Magdalena61 hat geschrieben: ↑Sa 9. Feb 2019, 01:56
So viel habe ich mal verstanden: Es gibt unzählige Richtungen der Denk- Erkenntnis- Gewinnung.
Gnosis hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren. "Die" Gnosis gibt es nicht. Seit Anfang des 20. Jh. wird sie etwa gerne als Pool für Kritiker gegen Gott und Christen gebraucht. Das hat die Gnosis übrigens nicht verdient, denn sie ist ein meist in sich logisches und verbindliches Lehrgebäude.
Die Stellung in Bezug zum Christentum erhellt sich natürlich am besten, wenn man jene Gnosis nimmt, die sich bereits zur Zeit der Verfassung der Bibeltexte ausbreitete. An diesen, den späteren christlichen Streitschriften gegen die Gnosis, deren anschließend entstandenen Eigenwerke und den Funden in Nag Hammadi kann man einen relativ guten Überblick über die Lehre erlangen.
Sobald nach 30 das Evangelium zu den Griechen kam, stieß es auch auf deren hellenistische Philosophie, etwa die Stoa oder Platonismus. Dort gab es bereits fundierte Schriften und einige versuchten das Evangelium in diesen "irgendwie unterzubringen" (siehe etwa wie bei Paulus in Athen). Gnosis damals war ein Synkretismus zwischen Christentum und griechischer Philosophie. Die schriftliche Niederlegung der Evangelien wurde maßgeblich auch deshalb vorangetrieben, weil sich dieser Synkretismus unter Heidenchristen ausbreitete.
Nur ein paar Stichpunkte, was
damals in Variationen Gnosis ausmachte:
Selbsterlösung durch Erkenntnis
Der Mensch muss sich zu Gott erheben
Dualismus, daraus folgend
Leibfeindlichkeit und "Vergöttlichung" des Geistes
Dualistisches Gottesbild
Re-Inkarnation (auch Animismus)
Verleugnung der Gottheit Jesu
Idealismus
Notwendigkeit eines ausschließlich menschlichen Lehrers
Etablierung einer "Geheimlehre" (Vorläufer der Esoterik)
Elitisierung
...
Sehr starke Bande hatte (hat) Christentum und Gnosis, was die Wichtigkeit der Tugenden betrifft. Beider Ziel ist es ja aus umkehrenden Menschen bessere Menschen zu machen. Hier wie dort sind Meditation und Nachdenken über Gott geistige Werkzeuge.
Oft sind Mittel und Wege, ja selbst Ziele dieselben, aber eben nicht die gleichen, denn der geistige Unterbau, das Fundament, die geistige Konstitution ist völlig verschieden.
... und zwar Gotteserkenntnis.
... und nichts anderes.
Servus
