Du sollst deinen Gott lieben ....

Rund um Bibel und Glaube
Benutzeravatar
Magdalena61
Administrator
Beiträge: 28574
Registriert: Mo 15. Apr 2013, 20:44
Kontaktdaten:

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Magdalena61 »

Danke, Lea. Das ist ein gutes Thema. Brot für die Seele.
Lea hat geschrieben: Mo 17. Aug 2026, 11:33Ich bin aufgewachsen mit dem Anspruch, Gottes Forderungen zu erfüllen, IHM gehorsam zu sein, weil ER uns liebt. Der Anspruch wurde untermauert mit der Folgerung, wenn man das nicht befolgt, dass man dann von Gott verstoßen würde, nach dem Ableben auf der Erde.
Das wird ja heute noch so gelehrt; vielleicht etwas abgemildert und in anderen Worten. Mindestens in konservativen Freikirchen ist das so, aber mir scheint, die Katholiken sehen es auch immer noch so.

Bei mir war es so ähnlich wie bei dir. Eine Ambivalenz zwischen: "Gott liebt dich!" (was gefälligst nicht in Frage zu stellen ist... aber innerlich spürt man es nicht) und: "Du genügst nicht, du musst dir die Akzeptanz Gottes durch Leistung erarbeiten; du musst Gott durch Gehorsam zeigen, dass du Ihn liebst" (ansonsten kommst du nicht in den Himmel).

Wenn ich auch nachvollziehen kann, dass es gut gemeint ist mit den Aufforderungen zum Gehorsam... so finde ich dennoch, dass da in dieser Zusammenstellung irgendetwas nicht stimmt.

Wenn ich einen Menschen liebe, dann nehme und liebe ich ihn doch so, wie er ist. Mit seinen Fehlern und Schwächen, die ich möglicherweise absolut nicht bejahren kann. Ich versuche, fürsorglich für ihn zu denken, und es ist mir ein Anliegen, dass es ihm gut geht und dass er möglichst seine Ewigkeit auf der angenehmen Seite verbringen wird.

Wenn ich antrete mit Bedingungen: Du musst dich ändern, damit ich dich liebe... dann konstruiere ich mir ein Wunschbild zusammen, dem der Mensch zu entsprechen hat.

Liebt Gott uns bedingungslos?

Falls ja: Wie passt das dann zusammen mit: Wer die Gebote nicht hält, was mit "nicht glauben" identifiziert wird, der wird verdammt werden?
LG
God bless you all for what you all have done for me.
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19709
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Helmuth »

Etwas Helmuth-Senf, wie immer mit Vorsicht zu genießen. :mrgreen:
Lea hat geschrieben: Mo 17. Aug 2026, 11:33 ...was bedeutet das für Dich :?:
Möglichst genau, wie es auch geschrieben steht. Dass den Anforderungen keiner gerecht werden kann, darf nicht entmutigen. Man verstünde aber auch nicht worauf es ankommt und noch weniger, wenn man darin zu messen beginnt. Ich lese mehr Bibel als X, ich bete mehr als Y, ich gehe öfter in den Gottesdienst als Z, kurzum ich liebe Gott dann mehr. Das wäre ein falscher Maßstab.

Ich denke, eines der besten Beispiele wahrer Liebe liefert ein Säugling. Er weiß nicht einmal was Liebe ist, er schreit einfach nach der Milch solange, bis er sie bekommt, oder er schreit um die Körperwärme solange, bis er sie bekommt. Die Mutter macht alles völlig bedingungslos. Sie kennt in der Phase nichts anderes als Hingabe. Es nennt sich Mutterliebe, eine wahre Liebe.

Mir der Entwöhnung beginnt eine neue Qualität. Zur körperlichen Abhängigkeit kommt die geistliche Ebene dazu und nun entwickelt sich die Liebe des Kindes zu seinen Eltern. Diese muss wachsen und die körperliche abnehmen. Sie kann so wachsen wie die Liebe zu Gott, aber auch wieder abnehmen. Die Beziehung zu den Eltern ist für Gott ein Maßstab, wie es um deine Beziehung zu ihm steht.

Aber es kommt bei der Liebe zu Gott etwas hinzu, was bei Menschen nicht möglich ist, der Glaube. Dieser ist das Um und Auf in der Beziehung und der soll ebenfalls wachsen. So wächst auch die Liebe. Gottes Liebe hingegen kennt kein Maß. Sie ist die das Größte, das es gibt, darum mein Vergleich mit der Mutterliebe.

Um es aber an 5. Mose 6:5 zu bemessen (nach meinem Verständnis) nur beispielhaft:

1 - Mit ganzem Herzen heißt nicht halbherzig, oder gar nur zum Schein, was zur Heuchelei wird.
2 - Mit ganzer Seele, so ist z.B. lautes Schreien wie ein Baby für Menschen lästig, für Gott völlig ok.
3 - Mit ganzer Kraft, es betet z.B. jede Faser deines Körpers und man steht nicht da wie die Pik-7.

Werde ich dem gerecht? Nein, aber ich bemühe mich, es so zu leben. Jesus fügt noch eine Sache hinzu:

4 - Mit ganzem Verstand, heißt für mich, wieder nur beispielhaft, aufrichtiges Bibelstudium, um Gott zu verstehen und sich nicht mit Oberflächlichkeit zu begnügen.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Lea
Beiträge: 996
Registriert: Mi 31. Aug 2022, 17:44

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Lea »

Magdalena61 hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 16:45 Liebt Gott uns bedingungslos?

Falls ja: Wie passt das dann zusammen mit: Wer die Gebote nicht hält, was mit "nicht glauben" identifiziert wird, der wird verdammt werden?
Ja, genau das ist der Knackpunkt, an dem die Frage nach der Liebe schwierig wird.

Ich war eigentlich nie ungläubig. Die Frage nach Gott war für mich von Anfang an, seit ich denken kann, ein Fakt. Trotzdem hat sich im Laufe meines langen Lebens in meinem Glaubensleben fast alles verändert.

Als Kind habe ich Jesus viele Male angefleht, dass er mich davor bewahren möge, "vom richtigen Weg abzukommen", wenn ich erwachsen werde. Das geschah immer dann, wenn in der Gemeinde, zu der meine Familie gehörte, von einem Menschen, der gerade erwachsen geworden war und andere Wege wählte, beurteilt wurde; "vom richtigen Weg abgekommen zu sein". Angesichts der Bedrohung, auf dem falschen Weg in der Hölle zu landen, konnte ich einfach nicht verstehen, wie jemand, der den "richtigen Weg" kennengelernt hat, sich dagegen entschieden hatte. Irgendwas musste sich, nach meinem Denken, beim erwachsen-werden so verändern, dass der Mensch nicht mehr fähig ist, zu bemerken, wenn er den falschen Weg wählt. Das war mein Denken in meiner Kindheit - quasi die erste Grundlage meines Glaubens. Ich habe mich etliche Male "vorschriftsmäßig" bekehrt - aber war immer von der Angst getrieben, vom Glauben abzufallen durch irgendwelche Täuschungen.

... bis ich es wagte, nach dem Vorbild meiner älteren Schwester, Gott um Führung zu bitten, was meinen Berufsweg angeht.
.... und war beinahe schockiert, das Gott ganz konkret darauf antwortete - so, dass ich es verstehen konnte - und einfach so, wie ich bin.

Nach dem ersten Schock erlebte ich "Höhenflüge". Mein neuer Arbeitsplatz erforderte, dass ich ca 600 km von meiner Familie wegziehen musste. Und ich dachte so bei mir: Gott führt mich dorthin. Also bis ich dort wohne, kann mir ja irgendwie gar nichts passieren. So beschwingt und frei fühlte ich mich unantastbar: der große Gott kümmert sich um mich - mich ganz persönlich... einfach Hammer :happy:

Seitdem war mein Weg mit Gott gepflastert mit und umgeben von Gottes Liebe.
Schon diese Erfahrungen ließen mich oft nachdenken über meine "alten" Glaubensmuster, die ich gelehrt wurde. Und die Angst vor dem landen auf dem falschen Weg verschwand ... nach und nach.

Klar, gab es so manche Dinge, die auch bei mir schief gingen. Aber immer hat Gottes Liebe gesiegt, so dass ich wusste, ich bin bei IHM geborgen.

Erst als ich 50 Jahre alt war, geschah es dann auch einmal, dass ich den Eindruck hatte, mein ganzes Glaubensleben würde zusammenstürzen. So dass ich mir die Frage stellte: Was bleibt mir jetzt noch?

Ich habe dann tatsächlich eine Liste gemacht, mit dem, was ich nicht mehr glauben konnte - und dem, was für mich als Grundlage des Glaubens geblieben ist.
Was unumstößlich stehen blieb, waren die hundertfachen Erfahrungen der Liebe Gottes - für mich ganz persönlich :!:

Für mich steht seitdem felsenfest, dass es wirklich nichts gibt, was mich von Gott trennen kann. Und darum glaube ich auch, dass Gott "ganz anders" ist, als die Vorschriften, die viele Gläubige aufstellen - die nötig sein sollten, damit Gott uns Menschen annehmen kann.

Und darum glaube ich: Gott liebt bedingungslos :idea:

Das geschieht, dadurch, dass Gottes Liebe durch Menschen, die IHM Raum geben im Herzen, dass seine Liebe durch sie hindurch strömen kann, weitere Menschen berührt und verändert.
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19709
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Helmuth »

Magdalena61 hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 16:45 Liebt Gott uns bedingungslos?
Eine wirklich interessante Frage und ich weiß nicht, ob sie rein theologisch beantwortet werden kann. Ich kann es zumindest versuchen. Dazu denke ich, die Antwort lautet nicht ja oder nein, sondern man muss zwischen zwei Zuständen unterscheiden.

Gott liebt uns bedingungslos, solange wir uns zu seiner Herrschaft hinführen lassen (vom Zustand unbekehrt) und danach unter seiner Herrschaft bleiben (Zustand bekehrt) und sie nicht vorsätzlich wieder verlassen.

Wenn wir sie aber verlassen (abfallen vom Glauben) in den Zustand "unbekehrt", dann kennt dich Gott nicht, es ist dann so, als existierst du für ihn nicht mehr. Und da kann man nicht von Liebe sprechen, wenn er dich gar nicht kennt. Du bist tot in seinen Augen. Wer liebt einen Toten?

Dabei muss man die Erziehung, die nicht ohne Zucht einhergeht, zur Liebe hinzuzählen. Solange dich Gott züchtigt, wirst du das nicht als Liebe empfinden, aber es ist sogar das Wesen bedingungsloser Liebe, indem dich Gott vor dem Abfall und dem ewigen Verlust bewahren will. Gott hat kein Interesse daran, dass jemand verlorengeht.

Liebe wird von vielen Menschen seelisch bewertet. Wenn man sich gut fühlt, dann meint man Liebe zu spüren. Und es stimmt ja auch, dass Gott uns den Frieden als Segen der Gerechtigkeit zukommen lässt, nur darf man das Pferd nicht von hinten aufzäumen.

D.h. unsere Gefühle sind nicht der rechte Maßstab für Gottes Liebe, sondern unser fester Glaube an sein Versprechen, das er nicht bricht, gibt uns die Zuversicht. Es ist Sache der Treue und die ist keine Einbahnstraße. Die Ehe ist dazu ein Abbild Gottes, woran man sie schon auf Erden erfahren kann.

Es ist auch in der Ehe nicht die intime Sexualtität mit ihren schönsten Gefühlen das Zeugnis der Liebe, wie es junge und noch unreife Paare bemessen wollen, wiewohl das bedingungslos dazugehört, sondern die gegenseitige Treue.

Und man kennt es wohl aus so manch eigener Erfahrung, dass Sex plötzlich nichts mehr zählt, wenn die Treue gebrochen wird. Doch müssen wir uns darin gespiegelt sehen, denn im Gegensatz zu ihrem Abbild ist die Ehe mit Gott derart beschaffen, dass Gott als unser Eherherr nie die Treue bricht, sondern wenn schon, dann wir. Doch wie oft merken wir es nicht einmal?

Im Falle des Ehebruchs verhält es sich so, dass diese Ehe nicht mehr exisitert, womit es es dann auch keine gegenseitige Treue und damit Liebe mehr gibt. Es ist als hätten sich Herr X und Frau Y nie kennengelehrt, d.h. diese Ehe hatte nie exisitert.
Magdalena61 hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 16:45 Falls ja: Wie passt das dann zusammen mit: Wer die Gebote nicht hält, was mit "nicht glauben" identifiziert wird, der wird verdammt werden?
Die Gebote sind ein Maßstab, damit man ein objektives Kriterium erhält, dass man tatsächlich sündigt, sodass man es nicht mehr von sich weisen kannst. Gott hat dazu einen speziellen Mechansmus im Menschen eingerichtet. Er alarmiert uns über das sog. Gewissen. Wenn man dem Gewissen folgt, dann kehrt man um um es reinigt sich wieder, was nunmehr das Blut Jesu bewirkt.

Übergeht man das Gewissen, verletzt man damit sein Herz. Macht man das fortwährend, erkrankt es zusehends immer mehr und das Ende ist die Verstockung, gleich einem irdischen Herzinfarkt. Die Folge ist der Tod und der Zustand ewiger Verdammnis. Gewissenlose Menschen spüren dann nichts mehr. Sie verlieren jedes Gefühl.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Isai
Beiträge: 2511
Registriert: So 5. Mär 2017, 15:48

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Isai »

Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46[...]
Danke Lea!
So ist jedoch für uns nur Einer Gott, der Vater, aus Dem alles und wir in Ihm
und nur Einer Herr, Jesus Gesalbter, durch Den alles und wir durch Ihn.
1. Korinther 8:6
Benutzeravatar
Lena
Beiträge: 6864
Registriert: So 1. Sep 2013, 18:33

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Lena »

Gott der die Liebe ist, muss im Menschen leben,
damit der Mensch Ihn und den Nächsten lieben kann.
Das ist die Bedingung.
Augustinus hat geschrieben:Liebe und tu, was du willst.
Benutzeravatar
Magdalena61
Administrator
Beiträge: 28574
Registriert: Mo 15. Apr 2013, 20:44
Kontaktdaten:

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Magdalena61 »

Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46
Magdalena61 hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 16:45 Liebt Gott uns bedingungslos?

Falls ja: Wie passt das dann zusammen mit: Wer die Gebote nicht hält, was mit "nicht glauben" identifiziert wird, der wird verdammt werden?
Ja, genau das ist der Knackpunkt, an dem die Frage nach der Liebe schwierig wird.
Versuche ich es einmal, meine Sichtweise dazu zu formulieren.

"Gott ist Liebe" kann und will ich nicht in Frage stellen, weil die Schrift das bezeugt: 1. Joh. 4,16. Ich gehe mal davon aus, dass Johannes mehr Durchblick hatte als ich.

Es könnte auch sein, dass uns die Sache mit dem Gehorsam nicht so vermittelt wird, wie es zutreffender wäre als das stupide: "Entweder du gehorchst, oder du wirst verdammt."

Aber wie interpretieren wir "Gehorsam"? Da sind wir vielleicht vorbelastet, weil Machmißbrauch leider in unserem sozialen Umfeld und auch in Gemeinden an der Tagesordnung war und ist und wir - zu Recht- empfinden, dass da etwas falsch läuft.

Aber oftmals können wir das nicht konkret benennen, und wir haben Angst, unseren Vorgesetzten oder überhaupt den Gehorsam zu verweigern, weil wir Angst haben, dann aus der Gnade Gottes zu fallen. Weil von Christen nicht selten vermittelt wird: Wenn du (mir) nicht gehorchst, rebellierst du gegen Gott. Gehorsam gegenüber Menschen wird mit dem Gehorsam Gott gegenüber gleichgesetzt.
Ein Unding. (!)

Und weil man es auch mit gutem Willen nicht schafft, fehlerfrei zu leben, ist da immer eine latente Unsicherheit, ob es jetzt "reicht" mit den guten Werken. In der Regel ist es doch so: Hat man mit viel Disziplin und Übung eine Änderung von Gewohnheiten erreicht, sieht man hier oder dort jemanden, der noch viel perfekter ist... was man nicht unbedingt nachahmen möchte... beispielsweise habe ich kein Bedürfnis, in den Slums von Manila als Ordensschwester für die Ärmsten zu leben... und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil mir mein bequemes Leben hier lieber ist; verstehst du den Zwiespalt?

Andere Christen tun viel mehr als ich. Sie engagieren sich in einer Gemeinde, sie geben den Zehnten, sie beten viel mehr als ich, sie missionieren... ihre Interessen sind anders geprägt als meine... einerseits weiß ich, dass Gott mir auch Dinge gönnt, die nicht zwingend überlebensnotwendig sind, andererseits frage ich mich: Wo ist die Mitte; wo ist die Grenze, an der die Fokussierung auf eine Lieblingsbeschäftigung zur Sünde wird?

Dann sage ich mir wieder: Mein Job ist hier, meine Kinder brauchen mich immer noch; und ich arbeite hier jeden Tag mehr als ich eigentlich will; ohne mich funktioniert das hier nicht.

Die Frage ist immer: Ist das o.k. vor Gott, wie ich lebe; wie ich meine Zeit einteile... ?

Gott liebt mich. Ja, das weiß ich. Aber ich weiß nicht, von welcher Art diese Liebe ist. Denn "bedingungslos" ist sie nicht. Aus meiner Sicht.
God bless you all for what you all have done for me.
Benutzeravatar
Magdalena61
Administrator
Beiträge: 28574
Registriert: Mo 15. Apr 2013, 20:44
Kontaktdaten:

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Magdalena61 »

Jetzt bin ich etwas ausführlich geworden. Zurück zum Anfang: Meine Sichtweise zu Geboten und Gehorsam.

Ich glaube, es hat mit Identifizierung zu tun.

Gott liebt uns. Aber wir leben in einer Welt voller Abgründe, Schlangen und Skorpione. Und damit wir das Spiel des Lebens nicht verlieren, hat Gott uns die Gebote gegeben. Sie sollen uns erziehen und bewahren. Ich sehe es mehr so, als sagt Gott: Sorry, Leute, die Erde ist nicht ganz ungefährlich... warum das so ist, darüber disktutiere ich nicht mit euch, aber hier habt ihr eine Spielanleitung, einen Wegweiser... und wer diesen studiert und verinnerlicht, sollte eigentlich durchkommen bis zum Ziel---"
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46Angesichts der Bedrohung, auf dem falschen Weg in der Hölle zu landen, konnte ich einfach nicht verstehen, wie jemand, der den "richtigen Weg" kennengelernt hat, sich dagegen entschieden hatte.
Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Jedenfalls nicht, wenn der "richtige Weg" tatsächlich der Richtige war und jemand die Gnade Gottes wirklich geschmeckt hatte. Wer eine Ahnung davon bekommen hat, der wirft sie nicht weg. Er behält die Perle, weil sie so schön ist und sie ihm gut tut und tauscht sie nicht ein gegen glänzenden Müll.

Aber vielleicht war es ja gar nicht "der richtige Weg" gewesen. Vielleicht war es ein Weg, den die Gemeinde als "richtig" definierte, es blieb aber bei äußeren Formen, und der Wanderer erfuhr nie die Berührung durch Jesus.
Regenbogenflaggen in Kirchen und Gemeinden sind keine Lösung für die innere Leere und die Abwesenheit des Heiligen Geistes.

Und dann muss er hinausgehen in die Welt. Der eine enttäuscht, der will von Gott nichts mehr wissen. Und der andere hat noch einen Funken Hoffnung, Gott zu finden... außerhalb der Gemeinde, die er verlassen hatte.

Es ist nur gut, dass Gott uns nachgeht und sucht.
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46Ich habe mich etliche Male "vorschriftsmäßig" bekehrt -
Ach du liebe Zeit.
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46aber war immer von der Angst getrieben, vom Glauben abzufallen durch irgendwelche Täuschungen.
Man braucht einen Maßstab. Und den muss man immer wieder neu überprüfen (lassen)- vor dem Thron der Gnade. Es reicht nicht aus, irgendetwas zu kopieren, das man als akzeptabel erachtet.
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46Seitdem war mein Weg mit Gott gepflastert mit und umgeben von Gottes Liebe.
Dann warst du vermutlich frei, aus angelernten Verhaltensmustern auszusteigen, die echte Gotteserfahrungen blockiert hatten. Ich sage nicht, "die anderen waren schuld"; die meinten es vermutlich gut und vermittelten halt das, was sie selbst hatten.

Manche sind ja mit so wenig zufrieden...
In Gemeinden kann man der Täuschung unterliegen, es sei alles in Ordnung, wenn man sich mit den Brüdern und Schwestern gut versteht und hin und wieder einmal einige Seelen gewonnen werden.
Aber Gott will uns ganz. Und deshalb ist eine Unzufriedenheit und Unsicherheit, die man innerlich wahrnimmt, ein Grund, um direkt zu Gott zu gehen und um Weisheit und Führung zu bitten.
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46Schon diese Erfahrungen ließen mich oft nachdenken über meine "alten" Glaubensmuster, die ich gelehrt wurde.
Genau. Es sind Glaubensmuster. Das hast du treffend formuliert.

Die würde ich nicht unbedingt verwerfen. Manche enthalten ja viel Gutes, und für den Anfang sind sie ein Halt für Neulinge.
Aber irgendwann muss es weitergehen; irgendwann muss man über die Schablonen hinauswachsen.

Es kann sein, dass man dann einsam wird; weil nicht jeder diesen Weg mitgehen kann oder will. Es ist auch eine Frage der Berufung.
"Ein Adler ist immer allein" fällt mir da gerade ein; das ist eine Zeile aus einem Song.
Dank Internet kann man seit einigen Jahrzehnten andere "Adler" treffen und hat dann doch etwas Gesellschaft. :)
Lea hat geschrieben: Di 18. Aug 2026, 18:46Für mich steht seitdem felsenfest, dass es wirklich nichts gibt, was mich von Gott trennen kann. Und darum glaube ich auch, dass Gott "ganz anders" ist, als die Vorschriften, die viele Gläubige aufstellen - die nötig sein sollten, damit Gott uns Menschen annehmen kann.
Wie gesagt: Am Anfang des Glaubenslebens braucht man das Gerüst.

Gerüste sind vielfach Gemeindetradition. Darin kann man bleiben, bis man es schafft, aufrecht zu stehen und es gelernt hat, zu laufen.
Dann ist Nachfolge dran.

Paulus ist vielleicht ein gutes Beispiel dafür. Er war ein Pharisäer und kannte die Traditionen (Glaubensmuster) bestens. Und dann begegnete ihm Jesus.
LG
God bless you all for what you all have done for me.
Benutzeravatar
Lea
Beiträge: 996
Registriert: Mi 31. Aug 2022, 17:44

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Lea »

Magdalena61 hat geschrieben: Mi 19. Aug 2026, 18:47 Jetzt bin ich etwas ausführlich geworden.
Finde ich toll - danke, dass du so ausführlich darüber nachdenkst.
Magdalena61 hat geschrieben: Mi 19. Aug 2026, 18:47 Es ist nur gut, dass Gott uns nachgeht und sucht.
Genau das ist der Punkt, den ich persönlich am Wichtigsten finde.
Gott lässt sich finden, von denen, die IHN suchen. Wirklich IHN - nicht nur ein Muster, an dem man einen richtigen Weg erkennen kann.

Natürlich benutzt Gott dann auch ein "Muster", an dem ein Mensch einen Weg erkennen kann. Aber die Muster sind auch alle begrenzt. So wie der Mensch, dem diese Muster gelten, um eine Botschaft von Gott zu erkennen.

Und so kann es auch passieren, dass ein Mensch sein ganz persönliches Muster nicht gleich perfekt erkennt. Oder dass er es zunächst sogar falsch versteht.
Aber Gott geht seinen Menschen nach, die IHN suchen. Und zwar so lange, bis sie IHN und seine Botschaft erkennen. Gott sieht das Herz an, ob es IHN sucht. Und ER lässt sich finden von denen, die seine Liebe weitergeben wollen.

DAS ist meine Erfahrung auf meinen unterschiedlichen Wegen mit Gott - und den Austausch mit Menschen, die auch mit Gott unterwegs sind.

Am Anfang dieses Themas sagte ich, dass ich mich manchmal frage, ob ich Gott wirklich liebe - oder ob meine Taten und meine Worte eher auf mich selbst gerichtet sind.

Und ich denke, genau das ist der Schlüssel zur Erfüllung dieser Aufforderung.
Es kommt nicht in erster Linie darauf an, Wege zu suchen, die "richtig" sind.
Es kommt darauf an, den Gott zu suchen, der die Liebe ist. Denn SEINE Liebe ist es, welche die Menschen "ausstrahlen" sollen. Die Liebe, welche allein etwas bewirken/verändern kann. Und die findet man nur bei Gott selbst.

Und der Mensch, welcher mit Gott im Bunde ist, der kann erleben, dass die Liebe wächst. Mittendrin in dieser chaotischen Welt, und den unvollkommenen begrenzten Menschen. Da wo Menschen Gott den Raum geben, dass ER durch sie wirken/lieben kann, da geschieht auch etwas, das Liebe wachsen lässt, inmitten einer unvollkommenen Welt.

Ich denke, das ist die Liebe, welche Gott von uns haben will. Das unbegrenzte Vertrauen (von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller meiner Kraft) in guten und in schlechten Zeiten, dass Gott es "gut" macht und mich nie alleine lässt.

Das wird übrigens wunderbar perfekt im Psalm 23 ausgedrückt.
Zuerst die Schilderung der Segnungen mit dem Hirten. Und dann mittendrin:
"Denn du bist bei mir"
Die Beziehung ist gefestigt und bleibt ...
"Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen immerdar. Und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar. (aus dem Gedächtnis zitiert).
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19709
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Du sollst deinen Gott lieben ....

Beitrag von Helmuth »

Magdalena61 hat geschrieben: Mi 19. Aug 2026, 18:44 "Entweder du gehorchst, oder du wirst verdammt."
Das habe ich noch nie von Gott gehört, ist allerdings sehr menschlich. Liebe ist kein Widerspruch zum Gehorsam. Manche Eheleute erpressen sich damit: "Wenn du dies oder das nicht tus, dann liebst du mich doch nicht." Das ist teuflisch in meinen Augen, Gott will unser Herz erobern. Hat er das, machst du die Dinge aus freien Stücken.
Magdalena61 hat geschrieben: Mi 19. Aug 2026, 18:44 Aber wie interpretieren wir "Gehorsam"? Da sind wir vielleicht vorbelastet, weil Machmißbrauch leider in unserem sozialen Umfeld und auch in Gemeinden an der Tagesordnung war und ist und wir - zu Recht- empfinden, dass da etwas falsch läuft.
Gott missbraucht nicht. MIssbrauch kann keine Liebe sein. Dazu mein Standardsatz. Die Antwort auf Missbrauch kann nicht kein Gebrauch sein, sondern richtiger Gerbauch. Manche Menschen beginnen z.B. Vorgesetzte und Obrigkeit zu hassen, weil sie ein Chef mal missbraucht hat. Es wird das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet.
Magdalena61 hat geschrieben: Mi 19. Aug 2026, 18:44 Hat man mit viel Disziplin und Übung eine Änderung von Gewohnheiten erreicht, sieht man hier oder dort jemanden, der noch viel perfekter ist...
Ich habe anfgangs erklärt, dass das nichts mit Liebe zu tun hat. Messen ist fleischlich, egal ob quantitatv oder qualitativ, der macht mehr oder der kann das besser. Du hast deine eigene Berufung und deine eigene Begabung und man denke dabei nicht immer an Apostel- oder Prophetendienst. Du weißt, was du kannst und nicht kannst.

Aber dazu muss man auch ehrlich zu isch sein. Du weißt, dass ich das Klavierspielen aufgegeben habe, Ich kann das einfach nicht, es war nur ein jahrelanger eigener Wunsch, aber keine Gabe. Du kannst es, dann setze es sein. Ich kann dafür kochen. Das setze ich ein, heute z.B, da besucht mich ein Pastor und Freund.

Gäbe es nur Apostel, Propheten, Evangelisten und Lehrer, wer macht ihnen das Essen? Dazu lehrt Paulus in 1. Korinther 12, dass der Leib alle Glieder braucht und dass diese untereinander brauchen. Ich könnte weiß Gott wo heute Pastor sein, aber ich will das gar nicht. Ich setze meine Gaben ein.

So diene ich meinem Gott. Könnte ich mehr tun? Ja immer, aber das Denken der eigenen Minderwertigkeit kommt nicht von Gott. Ich bin der festen Überzeugung, dass mich Gott vorbehaltlos liebt.

Bei mir geht es nicht um was ich tun, sondern was ich lassen (!) sollte. Einige Sünden, die ich tue, sollte ich lassen und diese plagen mich und machen mir genug Gewisssenbisse, nicht aber meine Dienstleistungen für Gott und Mensch.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Antworten