Jakobus 4,5

Themen des Neuen Testaments
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Lea
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Lea »

Hoger hat geschrieben: Sa 24. Jan 2026, 16:43 Aber vielleicht gibt es hier auch jemand, der die Übersetzung mit "Neid" für sich sinnvoller findet
Ich finde eigentlich beide Wörter unpassend. Weil sie in diesem Text auf Gott (seinen Geist) bezogen werden.

Eifersucht und Neid ist nie positiv und signalisiert eine gewisse Unfreiheit in der Beziehung. Das ist menschlich oft zwar erklärbar. Aber zu Gott passt das nicht.

Das Wort "Eifersucht" beinhaltet den Begriff "Sucht". Und das ist etwas, das krank macht.
"Neid" mißgönnt dem Beneideten etwas - und sucht danach, es für sich selbst zu eringen.

Aber ich lese die Bibelworte ohnehin nicht (mehr) als wortwörtliche Botschaft. Und diese sagt mir - bei allen Übersetzungen - dass Gottes Geist in mir wirken will, so dass Gott in meinem Wirken für andere sichtbar werden kann.

Das funktioniert eben nur, wenn der Geist, der in uns wohnt, auf Gott ausgerichtet ist. Sobald mein Sinnen und Trachten von Gott abweicht, wird das Wirken Gottes in meinem Leben geschmälert. Und darum ist es gut, wenn man sich immer wieder neu selbst prüft, welcher Geist in meinem Leben erkennbar ist - besonders auch für Andere, die Gott durch mich ansprechen will.
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.
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Hoger
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Hoger »

Lea hat geschrieben: Sa 24. Jan 2026, 17:17 Und darum ist es gut, wenn man sich immer wieder neu selbst prüft, welcher Geist in meinem Leben erkennbar ist - besonders auch für Andere, die Gott durch mich ansprechen will.
:thumbup:
Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, ist das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters. In ihm sagt der Vater alles, und es wird kein anderes Wort geben als dieses (Katechismus der RKK Nr. 65)
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Abischai
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Abischai »

Hoger hat geschrieben: Sa 24. Jan 2026, 16:43 ob letzteres nun falsch ist, spielt da für mich keine Rolle.
Für Dich nicht, aber für mich, und da das hier nun mal zur Sprache kam, und weil diese Zeilen von vielen gelesen werden, weise ich aus gegebenen Anlaß darauf hin, und dabei ist es mir ehrlich gesagt egal, ob Dir das wichtig ist oder nicht, es IST wichtig, darum äußere ich mich dazu.
Eifer und Eifersucht sind völlig normale und natürlich Dinge, Neid hingegen nicht. Gott eifert, und das ist gut, Menschen eifern auch, auch das ist gut, wer nicht eifrig ist, schafft nichts, das ist bekannt. Eifersucht ist dann schon ein umstrittener Begriff, da er auch von vielen falsch verwendet und verpönt wird. Der vielleicht bekannte Spruch: "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft" klingt weise, ist aber dumm, weil er falsch ist.
Eifersucht bedeutet einfach, daß man nicht anders kann, als in einer bestimmten Weise zu eifern, selbst wenn man es wollte, man kann nicht anders ("Sucht").

Lea hat zuvor die volkstümliche Ansicht dazu wiedergegeben, aber die ist eben oberflächlich. Es gibt Süchte, die sind schlecht, aber das Bestimmungswort zu jeder Sucht sagt schon aus, wohin die Reise geht: Spiel~, Drogen~, Fall~, Streit~ sind Dinge, die der Mensch grundsätzlich nicht braucht.

Eifer hingegen wird sehr wohl gebraucht, also ist Eifersucht nicht automatisch negativ (auch hier wieder: Mißbrauch ist möglich, versteht sich) sondern grundsätzlich neutral bis eher positiv.

Beim Eifern um die richtigen Dinge, ist es unschätzbar gut, wenn man gar nicht anders kann, als in der rechten Weise zu eifern. Das ist die gute Form der Eifersucht, und genau damit haben wir es in dem Bibelwort zu tun, nichts anderes. Man darf auch gern moderne Begriffe einsetzen, aber die müssen dem Ursprung entsprechen, weil sie sonst auch bloß falsch sind.

"Voll bei der Sache" trifft es nicht. "Unaufhörlich", "mit aller Kraft, Konzentration und Ausdauer", das würde in etwa den Eifer und die Eifersucht beschreiben. Aber bleiben wir bei "Eifer~", denn es gibt nun mal keinen eindeutigeren Begiff dafür...
Meine Hilfe kommt von Jahweh, der Himmel und Erde gemacht hat. [Ps 121;2]
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Hoger
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Hoger »

Abischai hat geschrieben: Sa 24. Jan 2026, 19:14 Beim Eifern um die richtigen Dinge, ist es unschätzbar gut, wenn man gar nicht anders kann, als in der rechten Weise zu eifern. Das ist die gute Form der Eifersucht, und genau damit haben wir es in dem Bibelwort zu tun, nichts anderes
Ja das "eifern in der rechten Weise...."

ist für manchen Lebensaufgabe und Lebenszweck.

Also ich nehme hier wirklich:
Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen,
Weil ich es gut finde, dass Gott über den Geist den Er in mir wohnen lässt mit Eifer wacht.

Das beruhigt und stärkt
Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, ist das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters. In ihm sagt der Vater alles, und es wird kein anderes Wort geben als dieses (Katechismus der RKK Nr. 65)
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Magdalena61
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Magdalena61 »

Hier sind noch einige alternative Bibelübersetzungen:

https://www.bibel-online.net/buch/luthe ... kobus/4/#1

Manchmal sind die älteren Übersetzungen besser verständlich.


Eine Bibelarbeit zu Jak. 4:
Jak 4,5

Dieser Vers ist eine der am schwierigsten zu übersetzenden Passagen im ganzen Jakobusbrief. Die Subjekt-Objekt-Beziehung zwischen den Satzteilen "mit Eifer" und "wachen" sowie "Gnade geben" ist nicht ganz eindeutig.

Möglich sind folgende Deutungen: (a) Der Geist, der in euch wohnt, wacht mit Eifer (über euch) und gibt euch um so reichlicher Gnade. (b) Er (Gott) wacht mit Eifer über den Heiligen Geist, der in euch wohnt, und er gibt euch um so reichlicher Gnade (so Luther). (c) Der (menschliche) Geist, der in euch wohnt, wacht eifersüchtig, doch er (Gott) gibt euch um soreichlicher Gnade. Die Lutherübersetzung kommt dem griechischen Text sehr nahe: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, und gibt um so reichlicher Gnade .

Doch nicht nur die Übersetzung, sondern auch der Schriftverweis stellt den Exegeten vor Probleme.

Die in typischer Weise rhetorisch formulierte Frage "Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst?" ( kenOs ) leitet den Abschnitt ein. Der auf verschiedene Weise auslegbare Satz, der darauf folgt, enthält kein wörtliches Zitat irgendeiner Schriftpassage.

Man könnte nun annehmen, daß Jakobus sich hier auf irgendein anderes heiliges Buch bezog oder auf eine unbekannte griechische Übersetzung des Alten Testaments oder daß er einfach den allgemeinen Sinn eines Schriftwortes wiedergab. Am plausibelsten scheint es jedoch, davon auszugehen, daß er hier bereits auf die Äußerung in Vers 6 Bezug nimmt, die eindeutig aus Spr 3,34 stammt: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade" (dasselbe Zitat findet sich in 1Pet 5,5 ).
Quelle
bibelkreis.ch ist immer wieder eine gute Adresse für solche Fragen.
LG
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Helmuth
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Re: Jakobus 4,5

Beitrag von Helmuth »

Magdalena61 hat geschrieben: So 25. Jan 2026, 01:45 Manchmal sind die älteren Übersetzungen besser verständlich.
Die besten ÜS sind allgemein die, die dem Urtext auf Koine am nächsten kommen. Griechisch kann ich leider nicht, aber ich habe gelernt, dass Interlinearübersetzungen einen guten Abgleich ermöglichen (z.B. biblehub) bzw. Wortstudien sehr helfen, um Begriffe anhand anderer Kontexte besser zu erhellen. Wir können heute auch die Vorteile der KI nutzen, die sprachwissenschafltich helfen kann, wenn Unklarheiten auftreten.

Man sollte Gottes Gaben annehmen und nutzen können und sie nicht verteufeln, wie es manche tun. Dann kommt hinzu, dass man die hebräische Denkweise kennen muss. Denn der Autor Jakobus war kein Grieche, sondern Hebräer.

Er dachte also nicht wie ein Hellenist, der auf Koine schreibt, sondern wie ein typischer Jude aus der Zeit Jesu. Das verraten Redewendungen, die typisch für Juden sind und der geistlichen Rede- und Denkweise entsprechen. Auf diese Weise redeten auch Jesus, Paulus, Petrus, also Gläubige aus der damaligen Zeit, als die Urtexte des NT geschrieben wurden.

Jakobus war vermutlich jener erster Gemeindeleiter in Jeruselem, der am Apostelkonzil zu Jeruslaem das letzte Wort verbindlich gesprochen hatte --> Apg 15, das dem Heiligen Geist auch gefallen hatte. Interessanterweise war er gar kein Apostel, aber er soll einer der leiblichen Brüder des Herrn Jesus gewesen sein. Zumindest wird sein Name auch im Mk-Ev bestätgt --> Mk 6:3.

Soweit die Forschung, die uns auch wichtige Begleitumstände für das Zustandekommen eines Textes liefert und nun zum Text. Ich greife zuerst immer auf die ELB-CSV zurück, als sie für mich die authentischste ÜS ist. Sie hat zwar auch ihre Fehler, mit denen ich aber mittlerweile umgehen kann. Lesen wir mal:
Jak 4,5 hat geschrieben: Oder meint ihr, dass die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid?
Den Text lese ich so, dass Jakobus zwei Fragen stellt, die nach meiner Leseart rhetorischer Art sind. Dass es Fragen und keinen Aussagen sind, zeigt ein Textvergleich mit Koine. Wenn eine ÜS das also nicht als Fragen übersetzt, dann meine ich verzerrt sie den Kontext.

Die Denkweise des Jakobus sollte so sein: Die Schrift redet nicht vergeblich und der Geist Gottes in uns begehrt nicht aus einem Neidmotiv, daher sind diese Fragen rhethorisch. Solche Dinge sind Gott fremd. Jakobus Fragen wären gelehrt vom Heiligen Geiste klar mit "nein" zu beantworten, und so denkt er auch. Anders wäre das m.E. nicht getrieben vom Geist Gottes.

Dann braucht man den Kontext um zu verstehen, wie die Frage entstanden ist und was Jakobus damit anspricht. Dazu muss man das davor Geschriebene lesen, das von einer üblen Art zu begehren spricht, die aus dem Fleisch kommt und nicht dem Geist gemäß --> Jak. 4:1-4.

Im Grund genommen habe ich mit diesem Text keine Schwierigkeiten, weder textlich bzw. kontextlich, noch exegetisch. Es geht darum das Fleisch abzulegen, dass aus üblen Motiven agiert und daher Gott nicht gefallen kann. Ich sehe hier auch kein sprachwissenschafltiches Problem. Daher frage ich: Welche Schwierigkeit könnte Jakobus 4:5 bereiten?
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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