Re: Phänomen Eugen Drewermann
Verfasst: Do 15. Sep 2022, 21:09
Hört auf Jesus (oder Buddha)!
Ja, wenn alle Menschen dies täten, dann gäbe es keine Kriege mehr.
Aber nicht einmal Jesus meinte, dass alle Menschen seine Botschaft verstehen und beherzigen würden (Gleichnis vom Sämann, Matthäus, Kapitel 13).
Wenn ich gar wie Drewermann glauben würde, der Mensch ließe sich gänzlich materialistisch erklären, wäre ein Produkt blinder Kräfte, dann würde ich mir erst recht absurd dabei vorkommen, dies zu fordern. Denn bei Jesus könnte man wenigstens hoffen, dass er das nicht auf alle Zeiten bezogen hat.
Der Materialismus erklärt es doch: Mensch = eine Art intelligentes Tier, ursprünglich getrimmt auf das Überleben in der Savanne und daher mit einer starken angeborenen Tendenz zu Aggression, Selbstsucht, Verlogenheit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer.
Diese natürlichen Defekte kombiniert mit seiner Intelligenz ergeben eine wirklich "explosive" Mischung.
Ja, unter allen Kriegstreibern gab es immer einen größten, zu allen Zeiten. Und auf den kann man sich einschießen, ihn zum Problem Nr. 1 deklarieren - aber verschwindet der und bröckelt seine Macht, hat sich blitzschnell ein Ersatz gefunden.
So war es über die Jahrtausende und es wird heute nicht anders sein.
Wer schwach ist, fordert schnell Frieden - aber warum sollten wir dies ernst nehmen? Es lässt sich leicht mit der natürlichen Verlogenheit des Menschen erklären...
Das heißt nun nicht, dass Utopien, wie eine Welt ohne Krieg, prinzipiell nicht zu verwirklichen wären. Aber man müsste zumindest ein wenig skizzieren, wie man da nun hinkommt.
Das ist der Mega-Moonshot und es wäre die Untertreibung des Jahrtausends zu sagen "Dauerhafter Friede auf der Erde? Der Teufel steckt da im Detail!" - Details um die sich Drewermann nicht kümmert.
Manche sog. Trans-Humanisten fordern gar ernsthaft Eingriff ins menschliche Genom -- nun ja, das ist wenigstens ehrlich, das zeigt, dass hier wenigstens das Ausmaß des Problems erkannt wurde.
"Wir sollten endlich nach 2000 Jahren die Botschaft Jesu umsetzen" fordert Drewermann, wie als würde es sich um das Update auf Windows 11 handeln. Dabei widerstrebt die Botschaft Jesu der Natur des Menschen. Das sagt nicht nur der Materialismus, sondern das Christentum selbst:
Matthäus 7:13-14 hat geschrieben:Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen. 14 Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden.