Was können wir von Hiob lernen?

Themen des alten Testaments
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Zippo
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Zippo »

Sara Funkelstein hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 07:58 Welche Lehren können wir aus der Geschichte von Hiob für unseren Alltag ziehen? Jeder kennt schwierige Zeiten und besondere Herausforderungen.
Eine der Hauptlehren des Buches Hiob, ist meiner Einsicht nach, daß mit der zu dieser Zeit herrschenden Lehre aufgeräumt werden sollte, daß Leid immer mit der Strafe Gottes zu tun hat.
Dagegen hat sich Hiob gewehrt und beteuert, daß er unschuldig ist.

Hier die versteckte Anklage Zophars
[Hiob 11,1-6] Da antwortete Zophar von Naema und sprach: Wenn einer lang geredet, muss er nicht auch hören? Muss denn ein Schwätzer immer recht haben? Müssen die Leute zu deinem eitlen Gerede schweigen, dass du spottest und niemand dich beschäme? Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen. Ach, dass Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf und zeigte dir die heimliche Weisheit! Denn er hätte noch wohl mehr an dir zu tun, auf dass du wissest, dass er deiner Sünden nicht aller gedenkt.
.....
[Hiob 11,13-20] Wenn du dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest; wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, fern von dir tätest, dass in deiner Hütte kein Unrecht bliebe: so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten. Dann würdest du der Mühsal vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergeht; und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden; und dürftest dich dessen trösten, dass Hoffnung da sei; würdest dich umsehen und in Sicherheit schlafen legen; würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können; denn Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.
Hier die Rede Hiobs, die er zuvor hatte:
[Hiob 9,20-21] Sage ich, dass ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; bin ich unschuldig, so macht er mich doch zu Unrecht. Ich bin unschuldig! ich frage nicht nach meiner Seele, begehre keines Lebens mehr.
2 Kor 13,13 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
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Helmuth
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Helmuth »

Zippo hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 17:29 Eine der Hauptlehren des Buches Hiob, ist meiner Einsicht nach, daß mit der zu dieser Zeit herrschenden Lehre aufgeräumt werden sollte, daß Leid immer mit der Strafe Gottes zu tun hat.
Tatsächlich gibt es das Wort „Strafe“ im Alt-Hebräischen nicht. Aber kein Leid erfolgt ohne Beteiligung Gottes und grundlos lässt Gott kein Leid zu. Das entspricht nicht seinem Wesen. Das Standard-Vokabel im AT ist Züchtigung. Gezüchtigt wird jeder Mensch. Satan hingegen ist verflucht.
Zippo hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 17:29 Dagegen hat sich Hiob gewehrt und beteuert, daß er unschuldig ist.
Und welcher Mensch ist wirklich unschuldig? Wer lehrt das? Du führst hier Worte der Menschen an, die ich noch dazu nicht einmal für historisch halte. Aber selbst wenn sie historisch wären, so bleiben es menschliche Gedanken. Menschen denken gar viel.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Abischai
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Abischai »

Helmuth hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 19:00 Und welcher Mensch ist wirklich unschuldig?
Es gibt in der Bibel nur wenige absolute Aussagen, die meisten sind relativ zur jeweiligen Umgebung. Hier also: "schuldig im Sinne der Anklage". Unschuldig ist niemand, das hebt Hiob ja selbst hervor, aber was seine Freunde da unterstellen, des war Hiob sich gewiß, traf auf ihn gar nicht oder nur marginal zu. In diesem Sinne, wie die Freunde ihm vorhielten, war Hiob unschuldig, also relativ unschuldig, und das bestätigt der HERR selbst am Ende ja auch.
Hiobs Leiden stand in keiner Beziehung zu irgendeiner Verfehlung Hiobs, sondern war ein reines Kräftemessen im Himmel unter Einbeziehung eines frommen Menschen. Damit wurden einige Nuancen des Menschen offenbar und von Gott korrigiert. Es ging nicht um Sünde.
Meine Hilfe kommt von Jahweh, der Himmel und Erde gemacht hat. [Ps 121;2]
Hiob
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Hiob »

Helmuth hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 19:00 Aber kein Leid erfolgt ohne Beteiligung Gottes und grundlos lässt Gott kein Leid zu.
Genau das Gegenteil ist der Fall. Das Buch Hiob zeigt gerade, dass Leid nicht notwendigerweise Folge eines menschlichen Verfehlens ist. Der geistige Kern ist, dass man selbst dann die Nähe zu Gott sucht, wenn man unschuldig leidet.
Hiob, 19 25 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben.
26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los,[1] Gott schauen
Du hast trotzdem Recht: Aus göttlicher Sicht gibt es immer einen Grund - aber der muss nichts mit Handlungen eines Menschen zu tun haben.
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Larson
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Larson »

Sara Funkelstein hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 17:25 Richtig, hier muss es um die Bedeutung des Satan gehen. Und die ist eben nicht der Teufel der Christen.
Zudem sagt Hiob immer wieder, dass all dies Unheil welches ihn trifft, allein aus den Händen Gottes kommt.

Zudem, so denke ich, soll diese „himmlische“ Begebenheit nicht eine himmlische „Justiz“ veranschaulichen oder sie erklären, was auch nicht das Thema der Geschichte Hiobs ist, sondern in die „Problematik“, des Verstehens der Gotteswaltung einführen, warum lässt Gott Leid zu, und „wo“ ist da diese strenge Gerichtsbarkeit Gottes auf Erden „geblieben“.

Über alles hinweg ist es doch beeindruckend, wie Hiob in seinem Elend mit sich und Gott hadert. Und Gott begegnet ihm in Liebe, in Fürsorge, macht nicht einfach Vorwürfe deswegen, sondern zeigt ihm mit Beispielen aus Seiner Schöpfung Seine Grösse und Allmacht auf.

Selber finde ich dies sehr tröstlich, denn es gibt ja im Leben Situationen, wo man nicht mehr zurechtkommt, alles in Frage stelle, bezweifelt und sich sozusagen nur an einem „Strohhalm“ festhält, welches sich aber dann stärker als beste Kette sich erweist, des Vertrauen in den Ewigen.
Kaum wird eine Lüge entlarvt, hat sie schon mehrere Kinder geboren, weil sie sehr fruchtbar ist.
Da hat es die Wahrheit schwerer. Es gibt sie nur einmal. Wie soll sie sich vermehren?
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Helmuth
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Helmuth »

Abischai hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 19:47 Hiobs Leiden stand in keiner Beziehung zu irgendeiner Verfehlung Hiobs, sondern war ein reines Kräftemessen im Himmel unter Einbeziehung eines frommen Menschen.
Für erste ist der Teufel schon seit Adam & Eva verflucht und kriecht am Boden. Er hat keinen Zutritt mehr zur Engelswelt. Es spricht das Buch auch von Söhnen Gottes und diese wieder kann es bis heute noch nicht in der Himmelwelt geben. Das sind für mich hellenistische Vorstellungen heidnischer Prägung. Als literarisches Werk kann man das Buch als menschliche Verarbeitung von Leid gelten lassen.

Weiters: Es gibt unschuldiges Leiden meiner Auffassung nach nur aufgrund von Menschen. Bösartige Menschen greifen andere Menschen an. Dafür tragen nicht die Opfer die Schuld, sondern die Täter. Aber es gibt keinen schuldlosen Menschen.

In der Hinsicht sind wie alle Täter, biblisch Sünder bzw. Übertreter, wobei keiner sie für einen anderen trägt, sondern jeder für sich selbst. Das ist biblisch wasserdicht. Auf Verlangen lege ich dazu die entsprechenden Wortgrundlagen.

Kannst du biblisch belegen, dass Gott einen Gerechten, der unter seiner Gnade steht, grundlos angreifen lässt? Zulassen allerdings kann er das, aber wenn er das zulässt, dann niemals in Absprache mit einer bösen Macht. Das ist was ich kritisiere. Wo finden wir ein weiteres Beispiel in der Schrift, dass Gott einen Deal mit irgend einer bösen Kreatur macht?

Verhandelst du etwa über deine Kinder mit dir amtsbekannten Lügnern, Mördern und Halsabschneidern, und das noch freiwillig? Welches Gottesbild wird da gezeichent? Der Satan im Buch Hiob ist auch eine andere Vorstellung, eben nur eine Fiktion.

Jede böse Seele kann nur aufgund ihrer Machtzuteilung agieren, die Gott ihr gegeben hat, aber nicht, weil Gott dazu beiträgt. Ich kenne in der Hinsicht nur entgegengesetzte Beispiele, dass Gott einen Gerechten vor solchem Zugriffauch schützt. Das Buch Daniel zeigt uns das z.B. sehr schön. Je stärker unser Glaube ist, umso weniger Macht hat der Teufel, das jedenfalls hat ebenso eine biblische Grundlage.

Nur wenn es Gottes erklärtes Ziel ist, dass Gott dich zum Zeugnis seiner Macht auserwählt, dann erlaubt er den vorübergehenden Zugriff. So erlaubte er z.B. die Enthauptung eines Apostels oder sie Steinigung eines Diakons. Dann ist es aber kein Deal mit dem Bösen, sondern dient zu seiner Verherrlichung bzw. auch zu der seines Zeugen auf der Grundlage seines ewigen Vorsatzes.

Nur deshalb erhielt z.B. die irdische Staatsmacht auch Zugriff auf Jesus, weil Gott das klare Ziel ihn zum Opferlamm zu machen verfolgt hatte. Aber niemals könnte ihn ein Teufel oder sonst wer dazu aufreizen. Das ist undenkbar. Dazu müsstest du mir zuerst eine biblische Grundlage legen. Ich denke, das kannst du nicht.
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Larson
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Larson »

Helmuth hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 09:54 Für erste ist der Teufel schon seit Adam & Eva verflucht und kriecht am Boden.
So ein Unsinn! Du verrennst dich da gewaltig. Du zwängst selber hellenistische Theologie in das jüdischen Bücher (Tenach).
Helmuth hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 09:54 Kannst du biblisch belegen, dass Gott einen Gerechten, der unter seiner Gnade steht, grundlos angreifen lässt?
Hiob spricht ja davon, dass ihn genau dieses Geschick trifft.
Helmuth hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 09:54 Das Buch Daniel zeigt uns das z.B. sehr schön. Je stärker unser Glaube ist, umso weniger Macht hat der Teufel, das jedenfalls hat ebenso eine biblische Grundlage.
Da gibt es keinen Teufel in Daniel.
Helmuth hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 09:54 Nur deshalb erhielt z.B. die irdische Staatsmacht auch Zugriff auf Jesus, weil Gott das klare Ziel ihn zum Opferlamm zu machen verfolgt hatte.
Auch das stimmt nicht, Jesus manövrierte sich selber da hinein.
Aber wird sind hier im Themenbereich „altes Testament“ und nicht NT und noch weniger in chr. Theologie.
Kaum wird eine Lüge entlarvt, hat sie schon mehrere Kinder geboren, weil sie sehr fruchtbar ist.
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Sunbeam
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Sunbeam »

Hiob hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 01:24 Aus göttlicher Sicht gibt es immer einen Grund - aber der muss nichts mit Handlungen eines Menschen zu tun haben.
Naja, um Gott nicht einen grausamen Tyrannen zu nennen, so sehe ich in diesem Buch Hiob dann, und höflich formuliert, einen Gott des Kollateralschadens, denn Hiobs Angehörige blieben tot (also von Gott gemeuchelt), und auch die Tierschützer heutiger Zeiten wären mit diesem ewig grantigen Himmels-Scheffe wohl auch nicht so wirklich einverstanden.

Wobei mir das Gemauschel mit dem Gottseibeiuns auch höchst bizarr erscheint.

Also unter dem Strich, ein wirklich seltsames Buch, dieses Buch Hiob, das nicht nur die Dichter und Denker durch die Zeit inspirierte.
(Wobei mir der Hiob des Joseph Roth heute immer noch eine der großartigsten Erzählungen der Literaturgeschichte ist und bleibt.)
Ziska
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Ziska »

Larson hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 10:16
Helmuth hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 09:54 Kannst du biblisch belegen, dass Gott einen Gerechten, der unter seiner Gnade steht, grundlos angreifen lässt?
Hiob spricht ja davon, dass ihn genau dieses Geschick trifft.
Warum sagt Hiob das?
Weil er seine Situation nur von seinem Standpunkt aus betrachtet.

Er weiß ja nicht, was sich im Himmel abgespielt hat.
Er weiß nicht, welche Anklagen Satan an Gott richtet.

Gott läßt zu, dass Satan Hiob Schaden zufügt.

Doch Gott verursacht es nicht!

Der Verursacher ist Satan, der Teufel!
Der Versucher ist der „Widersacher“, „Ankläger“ , „Feind“,
der „Durcheinanderwerfer“ oder „Verleumder“.
Liebe Grüße von Ziska

„Ist mit dem Tod alles vorbei?“
“Wo werden die Verstorbenen leben, wenn sie zurückkommen?“
Schreib PN!

“Wen es trifft, den betrifft es!“
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Larson
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Re: Was können wir von Hiob lernen?

Beitrag von Larson »

Ziska hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 10:33 Doch Gott verursacht es nicht!

Der Verursacher ist Satan, der Teufel!
Der Versucher ist der „Widersacher“, „Ankläger“ , „Feind“,
der „Durcheinanderwerfer“ oder „Verleumder“.
Doch, Gott hat „verursacht“, da alles, „Gut oder Böse“ aus seiner Hand kommt.
Hiob schreibt nirgends sein Schicksal einem Teufel zu, sondern es kommt von Gott.

Der Mensch besitzt ein Gewehr und mordet damit; klar, das Gewehr, nein, der Schuss, nein die Patrone tötet, aber doch nicht der Mensch…

Oder:
Pred 7,14 Am Tag der Wohlfahrt sei guter Dinge; aber am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen wie jenen hat Gott gemacht, damit der Mensch nicht irgend etwas nach sich finde.
Zuletzt geändert von Larson am So 12. Apr 2026, 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
Kaum wird eine Lüge entlarvt, hat sie schon mehrere Kinder geboren, weil sie sehr fruchtbar ist.
Da hat es die Wahrheit schwerer. Es gibt sie nur einmal. Wie soll sie sich vermehren?
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