Jakobus 4,5

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Otto
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Otto »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 09:22
Otto hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 23:05 Er hat sich „angesiedelt“ (κατῴκισεν) und er „begehrt“ (ἐπιποθεῖ).Wenn du Gott als Subjekt in 4,5 erzwingst, handelst du gegen die literarische Art des Jakobus.
Es geht um κατῴκισεν. Deine Übersetzung wäre im Medium (hat sich). Die aktive Form müsste sich dann auf ein Objekt beziehen. Das Objekt wäre hier ziemlich eindeutig der zuvor erwähnte Geist, worauf das "ὃ" direkt nach πνεῦμα hinweist. Das Subjekt (er/sie/es) ist somit in κατῴκισεν impliziert.
Dein Hinweis auf das Aktiv von κατῴκισεν ist interessant, greift aber zu kurz. Im Griechischen werden Verben des Wohnens oft aktiv-intransitiv gebraucht – das Subjekt ist die Kraft, die sich niederlässt.
Wenn du sagst, ein "Er" (Gott) sei impliziert, ist das eine rein dogmatische Entscheidung, keine grammatikalische Notwendigkeit. ;)

Schau auf Jakobus 1,15: Dort handelt die Begierde aktiv (tiktei – 3. Pers. Sing. Aktiv). Niemand käme auf die Idee, dort Gott als Subjekt zu importieren, das die Begierde schwängert. Die Begierde handelt selbst!

Jakobus personifiziert hier die menschliche Natur. Dieser 'Geist' ist kein passives Objekt Gottes, sondern die (von der geerbten Sünde) aktive, treibende Kraft in uns, die zum Neid drängt. Wer hier Gott einfügt, muss auch den 'Neid' (phthonos) im nächsten Halbsatz wegdiskutieren – und genau da beginnt die Textbeugung. :shock:

Das Aktiv von κατῴκισεν unterstreicht hier gerade die Eigenmächtigkeit dieser Kraft. Der Geist hat nicht gewartet, bis er "eingesiedelt wurde", er hat sich den Platz genommen. Wer hier ein externes Subjekt (Gott) hineinliest, tut dies nicht wegen der Grammatik, sondern um der harten Diagnose des Jakobus über unsere Natur zu entkommen. ;)
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Otto
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Otto »

Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 05:01
Otto hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 23:05 Wie gesagt, Grammatik ist nicht meine Stärke ...
Darum ist deine Auslegung auch die Schwäche, was du damit indirekt auch sagst. Die Eindeutigkeit des Nominativ (für Geist im Vers 5) wurde gezeigt, auch vom ProfVonUndZu. Du kannst klarerweise weiter an deiner Auffassung festhalten. Sie folgt aber m.E. nicht dem Gedankengang des Jakobus, sondern deinem.

Auch bei mir löst sich alles in Luft auf, wenn man erkennt, dass es sich um rhetorische Fragstellungen handelt. Es wird dann glasklar, dass Gottes Geist, der in uns wohnt, niemals neidet.

Und wenn du in Vers 5 den Geist als unseren (des Menschen) identifizierst, dann musst du konsequent auch Vers 6 so deuten, denn dort gibt es zweimal ein "er" (auch hier Nominativ) und diese Pronomen müssen sich auf Vers 5 beziehen. Was Pronomen sind, soviel Grammatk traue ich dir aber zu. Es hieße dann dort, der Mensch rede an Gottes Stelle. Und ist das nun logisch?

So steht nun eine Auselgung, die exakt der Koine-Grammatik folgt und auch klar eine Aussage ergibt einer gefühlten entegegen, indem du Stellen miteinbringst, die hier nicht in Zusammenhang stehen. Das mag zwar für dich "glasklar" erscheinen, ist aber exegetisch mangelhaft.

Ich habe das nun zweimal erklärt, und diesmal dezidiert dir. Nun werde ich es wirklich beenden. Eine letzte Frage: Deuten die ZJ das auch so, oder nur du? Wie auch immer, viel Freude an deiner Auslegung. :wave:
Hallo Helmuth,
dein Verweis auf die Pronomen in Vers 6 ist leider ein Eigentor.In Vers 6 wird mit "ὁ θεὸς" (Gott) explizit ein neues Subjekt eingeführt. Damit ist dein Argument hinfällig, dass sich die Pronomen dort auf den Geist aus Vers 5 beziehen müssten. Jakobus setzt hier bewusst Gott als denjenigen, der der stolzen, neidischen Natur des Menschen (V. 5) mit Gnade begegnet.

Du sagst, es sei "glasklar", dass Gottes Geist nicht neidet. Das ist kein Argument, sondern eine Voreingenommenheit: Du definierst den Geist vorab als "gut" und musst dann das Wort φθόνος (Neid) gewaltsam umdeuten.Jakobus nutzt aber genau dieses Wort für ein Laster.

Wer in Jak 1,15 akzeptiert, dass die Begierde (Subjekt) aktiv handelt, aber in Jak 4,5 ein externes Subjekt (Gott) importiert, betreibt keine Exegese, sondern Dogmatik. ;) Deine Auslegung glättet den Text, meine nimmt ihn beim Wort: Vers 5 ist die bittere Diagnose unseres Inneren, Vers 6 ist die rettende Gnade Gottes.

Philologisch gesehen ist die explizite Nennung von ὁ θεὸς (Gott) in Vers 6 der Beweis für den Subjektwechsel. Wäre Gott bereits das Subjekt in Vers 5, wäre seine namentliche Erwähnung in Vers 6 grammatikalisch sinnlos. Jakobus setzt Gott hier aber ganz bewusst als Gegenspieler zu dem in Vers 5 diagnostizierten neidischen Geist ein. Erst dieser Kontrast zwischen dem "neidischen Geist" (V. 5) und dem "gnädigen Gott" (V. 6) macht die gesamte Passage logisch. ;)

Um die philologische Notwendigkeit des Subjektwechsels zu verdeutlichen: Schau dir Römer 6,23 an. Dort wird die Sünde als handelndes Subjekt eingeführt (sie zahlt Lohn), und im direkten Anschluss wird Gott (ὁ θεὸς) explizit als neues Subjekt genannt, um den Kontrast zu markieren (Er gibt das Geschenk).

Niemand würde auf die Idee kommen, die "Sünde" im ersten Teil des Verses mit "Gott" gleichzusetzen, nur weil man das Wort "Gott" im zweiten Teil liest. Jakobus nutzt in Jak 4,5-6 exakt dieselbe rhetorische Struktur: V. 5: Die Diagnose der negativen Macht (der Geist, der zum Neid drängt).V. 6: Die Einführung des Gegenspielers (Gott, der Gnade gibt).

Die explizite Nennung von ὁ θεὸς in Vers 6 ist der klassische griechische Weg, um anzuzeigen: "Achtung, hier tritt eine neue Person auf den Plan, die das Problem aus dem vorherigen Satz löst."Deine Behauptung, das Subjekt aus Vers 6 müsse das gleiche wie in Vers 5 sein, ignoriert diese fundamentale griechische Satzbau-Regel der Antithese. Aber wie schon geschrieben, Grammatik war nie meine Stärke...:wave:
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Helmuth
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Helmuth »

Otto hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 11:53 Wenn du sagst, ein "Er" (Gott) sei impliziert, ist das eine rein dogmatische Entscheidung, keine grammatikalische Notwendigkeit. ;)
Durchaus, aber es gelten dennoch Regeln zur Exegese. Sorry, dass ich doch noch nicht fertig bin. Du übergehst aber wie vorsätzlich klare Exegeseregeln, zumindest ist das mein Eindruck. Es geht ja immer noch um den Geist.

Um diesen in Vers 5 als Subjekt oder Objekt dogmatisch festzulegen, müssen Nominativ und in dem Fall Akkusativ gleich sein, sonst gäbe es den Spielraum nicht, und das ist nach meinen Recherchen der Fall.

Entscheidet man sich für den Akkusativ, fehlt ein zugehöriges Subjekt, ansonsten erhält man gar keine Aussage. Und entscheidet man sich für den Nominativ, erübrigt sich die Subjektsuche, da das Subjekt auch immer im Nominativ steht. Ein Subjekt braucht man, ein Objekt nicht zwingend.

Weiters muss man entscheiden, ob Jakobus etwas aussagt oder etwas fragt. Bei einer Fragestellung ist nicht gesagt, dass es damit zur Aussage wird, sonst wäre die Frage hinfällig. Und es gibt auch die rhetorische Frage, die absichtlich widersprüchlich gestellt wird. Meine Anlyse ergibt: Jakobus 4:5 sind gleich zwei rhetorische Fragen, was aber auch nicht unüblich ist.

Diese Möglichkeit grenzt du bewusst oder unbewusst aus, um deine Auffassung aufrecht halten zu können. Exegetisch ist das damit wieder mangelhaft. Die lieferst schon mehrere Lücken, die du nicht schließt, sondern beginnst wieder mit deinem Ansatz. Da wird kein Schuh daraus. ;)

Beispiele dazu von Paulus, die unbestritten rhetorische Fragen sind, da er sie unmittelbar danach auch selbst klar verneint:
Röm 6,15 hat geschrieben: Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!
Röm 11,11 hat geschrieben: Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! …
Frage an dich: Sind die Satzstrukturen eindeutig Fragen, oder muss das exegetisch auch erarbeitet werden? Die KI sagt, dass das auf Koine erst geklärt werden muss. Das geht dann nur dem Kontext folgend, aber den des Jakobus, und nicht ein anderer. Jakobus bedient sich eines etwas anderen Lehrstils, aber das Lehren mittels rhetorischer Fragen ist allgemein üblich.
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Otto »

Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 13:14
Röm 6,15 hat geschrieben:Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!
Röm 11,11 hat geschrieben:Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! …
Frage an dich: Sind die Satzstrukturen eindeutig Fragen, oder muss das exegetisch auch erarbeitet werden? Die KI sagt, dass das auf Koine erst geklärt werden muss. Das geht dann nur dem Kontext folgend, aber den des Jakobus, und nicht ein anderer. Jakobus bedient sich eines etwas anderen Lehrstils, aber das Lehren mittels rhetorischer Fragen ist allgemein üblich.
Deine angeführten Beispiele aus dem Römerbrief (Röm 6,15; 11,11) beweisen nämlich genau meinen Punkt und offenbaren deinen Denkfehler in der Logik der Fragestellung. Bei Paulus ist die rhetorische Frage ein Werkzeug der Abgrenzung. Er stellt eine bewusst falsche These auf, um sie sofort mit einem "Das sei ferne!" (μὴ γένοιτο) zu zertrümmern. In Jakobus 4,5 fehlt dieser Widerruf komplett. Jakobus stellt die Frage und lässt die Diagnose über den neidischen Geist stehen, weil er sie eben nicht verneinen, sondern bekräftigen will.

Du forderst, wir müssten dem Kontext des Jakobus folgen. Genau das tue ich! Schau dir Jakobus 2,6 an: "Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken?" Das ist eine rhetorische Frage, die eine unbestreitbare Tatsache feststellt. Jakobus nutzt Fragen zur Überführung und Bekräftigung, nicht zur Verneinung. In 4,5 macht er es exakt so: Er nutzt die Frage, um die biblische Wahrheit über unsere neidische Natur (Personifizierung) als feststehende Tatsache in den Raum zu stellen.

Dass die Satzstruktur im Koine erst "erarbeitet" werden muss, ist philologisches Grundwissen. Aber Exegese bedeutet nicht, so lange zu "arbeiten", bis der Text das sagt, was man dogmatisch hören will. Eine Frage als Feststellung (Assertive Rhetorik) ist ein fester Bestandteil des antiken Lehrstils. Wer die Frage in Vers 5 als Verneinung liest, muss das Wort φθόνος (Neid) gewaltsam umdeuten und ignoriert den expliziten Subjektwechsel zu ὁ θεὸς (Gott) in Vers 6.

Wenn Vers 5 nur eine rhetorische Verneinung wäre ("Nein, der Geist neidet nicht"), worauf antwortet dann die "größere Gnade" in Vers 6? Gnade ist die Antwort auf ein Problem. Jakobus hält uns in Vers 5 den Spiegel unserer neidischen Natur vor (Diagnose), damit die Hilfe Gottes in Vers 6 überhaupt einen Sinn ergibt.

Du versuchst, das paulinische Muster (Frage + Verneinung) auf Jakobus zu erzwingen (?). Aber Jakobus kämpft nicht gegen falsche Schlüsse, sondern gegen die Verlogenheit des menschlichen Herzens. In 4,5 nutzt er die Frage als feststellende Wahrheit. Die Personifizierung macht den Text logisch: Vers 5 zeigt die Krankheit, Vers 6 die Medizin. :thumbup:
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Otto »

Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 13:14 Durchaus, aber es gelten dennoch Regeln zur Exegese. Sorry, dass ich doch noch nicht fertig bin. Du übergehst aber wie vorsätzlich klare Exegeseregeln, zumindest ist das mein Eindruck. Es geht ja immer noch um den Geist.

Um diesen in Vers 5 als Subjekt oder Objekt dogmatisch festzulegen, müssen Nominativ und in dem Fall Akkusativ gleich sein, sonst gäbe es den Spielraum nicht, und das ist nach meinen Recherchen der Fall.

Entscheidet man sich für den Akkusativ, fehlt ein zugehöriges Subjekt, ansonsten erhält man gar keine Aussage. Und entscheidet man sich für den Nominativ, erübrigt sich die Subjektsuche, da das Subjekt auch immer im Nominativ steht. Ein Subjekt braucht man, ein Objekt nicht zwingend.
Bei einer Personifizierung (wie in Jak 1,15 oder 4,5) verschmelzen die Rollen. Der Geist ist nicht einfach ein „Satzbaustein“, sondern die treibende Akteurs-Kraft. Hier starre Regeln für technische Berichte anzuwenden, ist exegetisch kontraproduktiv, da es die literarische Dynamik des Autors ignoriert.

Du sagst selbst, im Nominativ erübrigt sich die Subjektsuche. Warum also eine Regel bemühen, um ein Subjekt (Gott) zu „importieren“, das nicht im Text steht? Die einfachste Exegese-Regel lautet: Lies, was da steht. Wenn der Geist im Nominativ steht, dann ist er das Subjekt.

Dein Argument, man könne sich für den Akkusativ entscheiden, führt in eine Sackgasse, da dann das Subjekt fehlt. In der Exegese wählt man nicht die kompliziertere, lückenhafte Lösung (Akkusativ + Subjekt-Import), wenn die klare Lösung (Nominativ = Personifizierung) direkt vorliegt.

Regeln sind dazu da, den Sinn zu erschließen, nicht um ihn durch „Recherchen“ über Formgleichheit zu verschleiern. Wer den Geist zum Objekt macht, tut dies nur, um das Wort Neid (phthonos) dogmatisch zu neutralisieren. Damit wird die Grammatik zum Werkzeug der Textbeugung. :o
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Helmuth
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Helmuth »

Tja, so werden wir das nicht klären, denn ich sagte klar, dass ein Subjekt vorliegt und das mehrmals. Dennoch liest du bei mir einen Widerspruch. Das war gar nicht mein Problem. Noch ein Versuch, wieder mit einem neuen Aspekt (hatte ich zwar auch schon dargelegt, aber egal).

Ist Vers 5 eine Aussage, also keine Frage, kann es nur auf Menschen zutreffen. Das ist aber die Kernfrage. Sind wir zumindest einig, dass Neid und Eifer keine identischen Begriffe sind? Gott eifert, aber er neidet nicht. Jakobus redet aber über Neid. Das träfe dann nur auf den Menschen zu. Soweit deine Leseart unvoreingenommen.

Du musst dann aber auch erklären, worauf sich die Pronomen „er“ im Folgevers 6 beziehen. Wenn Jakobus in Vers 5 über den Geist des Menschen aussagt, also auch nicht danach fragt, dann muss man die Pronomen dafür geltend machen. Es hieße dann (ich setze absichtlich die Nomen ein, um es zu verdeutlichen):
Ottos Leseart hat geschrieben: Der Geist (des Menschen) gibt aber größere Gnade; deshalb spricht der Geist (des Menschen): „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“
In Vers 7 setzt Jakobus mit dem Nomen „Gott“ weiter fort, m.E. damit der Bezug zu Gott nicht verlorengeht, über den er nun redet. Jakobus zitiert hier auch aus der Schrift (Sprüche 3:34).

Zwei Fragen wären zu klären:

1) Welcher Geist spricht durch die Schrift, die Jakobus zitiert, der Geist des Menschen oder der Geist Gottes?
2) Wie erklärt sich der Bezugswechsel von Geist des Menschen zu Geist Gottes, falls Vers 5 über den Geist des Menschen redet?
Zuletzt geändert von Helmuth am Mo 2. Feb 2026, 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
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ProfDrVonUndZu
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Otto hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 11:53 Das Aktiv von κατῴκισεν unterstreicht hier gerade die Eigenmächtigkeit dieser Kraft. Der Geist hat nicht gewartet, bis er "eingesiedelt wurde", er hat sich den Platz genommen. Wer hier ein externes Subjekt (Gott) hineinliest, tut dies nicht wegen der Grammatik, sondern um der harten Diagnose des Jakobus über unsere Natur zu entkommen.
Die Grundform des Verbs spricht nicht für deine Darlegung. Wie schon in meinem hinterlegten KI Text gezeigt, geht daraus hervor, dass wir es nicht mit κατοικέω zu tun haben, sondern mit κατοικίζω. Das Relativpronomen könnte Nominativ oder Akkusativ sein. Als Nominativ gelesen, bliebe die Frage offen, wen oder was der Geist in uns ansiedelte. Sich selbst jedenfalls nicht. Als Akkusativ gelesen wird nur zum Verb verstärkt impliziert, dass er von von jemand anderem angesiedelt wurde. Ich habe nicht gesagt, dass dies Gott war. Ich sprach nur von er/sie/es, die sich genauer aus dem übergeordneten Kontext erschließen lassen müssen. Mit Dogmatik hat dies nichts zu tun. Ich sagte ja auch bereits, dass ich bis jetzt keine ganz zufriedenstellende Lösung für mich gefunden habe.
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Helmuth »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 16:27 Ich sagte ja auch bereits, dass ich bis jetzt keine ganz zufriedenstellende Lösung für mich gefunden habe.
Meine Exegese enthält keine Widersprüche, und ich sage das nicht um mich hervorzutun, sondern dass das ein klares Ergebnis sein muss. Das muss so sein, nicht sollte, oder nur optional. Ansonsten kann eine demütige Antwort auch so lauten: "Ich weiß es nicht." Da fällt keinem ein Zacken aus der Krone, die wir erben sollen.

Anders kann man seriöse Exegese nicht betreiben, die man auch für schriftkonform, texttreu oder simpel biblisch als glaubensrelevant erachtet, wobei es dann noch die Stufe heilsrelevant gibt. Das ist hier nicht anwendbar. Es geht aber um eine Übereinstimmung zwischen Schrift, Kontext und was der Heilige Geist dazu lehrt.

Zeigt mir einer einen Fehler, überdenke ich alles. Wenn es aber schlüssig ist, wozu dann aber? Dann möge Otto so denken, du so und ich halt so. So wichtig ist ein einzlener Vers nicht, denn das wäre fatal. Wäre denn mit einem Denkfehler der Glaube in ernster Gefahr? Das kann nicht sein, nicht wegen Jakobus 4:5. Das war nun auch eine rhetorische Frage.

Ich führe es jetzt nicht nochmals aus, warte aber noch auf die Begründungen Ottos auf meine Anfragen, um zu sehen, ob ich tatsächlich nicht eine Lücke hätte. Ich stehe nämlich auch dazu Fehler einzugestehen, aber dann muss der Fehler auch ein Faktum sein. Halbherzige Sachen verweigere ich, wenn es um die Schrift geht, die uns das Wesen Gottes und seines Sohnes Jesu nahelegt.
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 17:27 Meine Exegese enthält keine Widersprüche, und ich sage das nicht um mich hervorzutun, sondern dass das ein klares Ergebnis sein muss.
Ich halte die rhetorische Frage auch für die wahrscheinlichste Lösung, da das Verb δοκεῖτε im Indikativ sonst keinen Sinn ergibt. Dann wäre es hier ein Satz der feststellt, dass eine Meinung der Angeschriebenen vorliegt. Das müsste man ihnen gerade nicht erklären. Es sei denn, es hat hier einen skeptischen Unterton, was aber dann einer rhetorischen Frage gleichkäme.
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Otto »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 16:27 Die Grundform des Verbs spricht nicht für deine Darlegung. Wie schon in meinem hinterlegten KI Text gezeigt, geht daraus hervor, dass wir es nicht mit κατοικέω zu tun haben, sondern mit κατοικίζω
Google mal nach der „intransitive Gebrauch transitiver Verben in der Koine“.
Definition: "Bezeichnet ein Phänomen, bei dem Verben, die klassisch ein direktes Akkusativobjekt verlangen, ohne ein solches verwendet werden. Oft ändert sich dabei die Bedeutung hin zu einer reflexiven oder absoluten Handlung."

Liest man κατῴκισεν transitiv, ist Gott ( oder Er) das (implizite) Subjekt: „Der Geist, den [Gott/Er] in uns wohnen ließ...“

Liest man es intransitiv (als Personifizierung), wird der Geist selbst zum handelnden Subjekt: „Der Geist, der in uns Wohnung nahm...“

Warum die intransitive Lesart (für mich) „sauberer“ ist:

1)Sie benötigt keine Hilfskonstruktion (wie ein vom Leser ergänztes „Gott“ oder „Er“ als Subjekt).
2)Sie nimmt die transitiv-intransitive Unschärfe der Koine ernst.
3)Sie respektiert die lexikalische Bedeutung von φθόνος (Neid) als etwas Negatives, statt es mühsam in „Eifersucht“ umzudeuten.
4)Die Intransitivierung ist also das sprachliche Werkzeug, das eine Lesart ermöglicht, die den Text aus sich selbst heraus (aus dem Kontext der Begierden) erklärt, statt externe Konzepte zu importieren.

Der Text bei intransitiver Lesart eine anthropologische Realität:
Der Geist, der in uns Wohnung genommen hat, sehnt sich zum Neid.
Das passt nahtlos an die vorangegangenen Verse (Jak 4,1-4), in denen es um die ἡδοναί (Begierden) geht, die in den Gliedern kämpfen. Der „Geist“ ist hier die innere menschliche Instanz, die zur Missgunst neigt.

Wusstest du das es „Urtexte“ gibt wo anstatt „κατῴκισεν“ „κατῴκησεν“ verwendet wird? Zum Beispiel:Die Ausgabe von Stephanus 1550 und Scrivener 1894 Griechischer Text (Textus Receptus):
ἢ δοκεῖτε ὅτι κενῶς ἡ γραφὴ λέγει, Πρὸς φθόνον ἐπιποθεῖ τὸ πνεῦμα ὃ κατῴκησεν ἐν ἡμῖν;
Oder: Die Mehrheit der späteren griechischen Handschriften, bekannt als der Byzantinische Texttyp, liest κατῴκησεν.

Oder :Neben dem Mehrheitstext stützen einige bedeutende Einzelhandschriften die intransitive Lesart: Minuskel 33: Eine der bedeutendsten Minuskel-Handschriften des Neuen Testaments (oft „Königin der Minuskeln“ genannt).

Oder: Minuskeln 436, 442, 1243, 1611, 1735, 1852, 2344, 2492.
Oder: P 5 (Papyrus 5 aus dem 3./4. Jahrhundert) wird in einigen Apparaten ebenfalls für diese Variante angeführt.

Bleib Gesund :)
LGrüße von Otto
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