Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

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Andreas
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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon Andreas » Mi 2. Aug 2017, 15:38

closs hat geschrieben:Man sollte unterscheiden zwischen "Neusprech" und "Neologismen":
1) "Neusprech" ist durch Orwell konnotativ mit diktatorischem Denken verbunden: Man manipuliert Sprache zur eigenen Machterhaltung. - Allerdings wird "Neusprech" heute inzwischen auch wertneutral verwendet.
2) "Neologismen" sind neue Worte zur Schließung von Benennungs-Lücken - "googeln" wäre ein Beispiel dafür - dieses Worte gab es vor 30 Jahren noch nicht.

Okay, dann kümmern wir uns erst mal um diese beiden Begriffe, damit wir ein gemeinsames Verständnis dafür bekommen, auf was wir zu achten haben:

1.)Wikipedia Neusprech
Wiki hat geschrieben:Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden. Der fiktive totalitäre Staat Ozeanien entwickelt diese Sprachform, um die Ideologie von „Ingsoc“ (English Socialism) im Unterbewusstsein der Menschen zu verankern.[1]

Neusprech wird im übertragenen Sinne als Bezeichnung für Sprachformen oder sprachliche Mittel gebraucht, die durch Sprachmanipulation bewusst verändert werden, um Tatsachen zu verbergen und die Ziele oder Ideologien der Anwender zu verschleiern.[2]

In der Kognitionswissenschaft wird experimentell erforscht, wie tief verwurzelte sprachlich-metaphorische Frames weitgehend unbewusst die politische Wahrnehmung, die semantische Einordnung und, davon abhängig, das politische Handeln bestimmen.
Unklar ist nach Wiki, was du hiermit gemeint haben könntest:
closs hat geschrieben:Allerdings wird "Neusprech" heute inzwischen auch wertneutral verwendet.
Mir zumindest ist das unklar.


Wikipedia Neologismus
Wiki Neologismus hat geschrieben:Ein Neologismus ist ein lexikalisches Zeichen, das in einem bestimmten Zeitraum in einer Sprachgemeinschaft aufkommt, insbesondere ein neues Wort oder ein mit neuer Bedeutung verwendetes, bereits vorhandenes Wort. Wenn es in der Sprachgemeinschaft Verbreitung findet, nehmen es die Wörterbücher auf, die den Wortschatz dieser Sprache kodifizieren. Charakteristisch für die Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche lexikalischen Zeichen (noch) Neologismen sind, hängt also auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt man den Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht. Neben den in allgemeinsprachlichen Standardwörterbüchern erfassten Neologismen gibt es für viele Sprachen auch Spezialwörterbücher, die ausschließlich diesen Teil des Wortschatzes behandeln.

Dem Ausdruck Neologismus liegen die altgriechischen Wörter νέος neos „neu“ und λόγος logos „Wort“ zugrunde;[1] in Deutsch könnte man den Begriff daher auch Neuwort oder neues Wort nennen.
Die Neologismen können wir hier vermutlich ziemlich außer acht lassen, da wir ja nicht mehr an die Bibel gebunden sind und uns ganz auf deinen Gedanken der Heilsgeschichte konzentrieren wollen, welchen du ja unabhängig von der Bibel entwickelt hast. Auf Hebräisch- und Griechischkenntnisse sind wir somit auch nicht angewiesen. Wir beide sind ja, wie die meisten hier, Kinder des (20. bzw.) des 21. Jahrhunderts und daher, was Sprache angeht, auf dem gleichen aktuellen Stand.

Außerdem hast du selbst, mit der von dir frei gewählten Thread-Überschrift, Orwells Neusprech zum Thema gemacht und nicht Neologismus und damit auch nicht eine etwaige "inzwischen wertneutrale" Bedeutung des Begriffes Neusprech.

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closs
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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon closs » Mi 2. Aug 2017, 16:28

fin hat geschrieben:Das ist doch genau der Punkt, nämlich Inhalte (Verhältnisse, Zusammenhänge, ...), die noch unartikuliert sind, entsprechend zu artikulieren. Das ist in der Regel ein Prozess und kann mitunter Jahre dauern, wobei der dialogische Austausch immer von der Redlichkeit des jeweiligen Gesprächspartners abhängt, sprich, dessen Sinn und Treue zur Wahrhaftigkeit.
Neutral gelesen korrekt: Nur - wer entscheidet, was wahrhaftig ist und was nicht?

Mein Verdacht: Man neigt dazu, Dinge, die man nicht versteht, als Geschwafel zu bezeichnen - was sehr unsouverän ist. - Richtig wäre, aus den Chiffren des anderen (jegliche Sprache ist Chiffre) herauszuhören, was wahr sein könnte.

Das wurde weitgehend verlernt - und da ist der Kritische Rationalismus nicht ganz schuldlos. - Denn er wird gerne missverstanden im Sinne von: "Ich weiß zwar nicht, worum es eigentlich geht - aber wenn ich jetzt eine angreifbare Stelle finde, bin ich fein raus".

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closs
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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon closs » Mi 2. Aug 2017, 16:32

Andreas hat geschrieben:Unklar ist nach Wiki, was du hiermit gemeint haben könntest:

closs hat geschrieben:
Allerdings wird "Neusprech" heute inzwischen auch wertneutral verwendet.
Wenn Jugendliche ihre Jugendsprache nutzen, wird das gelegentlich als "Neusprech" bezeichnet - obwohl da kein Orwell-Hintergrund da ist.

Andreas hat geschrieben:Außerdem hast du selbst, mit der von dir frei gewählten Thread-Überschrift, Orwells Neusprech zum Thema gemacht und nicht Neologismus und damit auch nicht eine etwaige "inzwischen wertneutrale" Bedeutung des Begriffes Neusprech.
Das stimmt - "Neologismus" spielt jedoch in vielen Threads eine Rolle, wenn kein Wort vorhanden ist, das man für eine bestimmte Bedeutung braucht - also macht man sich eines - besonders im Deutschen geht das gut, weil wir Koppelwörter haben.

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon fin » Mi 2. Aug 2017, 17:33

-- clossy clebstoff --

closs hat geschrieben:
Andreas hat geschrieben:Unklar ist nach Wiki, was du hiermit gemeint haben könntest:

closs hat geschrieben:
Allerdings wird "Neusprech" heute inzwischen auch wertneutral verwendet.

Wenn Jugendliche ihre Jugendsprache nutzen, wird das gelegentlich als "Neusprech" bezeichnet - obwohl da kein Orwell-Hintergrund da ist.


Andreas, merkst du nicht, daß closs hier endlos relativiert und relevante Punkte bis zur Unkenntlichkeit verbiegt - sicher bis zum St. Nimmerleinstag. Du wirst mit dem Anthroclossylogen nie/nicht auf einen grünen Zweig kommen, sondern nur kostbare Zeit verlieren, deine Gegenwart! Davon lebt er ja - im Grunde genommen hast du es ja schon längst angesprochen und hast deine Bedenken geäußert. Jetzt gilt es sich zu lösen, meine ich!

Auch wenn deine Argumente so klar & wahr wären/sind, wie reines Quellwasser, bringt man sich durch ein Gespräch (per se) in eine Abhängigkeit und da ...

fin hat geschrieben:der dialogische Austausch immer von der Redlichkeit des jeweiligen Gesprächspartners abhängt, sprich, dessen Sinn und Treue zur Wahrhaftigkeit.

sollte man darauf achten, mit wem man das Wort und Quellverbindungen teilt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt heißt es immer, aber auch diese Kraft wurde/wird mittlerweile gekonnt angezapft und ... - davor sollte man sich bewahren!

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon R.F. » Mi 2. Aug 2017, 18:56

fin hat geschrieben:- - -
Andreas, merkst du nicht, daß closs hier endlos relativiert und relevante Punkte bis zur Unkenntlichkeit verbiegt - sicher bis zum St. Nimmerleinstag. Du wirst mit dem Anthroclossylogen nie/nicht auf einen grünen Zweig kommen, sondern nur kostbare Zeit verlieren, deine Gegenwart! Davon lebt er ja - im Grunde genommen hast du es ja schon längst angesprochen und hast deine Bedenken geäußert.
- - -

Ja, auch ich sehe in closs eine Art "Großer Bruder".

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon closs » Mi 2. Aug 2017, 19:15

fin hat geschrieben:Die Hoffnung stirbt zuletzt
Das ist der einzige Satz, dem ich lebhaft zustimmen kann - mir geht es genauso. :)

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon 2Lena » Mi 2. Aug 2017, 19:32

Sog?
fin hat geschrieben:... auch Erklärungen, die helfen, sich aus/von diesen Fängen/Sog-Größen zu lösen.

Wäre etwas klar, gäbe es keine Sogwirkung, auch keine Aktivitäten!

Interesse an etwas, dazu ohne Lösung mit einem begeisternden "das ist's" - erfordert eine gewissen Zähigkeit und löst dann auch reichlich Ermüdung aus.

closs hat geschrieben:Was kann man eigentlich geistig durch Sprache verstehen, was man nicht schon vorher in sich unformuliert verstanden hat?

Darüber diskutieren Psycholinguistiker seit den 30er Jahren.

Die Worte sind deutlich: "... damals beim Schulabschlussfest ..."
Ein damit verbundenes persönliches Erlebnis ergibt einen Roman, in windeseile als Erinnerung vorbeiziehend - oder aber ein stutziges "Äh?" bei dem gar nichts funkt.

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon fin » Mi 2. Aug 2017, 20:34

-- Dr. Oetker --

closs hat geschrieben:
fin hat geschrieben:Die Hoffnung stirbt zuletzt ...

Das ist der einzige Satz, dem ich lebhaft zustimmen kann

Genau - meine Rede - denn besagte Essenz bildet ja deine Nahrungsgrundlage, jener Zustrom, der dich belebt, fast möchte man meinen, es sei die berühmte Götterspeise. Mit deinem Eingeständnis (wenn auch unbeabsichtigt) ist der Fall nun endgültig abgeschlossen! Columbo lässt grüßen :thumbup:
Zuletzt geändert von fin am Mi 2. Aug 2017, 20:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon fin » Mi 2. Aug 2017, 20:45

-- Märchenhafte Lösungen --

2Lena hat geschrieben:Sog? Wäre etwas klar, gäbe es keine Sogwirkung, auch keine Aktivitäten!

Sag das mal dem Rumpelstilzchen :D

Liebes Lenchen, vielleicht sollten wir ein Dreamteam zusammenstellen ... - ja, vielleicht finden wir einmal eine Gelegenheit, all diese Dinge zu besprechen, in deinem Garten, mit Tee und Kandis, wo ich endlich ein signiertes Buch von dir in Empfang nehmen könnte.

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Re: Wie aktuell ist heute George Orwells "1984"?

Beitragvon closs » Mi 2. Aug 2017, 22:36

2Lena hat geschrieben:Darüber diskutieren Psycholinguistiker seit den 30er Jahren.
Mit welcher Tendenz?

fin hat geschrieben: Mit deinem Eingeständnis (wenn auch unbeabsichtigt) ist der Fall nun endgültig abgeschlossen!
Schon absichtlich - aber natürlich kannst Du jederzeit abschließen. - Merke: Was wichtig ist, kommt von alleine wieder hoch.


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