Johncom hat geschrieben: ↑So 23. Mär 2025, 04:16
Cui bono verehrt niemand.
Es ging darum, dass bestimmte Leute »Cui bono?« als
ERKLÄRUNGSANSATZ viel zu sehr verehren.
Auch wenn alle Akteure perfekt rational agieren würden (was sicher nicht der Fall ist), ist doch die Frage, ob sie auf
kurzfristigen oder
langfristigen Nutzen aus sind!
Der Cui-Bono-Theoretiker unterstellt da schnell das falsche, nämlich Verlangen nach kurzfristigem Nutzen, und so kann er eine ganze Palette böswilliger Unterstellungen »herleiten«.
Kennst Du das
Gefangenendilemma aus der Spieltheorie?
Das beweist, dass individuell egoistisch-rationales Handeln für jeden einzelnen zu dem schlechtesten Ergebnis führen kann. Mit einem
Vertrauensvorschuss ist jedoch eine Kooperation möglich, die dieser spieltheoretischen Falle entgeht. Und so kann es am Ende allen besser gehen, als wenn jeder rational egoistisch gehandelt hätte.
Natürlich behaupte ich nicht (und es wäre auch absurd zu glauben), dass die mächtigen Akteure, wie die großen Staaten, eine Art Heilsarmee sind. Aber es gibt eben einen
erleuchteten Egoismus, mit dem sie für sich selbst, wie auch für die anderen, eine bessere Zukunft schaffen. Das ist doch der Kerngedanke des sog. Idealismus, beginnend mit Kants »Zum ewigen Frieden«. Und allem zynischen »Realismus« zum Trotz, ist dies etwas, das zumindest teilweise Realität geworden ist – wenn man an die europäische Integration denkt und die 80 Jahre Frieden. Ein wesentlich besserer Track-Record als der viel gepriesene Putin.
Erleuchteten Egoismus und Vertrauensvorschuss – das kann der Cui-Bono-Theoretiker konzeptionell nicht begreifen und so muss er nach seiner Logik da immer eine heimtückisch-feindselige Motivation annehmen.
Natürlich ließen sich in Staaten, die offiziell dieser Philosophie der internationalen Beziehungen folgen, durchaus echte Beispiele von scheinheilig verpacktem Raubtierverhalten finden, und es wäre ein ehrenhaftes Unterfangen, dagegen anzukämpfen.
Aber diese finsteren Cui-Bono-Grübler reißen dabei gleich alle positiven Errungenschaften nieder. Das ist ein Preis, der mir zu hoch ist.
Wenn du glaubst, die Weltmächte handeln und führen Krieg aus Wohltätigkeit, dann glaube das weiter.

Du widersprichst Dir selbst, Johncom. Wenn Du wirklich glaubst, wie manche Spielarten des Realismus, dass das Innenleben von Staaten (wie die Werte in der Bevölkerung oder die Regierungsform) für die Außenpolitik keinerlei Rolle spielt, warum warnst Du dann hier andere à la
»Wacht auf! Seid nicht naiv!«?
Die Geopolitik wäre dann doch nur ein deterministisches System, in dem die Staaten wie Billardkugeln der Logik von Macht, Ressourcen und Sicherung ihres Fortbestands folgen. Diesen Mechanismus könnte man zwar
dokumentieren, aber
nicht verändern.
Die Tatsache, dass Du uns doch zu überzeugen versuchst, beweist, dass Du selbst glaubst: Es kommt auf die »inneren Werte« an. Und das glaube ich auch. Damit lässt sich dann auch recht verständlich erklären, wie sich die Welt wandelte und »Institutionen« wie die Sklaverei, ausbeuterische Kolonialreiche oder Apartheid schließlich als untragbar angesehen und abgeschafft wurden.