Psalm 15 Stehe ich sicher?

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Klee
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Registriert: Fr 17. Feb 2023, 08:52

Psalm 15 Stehe ich sicher?

Beitrag von Klee »

So etwa ist der innere Sinn:
Was ist da bitter bei dem Lied? Die zähe Hoffnung, die Unsicherheit, wer bleibt.
Das Positive dabei wäre, wie man die Liebe erkennt, und wie es sein soll auf der Höhe bliebe.
Vollkommen sein, das wäre einfach und gerecht. Die Sache liegt wirklich am Herzen.
Aber wo nichts geht - fehlt da etwa die Ausbildung hier?
Nicht ausspionieren die (bösen) Gerüchte, nichts Übles tun, Schande nicht tragen, besser ist Freundschaft hochheben, auskundschaften was zu lernen sei, zu ändern was nicht passt.


Ganz ordentlich wird die Übersetzung und nur ein etwas seltsames Gefühl lässt sie spüren.
Einfach erscheint dieser Psalm, mit ein paar Aufzählungen notwendiger Regeln für eine ehrliche und gute Gemeinschaft. Er hat auch nur fünf Verse, nur voll Selbstverständlichkeiten, von denen einige merkwürdig anmuten in heutiger Zeit wie den Gottesfürchtigen ehren. Den größten Applaus erhielt die letzten Jahre der ärgste Dreck und wehe es sagte einer was.

Die Textgestaltung in Hebräisch ist mit seltsamen Einteilungen rechts/links, die sich hier schlecht darstellen lassen, weshalb das untereinander steht. Normal wird von rechts nach links geschrieben, ein hebräisches Buch von hinten her aufgeschlagen. Die Zweispaligkeit hat Gründe. Manches ist recht, dreht rechts herum, manches ist „link“, steht links, wurde noch nicht erreicht, wäre auch möglich. Weil das dann Einiges zu überlegen gibt, ist der Psalm doch nicht so einfach und voller Überraschungen, auch in grammatischer Hinsicht.

Ein Teil des ersten Verses ist Thema und Überschrift zugleich. „Psalm Davids“. David דוד heißt geliebt, kann auch ein „Kessel“ sein, der aber [dud] gesprochen wird. Es gilt herauszufinden was bitter macht. Das gehört weggezogen, Geliebtwerden wird überlegt. Das Wort „Psalm“ מזמור lässt sich in מ זמור teilen und hat dann mit singen oder beschneiden zu tun, aber מז מור kann die Frage nach bitter sein. Das soll aber weg und in dem Fall wird gedreht an den Aussagen, je nachdem wohin was führen kann.


א  יְהוָה, מִי-יָגוּר בְּאָהֳלֶךָ
:מִי-יִשְׁכֹּן, בְּהַר קָדְשֶׁךָ
.
1  HERR, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge?

Die Frage schon liest sich wie eine Zurücksetzung, anders aber ist was bleiben wird oder soll und bei dir geht. Kann der Dichter wissen, ob Gott auf einem Berg lebt, in einem Zelt oder einer Hütte wohnt? Die Aussage ist links und was wäre dabei „link“? Bestimmt die Ungenauigkeit. Im übertragenen Sinn: So Mancher wäre gern „oben“ mit einer Menge Jasager unten herum. Wie gern machen sich die Menschen „Dünkel“ und die möchten sie behalten. Es wäre hier gut, wenn nach „Recht“ gedreht wird. Wie geht es dann bei dir, ist ein Bleiben oder keines?

ב  הוֹלֵךְ תָּמִים, וּפֹעֵל צֶדֶק
:וְדֹבֵר אֱמֶת, בִּלְבָבוֹ
2 Wer ohne Wandel einhergehet und recht tut und redet die Wahrheit von Herzen;

Ich lese hier rechts mit תָּמִים vollkommen. Recht wäre vollkommen sein, gerecht arbeiten. Warum aber steht links „Wahrheit sagen von Herzen“. אמת (Wahrheit) ist mit der Wurzel, die normal drei Buchstaben hat, nicht so leicht zu erklären. אמן ist es Glaube, Treue. Ist von מות ist es Tod, sterben, bei מוט wäre wanken oder schräg. אם ist Mutter, ellenlang אמה vielleicht [im] und [ema] ist Sippe, Stamm? Mit Sklavin [ama] kann ich wenig anfangen. Link wäre ein langes, wankelmütiges Gerede. Da käme nichts heraus, meint eine anders geteilte Form. Recht wäre gläubig und treu im Herz sein.

ג  לֹא-רָגַל ׀ עַל-לְשֹׁנוֹ
לֹא-עָשָׂה לְרֵעֵהוּ רָעָה
:וְחֶרְפָּה, לֹא-נָשָׂא עַל-קְרֹבוֹ
3  wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinem Nächsten kein Arges tut und seinen Nächsten nicht schmähet

Treu und gut erzogen ist, wer nichts Arges tut. Wer kann schon immer Maul halten?
Ehrlicherweise steht zu Beginn לא רגל . Ich lese im Übersetzungstext gar nicht von Fuß oder Bein. רגל heißt auch verleumden und auskundschaften, in anderer Form gewöhnen. Da steht dahinter ein Denkstrich. „Kein Bein?“ Ich meine, wenn einer rechtzeitig etwas sagt was nicht passt, so gibt es weniger Arges, weil ein „ausgebildeter Mensch“ Bescheid weiß, dann nichts Verkehrtes macht. So wäre es recht!

Nichts machen für Feindschaft, aber für Freundschaft.
Da wird die Drehung recht verzwickt: לֹא-עָשָׂה לְרֵעֵהוּ רָעָה
Der tut nichts zur Freundschaft. Das wäre link. Da müsste das „lo“ raus und dafür „lo“ (ach wenn) rein. Was ist überhaupt der „Nächste“. Einmal wird im Psalm רָעָה verwendet (Freund, weiden) und dann קְרֹב näherkommen. Als [kerev] ist es auch Inneres, Mitte, als [karev] Kampf, Krieg. חרפה ist Schande. נשא ein sehr verzwicktes Wort mit mehr Bedeutungen, leihen, betrügen, betrogen sein, täuschen, heben, erheben, ertragen, vergeben, Rücksicht nehmen. Aus all den Bedeutungen sollen sinnvolle Sätze entstehen!

Diese drei Überlegungen stecken in den drei Absätzen:

1. Vertrauen setzen, es wird sich zeigen.
2. Ist da keine Freundschaft, nur Feinde oder Übles? Zu Freundschaft drehen.
3. Nobel ist es hier, wo kein Hass ist, wo man ändert, dazulernt, sich näherkommt.

לֹא-נָשָׂא עַל-קְרֹבוֹ
Wer den Krieg nicht verschmäht, wäre recht? Nicht!
Rücksicht nehmen auf den Nächsten.
Erträgt er den nicht, so beim Näherkommen?
Da ist wohl irgend eine Schande oder Schmach und die sollte gedreht werden. Diesmal hat die Übersetzung die richtige Seite gewählt:

ד  נִבְזֶה ׀ בְּעֵינָיו נִמְאָס
וְאֶת-יִרְאֵי יְהוָה יְכַבֵּד
נִשְׁבַּע לְהָרַע,    וְלֹא יָמִר
4 wer die Gottlosen nichts achtet, sondern ehret die Gottesfürchtigen; wer seinem Nächsten schwöret und hält es;

Es ist ein Denkstrich hinter dem Wort בזה, gering schätzen, was an sich link wäre. Auf weitere Konstruktionen mit ähnlich klingenden aber anders geschriebenen Wörtern mag ich hier erstmal nicht eingehen. Nur darauf, welches „Weltbild“ wir uns machen, mit dem wir dann alle anderen messen. נִמְאָס wo schlummert man nun? Das denke ich bei geteiltem Wort. „Verachtete Person“ sieht eine Linearübersetzung, hier steht „Gottlos“ und ich lese es als Niphal Partizip von מְאָס verabscheuen, verwerfen, oder zerfließen, vergehen. Bei מסס wäre verzagen. Das ist ungut. Es ist überhaupt die Frage, was ich bei בְּעֵינָיו sehe und welche Blickweise nehme. Was richtig wäre zu reagieren, zu entsprechen oder auf sonst was kommen.

Verehrt glaubt sich einer, der viel Geld auf dem Bankkonto hat, grüßen ihn doch die Verkäufer. Charakterlich wäre er nichts. Da ist ein sich „tüchtig“ vorkommender Bauer. Er gibt an mit neuem Maschinenpark und Chemie, durch die er sich heimlich Gewinn erhofft (Früchte wie Plastikobst und große Körner, Mais 2 Meter hoch). Ein Urköstler verachtet ihn tödlich, weiß er doch um die Krankheiten, die solche Produkte hervorbringen. Die anderen verwerfen sie (noch) nicht, weil ihre Übel in der Medizinwelt als ihre persönliche Organschwägen erklärt sind. Da erwarten sie von Ärzten und Medizin Heilung statt einer Umkehr von der „Gottlosigkeit“, dem Übel aller Art.

Es ist מאס vergehen, verschmähen, ablehnen, verwerfen. Das Wort „gottlos“ finde ich in der Zeile nicht. Wohl aber die Blickweise. Wenn nun der Eine den Anderen verachtet, so kommt Hass und Streit auf. Einfach nichts sagen und warten bis der Größenwahnsinnige es selbst merkt, dass er Hunderte ruiniert, schafft aber keine Zufriedenheit. Das wird wie die Zahl „sieben“ geschrieben שבע und das kann auch „schwören dass“ heißen. So gibt es die zwei Seiten, entweder das Arbeiten nach richtigen Gesetzen oder den Ruin. Das Wort [nim’as] Unrat merkt sich besser als Eselsbrücke: Nimm das Ass, nicht das Aas.

Im zweiten Abschnitt ist das Erkennen wie es gerecht wäre, da wäre es viel wert. Die andere Seite ist, wo nichts ist und Schrecken beginnt, da wird es schwer.

Der dritte Abschnitt (links) bestehend aus den Worten „schwören“ / zufrieden? In Bezug auf einen Nächsten, nicht anmaßen. Recht rum zum Guten wäre, er „zerfließt“, hingerissen.

Dargestellt wurde רע als Nächster. Gedacht werden kann רע auch als Böse und Übel. Dann ist es von der Wurzel רעע. Bei ימר als ändern, oder aus der Wurzel מור oder aus מרר erbittert sein, reizen. Besser ist, das Übel ändern. Das wäre recht. Link ist, den Freund erbittern. Doppelt verwickelt ist, der schwört dem Nächsten, ändert aber nicht. Recht wäre hingegen, beiÜbel zu sagen, wie es kommt. Wenn sich nichts ändert, dann ist alles verloren.

ה  כַּסְפּוֹ ׀ לֹא-נָתַן בְּנֶשֶׁךְ
וְשֹׁחַד עַל-נָקִי, לֹא לָקָח
:עֹשֵׂה-אֵלֶּה
:לֹא יִמּוֹט לְעוֹלָם
5 wer sein Geld nicht auf Wucher gibt und nimmt nicht Geschenke über den Unschuldigen: wer das tut, der wird wohl bleiben.

Es ist hier die Rede von כסף Silber oder Geld. Der übertragene Sinn ist aber „Sehnsucht“. Dann ist כ סף weil zuletzt. Es steht hinter כסף ein Denkstrich. Zu überlegen wäre, was hinten herauskommt, im Falle der Agrarchemie die weltweite Zerstörung auch der Psyche der Menschen, der Böden und Früchte. Im Falle der Bio-Landwirtschaft ist wieder normals Klima etwas mehr Arbeit (dadurch auch Aufenthalt in der Sonne) mit wohlschmeckenden Produkten.

נשך sind Zinsen oder zubeißen. Es steht auch in anderen Teilen der Bücher Mose vom Verbot des Zinsennehmens. Trotzdem wurde die ganze Weltwirtschaft auf „Luftgeld“ aufgebaut. Überall sind nur Wunden. Der Satz steht rechts: Recht ist, keine Vorteilnahme, dem Armen umsonst helfen, nicht nachrechnen, ob es sich lohnt. Hilfe lohnt stets.

Links im 2. Abschnitt: Nimmt nicht Geschenk über den Unschuldigen. Bestechung ist [shachad] und [naki] ist sauber, rein, unschuldig. Im Falle des Beispiels Agrar gegen Bio wären die Gedanken mit und ohne „rosa Brille“. Es ginge mit so viele Beispielen zu analysieren: Wo sind die falschen oder die echten Vorteile? Recht wäre (dazu muss aber das Wort Bestechung fallen שחד, weil es in „Schach“ kommt und anders geteilt חד die Pracht des Reinen sich herausstellt. Ach, wenn man das nur nehmen würde!
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