Sind Christen zum leiden berufen ?

Themen des Neuen Testaments
Benutzeravatar
Johncom
Beiträge: 8494
Registriert: Do 19. Aug 2021, 23:27

Re: Sind Christen zum leiden berufen ?

Beitrag von Johncom »

Zippo hat geschrieben: Fr 6. Feb 2026, 11:58 Das Gebot Jesu war vor allem auch, daß seine Nachfolger an ihn glauben sollen.
Vielleicht erkennst du einen feinen Widerspruch in diesem Satz?

Man kann Jesus glauben, aber man kann nicht "an ihn" glauben. Man kann glauben, auch verstehen und akzeptieren, was Jesus lehrt, ist richtig und führt ins Heil. Man kann Jesus in vollem Vertrauen nachfolgen.
Aber "an ihn" zu glauben, das wäre ja Personenkult.
Natürlich geht das auch, und ein Blick in die heutige Welt der Religionen zeigt, wie Statuen bei Prozessionen getragen werden, auch Marien und Heilige, und das sind keine bösen Menschen, die das machen.

Aber Jesus wollte Nachfolger! Und sicher auch Heiler, die vollbringen was er seinem inneren Kreis lehrte. Glauben geht nicht ohne Überzeugung. Man weiß als Nachfolger aus eigener Erfahrung, so geht's, so ist es richtig. Glauben ist kein Glücksspiel, wo ich nur hoffe, dass meine Farbe gewinnt.

Sind Christen zum Leiden berufen ?
Natürlich nicht. Die Seele kommt ins Heil weil wir lernen, diese Erde wird überwunden werden. Das ganze ach und weh des Körpers, die ganzen Wunschträume von Ruhm und Anerkennung. Nichts bleibt. In der Ewigkeit wird der große Frieden geschenkt. Und manche finden ihn schon hier.
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 18608
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Sind Christen zum leiden berufen ?

Beitrag von Helmuth »

Johncom hat geschrieben: Sa 7. Feb 2026, 01:27
Zippo hat geschrieben: Fr 6. Feb 2026, 11:58 Das Gebot Jesu war vor allem auch, daß seine Nachfolger an ihn glauben sollen.
Vielleicht erkennst du einen feinen Widerspruch in diesem Satz?
Zippo spricht hier schriftkonform, denn Jesus selbst sagt das:
Joh 14,1 hat geschrieben: Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!
Er sagt nicht "an mein Wort", sondern "an mich". Und mit Gott verhält es sich desgleichen. An Jesus zu glauben ist kein Personenkult, sondern es geht um das Intimste, das möglich ist. Sein persönlichen Werk war, dass er sein Leben für mich und dich gegeben hat.

So glaube ich an sein Wort als auch "an ihn", weil er nicht nur die Wahrheit kennt, sondern für mich auch gestorben ist. Dieses Leid ist eine zutiefst persönliche Sache, dass er leiden musste, was eigenltich um der Gerechtigkeit willen mir oder dir zustünde.

Wenn du mir ein wahres Wort gibst, dann kann ich daran glauben, aber ich kann nicht "an dich" glauben, weil du wie ich nur ein Mensch bist, aber nicht der Gesandte Gottes für die Wahrheit. Wenn du das anders siehst, dann hast du vielleicht nur einen intelellektuellen Glauben aber keinen, der durch den Heiligen Geist in dir und mit dir fest verwoben und verankert ist, sodass es Körper, Seele und Geist völlig durchdringt.

Wie Jesus gelitten hat, leidet auch mein Herz mit, denn nun weiß ich, dass ich ihm mit angetan habe, was er am Kreuz leiden musste. Er erwartet sich, dass ich unabhängig davon auch zum Leid bereit bin, weil es bezeugt, wer unser Herr ist, wenn uns ein anderer aus Neid oder Hass Leid zufügt. Und so unabhängig ist das gar nicht, da wir sein Leib sind.

Ich denke, das hast du möglicherweise noch nicht verinnerlich, dass deine Hand auch Jesu Hand ist. Gott hat sie sie dir nur verliehen, damit du im Namen seines Sohnes handelst. Nimm es an, und du wirst einen anderen Glauben bekommen, der erstens lebendig ist und dich auch errettet.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Benutzeravatar
Zippo
Beiträge: 4957
Registriert: Mo 23. Jan 2017, 00:17

Re: Sind Christen zum leiden berufen ?

Beitrag von Zippo »

Johncom hat geschrieben: Sa 7. Feb 2026, 00:58
Zippo hat geschrieben: Fr 6. Feb 2026, 13:16
renato23 hat geschrieben: Mi 4. Feb 2026, 12:30 Für Christen gelten seit 2000 Jahren keine mosaischen Gesetze mehr, die mit gelebter Liebe zu Gott den Nächsten und sich unvereinbar sind.
Abgesehen davon, daß die Liebesgebote schon Bestandteil des AT sind, wird wohl auch niemand was gegen die 10 Gebote einzuwenden haben.
Die Frage wäre, ob das AT eine universelle Lehre darstellen will oder sich ausdrücklich an das Volk Israel wendet. Das zweitere scheint wahrscheinlicher.
Es ging ja zunächst einmal bis Abraham, dessen Erbe die Christen in aller Welt geworden sind, weil er bereit war seinen eigenen Sohn zu opfern.
[1. Mo. 22,15-18] Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR, dass, weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen sehr mehren werde, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde besitzen; und in deinem Nachkommen werden sich segnen alle Nationen der Erde: weil du meiner Stimme gehorcht hast.
Dann kam zunächst das irdische Volk Israel, das mit seine Geboten ein Vorbild für alle anderen Völker werden sollte.
5 Mose 4,5-8 Aus diesem Volk kam dann ja auch der Heiland Jesus Christus, der den Segen Abrahams an alle gläubigen Christen austeilt und so auch die Nationen den verheißenen Geist empfangen. Gal 3,13-14

Der Bund vom Sinai war dem Volk Israel gegeben, auch die 10 Gebote, aber sie sind hilfreich, um zu erkennen, wie Gott und der Nächste zu lieben sind.
Rö 13,10
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe die Summe des Gesetzes.
Das Volk Israel hatte deswegen auch einiges zu erleiden.Weil sie Gottes auserwähltes Volk waren, mußten sie in Ägypten und nach ihrem Auszug, in der Wüste leiden, weil Gottes Wege nicht immer leicht sind und weil er von seinem Volk auch erhöhte Aufmerksamkeit und Gehorsam verlangt hat.
Und Satan hat dieses Volk sicher auch nicht verschont, weshalb Israel oft ungehorsam und untreu war, worauf Gott der HERR mit Strafe reagierte.
[5. Mo. 8,5-6] So erkenne in deinem Herzen, dass, wie ein Mann seinen Sohn züchtigt, der HERR, dein Gott, dich züchtigt; und halte die Gebote des HERRN, deines Gottes, um auf seinen Wegen zu wandeln und ihn zu fürchten.
Johncom
Die heutigen Lehrer des mosaischen Gesetztes werden "vorsichtig" antworten. Einige, wahrscheinlich die meisten, werden im vertrauten Kreis versichern, es gibt kein Liebesgebot gegenüber Christen, Muslimen und anderen. Alle anderen seien Götzenanbeter und demnach minderwertig und wie Tiere zu behandeln. Der Talmud versichert den von der Abstammung bestätigten Juden (nicht vom Glauben her) einen besonderen Status. Einen Nicht-Juden gleich zu behandeln wäre schon sündhaft.
Ich denke, das siehst du zu negativ. Es würde ja auch nicht stimmen, wenn man im Nächsten nur die eigene Familie und das eigene Volk sehen würde. Obwohl es verständlich ist, da Prioritäten zu setzen.
Das Volk Israel sollte sich von den Sitten und Gebräuchen anderer Völker fernhalten, da war Gott eifersüchtig. Die Fremden sollten sie freundlich behandeln, aber es stimmt, daß sie sich mit der Bevölkerung anderer Länder nicht mal an einen Tisch setzen wollten, um mit ihnen zu speisen. So war es zu der Zeit Jesu. War es eine übertriebene Haltung der Reinhaltsbebote oder war es ein hochmütiges Elitedenken ? Apg 10,28, 11,2-3,Gal 2,12
Johncom
Jesus hingegen gibt den barmherzigen Samariters als Vorbild. Die Samariter waren eher zweitklassige Israeliten. Im Gleichnis waren ein jüdischer Priester und ein Levit an dem Verletzten vorbeigegangen, nur der Samariter war es, der sich selbstlos kümmerte.

Mosaische Gesetze sind Kasten-Gesetze und auf keiner Stufe mit der gelebten Liebe zu Gott und dem realem Nächsten, dem Mitmenschen egal welcher Herkunft.
Der barmherzige Samariter gilt sicher als Vorbild dafür, daß ein gutes Gewissen auch wertvoll ist, besser sogar als der Hochmuth des Pharisäers, der nicht geholfen hat.
Das Volk Israel war angewiesen, dem Menschen in Not zu helfen. Der Herr Jesus verschärft sogar noch mal in der Bergpredigt und will den Feind lieben. Mt 5,43-44
Ich frage mich immer inwieweit das vernünftig ist, denn die Hilfsbereitschaft der Menschen wird doch vielfach ausgenutzt und kann sogar zum Schaden werden.
Christen können beten und werden hoffentlich erkennen, wo sie helfen sollen und wo es besser ist, die Finger von zu lassen, um unnötigem Leid aus dem Wege zu gehen.

Gruß Thomas
2 Kor 13,13 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Antworten