Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 27. Aug 2022, 23:16
Es konnte nicht gezeigt werden, dass das 10. Gebot Gottes vorwiegend für Reiche geschrieben wäre. Das war die Frage. Ebenso kann man kein Gebot finden, dass vorwiegend für Arme gelten würde. Es wäre m.E. auch Unsinn anzunehmen, Gott schreibe seine Gebote abhängig vom Sozialstatus. Ich bin heilfroh, dass Gott die Person nicht ansieht.
Da hast du mich missverstanden. Ich habe nicht gesagt und nicht sagen wollen, dass die 10. Gebote für Reiche geschrieben sind, als wäre Reichtum nach beliebiger Definition der Maßstab für ihre Geltung. Die 10. Gebote gelten heute für Jeff Bezos als Vertreter des Reichtums genau so wenig, wie für irgendeinen Sozialhilfeempfänger der Industrienationen oder Slumbewohner sonst wo auf der Welt. Aber auch wenn die 10 Gebote nicht für diese gelten, so gilt doch Gottes unterschiedlicher Maßstab, der nichts damit zu tun hat, dass Gott die Person ansehen würde.
Lukas 12,47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wußte und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden; 48 wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist, viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.
Nach welchem Maßstab wird hier also zur Verantwortung gezogen ? Nach der eigenen Erkenntnis. Oder noch genauer : Nach dem Bekenntnis zur eigenen Erkenntnis. Also nicht nach dem, was man tatsächlich weiß, sondern nach dem, für was man seine Erkenntnis hält.
Johannes 9,41 Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so würdet ihr keine Sünde haben; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde.
Es ist demnach nicht Gott, der die Person ansieht, sondern Gott lässt die Menschen auflaufen, die selber viel von sich halten. Die werden nach ihrem eigenen Wort und Maßstab gerichtet, so wie auch David über sich selbst das Todesurteil sprach, als er sich über die Figur in Nathans Rede empörte.
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 27. Aug 2022, 23:16
Genau das tut man, falls man den sozialen Status ansieht. Man bewertet damit falsch. Dann läuft im Inneren ein Programm, das aber nicht vom HG motiviert wird. Davor sollte man sich als Christ distanzieren, den Reichtum z.B. grundsätzlich als böse anzusehen. Konsequenterweise müsste dann Armut etwas Gutes und Erstrebenwertes sein.
1. Ich glaube nicht, dass Gott die persönlichen Lebensumstände von Menschen unberücksichtigt lässt. Allerdings ist Gott dabei nicht selber des Menschen Anwalt, der das Bestmögliche für den Angklagten raus holen will. Dass muss der Mensch schon selber besorgen und seine eigene Situation reflektieren und erklären können. Es kommt darauf an, welches Bewusstsein er für seine eigene Situation hat und unter welchem Leidensdruck er steht. Nicht anders ist es zu erklären, dass David, der König, Person in höchster Position, trotz seiner ganzen Laster doch auf ziemlich hohen Niveau in den Psalem jammern darf und letztlich von Gott gerecht gesprochen wird. David war nicht die geborene Rampensau, er spielte eine Rolle, mit der er total überfordert war. Er lebte in dem Bewusstsein, dass er eigentlich nur ein kleines und schwaches Licht war. Heute würde man es wahrscheinlich als Impostor Syndrom beschreiben. So wie wir ihn aus den Königsbüchern und Psalem kennen, so kannten ihn die Menschen seiner zeit nicht. Nein, Gott sieht nicht die Person an, sondern wir müssen uns Gott zeigen, wie wir sind.
2. Grundsätzlichen Reichtum gibt es schon gar nicht, als sei das irgendwie objektiv feststellbar. Wie immer Reichtum definiert ist, da geht es um Werte die ein Mensch für sich hat oder die ein Kollektiv durch Konventionen beschlossen hat. Die Zahlen auf den Computer oder auf den Bankkonten sind nur deswegen was wert, weil wir alle diesen Wertmaßstab direkt oder indirekt akzeptieren oder hinnehmen.
Wenn man mit Paulus gesprochen Nahrung und Bedeckung hat (1. Timotheus 6,8), ist man im Sinne von Paulus wohl nicht arm. Wohl aber sieht er jenen bescheidenen Status als etwas Gutes oder Erstrebenswertes. Ich weiss ja nicht, unter welcher kognitiven Verzerrung man leiden muss, um nicht zu erkennen, dass Paulus genau dies meint. Ob man seine Ansicht teilt, ist ja wieder eine ganz andere Frage.
Menschen die Papierbatzen unter dem Kopfkissen oder Zahlen auf Bankkonten haben, sind nach Gottes Definition nicht reich. Da haben sich die Menschen ihre eigene fiktive Welt geschaffen, die ihnen nur über dem Kopf zusammen krachen wird. Ist ja auch oft schon passiert. Hiob und Abraham hatten weder viel Gold noch ein dickes Konto. Auch hatten sie noch keine Gefriertruhen, wo sie Obst und Gemüse übermäßig lange lagern konnten.
Und über den König Israels lautet es in 5. Mose 17,17 schon vorsorgend, dass er sich Gold und Silber nicht mehren soll. Wie viel mehr muss das wohl fürs gemeine Volk gelten ? Der König ist davon eben nur keine Ausnahme. Salomo tat dies trotzdem und es war ihm kein Segen.
Helmuth hat geschrieben: ↑Sa 27. Aug 2022, 23:16Nun zwei Worte aus Jesu Mund, damit auch ich mir nicht nachsagen lasse, ich beziehe das Wort Gottes nicht ein:
Lk 6,38 hat geschrieben:Gebt, und euch wird gegeben werden: Ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder zugemessen werden.
Aber dir ist schon wirklich bewusst, dass hier das Geben die Bedingung ist und du darüber nicht hinweg liest ? Der Punkt ist doch, dass man geben kann nur das, was man auch hat. Und es ist auch nicht gesagt, dass das Gut, was man investiert auf gleiche Weise nur verfielfältigt zurück kommt. Wer viel hat, der muss auch viel geben. Wer aber 50 € verschenkt, wird nicht den doppelten oder x-fachen Eurobetrag zurück bekommen. Die Schätze im Reich Gottes sind eine andere Währung.
Wenn Jesus in Lukas 6,38 von Geben spricht, meint er nicht mit dem Reichtum zu kleckern, sondern das Hergeben des selben. Passt doch zu Matthäus 19,21.