Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite I

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Johncom
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von Johncom »

Hiob hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 01:33
Johncom hat geschrieben: Fr 22. Dez 2023, 03:11 die klassischen Mainstreamer. Die echten Journalisten, die endlich dann doch noch auf den Wahrheits-Zug aufspringen.
Ich bin ebenfalls kein Mainstream-Journalismus-Fan und halte ihn im Gegenteil für eine massive Bedrohung für die Gesellschaft. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von guten Journalisten, die in klassischen Medien arbeiten und im besseren Sinn des Wortes kritisch sind.

Die Mainstream-Zelebrierer gehen mir genauso auf den Sack wie Dir. Merke: Je weniger ein Thema aufgegeilt werden kann, desto eher findet man gute Artikel dazu. Sobald aber Geilheit und Empörungs-Hedonismus in der Luft liegt, findet mein leider bei weitem zu wenige Journalisten, die dem Einhalt gebieten - im Gegenteil: Oft gießt man nocht Öl ins Feuer. Finde ich sehr gefährlich.

Das galt in der Tat auch in der Sache Covid-Impfung, was aber nicht heißt, dass diese falsch wäre. Eine Sache IST richtig oder falsch, egal ob man sich dran aufgeilt oder nicht.
Klar gibt es immer noch sehr gute Journalisten, die Frage ist nur, was dürfen sie noch unzensiert schrieben.
Ich bin ja auch ein Älterer. In meiner Jugend sagte man, die FAZ ist eher rechts, die Rundschau eher links. Den NDR nannten man Rotfunk, der bayrische Rundfunk war stock-konservativ. Da war noch Debatte gefragt, Streit der Meinungen.

Ich sehe heute inzwischen einen Ideologie-betonten Erziehungsjournalismus.
Die meisten Reporter sind Freiberufler. Einmal zu viel gesagt, zu viel enthüllt, fliegen sie raus. Das heißt, sie bekommen keine Aufträge mehr.
Beispiel die Journalistin Claudia Zimmermann. Hat ihr halbes Leben für den WDR gearbeitet. War im holländischen Radio eingeladen, ein paar Tage nach den sexuellen Übergriffen in Köln 2015. Warum die deutschen Medien erst versuchten, die Ereignisse zu unterschlagen wurde sie gefragt. Na, weil man in denen pro-Regierung berichten muss, war ihre Antwort.
Seit diesem Tag arbeitslos, es wurden keine Reportagen mehr angenommen.

Ja, das war ein aufgegeiltes Thema und was in Köln geschah war empörend.
Was eine frei Presse ausmacht, meine Meinung, ist die Freiheit auch zu empören. Ein Mainstreampresse, welche die eigene Regierung lobt und ihre Fehler schön redet, die hatte Deutschland im 3. Reich, der DDR ... aber so was wollen wir wohl nicht wieder zulassen.
Hiob
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von Hiob »

Johncom hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 02:12 Klar gibt es immer noch sehr gute Journalisten, die Frage ist nur, was dürfen sie noch unzensiert schrieben.
Das ist weniger das Problem. Sie dürfen alles schreiben - die Frage ist: Gibt es Zeitungen oä, wo sie es veröffentlichen können?

Ein weiteres Problem: Die Schere im Kopf. Es gibt die Tendenz im Journalismus, das, was als "politisch korrekt" gilt, dem eigenen Denken vorzuschalten, so dass man nur innerhalb eines engen Korridors schreiben kann. Aber diese Einengung wird von den betroffenen Journalisten nicht als solche wahrgenommen.

Also: Niemand hält einen in D davon ab, was auch immer zu schreiben, solange es verfassungskonform ist. Das Problem liegt tiefer: Das Brain Washing im Vorfeld.
Johncom hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 02:12 Ein Mainstreampresse, welche die eigene Regierung lobt
Mit Mainstreampresse verbinde ich echt nicht das Loben von Regierungen.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von oTp »

Hiob hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 09:20 Ein weiteres Problem: Die Schere im Kopf. Es gibt die Tendenz im Journalismus, das, was als "politisch korrekt" gilt, dem eigenen Denken vorzuschalten, so dass man nur innerhalb eines engen Korridors schreiben kann. Aber diese Einengung wird von den betroffenen Journalisten nicht als solche wahrgenommen.

Das lasse ich gelten.

Aber wenn man "freie" Medien propagiert, und dann nur die Absichten der westlichen Staaten schlecht macht. Russland und Putin pauschal recht gibt, haben wir einen anderen sehr engen Korridor.

Das ist übrigens für ausgewogene Denker schnell ersichtlich.
In Russland gibt es sowieso keine Meinungsfreiheit und deshalb macht das Geschrei "Lügenpresse" sowieso nochmal mehr Schieflage. Es ist nur noch antiwestliche Propaganda und könnte auch so von Putin direkt kommen.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von Hiob »

oTp hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 10:52 und dann nur die Absichten der westlichen Staaten schlecht macht. Russland und Putin pauschal recht gibt
Das ist dann die Gegenbewegung, die genauso doof ist. Allerdings sind die Gründe für solche Ausschläge unterschiedlich:

Im Osten ist das Pressewesen staatlich kontrolliert, was bei uns ganz sicher nicht der Fall ist - wir haben so gesehen in der Tat eine freie Presse. Das Problem bei uns, das in seiner Tiefe wahrscheinlich bedrohlicher ist als das, was in Russland mit den Medien geschieht, ist die Freiwilligkeit der Einengung.

Würde man in Russland Putin durch Nawalny ersetzen, der echte Pressefreiheit ausrufen würde, würden die heute Unterdrückten das schreiben, was sie schon immer schreiben wollten. Die vorherige Einengung wäre also gegen den eigenen Willen gewesen. Bei uns dagegen ist die Einengung gesellschaftlicher und nicht staatlicher Natur und damit subtil. Es gibt nicht den einen Bösewicht, den man beschuldigen könnte ("Putin"), sondern man hat es mit einer un-/kulturellen Welle zu tun, die nicht von Einzelpersonen erzwungen wurde, sondern, letztlich unkritische, Umsetzung von Zeitgeist ist. Einen Putin kriegt man über kurz oder lang los, solche Zeitgeist-Flutungen nicht so einfach.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von oTp »

Hiob hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 14:21 Einen Putin kriegt man über kurz oder lang los, solche Zeitgeist-Flutungen nicht so einfach.
Ich würde sagen, die Gehirnwäsche des russischen Volkes von Stalin bis Putin kriegt man mit der Zeit los. Weil, dieser Einfluss auf das Denken sitzt schon sehr tief. Platt ausgedrückt sind die Russen geistig konditioniert, die "politischen Wahrheiten" zu akzeptieren. Damit ist ihr Denken manipuliert und verbogen.Vielleicht bedarf es einer ganzen Generation um das aus den Köpfen zu kriegen.

Auch Zeitgeist- Un-Wahrheiten und Manipulationen kriegt man nicht so einfach weg. Klares, realistisches Einschätzen, dazu sind Menschen nun mal unterschiedlich fähig. Und unterschiedlich gutartig oder egoistisch.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von Hiob »

oTp hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 14:29 Platt ausgedrückt sind die Russen geistig konditioniert, die "politischen Wahrheiten" zu akzeptieren.
Bin ich mir nicht sicher. Ich erinnere mich an eine Szene, als ein Wessi-Journalist 3 Studentinnen in Moskau ansprach, wie denn so intelligente und gutaussehende junge Menschen wie eben diese 3 Studentinnen so Kreml-hörig sein könnten. Darauf haben alle drei spontan losgeprustet und gesagt: "Wir wissen doch, was wir glauben können und was nicht. Glaubt Ihr Wessis wirklich, wir wären Kreml-orientiert?".

Wenn man bei uns auf der Straße vergleichbare Leute anspricht wegen ihrer Mainstream-Verflochtenheit, würden die wenigstens vor Lachen losprusten, sondern eher sagen: "Wieso - das ist doch richtig, was der Mainstream meint". - Was ist besser?
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von oTp »

Da du nicht gerade geradlinige Klarheit zeichnest, wird das Auseinandersetzen mit deinen Aussagen umfassender sein müssen.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von oTp »

Hiob hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 15:17 Wenn man bei uns auf der Straße vergleichbare Leute anspricht wegen ihrer Mainstream-Verflochtenheit, würden die wenigstens vor Lachen losprusten, sondern eher sagen: "Wieso - das ist doch richtig, was der Mainstream meint". - Was ist besser?
Kommt auf dich drauf an, was du als Wahrheit meinst zu sehen.
Und mir fehlt hier der dringende Hinweis auf die Bedenklichkeit der VT Lenker als Besserwisser.
( Der verarschte Bürger auf Grund seiner Mainstream-Verflochtenheit)
Aber dein Vergleich gibt ja auch schon eher Putin recht, bzw. sieht in unserem Denken viel größere Probleme als in Russland.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von Johncom »

oTp hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 14:29
Hiob hat geschrieben: So 24. Dez 2023, 14:21 Einen Putin kriegt man über kurz oder lang los, solche Zeitgeist-Flutungen nicht so einfach.
Ich würde sagen, die Gehirnwäsche des russischen Volkes von Stalin bis Putin kriegt man mit der Zeit los. Weil, dieser Einfluss auf das Denken sitzt schon sehr tief. Platt ausgedrückt sind die Russen geistig konditioniert, die "politischen Wahrheiten" zu akzeptieren. Damit ist ihr Denken manipuliert und verbogen.Vielleicht bedarf es einer ganzen Generation um das aus den Köpfen zu kriegen.

Auch Zeitgeist- Un-Wahrheiten und Manipulationen kriegt man nicht so einfach weg. Klares, realistisches Einschätzen, dazu sind Menschen nun mal unterschiedlich fähig. Und unterschiedlich gutartig oder egoistisch.
Das Thema ist hier Mainstream-Medien und alternative. In unseren Medien wurde Russland, als der Sowjet-Staat sich auflöste mit Empathie dargestellt, die Armut im Volk, die Macht der Mafia usw ... Jelzin war käuflich, die Ressourcen gingen in die Hand westlicher Konzerne.

Mit Putin begann die Wende, der Oligarch Chodorkowski ging in den Knast. Unter Putin löste sich Russland aus der Verschuldung, wurde unabhängiger sogar als die USA und die EU-Staaten.

Die Russen sind uns von der Mentalität 10 mal näher als die Inder, Chinesen oder Araber. Es hat ein sehr dringendes wirtschaftliches Motiv, das dieses größte Land der Welt ... völlig autark mit allen wertvollen Rohstoffen, permanent in den Medien dämonisiert wird.

Ethnische Russen kann man hier zuhauf kennen lernen, die denken vielleicht kritischer als wir, können vergleichen. Auch Deutsche mit DDR-Wurzeln haben schon früh verstanden, das ganze Russen-Bashing ist nicht sauber, es geht um was anders.

Und was die westliche Oligarchie angeht, die wissen, sie wollen das Land unter sich aufteilen. Und die Orthodoxie genauso wie der Islam in Russland werden nie diese Gender-Transformation zulassen.
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Re: Warum ich nicht mehr für Mainstream-Medien arbeite

Beitrag von oTp »

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