Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Wir bitten darum, in diesem Forum keine Bibel- und Glaubenskritik zu üben.
Benutzeravatar
Rilke
Beiträge: 1110
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 15:23

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 07:25 Ich würde daher zuerst gerne deine Sicht hören, was das Gewissen ist. Dann gebe ich meine Sicht dazu und wir gleichen es ab. Da es ein biblischer Begriff ist, so haben wir dazu auch eine entsprechende Wortgrundlage.

Dazu auch eine Frage von mir: Im AT finde ich diesen Begriff in der Art nicht. Aber es könnte ein wortverwandter sein. Hast du eine Ahnung welcher das sein könnte? Ich forsche dazu selbst mal nach.
Gute Frage!
Das Gewissen ist für mich das innere Urteil unserer praktischen Vernunft, die uns dazu ermächtigt, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln.
Was ich entschieden ablehne ist die Idee eines Gefühls oder einer inneren Stimme, im Sinne von 'Was fühlt sich richtig an?', denn das kann definitiv täuschen. Diese Form des Gewissens "erschafft" sozusagen die subjektive Wahrheit, nach der man zu handeln glaubt, brandgefährlich meiner Meinung nach.

Gegen das (wahre) Gewissen kann ein Mensch demnach auch sündigen. Wenn man erkennt, dass etwas böse ist und es trotzdem tut, handelt man schuldhaft. Jedoch kann man subjektiv davon überzeugt sein, dass man richtig handelt, und objektiv trotzdem falsch liegen. Das Gewissen muss also gebildet werden, und das geschieht für den Christen durch die Offenbarung Gottes.
Passend zum vorherigen Post würde ich noch hinzufügen, dass jeder Mensch ein Gewissen hat und im Lichte dessen beurteilt wird, je nachdem, was er erkannt hat oder hätte erkennen können. Aber dieses Gewissen ersetzt nicht die Gnade Gottes, durch die allein wir errettet werden können. Es gibt demnach keinen zweiten Heilsweg neben Christus.
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 07:25 Dazu auch eine Frage von mir: Im AT finde ich diesen Begriff in der Art nicht. Aber es könnte ein wortverwandter sein. Hast du eine Ahnung welcher das sein könnte? Ich forsche dazu selbst mal nach.
Tatsächlich denke ich hier an das Herz. Stimmst du mir da zu?
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19444
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Das Gewissen ist für mich das innere Urteil unserer praktischen Vernunft, die uns dazu ermächtigt, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln.
Da liegen wir schon auseinander. Also ist es gut, das zuerst zu klären. Ein Urteil bildet der Geist, aber das Gewissen war zuvor tätig, und aufgrunddessen trifft dein Geist z.B. eine Entscheidung. Das Gewissen selbst trifft keine Entscheidung, da es m.E. nonverbal wirkt, d.h. damit sind keine Gedanken verbunden, sondern es belastet dich.

Das Gewissen ist dein inneres gottgegebenes Alarmsystem. Aus meiner Berufswelt ist mir dazu bestens das Bild eines Alarmsystems vertraut. Wir hatten die Zusände grün für kein Alarm, gelb für Warnung und rot für kritisch.

Damit geht die Intensität der Gefühle deiner Seele einher. Sie ist entweder ganz ruhig - grün - bis hin zu völlig aufgewühlt - rot.

Im Grünbereich kannst du weitermachen wie bisher, im Gelbbereich wirst du gewarnt, ansonsten geht dein System "Mensch" irgendwann kaputt und im Rotbereich stehst du quasi vor einem Desaster.

Der Hauptauslöser dafür sind äußere Einflüsse, wie z.B. eine für dich unerhoffte Nachricht, oder der Klassiker: Die Überführung einer Sünde durch Mitmenschen. Ich denke, dass Gott selbst dieses System steuert und kein anderer, darum ist es ein Korrektiv.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Was ich entschieden ablehne ist die Idee eines Gefühls oder einer inneren Stimme, im Sinne von 'Was fühlt sich richtig an?', denn das kann definitiv täuschen.
Hier aber sehe ich das Gewissen am Werk. Ja, es kann täuschen, das ist Tatsache, was aber daran liegt, dass es nicht zurechgeformt wurde, oder du dir unsicher bist, was richtig und falsch ist. Die Unsicherheit wirkt ebenso belastend auf dein Gemüt. Hattest du so was noch nie? Ich laufend. ;)
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Diese Form des Gewissens "erschafft" sozusagen die subjektive Wahrheit, nach der man zu handeln glaubt, brandgefährlich meiner Meinung nach.
Du sagst Wahrheit. Darüber spreche ich jetzt nicht. Wie es korrigierend wirkt, dazu müssen wir erst die Grundlage der Arbeitsweise verstehen. Das Gewissen denkt nicht, sondert vermittelt dir in der Tat einen spürbaren Eindruck negativer Art. Dieser ist nonverbal, d.h. es sind keine Worte, sondern die Seele wird stimuliert.

Wir sagen aus gutem Grund es wird belastet. Dazu gibt es unterschiedliche Ausdruckweisen, wie: Ich fühle mich schlecht, es gefällt mir nicht, es geht mir gegen den Strich, meine Stimmung ist im Keller, was auch immer, es ist die Folge eines belasteten Gewissens.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Tatsächlich denke ich hier an das Herz. Stimmst du mir da zu?
Ja, soweit ich nun recherchiert habe, komme ich dazu auch, aber im Gegensatz zur geistlichen Ebene wirkt es tatsächlich auf die physische Ebene des Körpers ein, sodass es schlechte Gefühle auslöst. Ein reines Gewissen verursacht das nicht, ein unreines sehr wohl.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Rilke
Beiträge: 1110
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 15:23

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 13:26 Das Gewissen ist dein inneres gottgegebenes Alarmsystem. Aus meiner Berufswelt ist mir dazu bestens das Bild eines Alarmsystems vertraut. Wir hatten die Zusände grün für kein Alarm, gelb für Warnung und rot für kritisch.

Damit geht die Intensität der Gefühle deiner Seele einher. Sie ist entweder ganz ruhig - grün - bis hin zu völlig aufgewühlt - rot.

Im Grünbereich kannst du weitermachen wie bisher, im Gelbbereich wirst du gewarnt, ansonsten geht dein System "Mensch" irgendwann kaputt und im Rotbereich stehst du quasi vor einem Desaster.

Der Hauptauslöser dafür sind äußere Einflüsse, wie z.B. eine für dich unerhoffte Nachricht, oder der Klassiker: Die Überführung einer Sünde durch Mitmenschen. Ich denke, dass Gott selbst dieses System steuert und kein anderer, darum ist es ein Korrektiv.
Hm, ich weiß nicht, Helmuth. Ich finde dein Beispiel mit dem Warnbereich gut dargestellt und anschaulich, aber ich denke damit beschreibst du nicht das Gewissen selbst, sondern eher eine Begleiterscheinung des Gewissens.
Was ich damit meine, ist, dass das Gewissen, wie du es beschreibst, eine Gefahr wahrnehmen kann, aber nicht zwischen objektiv Gutem und Bösen unterscheiden kann.
Bitte verbessere mich, falls ich dich falsch verstanden habe.
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 13:26 Hier aber sehe ich das Gewissen am Werk. Ja, es kann täuschen, das ist Tatsache, was aber daran liegt, dass es nicht zurechgeformt wurde, oder du dir unsicher bist, was richtig und falsch ist. Die Unsicherheit wirkt ebenso belastend auf dein Gemüt. Hattest du so was noch nie? Ich laufend. ;)
Aber ein Gefühl der Belastung drückt nur aus, dass dich etwas belastet, es deutet jedoch nicht darauf hin, ob etwas gut (konform mit dem Willen Gottes) oder schlecht (gegen den Willen Gottes) geht. Das Gewissen kann belastet sein, obwohl man nichts objektiv Schlechtes getan hat - und andersherum.

Verbunden mit deinem vorherigen Beispiel würde ich sagen, dass dein Gewissen als nonverbales Alarmsystem zwar einen Alarm auslösen kann, aber ihm jede Urteilsfähigkeit fehlt. In einer Welt der Moral benötigt es jedoch genau das.
Dabei will ich nicht sagen, dass dein Beispiel brauchlos wäre, unser Gewissen kann durchaus als Alarmsignal dienen, aber es sollte nicht darauf reduziert werden.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19444
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 19:25 Hm, ich weiß nicht, Helmuth. Ich finde dein Beispiel mit dem Warnbereich gut dargestellt und anschaulich, aber ich denke damit beschreibst du nicht das Gewissen selbst, sondern eher eine Begleiterscheinung des Gewissens.
Das stimmt schon, aber genau diese Wirkungen untersuchen wir analytisch. Du stellst sie jedenfalls an dir fest. Wir können dieses Phänomen wie auch den Lernprozess des Geistes in seiner Tiefe nie zur Gänze verstehen, und dennoch kennt sie jeder aus persönlicher Erfahrung.

Gott lässt uns nicht alles wissen, weil das nicht nötig ist, wohl lässt er uns vieles spüren. Man kann heute die Aktivitäten der Hirnströme messen, die darüber Aufschluss geben und diese zeigen auffällig veränderte Muster, weshalb man diese Technik beim Lügendetektor einsetzt.

Wie tauglich das Verfahren ist, sei eine andere Sache, aber man erhält Indizien, und ich denke deshalb, weil Gott besonders beim vorsätzlichen Lügen das Gewissen bereits so anregt, sodass sich die Testperson dabei unwohl fühlt. Ich gebe zunächst weiter meine Sicht der Dinge und bringe später auch biblische Belege ins Spiel, so nötig.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 19:25 Was ich damit meine, ist, dass das Gewissen eine Gefahr wahrnehmen kann, aber nicht zwischen objektiv Gutem und Bösen unterscheiden kann.
Mir geht es um den spezifischen Prozess der Wahrnehmung, der ein ungutes Gefühl auslöst. Den kennst du wie ich, nur die theologische Einordnung siehst du anders als ich. Beide denke ich können wir aufgrunddessen auch ein verändertes Verhalten als im Normalzustand grün bezeugen.

So erkennt auch deine Umwelt, dass mit dir oder mir was nicht stimmt. Das geht einher mit einem Schamgefühl. Man schämt sich etwas getan zu haben, und das belastet nun das Gewissen. Aber das ist, wie ich meine, ein nonverbaler Prozess.

Gut und böse zu unterscheiden bedeutet etwas zu beurteilen und auch zu erkennen. Das ist eine Tätigkeit des Geistes, den wir in der Folge anstellen. Wir beginnen nachzudenken, was nicht stimmt. Oder es es bereits offenkundig, sodass es nicht vieler Worte bedarf zu erkennen. Die beiden Prozesse muss man aber trennen.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 19:25 Aber ein Gefühl der Belastung drückt nur aus, dass dich etwas belastet, es deutet jedoch nicht darauf hin, ob etwas gut (konform mit dem Willen Gottes) oder schlecht (gegen den Willen Gottes) geht. Das Gewissen kann belastet sein, obwohl man nichts objektiv Schlechtes getan hat - und andersherum.
Stimmst du also zu, dass es das Gefühl der Belastung gibt? Über Fehlfunktionen reden wir noch. Zuerst brauchen wir die Sicht wie Gott das Gewssen als Instanz zur Korrektur eingerichtet hat. Der eigentliche Grund, warum Gott diesen Prozess in uns auslöst bzw. aktiviert, ist ja ein Fehlverhalten.

Du würdest nicht reagieren, wenn sich nichts regt. Dann wäre für dich alles bestens, also Zustand kein Alarm. So aber erhältst du eine Warnung von oben, weil etwas nicht in Ordnung ist. Und da der Mensch sein seelisches Gleichgewicht anstrebt, will keiner in diesem Zustand bleiben.

Wie der Mensch allerdings darauf reagiert, ist eine andere Sache, die wir uns noch ansehen sollten, aber Schritt für Schritt. Zunächst will ich, dass man die beiden Prozesse trennt, sonst vermischen wir wieder Äpfel mit Birnen.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Rilke
Beiträge: 1110
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 15:23

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: So 28. Jun 2026, 05:31 Das stimmt schon, aber genau diese Wirkungen untersuchen wir analytisch. Du stellst sie jedenfalls an dir fest. Wir können dieses Phänomen wie auch den Lernprozess des Geistes in seiner Tiefe nie zur Gänze verstehen, und dennoch kennt sie jeder aus persönlicher Erfahrung.

Gott lässt uns nicht alles wissen, weil das nicht nötig ist, wohl lässt er uns vieles spüren. Man kann heute die Aktivitäten der Hirnströme messen, die darüber Aufschluss geben und diese zeigen auffällig veränderte Muster, weshalb man diese Technik beim Lügendetektor einsetzt.

Wie tauglich das Verfahren ist, sei eine andere Sache, aber man erhält Indizien, und ich denke deshalb, weil Gott besonders beim vorsätzlichen Lügen das Gewissen bereits so anregt, sodass sich die Testperson dabei unwohl fühlt. Ich gebe zunächst weiter meine Sicht der Dinge und bringe später auch biblische Belege ins Spiel, so nötig.
Meinst du, dass Gott unser Gewissen durch diese Belastungen beeinflusst? Zumindest verstehe ich das so, wenn ich deinen Text lese.
Lass uns das erst einmal klären bevor ich weiter mit Äpfeln auf deine Birnen eingehe. Habe dein bisher Geschriebenes nicht vergessen, werde dann darauf zurückkommen.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19444
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: So 28. Jun 2026, 14:58 Meinst du, dass Gott unser Gewissen durch diese Belastungen beeinflusst? Zumindest verstehe ich das so, wenn ich deinen Text lese.
Natürlich, oder sind dir diese Dinge völlig unbekannt? Ich denke, man kann es schon aus der Genesis herleiten.
1. Mose 3:7 hat geschrieben: Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
Das Auftun der Augen interpretiere ich so, dass sie infolge ihrer Übertretung eine ihnen bisher völlig unbekannte Erfahrung gemacht hatten. Im Zustand der Sündlosigkeit käme solches nie zustande, nun aber regte sich in ihnen auf einmal das Gewissen. Und wer sollte solches bewirkt haben, wenn nicht Gott?
1. Mose 3:8 hat geschrieben: Und sie hörten die Stimme Elohim's JHWH, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Elohim's JHWH mitten unter die Bäume des Gartens.
Was sie getan hatten, wusste sie wohl, aber dieser Prozess, den Gott damit eingeleitet hatte, kam für sie wohl überraschend. Es führte dazu, dass Scham aufkam, sodass sie ihre Nacktheit auf einmal als störend empfanden und sie bedeckten sich. Zuvor steht geschrieben, dass sie keinerlei Scham kannten:
1. Mose 2:25 hat geschrieben: Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.
Ihre Scham führt nun dazu, dass sie sich vor Gott verstecken wollten, sie zeigen nun ein ganz anderes Verhaltesnmuster, eines das heute jeder zeigt, dessen Gewissen angeschlagen ist. Man will nicht, dass andere sehen, dass du gesündigt hast.

Das ganze ist zunächst ein nonverbaler Prozess infolge ihrer Sünde, wobei sie das Wort "Sünde" noch nicht einmal kannten. Später erst, als Gott sie zur Rede gestellt hatte, wurden ihnen bewusst, dass ihre Übertretung auch Konsequenzen haben wird und dass ihr Handeln böse war. So machten sie ihre erste leidvolle Erkenntnis.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Rilke
Beiträge: 1110
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 15:23

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: So 28. Jun 2026, 20:43 Das Auftun der Augen interpretiere ich so, dass sie infolge ihrer Übertretung eine ihnen bisher völlig unbekannte Erfahrung gemacht hatten. Im Zustand der Sündlosigkeit käme solches nie zustande, nun aber regte sich in ihnen auf einmal das Gewissen. Und wer sollte solches bewirkt haben, wenn nicht Gott?
Stimme dir zu, dass ihre Übertretung eine Veränderung ihres Gewissens bewirkte, ja. Ihre Erfahrung war definitiv neu, aber ihr Gewissen war schon zuvor zustande gekommen, meine ich. Schließlich bekamen sie vor dem Fall ein moralisches Gebot vorgesetzt:
1. Mose 2,17 hat geschrieben:aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen
Also schon vor ihrer erfahrenen Scham standen Adam und Eva vor einer moralischen Realität. Das Gewissen bestand schon zuvor, nur war es da unbefleckt, während es nach der Übertretung belastet wurde. Stimmen wir hier überein?

Was Gott als den Auslöser der Scham angeht, da bin ich mir nicht so sicher. Gott als unser Schöpfer ist auch Schöpfer des Gewissens, ich denke da stimmen wir überein. Aber ich würde eher von einem Erkennen sprechen als von einem Alarmsignal, das von außen gesendet wird:
1. Mose 3,7 hat geschrieben:Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren
Das klingt für mich mehr nach einer inneren Einsicht als eine nonverbale Belastung von außen.
Helmuth hat geschrieben: So 28. Jun 2026, 20:43 Das ganze ist zunächst ein nonverbaler Prozess infolge ihrer Sünde, wobei sie das Wort "Sünde" noch nicht einmal kannten. Später erst, als Gott sie zur Rede gestellt hatte, wurden ihnen bewusst, dass ihre Übertretung auch Konsequenzen haben wird und dass ihr Handeln böse war. So machten sie ihre erste leidvolle Erkenntnis.
Damit habe ich grundsätzlich kein Problem.
Ich denke wo wir einander widersprechen ist unsere Definition vom Gewissen.
Es ist viel mehr das Erkennen, dass man gegen Gottes Gebot gehandelt hat, als die empfundene Schuld, und vor allem denke ich nicht, dass jedes Schuldgefühl vom Heiligen Geist stammt (du wohl auch nicht?).
Den nonverbalen Anfang, den du beschreibst, sehe ich ganz wie du, aber ich denke nicht, dass der Anfang schon das Gewissen vollständig erklärt. Scham kann schließlich berechtigt oder unberechtigt sein.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19444
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 15:45 Das Gewissen bestand schon zuvor, nur war es da unbefleckt, während es nach der Übertretung belastet wurde. Stimmen wir hier überein?
Ich denke auch, dass Gott das innere Gewissen nicht erst erschafft, wenn der Mensch sündigt, sondern schon in der Schöpfung vorgesehen hat. Es gibt auch andere Warnssyteme, die jetzt nicht Sünde betreffen, die gleichfalls nonverbal ablaufen. Denk an den Schrecken, der aufkommt, wenn man plötzlich erkennt, dass ein Auto auf dich zurast.
Rilke hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 15:45 Das klingt für mich mehr nach einer inneren Einsicht als eine nonverbale Belastung von außen.
Welche Einsicht? Was haben sie denn eingesehen? Sie stellten plötzlich ihre Nacktheit fest. Zuvor war das kein Thema. Wer hat ihnen das gesagt? Niemand. Das Pa'al Verb "jada" ist überdies sehr vielschichtig im Hebräischen. Es geht an der Stelle m.E. um eine bloße Wahrnehmung, die nun anders als bisher gewohnt ist.
Rilke hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 15:45 Ich denke wo wir einander widersprechen ist unsere Definition vom Gewissen.
Ich erhebe keinen Anspruch auf alle Richtigkeit meiner Analysen, aber sie sind deswegen nicht aus der Luft gegriffen, denn die Schrift bleibt immer meine Grundlage. Wir brauchen auch keine Definition, denn wir schreiben keine theologische Dissertation. Das ist kein Themenziel, sondern wie das Gewissen als Korrektiv wirkt. Doch Schritt für Schritt in der Analyse.

Zielführender ist es daher den Prozess an uns verstehen, um richtig darauf reagieren zu lernen. Dass sich von Zeit und Zeit unser Gewissen meldet, ist eine für jeden erfahrbare Tatsache. Es ist aber hier der falsche Weg eine Stelle zu Tode zu analysieren. Das bringt uns beiden keine Erkenntnis zum Nutzen.

Darum bringe ich weitere Szenarien. Im NT finden wir für den Begriff "Gewissen" ebenso kein Erklärungsmodell, sonst hätten wir die Definition. Gott erwartet sich offensichtlich, dass jeder weiß, was es ist bzw. weiß jeder für sich, wann es sich meldet. Dazu werden wir angewiesen es zu bewahren:
1. Timotheus 1:5 hat geschrieben: Das Endziel des Gebotes aber ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
Man kann daraus bzw. aus anderen Stellen schließen, dass ein ungeheuchelter Glaube ohne ein gutes und reines Gewissen nicht möglich ist. Also muss es bewahrt werden. Wir sind übereingekommen, dass auch das Herz mitwirkt, aber anders als man denkt. Dazu nun Stellen aus dem AT.
2. Samuel 24:10 hat geschrieben: Aber David schlug das Herz, nachdem er das Volk gezählt hatte; und David sprach zu JHWH: Ich habe sehr gesündigt in dem, was ich getan habe; und nun, JHWH, lass doch die Ungerechtigkeit deines Knechtes vorübergehen, denn ich habe sehr töricht gehandelt!
"David schlug das Herz", ich interpretiere das so, dass sich sein Herzschlag spontan erhöht hatte. Medizinisch würden wir sagen, es kam zu einer Adrenalinausschüttung, welche Blutdruck als auch Herzfrequenz erhöht hatten und man spürt ein heftigeres Pochen in seiner Brust.

Weitere Reaktionen können sein Schweißausbrüche infolge aufkommender Angszustände. Das sind medizinische Beschreibungen, aber als Ursache sehe ich ein angeschlagenes Gewissen.

Es gibt auch andere Gründe für Herzklopfen, aber in dem Fall können wir lesen, dass David vor Gott ein Schuldeingeständnis abgelegt hatte. Er war damit im Zustand Warnung, wie ich gleichnishaft geschildert habe, aber auch schon einen Schritt weiter, indem er seine Sünde erkannt hatte.

Ein weiterer, aber tragischer Fall ist Nabal, der Ehemann Abigails:
1.Samuel 25:37.38 hat geschrieben: Und es geschah am Morgen, als der Rausch von Nabal gewichen war, da berichtete ihm seine Frau diese Dinge; und sein Herz erstarb in seinem Innern, und er wurde wie ein Stein. Und es geschah ungefähr zehn Tage danach, da schlug JHWH Nabal, und er starb.
Zuvor feierte Nabal noch feuchtfröhlich, aber als ihm seine Frau Bericht erstattet hatte, war das der Auslöser für einen Herzinfarkt, so würde ich es medizinisch deuten. Er war im Zustand kritisch. In seinem Fall gab ihm Gott keine weitere Chance zur Umkehr, sondern er ließ ihn sterben.

Der Fall beeindruckt mich in theologischer Weise, als Gott in der Tat das physische Herz schlug. Das zu Stein gewordene Organ ist der Zustand der Verstockung, als eine Folge, wenn man laufend sein Gewissen verletzt, bis es abgestumpft und gefühllos wird. Man übergeht laufend die Warnungsignale Gottes. So tötet man es ab bis zu Zustand "gewissenlos"

Ich begann so zu verstehen, warum das hebräische Denken nicht abstrakt erfolgt, sondern das fleischerne Herz in die geistlichen Prozesse mit einbindet. Teilweise haben wir das übernommen, wie beim Herz der Fall, nur in geringerem Ausmaß. Im Hebräischen spielen auch noch die Nieren eine Rolle. Auch sie sind ein Prüfungsorgan. Dazu redet Gott selbst:
Jeremia 17:10 hat geschrieben: Ich, JHWH, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Handlungen.
Diese Aussage sehe ich übrigens als Beleg dazu, dass uns Gott stets nach unserem Wissen beurteilt. Reicht das nun, um es als Prüfungsinstanz zu sehen, oder stellen sich noch weitere Fragen?
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Rilke
Beiträge: 1110
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 15:23

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 19:26 Welche Einsicht? Was haben sie denn eingesehen? Sie stellten plötzlich ihre Nacktheit fest. Zuvor war das kein Thema. Wer hat ihnen das gesagt? Niemand. Das Pa'al Verb "jada" ist überdies sehr vielschichtig im Hebräischen. Es geht an der Stelle m.E. um eine bloße Wahrnehmung, die nun anders als bisher gewohnt ist.
Hm, das sehe ich anders. Beide waren bereits vor dem Fall nackt. Die Idee, dass sie vor dem Fall nicht wussten, dass ihre Körper unbedeckt sind, finde ich absurd.
Es macht meiner Ansicht nach viel mehr Sinn, wenn sie ihre Nacktheit zuvor als unschuldig und ohne Scham empfunden haben. Nach dem Fall wird dieselbe Nacktheit als etwas empfunden, das bedeckt werden muss. Da sprechen wir dann nicht mehr von bloßer Erkenntnis sondern eher von einer veränderten Selbsterkenntnis.
Helmuth hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 19:26 Ich erhebe keinen Anspruch auf alle Richtigkeit meiner Analysen, aber sie sind deswegen nicht aus der Luft gegriffen, denn die Schrift bleibt immer meine Grundlage. Wir brauchen auch keine Definition, denn wir schreiben keine theologische Dissertation. Das ist kein Themenziel, sondern wie das Gewissen als Korrektiv wirkt. Doch Schritt für Schritt in der Analyse.
Das ist schön gesagt, aber ohne Begriffsdefinition laufen wir Gefahr, aneinander vorbei zu diskutieren. Ohne eine Definition des Gewissens lässt sich dessen Prozess nicht sauber analysieren. Dann beschwert sich einer von uns im Nachhinein wieder, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. :D
Helmuth hat geschrieben: Mo 29. Jun 2026, 19:26 Zielführender ist es daher den Prozess an uns verstehen, um richtig darauf reagieren zu lernen. Dass sich von Zeit und Zeit unser Gewissen meldet, ist eine für jeden erfahrbare Tatsache. Es ist aber hier der falsche Weg eine Stelle zu Tode zu analysieren. Das bringt uns beiden keine Erkenntnis zum Nutzen.
Genau da knüpfe ich bezüglich der Definition an. Natürlich sollten wir den Prozess richtig verstehen, aber wir brauchen erst einmal begriffliche Klarheit, sonst behandeln wir sehr verschiedene innere Vorgänge so als wären sie ein-, und dasselbe, und schwupps, da hamma dann die Apferln und Bananen (oder Birnen, oder sonst was).

Ich versuch es mal folgendermaßen zu formulieren:
Nicht jede innere Belastung ist automatisch ein richtiges Urteil unseres Gewissens. Manchmal mag es unser Gewissen sein, das sich meldet, weil man falsch gehandelt hat. Dann muss man umkehren. Aber manchmal meldet sich Angst oder falsche Scham, wo wir dann Gefahr laufen, diese als Gottes Leitung (deine Definition von Gewissen) zu deuten.

Worum es mir geht, ist, dass man nicht jede innere Belastung mit dem Gewissen selbst gleichsetzen kann.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19444
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Mi 1. Jul 2026, 06:26 Beide waren bereits vor dem Fall nackt. Die Idee, dass sie vor dem Fall nicht wussten, dass ihre Körper unbedeckt sind, finde ich absurd. Es macht meiner Ansicht nach viel mehr Sinn, wenn sie ihre Nacktheit zuvor als unschuldig und ohne Scham empfunden haben.
Ich rede von einer neuen Wahrnehmung, die sie zuvor nicht kannten, und das war das Schamgefühl. Ohne Sünde wäre dieses nicht gekommen. Das Wort "unschuldig" wiederum kannten sie noch nicht, weil sie noch kein Rechtsempfinden haben konnten. Woher bitte? Hat deine kleine Tocher schon so etwas?
Rilke hat geschrieben: Mi 1. Jul 2026, 06:26 Worum es mir geht, ist, dass man nicht jede innere Belastung mit dem Gewissen selbst gleichsetzen kann.
Du machst den sog. Umkehrschluss, der selten richtig ist. Es ist klar, dass nicht jede Regung ein Gewissensbiss ist. Es gibt auch andere Reaktionen. Die Angst mit dem Auto ein entgegenkommendes zu rammen, das plötzlich auf deiner Spur auftaucht, ist keine Gewissenregung, sondern eine Gefahrenreaktion.

El Shaday hat unsere Schöpfung genial konstruiert und weiß schon, welche Maßnahmen er einleiten muss. Ihm sei daher auch alle Ehre! Über unsere Zerstörungsmaßnahmen reden wir noch. Wir müssen aber mal die Schöpfung Mensch verstehen, wie sie im Normalfall als das Bild Gottes angelegt ist.

Ich werde mich nicht sehr an der Definitionsfindung beteiligen, wenn dazu keine klare Grundlage vorhanden ist als nur eine, ich sag's mal so, "theologische Leberbeschau". In der Hinsicht sehe ich das seriöse Studium unserer Schöpfung zielführender.

Ich sehe mir dazu das Wort Gottes als oberste Grundlage an. Sie ist ja Korrektiv 2. Du konntest nicht zustimmen, dass die körperliche Reaktion das erste ist, was wir wahrnehmen. Ehe wir uns Gedanken machen, ist zuerst in uns ein aufkommendes beklemmendes Gefühl, das uns Gott schickt. Der Prophet Daniel kann dieses Gefühl auch beschreiben:
Daniel 9:7 hat geschrieben: Dein, o Herr, ist die Gerechtigkeit, unser aber die Beschämung des Angesichts, wie es an diesem Tag ist: der Männer von Juda und der Bewohner von Jerusalem, und des ganzen Israel, der Nahen und der Fernen, in allen Ländern, wohin du sie vertrieben hast wegen ihrer Treulosigkeit, die sie gegen dich begangen haben.
Die Beschämung des Angesichts, bekannt auch als Schamröte, die man an unverdorbenen Kindern noch sehen kann, ehe sie lernen diese auch zu unterdrücken. Ich bleibe weiter bei meiner analytischen Betrachtung dies als Gottes Warnmelder zu sehen.

Bei Adam und Eva war dies ihre erste Bekanntschaft mit ihrer Scham, die zur Folge hatte, dass sie sich verstecken wollten. Vor Menschen geht das vielleicht, vor Gott ist es klarerweise witzlos.

Und dieser zunächst nonverbale Eindruck, auch dabei bleibe ich analytisch, dringt in unser Herz ein, ja sogar physisch und führt z.B. auch zu Herzklopfen. Du musst es mir nicht abkaufen, doch solches belegt und bezeugt die Schrift und bestätigt auch die persönliche Erfahrung. Ich zeige dir dazu ein weiteres Beispiel:
Apg. 2:37 hat geschrieben: Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
Wie deutest du diese Situation?
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Antworten