Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 10:53
. Ich vermute auch, dass die Vorstellung davon, dass Gott überhaupt einen menschlichen Sohn haben könnte, abgeguckt ist von heidnischen Göttern und der Geschichte aus dem Buch Henoch.
Solche Adaptionen gibt es immer. Aber es ist ein Unterschied, ob man sagt: "Das ist Fake, weil es nur abgeguckt ist" oder "Es wurde ein bekanntes Bild genutzt, um eine geistige Wahrheit zu offenbaren". Die Tatsache, dass eine Offenbarungs-Umsetzung auf Motive anderer Kulturen zurückgreift, ist geistig aussagelos.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 10:53
Davon abgesehen, meine ich, dass die Ich-Orientierung letztendlich auch nur eine Gottes-Orientierung sein kann.
Das ist das Ziel. Die Verschmelzung von Autonomie und Heteronomie. Aber als Mensch schafft man dies nie ganz, weil das Ich ja eine eigene Größe ist, die als solche etwas anderes ist als Gott.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 10:53
Ich finde nicht, dass er das Böse repräsentiert.
Der Teufel repräsentiert NICHT das Böse?
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 10:53
Im gesamten AT gibt es nicht einmal einen Teufel.
Es gibt dort die Schlange, Kyros, den Hinderer. Wie man das Böse in eine Offenbarungsgestalt bringt, ist inhaltlich egal.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 10:53
Eigene Unzulänglichkeiten einem Sündenbock zuzuschreiben, ist mir persönlich zu kindisch.
Das ist ja so auch nicht gemeint. Es geht darum, dass es Kräfte gibt, die das Ich beeinflussen. Und diese Kräfte sind eben nicht nur gut, sondern auch böse.
Immer wieder: Die aus meiner Sicht beste Antwort auf die Frage, was das Böse ist, ist immer noch die augustinische. Demnach existiert das Böse nicht als eigenes Wesen, sondern als Störung des Guten. Es ist also kein Seins-Produkt, das von Gott geschaffen wurde, sondern ein Mangel an Göttlichem. Fragen kann man, warum Gott zugelassen hat, dass es diesen Mangel überhaupt gibt. Dazu gibt es mindestens zwei Antworten: Gott wollte, dass der Mensch sich für ihn entscheidet (diese Antwort finde ich aus vielerlei Gründen schwach). Oder Gott wollte, dass der Mensch im Spannungsfeld von gut und böse das Gute bewusst erkennt. Warum wollte das Gott? Möglicherweise, weil er will, dass er nicht nur taub angehimmelt wird, sondern erkannt wird (im Rahmen dessen, was der Mensch bauartbedingt erkennen kann).
Wenn nun das Böse augustinisch ein Nicht-Sein wäre: Warum wird dies dann offenbart in Seinsgrößen wie Schlange, Hinderer, Satan, etc? Wahrscheinlich ist die Antwort einfach: Weil man ein Phänomen (der Mangel/die Ferne von Gott) nicht als Nichts darstellen kann. Keiner würde erkennen, was das Böse ist, wenn man es darstellen mit Nichts. ("Guck mal dahin: Da ist nichts. Erkennst Du jetzt, was das Böse ist?" - funktioniert nicht)
Einer der letzten Sprüche Goethes ist "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis". Das heißt: Egal, ob wir Gott als Sohn sehen oder das Böse als Teufel. Das sind Offenbarungen von etwas Höherem, also Gleichnisse. Das heißt nicht, dass Gleichnisse nicht real sind (natürlich sind sie das). Aber sie sind nicht an ihrer Erscheinung zu messen, sondern in ihrer geistigen Bedeutung. Und die sieht man nicht, wenn man nur die Erscheinungsform anguckt.
Deshalb verstehe ich auch nicht, warum man Begriffe wie Schlange, Hinderer, Satan, etc. kontrovers diskutiert, als wären sie nicht dasselbe. Egal, ob Du im Pelzmantel, Bikini, Blaumann oder Schlafanzug erscheinst: Du wirst immer Sara sein.