Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

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Helmuth
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von Helmuth »

Sara Funkelstein hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 17:24 Ich finde, es ist nicht Bibelkritik, wenn man eine andere Textauslegung vertritt.
Das ist mir zu vereinfacht und zu kurz gegriffen gedacht. Es gibt diese Fälle, aber geht es in der Sache Christus um diese? Wenn uns die Schrift bezeugt, dass ein Gott die Welt geschaffen hat und man diese Textauslegung nicht vertritt, dann nenne ich es nicht Biblekritik, sondern Unglaube.

Wenn uns die Schrift bezeugt, dass der Mensch ein Sünder ist und daraus Erlösung braucht, und man das leugent, so ist das für mich nicht Bibelkritik, weil man das nicht bloß kritisch betrachtet, sondern den Tatbestand schlicht negiert.

Das wäre in etwa so seinen biologischen Vater und seine biologische Mutter zu leugnen. Sie können dir die amtlichen Urkunden vorweisen, dass sie z.B. in deiner Geburtsurkunde als Eltern gelistet sind. Und falls das nicht reicht, können sie das auch anhand eines DNA-Nachweises bestätigen. Es ist dann die Anzweiflung keine bloße Kritik, sondern schlicht die Ablehnung einer legitimen Elternschaft.

So gibt es die rein intellektuelle Kritik, welche die Echtheit der Fakten objektiv prüft und auch die Herzenshaltung der Ablehnung, was ich Kritikgeist nennen würde, der nicht auf Fakten basiert, sondern bei dem sich einfach nur der Wille gegen einen gegebenen Sachverhalt sträubt.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
SilverBullet
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von SilverBullet »

Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 06:38Es gibt diese Fälle, aber geht es in der Sache Christus um diese? Wenn uns die Schrift bezeugt, dass ein Gott die Welt geschaffen hat und man diese Textauslegung nicht vertritt, dann nenne ich es nicht Biblekritik, sondern Unglaube.
Naja, der Begriff "Bibelkritik" ist ja an sich nur im übertragenen Sinn zu gebrauchen, denn es wird letztlich der Umgang mit dem Text kritisiert und nicht der Text selbst (im Idealfall könnte man die Autoren kritisieren, aber die sind ja reichlich unbekannt und auch die Textauswahl und Textzusammenstellung versteckt sich in den Nebeln der Vergangenheit).

Mit deiner Begriffswahl "bezeugen" wählst du einen ganz bestimmten Umgang mit dem Text.
Von der Qualität her ist ein Text ein Text und nicht mehr.
D.h. den Stellenrang "Zeugnis" verteilst allein du. Der Text kann das nicht leisten, egal wie oft er diese Aussage enthält.

Deine Grenzziehung zwischen Glaube und Unglaube ist auch etwas, das allein du mitbringst, denn ich kann mir ganz ohne Probleme einen Menschen vorstellen, der ohne jeglichen Gott-Glauben in das Flair eines solchen Glaubenstextes eintaucht und der Meinung ist, dass es für das menschliche Zusammenleben von Vorteil ist, wenn man sich auf gewisse Vorstellungsgrundlagen über die Welt einigt.
So jemand verwendet den Text dann zwar strategisch aber er glaubt dennoch an den Effekt des Glaubenstextes und wenn er sich halbwegs an das Positive des Textes hält, verhält er sich besser, als so manch "Edel-Gläubiger".
(Nicht wenige der zahlenden aber reichlich inaktiven Kirchenchristen werden vermutlich eine entsprechende Haltung einnehmen)

Bei Grenzziehung im Textverständnis fällt mir bei Christen immer sofort das "Übers-Wasser-Gehen" ein, denn "erstaunlicherweise" will das keiner als konkreten Test für seinen eigenen Glauben verstehen, sondern nur als Bild, das ganz weit weg von Wasser zu übertragen ist.
Ich könnte mich da auch hinstellen und sagen, ein Christ, der nicht übers Wasser gehen kann, täuscht seinen Glauben nur vor - "pfui, welch üble Schurken heute wieder unterwegs sind".
Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 06:38Wenn uns die Schrift bezeugt, dass der Mensch ein Sünder ist und daraus Erlösung braucht, und man das leugent, so ist das für mich nicht Bibelkritik, weil man das nicht bloß kritisch betrachtet, sondern den Tatbestand schlicht negiert.
Auch hier wieder:
Dein Hineinlegen der Bezeugen- und Tatbestand-Qualität kann man selbstverständlich kritisieren und das dann als Bibelkritik einsortieren.

Die Bibel ist ein Text und man kann diesen dazu benutzen, sich wie mit einem Brett vor den Schädel zu schlagen (Beispiel: Link).
Deine Grenzziehungen basieren alleine auf deiner Wunschvorstellung, mehr ist das nicht.
Die Vergangenheit ist voll von Verhaltenweisen, die das nicht berücksichtigt haben - das läuft dann unter "die dunkle Seite des Christentums" (wobei man hier auch andere Religionen einsetzen kann).
Helmuth hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 06:38Das wäre in etwa so seinen biologischen Vater und seine biologische Mutter zu leugnen.
Nein, das wäre es noch nicht einmal vom Ansatz her.
Tu dir selber einen Gefallen und rudere da kräftig zurück in deinen Ansprüchen.
SilverBullet
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von SilverBullet »

Magdalena61 hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 02:19Wenn zentrale Lehren der Bibel geleugnet werden und man sich dazu noch Kokolores einfallen lässt, wie etwa: "Gott hat keine Feinde..." "Gott sieht den Satan nicht als Feind"..."Satan ist ein Mitglied am Hof Gottes" dann nenne ich das Bibelkritik.
Naja, hier stellt sich schon etwas die Frage, ob das eine Kritik am Umgang mit der Bibel oder ein eigener Umgang mit den Bibelaussagen ist.
Das kommt vielleicht auf den Kontext an.
Formuliert ein gläubiger Mensch seine Sicht oder soll der Bibel-Umgang von (anderen) Gläubigen kritisiert werden?

Bei mir ist der Fall sicherlich viel einfacher, denn was ich so schreibe, läuft unter Bibelkritik da ich ja keine eigene Glaubenshaltung einnehme.

Zu "Gott hat keine Feinde" kann ich sagen, dass ich bei Christen eigentlich noch nie ein anderes Verständnis vorgefunden habe, denn kein derartiger Gott-Gläubiger sieht "Gott" von der Vernichtung bedroht.
Der Stellenrang "Feind" ist nicht auf "Gott" selbst bezogen, sondern eher auf "sein Vorhaben", "sein Projekt", "seine Schöpfung" und wenn man "Gott" als "den Schöpfer von allem" ansieht, dann ist der Glaube, dass auch das Stören/Beeinflussen/Prüfen seines Vorhabens zu seinem Plan gehören muss, nicht weit hergeholt.

Ich kann in diesen Aussagen ohne Probleme eine eigene Glaubenshaltung entlang der Bibel erkennen und ich würde das noch nicht einmal zur "dunklen Seite des Christentums" zählen, denn da ist eigentlich keine Motivation erkennbar, dass es mir, als einem Nicht-Gläubigen, warm unter den Füsschen werden soll.
Ich finde es sogar sehr sympathisch, dass ein gläubiger Mensch nicht mit der Betonung von schlechten Weltanteilen auftritt, sondern die positive Denkweise sucht - das ist eine schöne Grundhaltung.
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