Novalis hat geschrieben:Sehr erlesene Worte

die kritischen Worte im Hinblick auf den "gesetzlichen Menschen" finde ich sehr wichtig.
Er hat voll Recht damit.
Das Problem kann man leider nicht durch Analysen und Appelle lösen. Weil diejenigen, die es betrifft, den Boten, der warnt und mahnt, als Verführten, als Abgefallenen betrachten. Hans- Peter Royer zählt dazu. Anlässlich seines Todes hatte ich so einiges gelesen... in einem gut christlichen Forum... aufdaß mir fast die Haare ausgefallen wären.
Die "Gesetzlichen" kann man in mehrere Gruppen einteilen (ein Versuch):
1.) Leute, die sich selbst im Weg stehen, weil ihnen in der Kindheit nachdrücklichst beigebracht wurde: "Anerkennung/ Wertschätzung/ Zuwendung/ Liebe muß man sich durch Leistung verdienen" --- und die es nicht schaffen, sich von diesem Denkmuster zu lösen.
So lange sie diese Philosophie nur für sich selbst leben, mag das noch angehen. Niemand kann aus seiner Haut.
Aber wenn sie ihr leistungsorientiertes Glaubensmodell, das letztlich irgendwo von Mißtrauen gegenüber der bedingungslosen Liebe Gottes bestimmt ist, allen anderen aufdrücken wollen, unter Androhung der ewigen Verdammnis für alle, die ihnen nicht gehorchen, dann überschreiten sie ihre Kompetenzen ganz gewaltig. Dann mutieren sie vom Opfer zum Täter.
2.) Leute, die mit Freiheit und beispielsweise den Werten anderer Religionen nicht umgehen können und sich in klar abgegrenzten Bahnen mit hohen Mauern außen herum wohler fühlen. Sie möchten eine Beziehung zu Gott, aber überschaubar, berechenbar.
Alles, das man nicht in Regeln und Verhaltensvorschriften ausdrücken kann und die große weite Welt mit ihren vielen ungelösten Problemen macht ihnen Angst. Das sind die Gläubigen ohne Grauzonen. Bei denen ist alles entweder schwarz oder weiß.
3.) Leute, die zunächst neugierig und motiviert sind und vielleicht auch einen ganz guten Anfang gemacht haben als Jünger. Irgendwann entdecken sie die tolle Möglichkeit, innerhalb der Gemeinde Karriere und sich (selbst) einen Namen zu machen, eventuell verbunden mit finanziellen Genüssen. Wenn sie daran Gefallen finden, setzen sie alles daran, ihre herausragende Position zu erhalten, zu festigen und weiter auszubauen. Deshalb müssen sie Gesetze forcieren und denen ihren persönlichen Stempel aufdrücken... damit die Untertanen brav funktionieren und nicht aufmucken.
Dabei geraten sie unweigerlich in Konflikte mit den Geboten Jesu.
Eigentlich können sie einem leid tun. Weil sie so nah dran sind, aber irgendwie noch nicht angekommen.
Regeln sind wichtig. Im Reich Gottes gibt es eine Hausordnung. Ein Schüler ahmt zunächst seinen Lehrer nach, bis er die Weisheit des Lehrers "gefressen" hat und selbständig damit arbeiten kann. Über die "Werke", die Gott gefallen, kommt wachsende Erkenntnis
Joh. 14,23-- auch Gotteserkenntnis.
Werke sind nur Mittel zum Zweck. Es ist wichtig, sie zu TUN, aber es ist auch wichtig, nicht daran kleben zu bleiben (sich als Gläubiger über Leistung zu definieren).
Jeder Gläubige braucht "theologische Grenzen", WENN er ernsthaft bei der Sache ist. Er
muss sich ja angesichts der lehrmäßigen Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen darum kümmern. Wie soll er sonst die Werke tun, die Gott von ihm erwartet, wenn Lolch und Weizen denselben Stellenwert haben? Wie soll er die Gebote Jesu (die Hausordnung Jesu) halten, wenn er sie nicht kennt oder nicht erklären kann bzw. nicht begreift, was sie konkret bedeuten?
Eine Lehre, die einer anderen Lehre widerspricht kann entweder richtig sein oder falsch. Der Gläubige muß nachforschen und nach bestem Wissen eine Entscheidung treffen, wie er damit umgehen wird.
Einige Beispiele, die man echt nicht vom Tisch wischen kann:
- Ist Jesus Gott? Dann gebührt Ihm Anbetung. Ist er es nicht, dann DARF man Ihn nicht anbeten.
- Taufe: So früh wie möglich oder Glaubenstaufe?
- Maria
- Geistestaufe
- Umgang mit Homosexuellen
etc.
LG