurde, gegründet und hat derzeit über 20 Millionen Gläubige weltweit.

Genauso wie Christen und Muslime glauben auch Sikhs nur an einen Gott.

Die Religion breitete sich vor allem auf dem Gebiet der Provinz Punjab aus, die seit 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt ist.

In der indischen Stadt Amritsar steht das Hauptheiligtum der Sikhs, der Goldene Tempel, der 1984 bei religiös-politischen Auseinandersetzungen von der indischen Armee gestürmt wurde.

Neben der Heiligen Schrift der Sikhs
, der Guru Grant Sahib, haben vor allem die Karma-Lehre (Lehre vom Geburtenkreislauf) und ein tugendhaftes Leben mit der Überwindung von Egoismus Gültigkeit.

Der letzte der insgesamt zehn Haupt-Gurus in der Sikh-Geschichte, Guru Govind Singh, hatte im 17. Jahrhundert das bis dahin geltende Guru- Wesen durch die Heilige Schrift ersetzt. Anders als im Hinduismus kennt der Sikhismus kein Kastenwesen.
https://www.welt.de/vermischtes/article ... ismus.html

Anders Gläubige wurden immer schon "verfolgt", egal ob körperlich vernichtet oder in dem man sie durch "predigen" von dem überzeugen wollte, was man selber glaubt.
Eine Lüge ist bereits drei Mal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. -Mark Twain-
Benutzeravatar
Oleander
Beiträge: 6507
Registriert: Sa 2. Feb 2019, 00:04

Re: Anschläge auf Andersgläubige

Beitrag von Oleander »

https://www.uni-muenster.de/imperia/md/ ... willen.pdf
Interview
„Die Verfolgung Andersgläubiger war nie nur religiös motiviert“
Historiker Wolfram Drews über politisch-religiöse Konflikte in Vormoderne und Moderne

Herr Professor Drews, was ist unter religiöser Verfolgung zu verstehen?

Die Verfolgung „um Gottes willen“ kann ganz unterschiedliche Formen und Gründe
haben.

In manchen Fällen wurde sie mit religiösen Argumenten gerechtfertigt – als sei sie
von Gott angeordnet.

In anderen Fällen diente sie der Verbreitung einer Religion – auch
dann wurde eine göttliche Autorität als Grund für die Verfolgung angeführt.
Für jedenhistorischen Einzelfall ist zu prüfen, ob die Religion nur Vorwand oder tieferer Grund der
Verfolgung war.

Die Ringvorlesung wird das anhand zahlreicher Bespiele differenziert erörtern.
Das Spektrum dessen, was Andersgläubigen zu verschiedenen Zeiten widerfuhr
und noch heute widerfährt, reicht von einer rigiden Benachteiligung über soziale
Ausgrenzung bis hin zu Hinrichtungen, Vertreibungen und Zwangskonversionen.
Im 7. Jahrhundert nach Christus kam es zur ersten dokumentierten Zwangstaufe, als im
westgotischen Spanien alle Juden gezwungen wurden, den christlichen Glauben
anzunehmen.
Solche Zwangskonversionen waren in der Geschichte zwar nicht die Regel,
kamen aber immer wieder vor...
.....

Eine Lüge ist bereits drei Mal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. -Mark Twain-
Benutzeravatar
Oleander
Beiträge: 6507
Registriert: Sa 2. Feb 2019, 00:04

Re: Anschläge auf Andersgläubige

Beitrag von Oleander »

Requerimiento
Teil der juristischen Rechtfertigung für die Eroberung indigener Territorien bildete der sogenannte requerimiento (dt.: Aufforderung, Mahnung).
In diesen öffentlich vorgelesenen Erklärungen forderten die Konquistadoren – zumeist auf Spanisch oder Latein – die bedingungslose Kapitulation der indigenen Bevölkerung, die Anerkennung der Herrschaft der christlichen Kirche über die Welt und der spanischen Krone über Amerika.
Der requerimiento besagte ebenfalls, dass im Falle einer Nichtanerkennung die Indigenen zu Sklaven gemacht würden, ihnen ihr Eigentum genommen werde und dass deren kriegerische Eroberung rechtlich sei.
https://www.lai.fu-berlin.de/e-learning ... iento.html
Als die Kunde von der Entdeckung neuer Länder nach Spanien drang, hatten die Entdecker und Eroberer neben der Requirierung neuer Besitztümer auch den Auftrag zur Christianisierung der „ungläubigen“ indigenen Bevölkerung.

Die Rettung der Seelen bildete die Legitimationsgrundlage
für die Eroberungen. Indigenen Oberhäuptern wurde das sogenannte requerimiento auf Spanisch vorgelesen, ein Dokument, das ihnen die Unterwerfung unter Kirche und Krone vorschrieb.
https://www.lai.fu-berlin.de/e-learning ... index.html
Eine Lüge ist bereits drei Mal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. -Mark Twain-
Benutzeravatar
Johncom
Beiträge: 1017
Registriert: Do 19. Aug 2021, 23:27

Re: Anschläge auf Andersgläubige

Beitrag von Johncom »

Als die Kunde von der Entdeckung neuer Länder nach Spanien drang, hatten die Entdecker und Eroberer neben der Requirierung neuer Besitztümer auch den Auftrag zur Christianisierung der „ungläubigen“ indigenen Bevölkerung.

Die Rettung der Seelen bildete die Legitimationsgrundlage
für die Eroberungen. Indigenen Oberhäuptern wurde das sogenannte requerimiento auf Spanisch vorgelesen, ein Dokument, das ihnen die Unterwerfung unter Kirche und Krone vorschrieb.
https://www.lai.fu-berlin.de/e-learning ... index.html


Es ist gar nicht anders als heute. Es geht um Ressourcen-Ausbeutung. Und das sind nicht nur die Bodenschätze, auch die Arbeitskräfte. In der Wirtschaft spricht man von human ressources.
Und um den Feldzug der gutmenschlichen Bevölkerung zuhause zu begründen, sagt man wir haben ja auch moralisch gut klingende Ziele: den armen Wilden zum besseren Glauben zu bekehren.
In dieser Zeit kommt auch das nicht mehr an, jetzt heißt es, wir bringen ihnen Demokratie.

Solch scheinbar religiös motivierte Anschlägen müssen nicht religiös motiviert sein.
Es kann sein, eine erprobte Terror-Organisation wird losgeschickt um Anschläge zu verüben damit in einem begehrten Land eine Unsicherheit erzeugt wird. Man sollte prüfen: wer bezahlt.
Hat sich die Regierung Konzerninteressen verweigert? Soll sie geschwächt werden?
Benutzeravatar
Anthros
Beiträge: 2876
Registriert: Do 2. Jul 2020, 09:25

Krieg, Toleranz oder Verstehen?

Beitrag von Anthros »

Oleander hat geschrieben: Sa 18. Jun 2022, 15:00 Anders Gläubige wurden immer schon "verfolgt", egal ob körperlich vernichtet oder in dem man sie durch "predigen" von dem überzeugen wollte, was man selber glaubt.
Religion hat dieses, an das Höchste zu glauben, was leicht zum Fanatismus reichen kann. Dann plötzlich trifft der eine einen anderen, der anders an das Höchste glaubt. Was machen die beiden miteinander? Entweder bekriegen sie sich, entweder sind sie zueinander tolerant oder jeder von beiden versteht, dass sein Höchstes subjektiv ist.
Ich würde in diesem letzteren Falle von einer echten Bescheidenheit sprechen, die entstehen kann durch die Beobachtung, dass die persönliche Sichtweise sich im Laufe des Lebens verändert, wie es im größeren Stil die kulturellen religiösen Sichtweisen tun. Um das erkennen zu können, muss man sich von diesem Volksglauben, in den man hineingewachsen ist, als Individuum zu einem Grad lösen können.
Der Weise äußert sich vorsichtig, der Narr mit Bestimmtheit über das kommende Wetter.
Wilhelm Busch
Antworten