Magdalena61 hat geschrieben: ↑Di 18. Aug 2026, 16:45
Liebt Gott uns bedingungslos?
Falls ja: Wie passt das dann zusammen mit: Wer die Gebote nicht hält, was mit "nicht glauben" identifiziert wird, der wird verdammt werden?
Ja, genau das ist der Knackpunkt, an dem die Frage nach der Liebe schwierig wird.
Ich war eigentlich nie ungläubig. Die Frage nach Gott war für mich von Anfang an, seit ich denken kann, ein Fakt. Trotzdem hat sich im Laufe meines langen Lebens in meinem Glaubensleben fast alles verändert.
Als Kind habe ich Jesus viele Male angefleht, dass er mich davor bewahren möge, "vom richtigen Weg abzukommen", wenn ich erwachsen werde. Das geschah immer dann, wenn in der Gemeinde, zu der meine Familie gehörte, von einem Menschen, der gerade erwachsen geworden war und andere Wege wählte, beurteilt wurde; "vom richtigen Weg abgekommen zu sein". Angesichts der Bedrohung, auf dem falschen Weg in der Hölle zu landen, konnte ich einfach nicht verstehen, wie jemand, der den "richtigen Weg" kennengelernt hat, sich dagegen entschieden hatte. Irgendwas musste sich, nach meinem Denken, beim erwachsen-werden so verändern, dass der Mensch nicht mehr fähig ist, zu bemerken, wenn er den falschen Weg wählt. Das war mein Denken in meiner Kindheit - quasi die erste Grundlage meines Glaubens. Ich habe mich etliche Male "vorschriftsmäßig" bekehrt - aber war immer von der Angst getrieben, vom Glauben abzufallen durch irgendwelche Täuschungen.
... bis ich es wagte, nach dem Vorbild meiner älteren Schwester, Gott um Führung zu bitten, was meinen Berufsweg angeht.
.... und war beinahe schockiert, das Gott ganz konkret darauf antwortete - so, dass ich es verstehen konnte - und einfach so, wie ich bin.
Nach dem ersten Schock erlebte ich "Höhenflüge". Mein neuer Arbeitsplatz erforderte, dass ich ca 600 km von meiner Familie wegziehen musste. Und ich dachte so bei mir: Gott führt mich dorthin. Also bis ich dort wohne, kann mir ja irgendwie gar nichts passieren. So beschwingt und frei fühlte ich mich unantastbar: der große Gott kümmert sich um mich - mich ganz persönlich... einfach Hammer
Seitdem war mein Weg mit Gott gepflastert mit und umgeben von Gottes Liebe.
Schon diese Erfahrungen ließen mich oft nachdenken über meine "alten" Glaubensmuster, die ich gelehrt wurde. Und die Angst vor dem landen auf dem falschen Weg verschwand ... nach und nach.
Klar, gab es so manche Dinge, die auch bei mir schief gingen. Aber immer hat Gottes Liebe gesiegt, so dass ich wusste, ich bin bei IHM geborgen.
Erst als ich 50 Jahre alt war, geschah es dann auch einmal, dass ich den Eindruck hatte, mein ganzes Glaubensleben würde zusammenstürzen. So dass ich mir die Frage stellte: Was bleibt mir jetzt noch?
Ich habe dann tatsächlich eine Liste gemacht, mit dem, was ich nicht mehr glauben konnte - und dem, was für mich als Grundlage des Glaubens geblieben ist.
Was unumstößlich stehen blieb, waren die hundertfachen Erfahrungen der Liebe Gottes - für mich ganz persönlich
Für mich steht seitdem felsenfest, dass es wirklich nichts gibt, was mich von Gott trennen kann. Und darum glaube ich auch, dass Gott "ganz anders" ist, als die Vorschriften, die viele Gläubige aufstellen - die nötig sein sollten, damit Gott uns Menschen annehmen kann.
Und darum glaube ich: Gott liebt bedingungslos
Das geschieht, dadurch, dass Gottes Liebe durch Menschen, die IHM Raum geben im Herzen, dass seine Liebe durch sie hindurch strömen kann, weitere Menschen berührt und verändert.
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.