Welche Schrift(en) sind gemeint?14 Aber du, bleibe du in dem, was du lerntest und wovon du überzeugt wurdest, in dem Wissen, bei wem du lerntest, 15 und weil du von Kindheit an die Heiligen Schriften wirklich kennst, die dich weise zu machen vermögen zum Heil durch Glauben, der in Christus Jesus ist.
16 Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zum Lehren, zum Überführen, zum Zurechtweisen, zur Erziehung in Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes gerüstet ‹und funktionstüchtig› sei, zu jedem guten Werk wohl ausgerüstet ‹und funktionstüchtig gemacht›.
Herbert Jantzen und Thomas Jettel, trans., Das Neue Testament, Die Psalmen, Die Sprüche in deutscher Fassung (Bellingham, WA: Faithlife, 2017), 2 Tim 3,14–17.
A
Heutzutage geht man in der Regel davon aus, dass damit der Kanon des AT gemeint ist. Allerdings fangen da schon die Schwierigkeiten an, denn = konnte Paulus als Rabbischüler auch griechisch und las er - der den Heiden das Evangelium bringen wollte - die Septuaginta? Wenn ja, dort gab es damals schon mehr Bücher, als in der hebräischen Überlieferung.
Sind damit also auch die sogenannten Apokryphen mit eingelschlossen?
B
Da Saulus der Schüler eines Rabbi war, von dem einige Aussprüche im (späteren) Talmud überliefert sind und auch wenn der Mishna erst im 2. Jahrhundert nach Christis schriftlich kodifiziert wurde, nimmt man an, dass Teile dieser Überlieferung auch als Texte im Umlauf waren und die Rabbis der damaligen Zeit mehr Schriften lasen und studierten, als sie uns heute im masoretischen Text des AT vorliegen.
Meint Paulus diese?
C
die dritte Möglichkeit finde ich am faszinierensten und sie stammt aus der aramäischen Überlieferung. Da hier angenommen wird, dass Jesus aramäisch sprach und lesen konnte, seine Jünger und Nachfolger aramäisch sprachen und einige (wie Matthäus= auch schreiben konnten, wird davon ausgegangen, dass es schon zu Lebzeiten Jesu Aufzeichnungen von ihm gab. Beschreibungen von Wundern, Heilungen, Mitschriften der Reden usw. So dass die Schriften, die Paulus im Text meinte, die Heiligen Schriften waren, die von Christus berichteten, sein Leben und seine Reden.
in dieser Sichtweise bekommt auch folgende Textstelle eine andere Aussage:
Da Paulus Christus nie persönlich kennengelernt hatte, die Lehre Christi aber (durch die Jünger und Nachfolger Jesu) schon verbreitet wurde - überprüften die Beöer nicht die Lehre Paulus an den Texten des AT - sondern an den christlichen Texten, die von Menschen aufgeschrieben worden waren, die Jesus persönlich gekannt hatten. Wie christlich war die Lehre des Paulus.10 Sogleich [brachten] die Brüder in der Nacht beide, Paulus und Silas, aus [der Stadt und] schickten sie nach Beröa, welche, als sie angekommen waren, sich zur Synagoge der Juden begaben. 11 Diese waren von edlerer Art als die in Thessalonich: Sie nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und untersuchten täglich die Schriften, ob es sich so verhielte
Herbert Jantzen und Thomas Jettel, trans., Das Neue Testament, Die Psalmen, Die Sprüche in deutscher Fassung (Bellingham, WA: Faithlife, 2017), Apg 17,10–11.
Was denkt ihr - sind die Schriften, die Paulus gemeint hatte?
