Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

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Otto
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Otto »

Helmuth hat geschrieben:Darum gibt es leider auch dieses Dilemma:
Matthäus 7:21-23 hat geschrieben:Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: „Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?“ Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!
Scheinbar waren diese auch davon überzeugt Gott gedient zu haben und waren sich sozusagen ihres Glaubens gewiss. Was lief bei denen deiner Meinung nach aber falsch, dass Jesus zu einem solch vernichtenden Urteil kommt?
Sie hatten auch, Glaubensgewissheit und waren auch, voll überzeugt vom Heiligen Geist geleitet zu sein. Ihren Fehler, deckt der Vers (Jesus) selbst auf:
Wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Den Willen des Vaters tun (so wie Jesus es auch tat) ist der Maßstab. Nicht das Einfache meinen, vom Heiligen Geist geleitet zu werden. ;)
LGrüße von Otto
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Helmuth
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Otto hat geschrieben: Di 2. Jun 2026, 19:25 Den Willen des Vaters tun (so wie Jesus es auch tat) ist der Maßstab. Nicht das Einfache meinen, vom Heiligen Geist geleitet zu werden. ;)
Meine Zustimmung. Gewissheit kann man zwar haben, man kann sie sich aber auch einreden. Dann fehlt das wahre Zeugnis in dir, das allein der Heilige Geist in dich legt und wird zum Selbstbetrug durch das eigene Herz. Von Zeit zu Zeit kann eine Selbstprüfung nicht schaden. Ich habe auch schon von den Mitläufern im Leib Christi gesprochen.

Und es geht wohl kein Weg daran vorbei die Gebote zu halten. Daher denke ich gibt es eine zweite Gruppe, die Jesus mit Mt. 7:21-23 insbesondere anspricht, dass er sie so schroff von sich weist.

Es sind Menschen, die sich um die Gebote nicht scheren. Sie agieren gewissermaßen wie die Mafia, haben Gott stets auf den Lippen, sind aber Gesetzlose. Sie erfüllen ein Gebot, wenn es ihnen in den Kram passt, und wenn nicht haben sie ihre eigene Auslegung, damit es dem entspricht, was ihrem Willen entgegenkommt.

Rilkes Problem betrifft aber, wie ich ihn verstehe, mehr die Lehre. Er will sich der Lehre zu 100% gewiss sein und sucht sie in der Textsicherheit. Doch das funktioniert so nicht, denn ich denke, auch die rechte Lehre erhält man nur durch gehorsamen Wandel.

Gott schenkt ohne den Wandel im Geist keine Erkenntnis, was damit konformgeht den Willen Gottes zu tun. Paulus nennt es Wandel im Geist. Der Geist trachtet danach, dass wir uns in allem an Gottes Denken, Handeln und Fühlen orientieren und so erst formt uns der Geist allmählich in das Bild seines Sohnes um.

Jesus macht für mich dazu eine Schlüsselaussage:
Johannes 7:17 hat geschrieben: Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.
Hier zeigt uns Jesus eigentlich in einem Wort wie man auch Lehrgewissheit erhält.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Rilke
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: Di 2. Jun 2026, 17:08 Erklärt sich der Begriff nicht von selbst? Geht es nicht darum, dass du dir auch gewiss bist, woran du glaubst? Dass du davon auch überzeugt bist? Ich hätte es so verstanden. Gibt es ein anderes Verständnis?
Glaubensgewissheit kann man schon so verstehen, ja. Aber das ist ein sehr subjektiv gestalteter Begriff, jemand kann sich seines Glaubens sehr gewiss sein und trotzdem falsch liegen. Insofern ist diese Form der Glaubensgewissheit meines Erachtens nach nicht sehr stichhaltig. Ein Hindu mag sich seines Glaubens sehr gewiss sein, aber was habe ich damit zu tun? Ist das ein Zeugnis des Heiligen Geistes? Nein.
Helmuth hat geschrieben: Di 2. Jun 2026, 17:08 Auch, aber das bedeutet nicht, dass das, was du glaubst objektiv gesprochen die absolute Wahrheit ist. Du bist lediglich davon überzeugt. Daher ist das für mich noch keine Sache, dass mich der Heilige Geist leitet.
Da haben wir unsere Übereinstimmung!

Wenn Glaubensgewissheit nur bedeutet, dass jemand innerlich überzeugt ist, dann reicht sie nicht als Wahrheitskriterium aus. Diese Art subjektiver Überzeugung oder Gewissheit ist kein Zeugnis des Heiligen Geistes.
Helmuth hat geschrieben: Di 2. Jun 2026, 17:08 Scheinbar waren diese auch davon überzeugt Gott gedient zu haben und waren sich sozusagen ihres Glaubens gewiss. Was lief bei denen deiner Meinung nach aber falsch, dass Jesus zu einem solch vernichtenden Urteil kommt?
Die Schriftstelle unterstreicht wo wir übereinstimmen: subjektive Glaubensgewissheit reicht nicht aus. Der Herr Jesus zeigte auf, dass persönliche Glaubensgewissheit kein ausreichender Maßstab für das Heil ist. Unsere eigene Überzeugung muss an Gottes Wort (die Schrift als Ganzes) und seinem Willen gemessen werden. Das macht die Schrift somit zum objektiven Maßstab außerhalb unserer inneren Überzeugung. Ohne Gottes offenbartes Wort wüssten wir nicht, was sein Wille ist. Das wiederum zeigt mir, dass die Schrift frei von Fehlern ist. Die Schrift muss in dem, was Gott durch sie lehrt und bezeugt, zuverlässig und wahr sein.
So sehe ich das.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
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Helmuth
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Do 4. Jun 2026, 10:04 Insofern ist diese Form der Glaubensgewissheit meines Erachtens nach nicht sehr stichhaltig. Ein Hindu mag sich seines Glaubens sehr gewiss sein, aber was habe ich damit zu tun? Ist das ein Zeugnis des Heiligen Geistes? Nein.
Ich denke damit durchgedrungen zu sein, dass eigene Gewissheit alleine nicht aussreicht. Das ist für mich ein echtes erstes gemeinsames Ergebnis. Ich hoffe auf weitere, auch dass du mich mal überzeugst. :thumbup:

Es hängt auch damit zusammen, was man überhaupt als Glaube ansieht. Wenn du dir die Liste der Zeugen für den rechten Glauben in Hebräer 11 ansiehst, dann wird keiner wegen korrekter Lehre gelistet, sondern wegen der Taten. Du verknüpfst Glaube m.E. noch zu sehr an Lehre.

Lehre ist wichtig, aber nicht alles und vor allem nicht die oberste Priorität, Aber es ist mir zumindest verständlich, weil du sehr intellektuell denkst. Leg den Theologen ab, gemeint nicht für immer, aber entkopple das von der Kindschaft Gottes.

Das muss ich auch immer wieder als einen Akt gelebter Demut. Sprich zu dir: "Ich bin ein Volltrottel, der nicht einmal bis 3 zählen kann." Nun, im Verhältnis zu Gottes Weisheit ist das auch die Wahrheit. Wenn du das nicht zuwege bringst, dann arbeite daran. Und ich meine es sogar ernst, denn erst dann glaubst du m.E. in die richtige Richtung.

So sage ich dazu: Ich bin auch dann ein Kind Gottes, wenn ich tatsächlich fetzendeppert und dumm wie ein Strohsack wäre und zwei simple Lehrsätze nicht auf die Reihe bekäme. Oder züchtet Gott nur Akademiker? Nun ja, mancher meint vielleicht, dass es die Eintrittskarte ins Reich Gottes ist. Auch das wäre ein Glaube, aber wohl nicht unserer, das hoffe ich zumindest.
Rilke hat geschrieben: Do 4. Jun 2026, 10:04 Ohne Gottes offenbartes Wort wüssten wir nicht, was sein Wille ist. Das wiederum zeigt mir, dass die Schrift frei von Fehlern ist. Die Schrift muss in dem, was Gott durch sie lehrt und bezeugt, zuverlässig und wahr sein.
An dem müssen wir noch feilen, denn da vermischen sich m.E. schon wieder wahre mit nicht zutreffenden Dingen. Das sauber zu differenzieren und erst dann (!) Schlüsse zu ziehen ist halt auch Arbeit, die sich Exegese nennt. Auf deine Weise ist mir das zu voreilig und ein sozusagen Kurzschluss.

Aber ich sage jetzt schon, es wird nicht gehen, wenn bislang vertretene Prämissen und Dogmen nicht zuerst zertrümmert werden, um dann unvoreingenommen Kraft des Heiligen Geist alles neu aufzusetzen. Ein Reset von Zeit zu Zeit tut gut. Das lehrt uns heute auch die moderne PC-Welt als ein Gleichnis für unsere geistliche Denk-Welt.
Rilke hat geschrieben: Do 4. Jun 2026, 10:04 So sehe ich das.
Klar, und so sehe ich das. :lol:
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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