closs hat geschrieben:Der Gegensatz zwischen holistischer und reduktiver Sicht - wobei sich beide ja nicht ausschließen müssten, wenn man das Reduktive als Handwerkszeug und das Holistische als Beurteilungs-Grundlage nehmen würde.
Kann ja alles sein. In der Wissenschaft gibt es ebenfalls diese Konkurrenz nicht, weil in den Spielregeln der Wissenschaft ganz andere Dinge gefordert werden.
closs hat geschrieben:Bei der Gesundheit ist es dasselbe: Der Wissenschaftler sagt "Wir wissen nicht, was Gesundheit ist - wir sind ergebnisoffen" und erschließt sich mit (in sich korrekten) Messungen einen Weg, ohne zu wissen, wohin er führt - wie gesagt: Man ist ja ergebnisoffen.
"Der Wissenschaftler erschließt sich Gesundheit durch Messungen!" Oh weia! Meines Erachtens nach hast Du "Wissenschaft" noch immer ganz grundsätzlich genausowenig verstanden wie z.B. den Unterschied von Wissenschaftler und Arzt.
closs hat geschrieben:Im gegebenen Fall "Impfung von sogenannten Kinderkrankheiten" kollidieren in diesem Sinne zutreffende Messungen der Reduktionisten (Ratio Impf-Risiko versus Erkrankungs-Risisko) und das Gesundheits-Verständnis der Holisten (Ratio kurzfristige versus langfristige Vor- und Nachteile).
"Zutreffende Messungen" soll wohl heißen "Bewährung durch gemachte Beobachtung dessen, was aus dem Modell als Vorhersage abgeleitet wurde". Also nicht "Ratio", sondern dasselbe, was von einem Modell erwartet werden kann, welches "langfristige Vor- oder Nachteile" beschreibt. Ob "reduktionistisch" oder "holistisch" ist völlig irrelevant.
closs hat geschrieben:Wer am Ende(!!!) recht hat, wissen beide nicht - insofern ist man gut beraten, wenn man die eigene Haltung nicht ideologisch vertritt, sondern sagt: "Ich habe gute Gründe, zu GLAUBEN, dass ...".
Wer am Ende recht hat, mag eine Frage sein, die den ontologisch aufgestellten closs betrifft. In der Wissenschaft geht es um Modelle und davon abgeleiteten Beobachtungsvorhersagen, um Falsifikationen und Bewährungen. Das alles im intersubjektiven Begründungskontext! Das, was da gerade Stand ist, das nennt sich dann "wissenschaftliches" Wissen.
closs hat geschrieben:Genau das passiert aber eben NICHT. - Die Wissenschaft tritt ideologisch auf, weil sie ihre (zutreffenden) Messungen nicht auf größere Zusammenhänge überträgt ("irrelevant" :devil: ) und in dieser Schein-Sicherheit kleiner Objektivität arrgogant gegenüber Ganzheitlern auftritt.
Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
closs hat geschrieben:Insofern wäre der erste Schritt, dass man sich gegenseitig überhaupt KAPIERT - dieser Schritt ist noch nicht getan.
Nu, ja: Als Wissenschaftler habe ich zu kapieren, ob etwas wissenschaftlich ist oder nicht. Ist es wissenschaftlich, bekommt es das Prädikat "wissenschaftlich".
Ansonsten empfehle ich dem closs weiterhin, sich mit den verschiedenen Termini und ihren Inhalten (z.B. "Wissenschaft") mal eingehend zu beschäftigen. Ganz "reduktionistisch" erstmal die Ontologie und die liebgewonnenen persönlichen Vorstellungen einfach beiseite legen und auschließlich schauen: "Was ist Wissenschaft?" Und wenn das wirklich verstanden ist, dann das Käppchen des "Holisten" aufsetzen und
fundiert versuchen, die einzeln verstandenen Dinge in Relation zueinander zu bringen. Und wo das nicht geht, dann zu wissen, warum das so ist.
Das Problem: Es gibt auch eine Wirklichkeit, wie es historisch wirklich war.