Otto hat geschrieben: ↑Mi 28. Jan 2026, 00:50
Diese dem Menschen innewohnende Kraft ist zwar selbst unsichtbar, ruft aber sichtbare Auswirkungen hervor. Jeder kennt den Spruch: „wes Geistes Kind jemand ist“…
Diese Gedanken sind für sich nicht falsch, aber sie kommen nicht für Jakobus 4:5 zur Anwendung. Das ist der Kernpunkt. Dass in uns Schlechtes "wohnt" ist als Sprachfigur gängig, aber wie ich bei dir schon öfter feststelle, stellst du Bezüge her, die kein Bezug zum vorliegenden Text sind. Die Gedanken sind nicht falsch, nur nicht zum Text passend. Daher kann ich sie nicht als Auslegung dazu sehen.
Geht man die Grammatik-Analysen, die ProfVonUndZu und ich mithilfe der KI gemacht haben, dann ist "der Geist" in Vers 5 Subjekt. Eine andere Deutung führt zu sprachlichen wie auch theologischen WIdersprüchen. Der ist für Ausleger oft typisch, aber auch für Jakobus? Man würde ihm so eine Fehlinterpretation unterstellen.
Klar, wenn du das hier schon anders siehst, dann endet es auch hier. Geht man aber davon aus, dass es sich um Subjekte handelt (es sind mehrere), dann stellt sich die Frage, welche Schrift und welchen Geist Jakobus meint. Nochmals die ELB-CSV-ÜS, der meiner Meinung optimalen Übersetzung, die dem Koine-Text am nächsten ist und vor allem dem Gedankengang des Autors folgt:
Jak 4,5 hat geschrieben: Oder meint ihr, dass die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid?
Wenn klar ist, dass unser Geist, also jetzt nicht Gottes Geist in uns, sondern unser Geist (ob er wohnt oder nicht ist irrelevant, es ist unser Geist) voller Neid und Tücke ist, wozu dann diese unnötigen Fragen? Jakobus stellt auf einmal in Frage, was er vorher schroff verurteilt? Wie das?
Unseren Geist hat Jakobus mit den Aussagen der Verse 1-3 hinlänglich beschrieben. Und in Vers 4 zeigt er, dass wir mit dieser Geisteshaltung auch in Feindschaft zu Gott stehen.
Bis hierher sollten wir uns einig sein. Wann aber bringt Jakobus Gottes Charakter ins Spiel? Erst mit Vers 6, wo es klar ist, da das Wort "Gott" dort auch Textbestand ist? Der Vers 5 ist eine Brücke dorthin, meine ich. Wenn Jakobus den Vers 6 mit "Er" beginnt, das auch ein Subjekt ist, dann muss klar sein, wen er meint, ansonsten ergibt der Text logisch wie theologisch wieder keinen Sinn. Hier zur Erinnerung:
Jak 4,6 hat geschrieben: Er gibt aber größere Gnade; deshalb spricht er: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“
Wer ist "Er", der Gnade gibt und spricht? Das muss vom Vers 5 her ableitbar sein, ansonsten könnte man den Satz nicht mit einem Personalpronomen beginnen. Wenn du es anders auslegst, dann tue es. Mir liegt nichts daran recht zu behalten. Jeder denkt, wie er erzogen wurde. Ich habe aber gelernt mich nicht darauf zu fixieren. Es ist für mich lediglich nicht logisch, dass Vers 5 den menschlichen Geist meint, weil das keinen Sinn ergibt.
Auf ähnliche Weise denkt auch Hoger. Er redet vom "Eifer", der in der Passage ebenfalls keinen Kontext bildet. Auch da ist es so: Der Eifer Gottes ist eine Tatsache, für sich also nicht Falsches, nur hat er zum Jakobus-Text keinen Bezug. Und sollte Gott mit Neid eifern, wie man den Text nach seiner Weise auslegen müsste, dann wäre das für mich eine Lüge, die Jakobus über Gott predigen würde. Das könnte ich nicht hinnehmen.
Meine Frage, welchen Denkfehler ich gemacht hätte, konnte noch keiner beantworten. Flaspige Bemerkungen sind keine Antwort. Mir geht es darum, ob ein erkennbarer Fehler vorliegt, dann denke ich um. Falls nicht, bleibe ich bei meiner Auffassung. Das hat meinem geistlichen Leben bislang nicht geschadet.