Ich möchte mal versuchen, jüdisches Verständnis aufgrund dieser Geschichte in Mt 4,1-11 zu erhellen.
Vorweg: nach der „Real-Enzyklopädie des Judentums (von Dr. J. Hamburger, Ober- und Landesrabbiner in Mecklenburg) gibt es im Judentum keinen Satan noch Dämonen wie es in anderen Religionen dargestellt wird, wo der Mensch als Spielball der sich streitenden Himmelsmächte hin und hergeworfen und beherrscht wird, und so wird einer solchen Lehre auch entschieden entgegengetreten. Gott ist Herrscher über alles, dem Himmel und der Erde.
Das heisst aber nicht, dass in manchen Strömungen des Judentums (z.B. Essener, Qumran) über solches nachgedacht wurde, oder in der Umgangssprache negatives dann personifiziert wird, aber es war und ist nie Lehrinhalt, da alles, Gutes und Böses allein von Gott kommt, so wie es auch in der Tenach deutlich ausgesprochen wird, alles, was Gott machte, war gut.
So bedeutet der Titel „Satan“ Ankläger, Hinderer und Versucher und sowohl auf Gott selbst, auf Engel und selbst Menschen so bezeichnet werden.
Der folgende Gedanke entstammt einem jüdischen Religionswissenschaftler, welcher versucht(e), die Evangelien zu Rückübersetzen (in die jüdische Kultur und Lehre) und diese dann auf Deutsch entsprechend dem Verständnis zu erläutern.
Im Kontext wird der Versucher mit 3 Begriffen bezeichnet:
V3 ist es einfach ein Versucher, ein versuchen πειράζων
V5 und 8 ist es der Verleumder, διάβολος also der Durcheinanderbringer, der „Teufel“
V10 Jesus spricht da zu Satan σατανα , dem Widersacher
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt. Wessen Geist es ist, wird nicht näher beschreiben, ob durch Gott oder ihn selber so nach der Taufe am Jordan, um seinem Auftrag, seiner Sendung bewusst zu werden. Wo er auch vom Verleumder versucht wird. Dort wandert er 40 Tage in Hitze / Kälte herum und such sich etwas zu essen und zu trinken.
Am Ende der 40 Tage kam der Versucher, die Täuschung und suggeriert ihm er könne ja aus den Steinen Brot machen, mit dem Hinweis: „Wenn du Knecht /Sohn Gottes bist“ (ob Knecht oder Sohn ist in etwa gleichwertig, wie Israel ebenso Knecht wie auch Sohn, auch Frau ist)
Jesus kontert mit 5.Mo 8,3
Danach nimmt ihn die Versuchung in die Heilige Stadt und fordert ihn auf,, sich hinunterzuwerfen und argumentiert ebenso mit Ps 91,11-12.
Jesus kontert mit 5.Mo 6,16 und 17.
Wieder kommt der Versucher und Zeigt Jesu die Welt. Und sagt:
V9. und sprach zu ihm: Dieses alles werde ich dir geben, wenn du gefallen hast (was du siehst) (!) und du anbetest (ihm dienst).
Jesus kontert mit 5.Mo 5,13-14
Soweit mal kurz zusammengefasst.5.Mo 6, 13 JHWH, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören. 14 Ihr sollt nicht anderen Göttern nachgehen, von den Göttern der Völker, die rings um euch her sind;
Vers 9 ist nun der wesentliche Punkt: „…wenn du gefallen hast (was du siehst) (!) und du anbetest (ihm dienst, also dem was der Versucher zeigte)“. Ein kleiner Eingriff in den Text (aber wer weiss schon, was da wirklich gesagt wurde…), der aber dem ganzen Geschehnis einen tiefen, inneren Sinn gibt.
Der Versucher, der Hinderer das ist die Seele Jesu, der Zwiespalt in ihm, welcher nach 40 Tagen in der Wüste auftritt.
Bei der ersten „Versuchung“ wird der Gegenpart Täuscher genannt, (Täuschung der Sinne, Steine zu Brot), Verwirrung.
bei der Zweiten: Versucher (diabolos) (Zweifel: der Identität, innerer Konflikt), wird Gott wirklich tragen?
bei der Dritten: Versucher und dann durch Jesus: Satan (Entfremdung, Huldigung den Mächten, die Sinnlichkeit über Gott stellen). Versuchung von Macht, Reichtum, dem bequemen Weg, die Anklage, nicht Gott allein zu dienen.
Durch das dualistische Weltbild von damals wurde aus dem inneren Trieb, den inneren Kämpfen Jesu eine äussere Gestalt, aus den Gedanken, der Zerrissenheit ein Streitgespräch.
Als Vorbereitung für Jesu Auftrag, für seine Vision und seinen Weg nicht nur „äusserlich“ sich zu waschen, taufen zu lassen (da kann niemand erkennen, was im Herzen geschieht) geschieht in der Wüste der innere Kampf um den spirituellen Selbsterhalt, sich nicht durch Gefühlen, Sinnlichkeiten, Bequemlichkeiten, und allein die Worte Gottes in der Torah sozusagen das „Schwert“ dazu dient, um Gott gegenüber treu zu sein. Dies entspricht dann dem hebräischen Wort Emuna. Oft wird das mit "Glaube" übersetzt, aber eigentlich bedeutet es “Treue“ oder “Festigkeit“.
So kommt, entblösst von heidnischen Gedanken und Versuchungen im Mystischen; die Geschichte Jesu dem jüdischen näher. Und genau so wollen Juden auch nur diesem einen alleinen Gott dienen.