ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑So 13. Jun 2021, 15:39
Das Linke der Union (im doppelten Wortsinne) ist nicht ihre Entdeckung ihrer sozialen Ader, sondern hauptsächlich identitätspolitische Themen.
Ich wähle traditionell links der Union, muss sie hier aber etwas verteidigen. - Erstens: Ja, das Identitätspolitische steht im Mittelpunkt, weil man stärkste Partei bleiben will. - Zweitens: Ich war erstaunt, wie viele Sachen die SPD bei der Union in der Regierungsarbeit durchgekriegt hat. Mit anderen Worten: Das wäre nicht gegangen, gäbe es nicht eine soziale Ansprechbarkeit bei der Union (man denke nur an Blüm und jetzt Laumann & Co).
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑So 13. Jun 2021, 15:39
Auch die Aufnahme von Flüchtlingen als Asylanten hat rein utilitaristische Gründe, nämlich wie mann man sie hier mit ihrer Arbeitskraft sinnvoll einsetzen kann.
So ausschließlich würde ich es nicht sehen. - Merkel hat das 2015 wirklich ernst gemeint (man munkelt, sie sei mehr Christin, als man es bei ihrer spröden Art merkt).
Da würde ich Deiner Einschätzung zustimmen. - Das Schlimme: Das merken innerhalb der Union nur die Wenigsten, weil sie glauben, was da Macchiavellisten eingefädelt haben. - Normalerweise läuft es nach dem Muster.
1) "Wir begrüßen das" (tut man aber nicht, will aber den Prozess begleiten)
2) "Lass uns eine Kommission einrichten" (= "dann gewinnen wir Zeit - und den Vorsitz wollen wir dort auch")
3) "Diese Sache ist so wichtig, dass wir dies rechtstaatlich besonders sorgfältig absichern müssen" (= "Wir jagen das so lange durch die Instanzen, bis es sich tot gelaufen hat")
4) etc.
Nochmals - das Schlimme: Die Hinterbänkler - und noch schlimmer: auch manche Vorderbänkler - sind derart beschränkt, dass sie dieses Spiel nicht erkennen und da voll überzeugt mitmachen. - Aber nicht, weil sie an sich dumm sind, sondern weil sie so konditioniert sind.
Ich kann mich an einen Fall erinnern, der mich tierisch geärgert hat: Ja, man habe eine besondere Verantwortung bürgerkriegs-syrischer Kinder gegenüber, hieß es. - Nach VIELEN Wochen, kam dann ein halbes Flugzeug voll mit einigen Auserwählten, die dann von einem Minister empfangen wurden. - Wahrscheinlich gingen da vorher 10 Flüge hin und her, bei denen man bereits 2.000 Kriegs-Verstörte hätte holen können - am Ende waren es, glaube ich, 48. - Tja, that is the name of the game (übrigens: ich habe das im Geschäftsleben x-mal erlebt).
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑So 13. Jun 2021, 15:39
es zeigt nur das tief sitzende Menschenbild von CDUlern und deren Vorstellung aufgrund eigener Privilegien vom Begriff der Freiheit.
Parteiübergreifend grassiert bei uns immer noch das versteckte Leitbild des Übermenschen:
1) Ballermann-Touristen, die den Einheimischen zeigen, wie man Geld ausgibt - man ist ja größerer "Leistungsträger", sonst könnte man es nicht.
2) Andere Touristen, die sich beschweren, weil Kakerlaken im Zimmer sind (das ist nun mal so in südlichen Ländern)
3) Hotel-Gäste, die ein Buffet über 10 Meter erwarten, aber nur 1.500 Euro für 14 Tage incl. Flug und all inclusive zahlen möchten ("Wir sind qualitätsbewusst")
Mir fällt/fiel im Ausland immer wieder auf, dass die Deutschen, wenn sie primitiv sind, diese Primitivität am offensivsten und selbstbewusstesten präsentieren.
Das Übermenschen-Bild sieht man auch in der gesellschaftlichen Normierung in Sachen "Bildung". Davon abgesehen, dass das, was man heute "Bildung" nennt, überhaupt nichts mit Bildung im klassischen Sinne zu tun hat, lautet die Parole: "Macht Bachelor, damit seid Ihr Akademiker und müsst keine dreckige Arbeit machen". - Dazu zweierlei:
1) "Bachelor" sind KEINE Akademiker im klassischen Sinn, sondern eher das, was man auf Handwerksebene als "Geselle" bezeichnet.
2) Wer soll denn die handwerkliche/dreckige Arbeit machen? Richtig: Diejenigen, die aus Sicht der "Elite" (auch so ein schräges Wort) keine "Akademiker" sind. - Man muss sich das mal vorstellen: Sich "Akademiker" Nennende, die in Wirklichkeit nichts als "Gesellen" sind, schauen als "Elite" auf Handwerksmeister (und auf alles Handwerkliche und Dienstleistungs-Mäßige darunter, sowieso) herab, obwohl ein IHK-anerkannter Meisterbrief substantiell einem Master-Abschluss vergleichbar ist.
Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute dann ein vollkommen schräges Menschenbild bekommen, das sich dann bei den von Dir genannten Themen zeigt.