geboren oder geschaffen

Rund um Bibel und Glaube
Hiob
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Hiob »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 14:45
Es ging mir hier nicht um eine nationalsozialistische Gesinnung der damaligen Kirche. Es geht mir um die christdemokratische Politik im Geiste des Neoliberalismus. Diese beruft sich namentlich auf die kirchliche Soziallehre, folgt inhaltlich aber eher der Antistaatlichkeit nationalsozialistischer Denker.
Habe ich auch so verstanden - mir ging es darum, dass es heute en vogue ist, gute Begriffe, die missbraucht wurden, fortan als schlechte Begriffe zu handeln. Mit der Folge, dass manche solche semantischen Missbräuche begrüßt, um damit dem guten Begriff den Wind aus den Segeln zu nehmen. Übler Trick.

Was Deine Gegenüberstellung "kirchliche Soziallehre" vs. "Antistaatlichkeit" angeht, überlege ich mir gerade, warum dann die Union als "nach links gerückt" bezeichnet wird.
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ProfDrVonUndZu
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Hiob hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 14:59 Was Deine Gegenüberstellung "kirchliche Soziallehre" vs. "Antistaatlichkeit" angeht, überlege ich mir gerade, warum dann die Union als "nach links gerückt" bezeichnet wird.
Das Linke der Union (im doppelten Wortsinne) ist nicht ihre Entdeckung ihrer sozialen Ader, sondern hauptsächlich identitätspolitische Themen. Auch die Aufnahme von Flüchtlingen als Asylanten hat rein utilitaristische Gründe, nämlich wie mann man sie hier mit ihrer Arbeitskraft sinnvoll einsetzen kann.

Ich folge hier aber keinem rechtspopulistischen Verschwörungstheorie von der Umvolkung Deutschlands im Interesse islamischer Bewegungen. Äußerst link ist das, weil sie damit ihre asoziale Sozialpolitik im Dienste des Unternehmertums überspielen will.

Dazu muss man auch sagen, dass Merkels "freundliches Gesicht" und "mit offenen Armen" ebenfalls reine Heuchelei ist, denn wenn es ihnen um das Wohl Fliehender geht, sollten sie diese aus den Ländern abholen und nicht warten, bis sie sämtliche bürokratische EU-Hürden überwunden haben, sich unter Einsatz des Lebens und allen Vermögens bis nach Europa durchschlagen und durchschwimmen.


Man lese Matthias Zimmer - Alte Werte in neuer Zeit. Seine Ziele für die CDU scheinen höchst vorbildlich, allerdings ist er einer der eifrigsten Vertreter z.B. der Sanktionen im SGB II, was er vor allem in Bundestagsdebatten zum Besten gab. Einerseits sagt er : "Die Politik muss sich auf die Seite der Schwachen stellen, denn die Starken können sich selber helfen." Das Sanktionsregime, dass er unter Aufwendung sämtlicher rhetorischer Tricks verteidigt, ist aber das glatte Gegenteil davon. Es ist Zulieferer einer Reservearmee von Lohnabhängigen für die Industrie. Er kritisiert einerseits ausbeuterische Unternehmen wie z.B. Tönnies, fragt aber gar nicht danach, wie es denn sein kann, dass es zu solchen Umständen kommt. Er stellt sie quasi dar als vom Himmel gefallen oder schlimmstenfalls als individuelle Perfidität einzelner Unternehmer. Dass die ganze Sozialpolitik so gestaltet ist, dass sie Lohnabhängige und Eigentumslose in die Arme solcher Firmen treibt, weil ihnen de facto keine andere Wahl des Lohnerwerbs bleibt, möchte ihm nicht in den Sinn kommen, das verbirgt er wohlwissend vor seinem Publikum. Er teilt hier die christneoliberalistische Ansicht, dass doch jeder, dem es wo nicht passt, doch woanders hin gehen könne. Das hat übrigens auch der ermordete Walter Lübcke gesagt.
„Ich wollte diese Zwischenrufer darauf hinweisen, dass in diesem Land für jeden und für jede, die diese Werte und die Konsequenzen aus unseren Werten so sehr ablehnen und verachten, die Freiheit besteht, es zu verlassen; im Gegensatz zu solchen Ländern, aus denen Menschen nach Deutschland fliehen, weil sie diese Freiheit dort nicht haben.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_L% ... ddrohungen

Bei aller Tragik und allem Mitgefühl, aber hier sprach Lübcke Unsinn. Das war aber keine Entgleitung im Stress der Situation, es zeigt nur das tief sitzende Menschenbild von CDUlern und deren Vorstellung aufgrund eigener Privilegien vom Begriff der Freiheit. Dass die Aussage nicht nur falsch ist, sondern auch inhaltlich keinen Sinn macht, sieht man ja daran, dass diese Leute aus "solchen" Ländern wohl offensichtlich doch die "Freiheit" hatten, nach Deutschland zu kommen. Auswanderung und Einwanderung hängen ja immer zusammen. Wenn ich wo raus darf, brauche ich auch die Möglichkeit irgendwo rein zu kommen. So einfach ist das aber leider nicht auf dieser Welt. Und vor allem heisst Dürfen noch lange nicht Können.
Offenbarung 1,3 Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Hiob »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 15:39 Das Linke der Union (im doppelten Wortsinne) ist nicht ihre Entdeckung ihrer sozialen Ader, sondern hauptsächlich identitätspolitische Themen.
Ich wähle traditionell links der Union, muss sie hier aber etwas verteidigen. - Erstens: Ja, das Identitätspolitische steht im Mittelpunkt, weil man stärkste Partei bleiben will. - Zweitens: Ich war erstaunt, wie viele Sachen die SPD bei der Union in der Regierungsarbeit durchgekriegt hat. Mit anderen Worten: Das wäre nicht gegangen, gäbe es nicht eine soziale Ansprechbarkeit bei der Union (man denke nur an Blüm und jetzt Laumann & Co).
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 15:39 Auch die Aufnahme von Flüchtlingen als Asylanten hat rein utilitaristische Gründe, nämlich wie mann man sie hier mit ihrer Arbeitskraft sinnvoll einsetzen kann.
So ausschließlich würde ich es nicht sehen. - Merkel hat das 2015 wirklich ernst gemeint (man munkelt, sie sei mehr Christin, als man es bei ihrer spröden Art merkt).
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 15:39 Matthias Zimmer
Da würde ich Deiner Einschätzung zustimmen. - Das Schlimme: Das merken innerhalb der Union nur die Wenigsten, weil sie glauben, was da Macchiavellisten eingefädelt haben. - Normalerweise läuft es nach dem Muster.

1) "Wir begrüßen das" (tut man aber nicht, will aber den Prozess begleiten)
2) "Lass uns eine Kommission einrichten" (= "dann gewinnen wir Zeit - und den Vorsitz wollen wir dort auch")
3) "Diese Sache ist so wichtig, dass wir dies rechtstaatlich besonders sorgfältig absichern müssen" (= "Wir jagen das so lange durch die Instanzen, bis es sich tot gelaufen hat")
4) etc.

Nochmals - das Schlimme: Die Hinterbänkler - und noch schlimmer: auch manche Vorderbänkler - sind derart beschränkt, dass sie dieses Spiel nicht erkennen und da voll überzeugt mitmachen. - Aber nicht, weil sie an sich dumm sind, sondern weil sie so konditioniert sind.

Ich kann mich an einen Fall erinnern, der mich tierisch geärgert hat: Ja, man habe eine besondere Verantwortung bürgerkriegs-syrischer Kinder gegenüber, hieß es. - Nach VIELEN Wochen, kam dann ein halbes Flugzeug voll mit einigen Auserwählten, die dann von einem Minister empfangen wurden. - Wahrscheinlich gingen da vorher 10 Flüge hin und her, bei denen man bereits 2.000 Kriegs-Verstörte hätte holen können - am Ende waren es, glaube ich, 48. - Tja, that is the name of the game (übrigens: ich habe das im Geschäftsleben x-mal erlebt).
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 15:39 es zeigt nur das tief sitzende Menschenbild von CDUlern und deren Vorstellung aufgrund eigener Privilegien vom Begriff der Freiheit.
Parteiübergreifend grassiert bei uns immer noch das versteckte Leitbild des Übermenschen:
1) Ballermann-Touristen, die den Einheimischen zeigen, wie man Geld ausgibt - man ist ja größerer "Leistungsträger", sonst könnte man es nicht.
2) Andere Touristen, die sich beschweren, weil Kakerlaken im Zimmer sind (das ist nun mal so in südlichen Ländern)
3) Hotel-Gäste, die ein Buffet über 10 Meter erwarten, aber nur 1.500 Euro für 14 Tage incl. Flug und all inclusive zahlen möchten ("Wir sind qualitätsbewusst")

Mir fällt/fiel im Ausland immer wieder auf, dass die Deutschen, wenn sie primitiv sind, diese Primitivität am offensivsten und selbstbewusstesten präsentieren.

Das Übermenschen-Bild sieht man auch in der gesellschaftlichen Normierung in Sachen "Bildung". Davon abgesehen, dass das, was man heute "Bildung" nennt, überhaupt nichts mit Bildung im klassischen Sinne zu tun hat, lautet die Parole: "Macht Bachelor, damit seid Ihr Akademiker und müsst keine dreckige Arbeit machen". - Dazu zweierlei:

1) "Bachelor" sind KEINE Akademiker im klassischen Sinn, sondern eher das, was man auf Handwerksebene als "Geselle" bezeichnet.

2) Wer soll denn die handwerkliche/dreckige Arbeit machen? Richtig: Diejenigen, die aus Sicht der "Elite" (auch so ein schräges Wort) keine "Akademiker" sind. - Man muss sich das mal vorstellen: Sich "Akademiker" Nennende, die in Wirklichkeit nichts als "Gesellen" sind, schauen als "Elite" auf Handwerksmeister (und auf alles Handwerkliche und Dienstleistungs-Mäßige darunter, sowieso) herab, obwohl ein IHK-anerkannter Meisterbrief substantiell einem Master-Abschluss vergleichbar ist.

Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute dann ein vollkommen schräges Menschenbild bekommen, das sich dann bei den von Dir genannten Themen zeigt.
Timmi

Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Timmi »

Hiob hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 18:16 1) "Bachelor" sind KEINE Akademiker im klassischen Sinn, sondern eher das, was man auf Handwerksebene als "Geselle" bezeichnet.
Um im Rahmen zu bleiben würde man dies als Ebene des Vordiploms bezeichnen.

Genau wie Juristen mit lediglich 1.Staatsexamen keine Volljuristen sind.
Hiob
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Hiob »

Paul hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 18:58 in der tat ist es so, daß eine Prof.Dr. in mich verliebt ist
HAt sie sich über Bratgurken habilitiert?
Timmi hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 18:46 Um im Rahmen zu bleiben würde man dies als Ebene des Vordiploms bezeichnen.

Genau wie Juristen mit lediglich 1.Staatsexamen keine Volljuristen sind.
Ja, ok. - Ich habe ja auch nichts dagegen, wenn man Leute mit dieser Ausbildung ins Berufsleben lässt - ist volkswirtschaftlich gut. - Aber mich stört zweierlei:

1) Warum muss man das "Akademiker" nennen? Dann soll man diesen Begriff doch einfach abschaffen.
2) Gesellen müssen in ihren immer mehr spezialisierten Berufen richtig ochsen, um die Theorie zu bestehen - und die Praxis eh. Warum werden sie gesellschaftlich nicht auf gleicher Ebene gesehen wie Bachelors?

Übrigens: Das haben sich auch andere gefragt, weshalb man jetzt dazu übergehen will, Gesellenbrief-Inhaber als "Bachelor Professionell" (analog für Meister "Master Professionell") zu bezeichnen. - Das ist zwar einerseits affig, aber andererseits nötig - finde ich deshalb unterm Strich gut.
Timmi

Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Timmi »

Hiob hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 19:05 Warum muss man das "Akademiker" nennen? Dann soll man diesen Begriff doch einfach abschaffen.
Weil es wohl ein akademischer Grad ist.

Und besonders affig wird es wenn dann noch gegendert wird: Bachelorette Professionelle oder so. :lol:
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Zippo
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Zippo »

Hiob hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 15:04
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Und wenn man die Menschheit mit der Entwicklung eines Kindes vergleicht, war abzusehen, daß der Mensch einmal seine eigenen Erfahrungen machen würde, aber Adam und Eva und ihre Nachkommen mußten eben mit den Konsequenzen leben.
Eben - insofern ist die Genesis auch ein Symbol für die individuelle Heilsgeschichte des Menschen.
Ich hatte eher gedacht, daß Gott die Menschheit wie ein Kind betrachtet. Erst bleibt es unter dem Regiment der Eltern, bekommt Gebote und Regeln; Israel ist dabei besonders zu nennen, dann wird das Kind in die Freiheit entlassen und soll sich mit dem Elernten im Leben bewähren.
Aber es ist klar, daß jeder Mensch dabei seine eigenen Erfahrungen sammelt. Gebote werden übertreten, Fehler werden gemacht und manchmal auch eingesehen.
Das haben Adam und Eva geschafft und auch alle Menschen, die aus ihnen hervorgegangen sind.Rö 5,12
Hiob

Bedeutend scheint mir zu sein, dass "Konsequenz" unabhängig davon ist, WARUM etwas ist, wie es ist: Ein absichtlicher Bauchschuss hat dieselben medizinischen Konsequenzen wie ein versehentlicher Bauchschuß. Ob man sich selber willentlich ein Bein absägt oder oder nur mit einem Bein geboren wird, hat dieselben Konsequenzen bei der Mobilität.
Der Griff nach der verbotenen Frucht war kein Versehen. Adam und Eva haben sich willentlich nach etwas ausgestreckt, was in Gottes Augen nicht gut für sie war.

Aber die Menschheit wollte eben auch erwachsen werden und da war dieser Fehlgriff wohl unvermeidlich. Zumal Adam und Eva ständig einer Versuchung ausgesetzt waren und Satan immer darauf bedacht war sie zu Fall zu bringen.
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Es ist auch ein satanischer Versuch, das Evangelium zu verwässern, denn wo kein schuldiger Mensch ist, braucht er ja keine Vergebung der Schuld.
Stimmt - deswegen sage ich ja, dass "Schuld" ein Attribut des Menschseins schlechthin ist - also dass IMMER SChuld da ist, wenn man Mensch ist. - Was Du machst: Du gehst nolens volens von einem weltlichen Schuldverständnis aus und überträgst es auf geistliche Schlussfolgerungen - das muss in die Hose gehen.

Deshalb: Ja, der Mensch ist schuldig (im biblischen Sinne) und bedarf deshalb der Vergebung.
Ich glaube nicht, daß da was in die Hose geht. Die Bibel spricht zwar davon, daß der Mensch in sündlichem Wesen geboren ist Ps 51,7, aber das sagt wohl eher aus, daß wir der Sünde fähig sind und nicht, daß ein Säugling schon als Sünder bezeichnet werden kann. Dieses "der Sünde fähig sein" haben wir als Nachlass von Adam und Eva vererbt bekommen, das ist ja das Gewissen. Den Großteil der Schuld, die wir haben, bekommen wir durch unsere Übertretungen und da ist die Form der Gerechtigkeit sehr ähnlich, wie die Gerechtigkeit Gottes, nur daß Gott gerechter ist und ein schärferes Verständnis von Sünde hat. Was wir für gerecht und richtig halten, braucht Gott noch lange nicht gut und richtig zu finden.

Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Gott will ja die Veränderung im Menschen bewirken und dazu braucht er ein Schuldeingeständnis.
Ja - da sind wir uns einig. - Aber "Eingeständnis" meint dasselbe wie "Erkenntnis". - Mir fallen heute immer wieder Sachen aus meiner Vergangenheit ein, bei denen mir HEUTE klar wird, dass ich mich da schuldig gemacht habe - als es geschah, war ich vollkommen unschuldig, weil ich es nicht erkannt habe. - Und WEIL ich es heute erkenne, kann ich es bereuen ("Ou - scheiße - das tut mir leid") - aber Du kannst erst was bereuen, wenn Du es checkst.
Satan läßt uns sündigen und dann redet er uns ein, daß das vollkommen normal ist. Und bei jeder Sünde klemmt sich ein weiterer Dämon an dich und versucht sich auf diesem Wege weiterzudrängen. So bewegt sich der sündige Mensch in die Finsternis.
Und wenn Gottes Engel weichen, dann sagt man: " Der ist ja von allen guten Geistern verlassen"
Aber meistens kriegt die Umgebung das gar nicht mit. Wir selbst vielleicht auch nicht, denn wir befinden uns im Verdrängungsprozess. Erst wenn Gottes Lichtstrahl in die Seele fährt, kann die Sünde erkannt und Buße getan werden. Das ist mir ähnlich ergangen, als ich nicht gläubig war. Erst Gottes Güte hat mich zur Buße geführt.Rö 2,4
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Adam und Eva wollten selbst entscheiden, was für sie gut und was für sie schlecht ist.
Nein - sie haben situativ etwas reizvoll gefunden und keinen Blick für darüber hinausgehende Konsequenzen gehabt. A+E haben NICHT gegen Gott "entschieden", weil sie das bewusst noch gar nicht konnten ("Hiermit lehnen wir uns gegen Gott auf" - mitnichten).
Das ist nur deine Meinung.
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Die Verantwortung in dieser Situation ist allerdings, zu erkennen, daß man gescheitert ist und die Entscheidung zu fällen zurückzukehren.
"Erkennen" ist nicht per "Verantwortung" oder "Wille" oder "Entscheidung" herbeiführbar, sondern nur durch den HG und/oder durch Gnade.
Der Wille vermag viel. Dem verlorenen Sohn ging es ja auch sehr schlecht.
Was bei der Umkehr des Verlorenen schwierig sein wird, ist die Bindung an die Mächte der Finsternis. Da soll ja ein Mensch aus dem Reich Satans heraus errettet werden. Apg 26,18. Das wird ein Einwirken Gottes nötig machen und deshalb muß gebetet werden, wenn ein evangelistisches Gespräch stattfindet oder stattfinden soll.
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:02 Du willst dich gar aus der Verantwortung herausstehlen ? Das wird dir bei Gott nie gelingen, denn der hat den Menschen immer wieder zu Verantwortung gezogen.
Das ist die Sprache des Menschen und nicht die Sprache Gottes. - Gott wird jeden "richten" = "bewahrheiten", indem er ihn ins Licht der Erkenntnis stellt und der Mensch dadurch erkennt. Reue wird automatische Folge sein.
Was ist denn dieses "Bewahrheiten" bzw. in das Licht der Erkenntnis stellen ? Da verlangt Gott doch Rechenschaft von dir ? Das heißt, du sollst dir deiner Verantwortung vor Gott bewußt werden. Mt 12,36, Rö 14,12
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:04 Ich merke immer mehr, wie verkehrt diese Lehre der Allversöhnung ist. Sie entzieht dem Menschen die Verantwortung.
Und ich merke immer mehr, dass "Verantwortung" ein Goldenes Kalb ist, um das die Menschen tanzen.
Ist es denn etwas Verbotenes, wenn man sich seiner Verantwortung bewußt wird oder wenn man Verantwortung übernimmt ?
Hiob
Zippo hat geschrieben: Fr 11. Jun 2021, 12:04 "Schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern" sagt Paulus im Philemonbrief.
Aber das mag dir vielleicht nur wie ein lästiger Befehl vorkommen. Du hast dich mit deinen Lehren und Gedanken in einen Zustand der Ruhe und Untätigkeit versetzt.
Geistlich gesehen ist es eine Grabesruhe.
Da bist Du echt daneben.
Es klingt in deinen Worten so, als ob es bei deinem Glaubensleben nur um Erkenntnis geht.

Gruß Thomas
2 Kor 13,13 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Hiob
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Beitrag von Hiob »

Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Der Griff nach der verbotenen Frucht war kein Versehen.
Natürlich nicht - es war unausweichbar.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Adam und Eva haben sich willentlich nach etwas ausgestreckt
"Wille" ist nichts anderes als das Instrument eines Bedürfnisses. - Wenn ich Hunger habe, "will" ich essen - wenn ich Gott fühle, "will" ich Kontakt zu Gott. - Wenn kein Bedürfnis da ist, gibt es keinen Willen. - Bin ich satt, will ich nicht essen - fühle ich nicht Gott, will ich keine Kontakt (weil ich gar nicht weiß, womit). - Wenn eine Schmetterlingin Homonestoffe absondert, "will" der SChmetterling-Mann sie begatten.

A+E hatten ein Bedürfnis nach der Frucht, weil sie noch kein höheres Bedürfnis hatten, dem zu widerstehen. -- Wenn mein Zahn faul ist, "will" ich zum Zahnarzt. Aber nicht, weil es dort schön ist, sondern weil ich erkenne, dass es "gut" ist und der faule Zahn "böse" ist. Die Erkenntnis von gut und böse war noch nicht da - deswegen heißt der Baum doch so, wie er heißt.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Aber die Menschheit wollte eben auch erwachsen werden und da war dieser Fehlgriff wohl unvermeidlich.
So ist - noch mehr: GOTT wollte, dass der Mensch geistlich erwachsen ist. - Der "Fall" war Plan A - es gab keine Plan B.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Die Bibel spricht zwar davon, daß der Mensch in sündlichem Wesen geboren ist Ps 51,7, aber das sagt wohl eher aus, daß wir der Sünde fähig sind und nicht, daß ein Säugling schon als Sünder bezeichnet werden kann.
Das würde ich auch nicht tun. Aber bereits im Säugling ist durch seine Ebenbildlichkeit, die ja das ICH als reflexions-fähige Größe beinhaltet, das Böse potential da - so wie ein Keim ruhen kann und irgendwann notwendigerweise aktiv wird.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Was wir für gerecht und richtig halten, braucht Gott noch lange nicht gut und richtig zu finden.
Zustimmung.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Erst wenn Gottes Lichtstrahl in die Seele fährt, kann die Sünde erkannt und Buße getan werden.
Eben. - Was ist dann "Schuld"? Wie würdest Du "Schuld" definieren, wenn sie schon da ist, bevor sie erkannt ist?
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Der Wille vermag viel. Dem verlorenen Sohn ging es ja auch sehr schlecht.
Daraus erwuchs ein Bedürfnis nach etwas anderem - hier das Bedürfnis nach dem Vater. Als er dies erkannt hatte, wurde sein Wille aktiviert, welcher ihn zum Vater brachte. S.o.: Wille ist nur ein Instrument - so wie die SChaufel ein Instrument des Bauarbeiters ist. Der Arbeiter muss erst mal erkennen, was zu bauen ist, bevor er die Schaufel in die hand nehmen kann.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Was ist denn dieses "Bewahrheiten" bzw. in das Licht der Erkenntnis stellen ? Da verlangt Gott doch Rechenschaft von dir ? Das heißt, du sollst dir deiner Verantwortung vor Gott bewußt werden. Mt 12,36, Rö 14,12
Aber das geht doch nur, wenn Du erkennst. Und das tust Du spätestens im Licht der Erkenntnis, was ja eine Gnade ist. Beispiel:

Hiob fährt vor 15 Jahren abends mit dem Auto, streitet sich dabei am Telefon mit seinem Sohn, kommt im Hotel an und legt sich ins Bett - nichts Dramatisches. - Im Licht der Erkenntnis zeigt mir am Ende Gott, dass ich damals beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer namens Zippo geschnitten habe, der darauf gestürzt ist und sich Knochen gebrochen hat. Erst dann kann dies mir leid tun und erst dann kann ich Zippo um Vergebung bitten - es war mir vorher nicht bewusst.

Nun behaupte ich folgendes: Wer im Licht der Erkenntnis steht, wird IMMER bereuen und um Vergebung bitten - es sei denn, er ist besessen (wobei ich damit eine stille Art der Besessenheit meine, von der man eventuell gar nichts mitkriegt). - Also muss ich anders formulieren: Wer immer im Licht der Erkenntnis steht UND vom Satan befreit ist, wird gerne die Knie beugen.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Ist es denn etwas Verbotenes, wenn man sich seiner Verantwortung bewußt wird oder wenn man Verantwortung übernimmt ?
Das ist an sich was Gutes - ich fühle mich für einiges verantwortlich. Aber "Verantwortung" wird heute mehrheitlich hohl verwendet: "Es war in Deiner Verantwortung, dass Dein Mitarbeiter Frauen belästigt hat". Theoretisch wahr, aber praktisch vollkommen blödsinnig. - Allenfalls kann man sagen: "Du bist verantwortlich für das, was Du jetzt weißt, und muss damit richtig umgehen". - Also auch hier wieder: Solche Begriffe dürfen nicht nur rituell gemeint sein, um eine Schuld-Philosophie bedienen zu können, sondern müssen auch was bedeuten.
Zippo hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 20:25 Es klingt in deinen Worten so, als ob es bei deinem Glaubensleben nur um Erkenntnis geht.
immer wieder
Joh. 17,3
Das IST (!)! aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, ERKENNEN.
Wobei damit sicherlich die Bedeutung des hebräischen Wortes "jada" gemeint ist. - Also nicht bzw. nur sekundär intellektuell erkennen, sondern geistlich erkennen. - Oder noch weiter: Im Sinne von "Adam erkannte Eva" - also das Verschmelzen mit dem Gegenüber, hier Gott.
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Erich
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Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Erich »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 14:45
Hiob hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 09:02 1) Aus der Tatsache, dass die Nazis diesen Begriff ebenfalls benutzt haben, wird ersichtlich, wie tief die innere Verwandtschaft von Nationalsozialismus und RKK waren.
Es ging mir hier nicht um eine nationalsozialistische Gesinnung der damaligen Kirche. Es geht mir um die christdemokratische Politik im Geiste des Neoliberalismus. Diese beruft sich namentlich auf die kirchliche Soziallehre, folgt inhaltlich aber eher der Antistaatlichkeit nationalsozialistischer Denker.
Politik?

Mir geht es um Jesus Christus!

Geboren als Mensch,
aber nicht geschaffen!

Um wem ging es Petrus?
Um wem ging es Paulus?

:wave:
Zuletzt geändert von Erich am So 13. Jun 2021, 21:54, insgesamt 1-mal geändert.
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebr 13,8)
Traja

Re: geboren oder geschaffen

Beitrag von Traja »

Habeck...Berbock... wer auch immer ...melde mich gleich nochmal :lol:
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