Näncy

Politik und Weltgeschehen
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Johncom
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Re: Näncy

Beitrag von Johncom »

Claymore hat geschrieben: So 23. Mär 2025, 02:06
Es geht einfach darum, dass sich der Abolitionismus (= Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei) weltweit zum Wohl der Menschheit gegen alle wirtschaftlichen Zwänge durchsetzte. Eine zu zynische Sicht auf die menschliche Geschichte ist problematisch, da sie selbst in solchen Sternstunden der Menschheit allein unlautere und egoistische Motive vermutet.
:D
Klingt mir so, wie einer, der aus dem kommunistischem Umerziehungs-Brain Washing Camp als "erfolgreich
dressiert" frisch entlassen wurde.
oTp
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Re: Näncy

Beitrag von oTp »

Claymore hat eine politisch gesellschaftliche Zusammenschau, die mir vielfach vernünftiger ist als die unsere selbsternannten Versteher und Denker.
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst
Spice
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Re: Näncy

Beitrag von Spice »

Claymore hat geschrieben: So 23. Mär 2025, 02:06
Wer eine solche pessimistische Geschichtsauffassung verinnerlicht hat, ist auch allen möglichen zukünftigen Reformen – wie eben jetzt bei den Versuchen, weltweit den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu reduzieren – extrem feindlich und defätistisch eingestellt. Egal, wie sehr sie für die Menschheit zugutekämen, egal, wie notwendig sie für das zukünftige Überleben sind. Man will nicht das geringste Opfer für sie bringen und nur seine eigenen Besitzstände wahren. Und das wird dann bizarr wieder in emanzipatorischer Rhetorik verkleidet. Das Problem von »wem nützt es« ist schon mal, dass wir nicht wissen, ob die Akteure auf kurzfristigen oder langfristigen Nutzen abzielen.

Langfristig würde es uns allen nützen, wenn das Problem Klimawandel – soweit möglich – gelöst werden würde. Diese einfache Erklärung wird aber aus meiner Erfahrung von Verehrern des »Cui bono?« nicht angenommen.
Sehr schön gesagt.
Claymore
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Re: Näncy

Beitrag von Claymore »

Johncom hat geschrieben: So 23. Mär 2025, 04:16 Cui bono verehrt niemand.
Es ging darum, dass bestimmte Leute »Cui bono?« als ERKLÄRUNGSANSATZ viel zu sehr verehren.

Auch wenn alle Akteure perfekt rational agieren würden (was sicher nicht der Fall ist), ist doch die Frage, ob sie auf kurzfristigen oder langfristigen Nutzen aus sind!

Der Cui-Bono-Theoretiker unterstellt da schnell das falsche, nämlich Verlangen nach kurzfristigem Nutzen, und so kann er eine ganze Palette böswilliger Unterstellungen »herleiten«.

Kennst Du das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie? Das beweist, dass individuell egoistisch-rationales Handeln für jeden einzelnen zu dem schlechtesten Ergebnis führen kann. Mit einem Vertrauensvorschuss ist jedoch eine Kooperation möglich, die dieser spieltheoretischen Falle entgeht. Und so kann es am Ende allen besser gehen, als wenn jeder rational egoistisch gehandelt hätte.

Natürlich behaupte ich nicht (und es wäre auch absurd zu glauben), dass die mächtigen Akteure, wie die großen Staaten, eine Art Heilsarmee sind. Aber es gibt eben einen erleuchteten Egoismus, mit dem sie für sich selbst, wie auch für die anderen, eine bessere Zukunft schaffen. Das ist doch der Kerngedanke des sog. Idealismus, beginnend mit Kants »Zum ewigen Frieden«. Und allem zynischen »Realismus« zum Trotz, ist dies etwas, das zumindest teilweise Realität geworden ist – wenn man an die europäische Integration denkt und die 80 Jahre Frieden. Ein wesentlich besserer Track-Record als der viel gepriesene Putin.

Erleuchteten Egoismus und Vertrauensvorschuss – das kann der Cui-Bono-Theoretiker konzeptionell nicht begreifen und so muss er nach seiner Logik da immer eine heimtückisch-feindselige Motivation annehmen.

Natürlich ließen sich in Staaten, die offiziell dieser Philosophie der internationalen Beziehungen folgen, durchaus echte Beispiele von scheinheilig verpacktem Raubtierverhalten finden, und es wäre ein ehrenhaftes Unterfangen, dagegen anzukämpfen.

Aber diese finsteren Cui-Bono-Grübler reißen dabei gleich alle positiven Errungenschaften nieder. Das ist ein Preis, der mir zu hoch ist.
Wenn du glaubst, die Weltmächte handeln und führen Krieg aus Wohltätigkeit, dann glaube das weiter. :thumbup:
Du widersprichst Dir selbst, Johncom. Wenn Du wirklich glaubst, wie manche Spielarten des Realismus, dass das Innenleben von Staaten (wie die Werte in der Bevölkerung oder die Regierungsform) für die Außenpolitik keinerlei Rolle spielt, warum warnst Du dann hier andere à la »Wacht auf! Seid nicht naiv!«?

Die Geopolitik wäre dann doch nur ein deterministisches System, in dem die Staaten wie Billardkugeln der Logik von Macht, Ressourcen und Sicherung ihres Fortbestands folgen. Diesen Mechanismus könnte man zwar dokumentieren, aber nicht verändern.

Die Tatsache, dass Du uns doch zu überzeugen versuchst, beweist, dass Du selbst glaubst: Es kommt auf die »inneren Werte« an. Und das glaube ich auch. Damit lässt sich dann auch recht verständlich erklären, wie sich die Welt wandelte und »Institutionen« wie die Sklaverei, ausbeuterische Kolonialreiche oder Apartheid schließlich als untragbar angesehen und abgeschafft wurden.
oTp
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Re: Näncy

Beitrag von oTp »

Natürlich behaupte ich nicht (und es wäre auch absurd zu glauben), dass die mächtigen Akteure, wie die großen Staaten, eine Art Heilsarmee sind. Aber es gibt eben einen erleuchteten Egoismus, mit dem sie für sich selbst, wie auch für die anderen, eine bessere Zukunft schaffen.


Damit kann ich was anfangen. Das Agieren guter Staaten besteht eben nicht nur aus Egoismus.

Auch z.B. die EU kann gegenseitigen Nutzen bringen. Warum sie zerschlagen ?
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst
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Abischai
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Re: Näncy

Beitrag von Abischai »

oTp hat geschrieben: Do 3. Apr 2025, 19:51 Auch z.B. die EU kann gegenseitigen Nutzen bringen. Warum sie zerschlagen ?
Darauf warten alle Europäer seit geraumer Zeit vergebens. Oder kannst Du nur einen einzigen eindeutigen Vorteil benennen, den die EU uns schon gebracht hat? Immerhin ist sie ja einige Jahrzehnte im Sattel.
Meine Hilfe kommt von Jahweh, der Himmel und Erde gemacht hat. [Ps 121;2]
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Johncom
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Re: Näncy

Beitrag von Johncom »

Claymore hat geschrieben: Do 3. Apr 2025, 19:16 Die Tatsache, dass Du uns doch zu überzeugen versuchst, beweist, dass Du selbst glaubst: Es kommt auf die »inneren Werte« an. Und das glaube ich auch. Damit lässt sich dann auch recht verständlich erklären, wie sich die Welt wandelte und »Institutionen« wie die Sklaverei, ausbeuterische Kolonialreiche oder Apartheid schließlich als untragbar angesehen und abgeschafft wurden.
Also erstmal will ich niemanden überzeugen, jeder kann doch selber denken.
Ja, die Welt wandelt sich. Das ist gut so, wir haben heute mehr Wissen und werden wacher.

Wir durchschauen auch, dass Kolonialreiche weiter bestehen, George Friedman sagte es ja. Das frühere Kolonialreich Großbritannien wird (oder wurde) von den USA weiter geführt, und die USA lernten von der Strategie der Londoner Planer, und insgesamt von der Strategie des römischen Imperiums. Nämlich: man muss Verwalter einsetzen, die im Sinne des Imperiums handeln. Die den Steuer-Abgaben Gewinn sichern. Damit die Verwalter mit rebellischen Freiheitsbewegungen wenig Ärger bekommen, werden spalterische Parteien unterstützt.

Die Sklaverei? Ist doch völlig untauglich und zu teuer. Heute hast du eine Arbeiterklasse, die sich halb freiwillig und halb staatlich organisiert, gegen Krankheit und Altersarmut versichern lässt. Wir alle hier sind überwiegend "freiwillige" Sklaven. 7 Monate des Jahres kassieren Staat und Versicherungen unsere Einkommen, erst danach füttern wir die Familien. Fast jeder kann sich einen kleinen Urlaub leisten, der dient der "Erholung", als recreation wie es im Englischen heißt: wieder fit werden für ein weiteres Jahr in der Tretmühle.
Es kommt auf die »inneren Werte« an. Und das glaube ich auch.
Na wunderbar. Dann lasst und selbstbestimmt leben. Wenn ich Jesus folge, dann ist das meine Selbstbestimmung. Kein Staat, kein Führer und keine UN-Gesundheits-Organisation redet mir ein. Wir sind frei, der Himmel über uns, sonst niemand.
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Johncom
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Re: Näncy

Beitrag von Johncom »

oTp hat geschrieben: Do 3. Apr 2025, 19:51 Das Agieren guter Staaten besteht eben nicht nur aus Egoismus.

Auch z.B. die EU kann gegenseitigen Nutzen bringen. Warum sie zerschlagen ?
Gegen eine demokratisch fundierte EU wäre wenig einzubringen. Die EU war anfangs eine Wirtschafts-Union. wollte dann als EU zum neuen Europa-Reich aufschwingen (Adolfs Traum), hat aber eine demokratische Bestätigung nie versucht.
"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände,
weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde,
dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."
https://www.spiegel.de/politik/die-brue ... text=issue
Jeder geniest den Problemlosen Grenzübertritt in andere EU-Staaten, ich auch. Geld in andere Währungen zu wechseln, wäre aber kein Problem. Die Einführung des Euro hat nicht nur uns ärmer gemacht. Auch Griechen und Kroaten, das hörte ich selber ... wie günstig das Leben früher war und wie teuer nach der Einführung des Euro.

Die aktuelle EU sieht aus wie ein Macht-Apparat. Demokratisch unvereinbar. So etwas zu zerschlagen wäre ein Befreiungsschlag.
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