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Re: Sprach- und ÜS-Schwierigkeiten
Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 07:59
von Helmuth
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑Mo 1. Jun 2026, 13:42
In Vers 18 stellen die Philosophen fest, dass Paulus ein Verkünder fremder Dämonen ist.
Das ist richtig und ich danke dir für die Aufklärung, denn so haben wir wieder eine ÜS-Schwierigkeit im NT gefunden. Warum man hier Dämonen mit "Götter" (ELB-CSV) übersetzt, ist mir unklar. Also gibt es den Begriff Dämon in der Apg. doch, jedensfalls an dieser Stelle.
Unbeschadet dessen bleibt der grundlegende Begriffsunterschied zwischen Götze und Dämon erhalten, was ich hier aber nicht weiter thematisieren, sondern deinetwegen nur erwähnen möchte, da dies kein Sprachprobelm, sondern Sache der Auffassung ist. Das heißt, daran trägt der Text keine Schuld.
Re: Sprach- und ÜS-Schwierigkeiten
Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 12:14
von ProfDrVonUndZu
Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 3. Jun 2026, 07:59
Warum man hier Dämonen mit "Götter" (ELB-CSV) übersetzt, ist mir unklar. Also gibt es den Begriff Dämon in der Apg. doch, jedensfalls an dieser Stelle.
Ich wüsste keine Übersetzung, die den Begriff Dämonen beibehält Sie sprechen entweder von Göttern oder Gottheiten. Die Neue Evangelistische Übersetzung benutzt hier abweichend "Geister".
Über die Motive bei der Übersetzung kann man nur spekulieren, Ich halte sie aber nicht für falsch. Vermutlich wurde hier die Perspektive der griechisch denkenden Athener und Philosophen berücksichtigt. In den Evangelien sind Dämonen stets negativ konnotiert, was mit der jüdischen Perspektive zusammenhängen dürfte. Die Griechen haben eine andere Perspektive auf Götter und Dämonen. Für sie sind Dämonen kein Problem im Sinne einer Abgrenzung von bestimmten Gottheiten, die einen Alleinherrschaftsanspruch stellen würden. Sowas kennen die Griechen nicht. Damit der Leser der Übersetzung eine negative Konnotation von Dämonen nicht den Griechen unterstellt, die in Apostelgeschichte 17,18 reden, wurde hier der Begriff Götter oder Gottheiten gewählt.
Re: Sprach- und ÜS-Schwierigkeiten
Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 12:29
von Helmuth
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑Mi 3. Jun 2026, 12:14
Vermutlich wurde hier die Perspektive der griechisch denkenden Athener und Philosophen berücksichtigt.
Das mag sein, aber die Aussagen von Heiden sind damit weiter Aussagen von Heiden. Diese haben auf unsere Text-Auslegung keinen Einfluss. Mir ist egal wie Heiden ihre Gottheiten definierern. Sie wissen ja gar nicht, dass es Götzen sind, sonst würde sie diese nicht für Gott bzw. Götter halten.
Und so werde sie vermutlich auch unter Dämonen wieder was anderes verstehen als Jesus und Paulus sie uns vermitteln. Daher tangiert mich ihre Auffassung nicht. Paulus versuchte sie aus dem Grund auch zu bekehren, damit sie den wahren Gott kennenlernen.
Re: Sprach- und ÜS-Schwierigkeiten
Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 14:01
von Larson
Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 3. Jun 2026, 07:59
Warum man hier Dämonen mit "Götter" (ELB-CSV) übersetzt, ist mir unklar.
Vielleicht:
5.Mo 32,17 Sie opferten den Dämonen, die Nicht-Gott sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die vor kurzem aufgekommen waren, die eure Väter nicht verehrten.
In der Tenach sind „Dämonen“ selbsternannte „Gottheiten“, Idole, denen man opfert.
Re: Sprach- und ÜS-Schwierigkeiten
Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 15:21
von ProfDrVonUndZu
Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 3. Jun 2026, 12:29
Das mag sein, aber die Aussagen von Heiden sind damit weiter Aussagen von Heiden. Diese haben auf unsere Text-Auslegung keinen Einfluss. Mir ist egal wie Heiden ihre Gottheiten definierern. Sie wissen ja gar nicht, dass es Götzen sind, sonst würde sie diese nicht für Gott bzw. Götter halten.
Es sieht aber zumindest stark danach aus, dass sie wissen, dass Gottheiten Dämonen sind. Oder eigentlich muss es anders ausgedrückt werden. Die griechische Sichtweise, die sich in der Sprache ausdrückt, definiert Gottheiten als Dämonen. Ein wesentlicher Unterschied scheint zu sein, wenn man die ältesten Texte wie Homer berücksichtigt, dass die Bezeichnung Dämon vor allem dann fällt, wenn dieses machtausübende Ding für Menschen noch diffus und unbenannt ist. Auch hier scheint die Namensgebung eine tragende Rolle zu spielen bei der quasi definitorischen Übertragung von Dämonen zu Götter (Theoi). Durch den Namen bekommt der Dämon eine Identität und wird handhabbar oder adressierbar. Zumindest in der Einbildung. Es ist schon wichtig, das griechische Verständnis von Dämonen zu verstehen, denn die Autoren des NT benutzen diesen Begriff ja nicht aus Spaß für sprachliche definierte Dinge nach dem jüdischen Denken. Figuren wie Zeus, Hermes usw. haben für die Griechen den Rang von Göttern (Theoi), aber aus jüdischer Sicht sind das nur Dämonen.
Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 3. Jun 2026, 12:29
Und so werde sie vermutlich auch unter Dämonen wieder was anderes verstehen als Jesus und Paulus sie uns vermitteln. Daher tangiert mich ihre Auffassung nicht. Paulus versuchte sie aus dem Grund auch zu bekehren, damit sie den wahren Gott kennenlernen.
Das war aber nur ein geschicktes und trickreiches Hilfsmittel von Paulus. Bei einigen hat es funktioniert, bei anderen nicht. Der Altar für den unbekannten Gott wurde nicht unbewusst für den Schöpfergott Jahwe reserviert. Interessant ist aber wiederum, dass der Altar explizit einem unbekannten Gott (Theos) geweiht war und nicht einem unbekannten Dämon. Paulus wurde von ihnen ja bezeichnet als Verkünder fremder Dämonen und sie bezogen das auf das Evangelium und den auferstandenen Jesus. Sie sagten ja gerade nicht "fremde Götter (Theoi)" dazu. Also akzeptierten sie diese "fremden Dämonen" noch nicht als Götter (Theoi). Trotzdem darf man ihr Verhalten nicht verstehen als hätten sie die "fremden Götter" des Paulus als bösartige Gestalten abgelehnt. Sie waren für sie einfach nur nicht verehrungswürdig als Götter (Theoi).