Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 16. Jul 2022, 20:20
Wenn ich eine Sünde erben könnte, dann würde ich durch sie nicht schuldig werden, denn was ich erbe, ist nicht mein eigenes Vergehen. Hier liegt der Haken und der m.E. falsche Denkansatz. Aber es wird das von Paulus auch mit keinem Wort so gelehrt.
Mit dem Erbe übernimmt man auch die Last der Verantwortung für das Erbe. Aber dazu müsste man auch die Entscheidungsfreiheit haben, ob man das Erbe annimmt oder nicht. Auf die Sündhaftigkeit des Menschen lässt sich das nicht so einfach analog anwenden und es ist richtig, dass Paulus das so auch nicht lehrt. Biblisch gesehen ist Erbe eine Rechtssache und nichts Naturhaftes.
Die sündhafte Natur hat der Mensch allerdings auch nicht von Adam geerbt, die steckte schon vorher im Menschen. Was Adams Nachkommen geerbt haben, ist eine bestimmte Art der Weltwahrnehmung und des Weltgestaltungswillens, sich die Umwelt so zurecht zu gestalten, wie man meint, sie "ohne Gott" zu brauchen. Also nicht pflegsam und sorgsam mit der Natur und den Tieren umzugehen, sondern sie zu knechten und zu züchten. Die Domestzierung durch den Menschen wird ja als eine der wesentlichen Errungenschaften des Menschen hoch gehalten, aber es gibt auch immer mehr Forscher, die bezweifeln, dass die Art der Weltaneigung uns wirklich so gut getan hat. Beispiel James C. Scott - Against the Grain (deutsch, Die Mühlen der Zivilisation).
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 16. Jul 2022, 20:20
Und wenn man an einer Erbkrankheit leidet, dann fällt das m.E. nicht unter Sünde, sondern unter einen Fluch. Der wieder kann in Christus gebrochen werden. Ich meine, Jesus hat anhand des Blindgeborenen klargestellt, dass man Sünde selbst weder weitergibt, noch erbt. Du denkst hier also m.E. ähnlich falsch wie die Jünger damals.
Das Konzept der Erbkrankheit gibt es biblisch gesehen so ja auch gar nicht. Es gab vielleicht eine entsprechende menschliche Sichtweise, die sich so verstehen lässt (und wie sie uns in Johannes 9 anhand der Leute und ihrer Meinung über den Blindgeborenen dargeboten wird) aus der dann auch irgendwann das Konzept der Erbkrankheit im medizinischen Sinne konstruiert wurde. Es ist eine bestimmte Form und Art auf die Welt und auf sich selbst zu blicken, aber die sollte nicht unhinterfragt bleiben.
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 16. Jul 2022, 20:20
Durch welche Sünde falle ich nun in Schuld? Durch die, mit der ich eine Übertretung selbst begehe. Was daran wäre vererbt? Nichts.
Da sollte zumindest beachtet werden, dass es eine Art von Schuldbeteiligung gibt, aber das kann man nicht Schuldübertragung oder Erbe nennen.
2. Mose 20,5 denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen,
(entsprechend auch 2. Mose 34,7 + 4. Mose 14,18 + 5. Mose 5,9)
Und Hesekiel Kapitel 18 und 33, wer den Sünder nicht warnt, wird für dessen Sünde ebenfalls zur Rechenschaft gezogen. Also dieses "Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich", das stimmt biblisch gesehen so nicht.
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 16. Jul 2022, 20:20Keiner kann sagen, ich bin deswegen ein Mörder, weil meine Eltern schon solches Erbgut in sich trugen. Konsequenterweise wäre man dann nicht länger schuldig, sondern Adam & Eva müssten die ganze Last der Welt tragen.
Doch das kann man sagen, aber es taugt auch nicht als Ausrede und Entschuldigung für die eigens begangenen Taten. Die Kinder übernehmen bewusst und unbewusst Verhaltensweisen der Eltern und anderer Erwachsener, was ihnen vorgelebt wird. Nicht alles, aber doch viel mehr und vor allem auch solche, die man vielleicht sogar verabscheut. Um das zu überwinden, muss man sich stetig hinterfragen aber auch kritisieren lassen.
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 16. Jul 2022, 20:20
ich meine, es fehlt hier wirklich am selbständigen Denken, dass durch Dogmatik und Indoktrination unterbunden wird, ansonsten müsste man auf die Konsequenz einer solchen Denkweise auch selbst kommen können.
Selbständig denken ist die eine Sache, aber die Zusammenhänge erschließen sich nicht durch denken und logische Schlüsse ziehen alleine, denn die richtigen Schlüsse zu ziehen, das ist kein unabhängiger Selbstläufer. Die ganze Basis, auf der wir unsere Logik aufbauen, das ist die Bibel. Die sollte man zunächst erst mal kennen und das geht eben nicht mit vermeintlich selbständigen Denken, sondern indem man gewisse Denkweisen und Wissensinhalte über Bord wirft. Dafür braucht man aber einen Anlass wie z.B. das man erkennt, dass einen das Bisherige nicht wirklich was gebracht hat. Wer bereits ohne Bibel recht zufrieden mit sich war, der braucht keine Bibel und wird vielleicht zunächst aus bestimmten Gründen dann von ihren Inhalten fasziniert sein (Riesen, Dämonen, Engel, Wunder etc.) aber das wird dann keinen Bestand haben.