ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑Do 4. Jun 2026, 20:55
Ich halte die Talionsregel für kein göttliches Gesetz, sondern für ziemlich unmenschlich.
Das ist kein Problem, der diesen Thread anbelangt, aber vielleicht dein persönliches Problem des Glaubens. Das muss ich dir überlassen. Unbeschadet dessen steht für mich fest, dass die Urteile unterschiedlich ausfallen.
Es erfolgt entweder eine Entschädigung in Form einer angemessene Sachleistung samt Pflegeleistung nach 2. Mose 21, oder die Hinzufügung desselben Schadens, der verursacht wurde, am Täter, also ein Beinbruch oder der Verlust der Hand nach 3. Mose 24. Wer das als gleich ansieht, nun ja, kein weiterer Kommentar.
Für mich liegt ein Widerspruch vor, den man bis heute nicht korrigiert hat. Und mit Verlaub, man braucht mir darauf nicht weiter antworten, dazu war genug Zeit. So lasst mir meine Auffassung, wie ich nun auch eure lasse. Aber dir antworte ich, weil ich meine, dass du dich wengistens aufrichtig bemühst. Das anerkenne ich.
Die Tatsache, dass du die Talion für nicht göttlich siehst, deutet darauf hin, dass du in ihr eine grundsätzliche Problematik siehst. Für mich ist das für die Form gemäß 3. Mose 24 auch gegeben, und ja, das sehe ich auch unmenschlich, in den anderen Fällen aber nicht, so auch nicht wirklich in 5. Mose 19.
Die klarste Auslegung findet man nach 2. Mose 21 und zeigt, dass nicht nach dem Rechtsprinzip nach Hammurabi exekutiert wird, was viele m.E. schlicht verwechseln. Die Formierung "Auge um Auge, Zah um Zahn" ist als Redewednung für dieses Prinzip gesetzt worden. Das dem zugrunde liegende Rechtsprinzip ist aber anders als es etliche unwissentlich interpretieren.
Ich gehe mit mir konform, dass das allgemeine Rechtsprinzip darüber die "Goldene Regel" ist. Aber das war nicht meine Frage. Ich hätte sie jedoch auch danach formulieren können, ob die beiden Varianten dem Rechtsprinzip der Goldenen Regel Rechnung tragen.
Man sollte zum selben Ergebnis kommen, dass dem einmal der Fall ist und einmal nicht. Es löst den Widerspruch damit auch nicht auf. Jesus gibt uns nämlich gar keine Auslegung der Talion, sondern sieht sie für seine Fälle, die er anspricht, nicht zur Anwendung kommend.
"Ihr habt gehört Auge um Auge, Zahn um Zahn, ich aber sage euch ... " ist also keine Sache der Talion.
Der Grund ist, dass sie derart nicht für den Umgang mit dem Nächsten gedacht ist, sondern dem Gericht vorbehalten bleibt. Er spricht sich damit auch nicht dagegen aus. Däs wäre wieder nur eine falsche Interpretation durch den Hörer.