Ok, die Berglehre wäre ein eigenes Thema wert.... Jesus sitzt da, und diskutiert mit seinen Jünger (typisches jüdisches Lehrverständnis, und nicht, dass da Jesu zwischen einzelnen Menschengruppen hin und her geht und dann einen entsprechenden Spruch sagt, wie es im Jesus-Film dargestellt wird)
Jesus beginnt mit den „Seligpreisungen“, welche man fast alles in ähnlicher Weise in der Tenach findet.
Jesus greift aber aus, stellt einen Grundsatz auf: Dass das Gesetz unverrückbar ist und man daran kein Jud geändert werden darf.
Somit will Jesus mit seinen Worten tiefer in die Torah greifen, denn wer diese befolgt, erfüllt die Torah.
Dies ist eine wichtige Voraussetzung zu wissen, damit seine radikale Lehre zur Hingabe an die Torah, an die Weisung Gottes verstehen kann.
Also wieder zurück zu den Seligpreisungen. Da geht es nicht einfach um „arme“ mittellose Menschen, sondern um Menschen, die genau danach hungern, das Fehlen der Gottesherrschaft im Volk, und besonders in der Elite. Er will seine Jünger darüber belehren, dass sie die Gebote nicht schon etwa erfüllen, wenn sie sich an den Buchstaben der Schrift klammern; sie müssen in den Geist der Gebote eindringen.
Und so will Jesus mit seiner sechsmaligen Aussage: „und ich sage dazu…“ nicht einen Gegensatz aufrichten (Antithese), sondern damit bis in die Tiefe des Herzens der Torah dringen, sie im wirklichen zu erfassen.
Und dieses hineintauchen, dieses danach leben, wird Licht oder Salz für die Welt sein, wenn damit die Gerechtigkeit vorzüglicher jener ist, die nur Worte predigen. Deshalb spricht er: „Ihr habt gehört….“ also Volksrede, nach der Umgangssprache, welche das Geschriebene nicht so genau nimmt.
So weitet Jesu das Wort „töten“ schon auf den Zorn aus, denn Zorn kann einen Menschen psychisch töten, die Seele zerstören. Und mahnt, bevor man vor Gott tritt, dass man seine Sachen in Ordnung bringen soll.
So auch das Begehren, das Sittengesetz, ob nun im Beispiel Ehebruch oder sonst Habgier, es zerstört das eigene Herz. Nun reiss sich aber niemand Auge oder schneidet Hände ab, es meint, dass man dazu „Vorbeugungen“ machen soll, damit es nicht dahin kommt, also äusserste Zucht im Denken und Wandel (Umgebung)
Sowie auch nicht leichtfertig sein in der Trennung der Ehe. Dazu wurde (schon zur Zeit Jesu) ja meist ein Ehevertrag aufgesetzt, worin die Frau begünstigt wird (und nicht der Mann).
Bei „Auge um Auge“ geht es nicht um eine Sittenlehre, sondern um Rechtsbestimmungen, um eine Richtschnur für den Richter, der ein Urteil abgeben soll, keinem zu Liebe und keinem zu Leide, weder zur Rechten noch zur Linken neigend. Das hat nichts mit Rache und dergleichen zu tun.
Usw usw…
Schwören…. Nächstenliebe…. Dem Bösen nicht widerstehen … Feindesliebe…
Also alles ein sehr konkretes umsetzen des Willen Gottes und all das innerhalb den Weisungen Gottes.
Und schliesst den ersten Teil mit:
So zeigt Jesus sozusagen das Himmelreich auf der Erde auf, wie es umgesetzt sein „sollte" oder könnte. Und dies war sein Evangelium (Kp 9,35), seine gute Botschaft des Himmelreiches, und nicht jenes spätere Überlagerte von Paulus oder des Christentum.Mt 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Hier ein weiteres Beispiel der radikalen extremen Sichtweise / Botschaft Jesu:
Origenes (der alte Ausleger) schreibt zu Matthäus 19,16 (nach dem Hebräer-Evangelium):
„Ein anderer Reicher fragte ihn: ‚Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?“
Er antwortete ihm: „Mensch, halte das Gesetz und die Propheten.“
Er antwortete ihm: „Das habe ich alles getan.“
Er sagte zu ihm: „Geh, verkaufe alles, was du besitzt, und gib es den Armen, und komm, folge mir nach.“
Der Reiche begann, die Hände zu ringen, und es gefiel ihm nicht.
Und der Herr sprach zu ihm: „Wie kannst du sagen: „Ich habe das Gesetz und die Propheten gehalten?“ – Denn im Gesetz steht geschrieben: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, und siehe, viele deiner Brüder, die Söhne Abrahams, sind in Lumpen gekleidet und sterben vor Hunger, und dein Tisch ist voll von vielen guten Dingen, und kein einziger Krümel davon kommt zu ihnen.“
Und er wandte sich um und sprach zu Simon, seinem Jünger, der bei ihm saß: „Simon, Sohn des Johannes, es ist leichter für ein Kamel, durch ein Nadelöhr zu gehen, als für einen Reichen, in das Himmelreich zu kommen.“