Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Themen des Neuen Testaments
Otto
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Otto »

Larson hat geschrieben: Di 17. Mär 2026, 14:33 Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Ich möchte mal versuchen, jüdisches Verständnis aufgrund dieser Geschichte in Mt 4,1-11 zu erhellen.
Vorweg: nach der „Real-Enzyklopädie des Judentums (von Dr. J. Hamburger, Ober- und Landesrabbiner in Mecklenburg) gibt es im Judentum keinen Satan noch Dämonen wie es in anderen Religionen dargestellt wird, wo der Mensch als Spielball der sich streitenden Himmelsmächte hin und hergeworfen und beherrscht wird, und so wird einer solchen Lehre auch entschieden entgegengetreten. Gott ist Herrscher über alles, dem Himmel und der Erde.
Das heisst aber nicht, dass in manchen Strömungen des Judentums (z.B. Essener, Qumran) über solches nachgedacht wurde, oder in der Umgangssprache negatives dann personifiziert wird, aber es war und ist nie Lehrinhalt, da alles, Gutes und Böses allein von Gott kommt, so wie es auch in der Tenach deutlich ausgesprochen wird, alles, was Gott machte, war gut.
So bedeutet der Titel „Satan“ Ankläger, Hinderer und Versucher und sowohl auf Gott selbst, auf Engel und selbst Menschen so bezeichnet werden.

Der folgende Gedanke entstammt einem jüdischen Religionswissenschaftler, welcher versucht(e), die Evangelien zu Rückübersetzen (in die jüdische Kultur und Lehre) und diese dann auf Deutsch entsprechend dem Verständnis zu erläutern.

Im Kontext wird der Versucher mit 3 Begriffen bezeichnet:
V3 ist es einfach ein Versucher, ein versuchen πειράζων
V5 und 8 ist es der Verleumder, διάβολος also der Durcheinanderbringer, der „Teufel“
V10 Jesus spricht da zu Satan σατανα , dem Widersacher

Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt. Wessen Geist es ist, wird nicht näher beschreiben, ob durch Gott oder ihn selber so nach der Taufe am Jordan, um seinem Auftrag, seiner Sendung bewusst zu werden. Wo er auch vom Verleumder versucht wird. Dort wandert er 40 Tage in Hitze / Kälte herum und such sich etwas zu essen und zu trinken.

Am Ende der 40 Tage kam der Versucher, die Täuschung und suggeriert ihm er könne ja aus den Steinen Brot machen, mit dem Hinweis: „Wenn du Knecht /Sohn Gottes bist“ (ob Knecht oder Sohn ist in etwa gleichwertig, wie Israel ebenso Knecht wie auch Sohn, auch Frau ist)
Jesus kontert mit 5.Mo 8,3

Danach nimmt ihn die Versuchung in die Heilige Stadt und fordert ihn auf,, sich hinunterzuwerfen und argumentiert ebenso mit Ps 91,11-12.
Jesus kontert mit 5.Mo 6,16 und 17.

Wieder kommt der Versucher und Zeigt Jesu die Welt. Und sagt:
V9. und sprach zu ihm: Dieses alles werde ich dir geben, wenn du gefallen hast (was du siehst) (!) und du anbetest (ihm dienst).

Jesus kontert mit 5.Mo 5,13-14
5.Mo 6, 13 JHWH, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören. 14 Ihr sollt nicht anderen Göttern nachgehen, von den Göttern der Völker, die rings um euch her sind;
Soweit mal kurz zusammengefasst.
Vers 9 ist nun der wesentliche Punkt: „…wenn du gefallen hast (was du siehst) (!) und du anbetest (ihm dienst, also dem was der Versucher zeigte)“. Ein kleiner Eingriff in den Text (aber wer weiss schon, was da wirklich gesagt wurde…), der aber dem ganzen Geschehnis einen tiefen, inneren Sinn gibt.

Der Versucher, der Hinderer das ist die Seele Jesu, der Zwiespalt in ihm, welcher nach 40 Tagen in der Wüste auftritt.

Bei der ersten „Versuchung“ wird der Gegenpart Täuscher genannt, (Täuschung der Sinne, Steine zu Brot), Verwirrung.

bei der Zweiten: Versucher (diabolos) (Zweifel: der Identität, innerer Konflikt), wird Gott wirklich tragen?

bei der Dritten: Versucher und dann durch Jesus: Satan (Entfremdung, Huldigung den Mächten, die Sinnlichkeit über Gott stellen). Versuchung von Macht, Reichtum, dem bequemen Weg, die Anklage, nicht Gott allein zu dienen.

Durch das dualistische Weltbild von damals wurde aus dem inneren Trieb, den inneren Kämpfen Jesu eine äussere Gestalt, aus den Gedanken, der Zerrissenheit ein Streitgespräch.

Als Vorbereitung für Jesu Auftrag, für seine Vision und seinen Weg nicht nur „äusserlich“ sich zu waschen, taufen zu lassen (da kann niemand erkennen, was im Herzen geschieht) geschieht in der Wüste der innere Kampf um den spirituellen Selbsterhalt, sich nicht durch Gefühlen, Sinnlichkeiten, Bequemlichkeiten, und allein die Worte Gottes in der Torah sozusagen das „Schwert“ dazu dient, um Gott gegenüber treu zu sein. Dies entspricht dann dem hebräischen Wort Emuna. Oft wird das mit "Glaube" übersetzt, aber eigentlich bedeutet es “Treue“ oder “Festigkeit“.

So kommt, entblösst von heidnischen Gedanken und Versuchungen im Mystischen; die Geschichte Jesu dem jüdischen näher. Und genau so wollen Juden auch nur diesem einen alleinen Gott dienen.
Ich vergleiche den Versuch mal so: Man nehme die Mona Lisa des Leonardo, ist der festen Überzeugung Leonardo hatte damals was ganz anderes im Sinn, fängt an zu retuschieren und oh du Wunder! Ein farbenfroher Sonnenuntergang in 3d Ausführung sogar! Armer Leonardo….. :shock:
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ProfDrVonUndZu
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Larson hat geschrieben: Di 17. Mär 2026, 18:55 Aber es lohnt sich nicht, und ich überlege, ob ich nicht alles wieder löschen soll.
Aber vielleicht lesen andere es eben als Bereicherung.
Ich hatte schon öfter ähnliche Gedanken über Jesu Versuchung geäußert und auch wir hatten darüber mal diskutiert.

Ich wiederhole noch mal einen wesentlichen Aspekt bei dem Bericht über die Versuchung Jesu, der meist außer Acht gelassen wird: Die Evanglisten und auch sonst niemand war Zeuge von Jesu Versuchung. Deswegen können die Evangelisten dieses Geschehnis nur aus der direkten Erzählung von Jesus selber haben. Jesus benutzt ein Vokabular für sein Erlebnis, wodurch die Erzählung als Dialog zweier Personen erscheint. Tatsächlich versucht er aber nur einen innerpsychischen Konflikt zu beschreiben, ob er seine Stellung vor Gott und seine Kenntnis der Thora für egoistische Zwecke verwendet, oder im Sinne Gottes und zum Wohle armer, kranker und elender Menschen, die von allerlei Sorgen und Probleme des Alltags geplagt waren. Ganz wichtig, der innerpsychische Konflikt ist keine Krankheit und keine Störung, sondern etwas ganz Normales, dem jeder ausgesetzt ist, sobald er zumindest ein Bewusstsein von Macht, Fähigkeit und Verantwortung hat. Auch den falschen Messiasen im 1. Jahrhundert hat der Satan sozusagen Macht und Herrschaft versprochen. Aber sich diesen falschen Versprechen hinzugeben, da geht es dann in Richtung Größenwahn und dann wird es wirklich krank.
Offenbarung 1,3 Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
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Helmuth
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Helmuth »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 00:02 Deswegen können die Evangelisten dieses Geschehnis nur aus der direkten Erzählung von Jesus selber haben.
Das gilt für viele Teile im NT. Wird es damit weniger glaubwürdig? Aber ich verstehe den Gedankengang, da es auch Stellen gibt, deren Kontext nicht in die Lehre passt. Das sehe ich aber hier nicht. Es passt auch lückenlos zum AT.

Übrigens gilt eine zweifache Zeugenschaft als wahr und dazu haben wir Mt. 4 und Lk. 4. Ich denke auch nicht, dass diese Berichte voneinander abgeschrieben wurden, sondern über zwei Wege entstanden sind. Besonders Lukas vertraue ich, dass er alles von glaubhaften Zeugen hat und allem nachgegangen ist. Er saß näher an der Quelle als viele andere Berichterstatter zum NT.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 00:02 Jesus benutzt ein Vokabular für sein Erlebnis, wodurch die Erzählung als Dialog zweier Personen erscheint. Tatsächlich versucht er aber nur einen innerpsychischen Konflikt zu beschreiben, ...
Also glaubst auch du nicht an die Existenz des Teufels und denkst wie ein welticher Psychiater? Dafür wird der Teufel aber zu oft von Jesus zitiert (auch mit der Namensgebung Satan), und bei diesen Begebenheiten gab es genügend Zeugen. Am Anfang meines Glauben dachte ich auch an innere Spannungen, weil mir viel DInge geistlich noch nicht vertraut waren. Das sollte sich ändern. Das Geistliche ist weit realer als all unser rationales Verständnis.

Jesus widersprach auch nicht den Juden, dass ihre Gedanken über den Obersten der Dämonen nur eine Einbildung wären oder rein religöses Denken. Er erklärt lediglich, dass es unlogisch sei ihn damit zu identifizieren und macht in dem Zusammenhang deutlich was die Lästerung des Heiligen Geistes bedeutet.

Für den Fakt der Existenz der Dämonen trieb er einfach zu viele aus, und das waren mitunter seine spektakulärsten Wunder vor aller Öffentlichkeit, so dass die Leugung (oder Umdeutung) dieser Berichte bzw. dieser Wesen für mich nicht bloß Bibelkritik, sondern schlicht Unglaube wäre.

Mit Bibelkritik alleine kann ich umgehen, Unglaube schmeckt mir nicht. Der Schritt nun, dass diese Dämonen auch einen Oberdämon haben, ist damit nicht schwer und nicht von der Hand zu weisen. Die Schrift beschreibt sie als gefallene Engel, die nun auf Erden ihr Unwesen treiben, bis sie eines Tages im ewigen Sheol landen.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Larson
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Larson »

Otto hat geschrieben: Di 17. Mär 2026, 21:15 Ich vergleiche den Versuch mal so: Man nehme die Mona Lisa des Leonardo, ist der festen Überzeugung Leonardo hatte damals was ganz anderes im Sinn, fängt an zu retuschieren und oh du Wunder! Ein farbenfroher Sonnenuntergang in 3d Ausführung sogar! Armer Leonardo….. :shock:
Wolltest du was sagen? Oder warst du gar bei der Versuchung Jesu dabei?
Kaum wird eine Lüge entlarvt, hat sie schon mehrere Kinder geboren, weil sie sehr fruchtbar ist.
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Larson
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Larson »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 00:02 Jesus benutzt ein Vokabular für sein Erlebnis, wodurch die Erzählung als Dialog zweier Personen erscheint. Tatsächlich versucht er aber nur einen innerpsychischen Konflikt zu beschreiben, ob er seine Stellung vor Gott und seine Kenntnis der Thora für egoistische Zwecke verwendet, oder im Sinne Gottes und zum Wohle armer, kranker und elender Menschen, die von allerlei Sorgen und Probleme des Alltags geplagt waren
So wie auch an anderen Stellen auch. Ebenso braucht Jesu auch das Vokabular der Gegner, wenn von Satan gesprochen wird, was aber nicht die Lehre darüber bestätigt, sondern nur um zu reflektieren.

Weiter stellt sich die Frage, ob Jesus das gr. Wort „Diabolos“ abwechselnd mit „Satan“ gebrauchte (im hebräisch / aramäischen Umfeld, was eigentlich nicht wirklich nachvollziehbar wäre. Also die Texte scheinen redaktionell schon geschliffen worden zu sein.
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Das gilt für viele Teile im NT. Wird es damit weniger glaubwürdig?
Ich zweifel überhaupt nicht an de Glaubwürdigkeit. Jesus hat etwas veranschaulicht, das er erlebt hat. Nur man darf seine Aussagen nicht an jeder Stelle wortwörtlich nehmen. Er bekennt selber, dass er in Bildern spricht, und auch andere Protagonisten in den Evangelien bekennen, dass sie Probleme haben, ihn zu verstehen. Ich gehe davon aus, dass die Evangelisten selber als beobachtende Historiker berichten und ihre Texte als überkulturelle Botschaften gedacht sind. Jesus selber ist aber kein solcher Historiker.

Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Aber ich verstehe den Gedankengang, da es auch Stellen gibt, deren Kontext nicht in die Lehre passt. Das sehe ich aber hier nicht. Es passt auch lückenlos zum AT.
Ich habe keine Probleme, das mit dem AT im Einklang zu bringen. Ganz im Gegenteil. Erst durch die Lektüre des AT bin ich darauf gekommen, dass an diesem scheinbar selbstverständlichen Gerede von Teufeln und Dämonen im NT aus Sicht des AT etwas nicht stimmen kann. Die Stellen im AT, wo ein Satan erwähnt wird, lassen sich ziemlich nüchtern erklären. Sie sind nüchtern verstanden nur dann ein Ärgernis, wenn man an dieser "außergewöhnlichen" Lesart festhalten will.
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Übrigens gilt eine zweifache Zeugenschaft als wahr und dazu haben wir Mt. 4 und Lk. 4. Ich denke auch nicht, dass diese Berichte voneinander abgeschrieben wurden, sondern über zwei Wege entstanden sind. Besonders Lukas vertraue ich, dass er alles von glaubhaften Zeugen hat und allem nachgegangen ist. Er saß näher an der Quelle als viele andere Berichterstatter zum NT.
Das ändert ja nichts. Trotzdem war niemand bei Jesu Versuchung dabei, sondern nur dann, als er später davon erzählte.
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Also glaubst auch du nicht an die Existenz des Teufels und denkst wie ein welticher Psychiater?
Ich glaube weder, dass Gott ein Teufelsgeschöpf erschaffen hat, noch an die Geschichte vom gefallenen Engel Luzifer.
Ein Psychiater behandelt Krankheiten und Störungen. Gut, dass hat Jesus auch getan. Psychiater = Seelenarzt. Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden. Wenn Jesus vorgeworfen wird, er habe den Beelzeboul oder einen Dämon und Jesus darauf kontert, er habe keinen Dämon, sondern er ehrt seinen Vater, was impliziert diese Antwort ? Dass, das Haben des Beelzeboul oder eines Dämon eine Verschiebung der Ehre ist auf das eigene Ego oder auf irgendeinen anderen Menschen, ein Tier oder irgendeinen toten Gegenstand. Genau das lässt sich auch aus dem AT ermitteln, wenn es um Götzendienst geht.
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Dafür wird der Teufel aber zu oft von Jesus zitiert (auch mit der Namensgebung Satan), und bei diesen Begebenheiten gab es genügend Zeugen.
Was meinst du damit, Jesus zitiere den Teufel ?
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Am Anfang meines Glauben dachte ich auch an innere Spannungen, weil mir viel DInge geistlich noch nicht vertraut waren. Das sollte sich ändern. Das Geistliche ist weit realer als all unser rationales Verständnis.
Am Anfang meines Glaubens übernahm ich die traditionelle Sichtweise auf Teufel und Dämonen. Für mich stand das bei meiner ersten Bibellektüre gar nicht in Frage und dieses "Fantasymäßige" sprach mich sogar besonders an, weil ich u.A. ein Fan von Tolkien und seinem Herr der Ringe war. Sein fiktiver Kosmos ist von verschiedenen Sagen inspiriert, u.A. auch von dem katholischen Engelssturz-Motiv. Das habe ich alles erst viel später rausgefunden.
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Jesus widersprach auch nicht den Juden, dass ihre Gedanken über den Obersten der Dämonen nur eine Einbildung wären oder rein religöses Denken. Er erklärt lediglich, dass es unlogisch sei ihn damit zu identifizieren und macht in dem Zusammenhang deutlich was die Lästerung des Heiligen Geistes bedeutet.
Das hat ja auch mit Einbildung überhaupt nichts zu tun, sondern mit einer Art, über Dinge zu reden, für die wir spätestens seit der Zeit der Aufklärung ein technisches Vokabular in sprachlicher Hülle der Antike erfunden haben. Nehmen wir das oben genannte Wort Psychiater. Ja, Jesus war ein Seelenarzt. Aber Psychiater klingt doch gleich viel sachlicher und vom religiösen Ballast emanzipiert.

Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Für den Fakt der Existenz der Dämonen trieb er einfach zu viele aus, und das waren mitunter seine spektakulärsten Wunder vor aller Öffentlichkeit, so dass die Leugung (oder Umdeutung) dieser Berichte bzw. dieser Wesen für mich nicht bloß Bibelkritik, sondern schlicht Unglaube wäre.
Du willst mir vorwerfen, dass ich nicht an ein traditionelles Verständnis von Teufel und Dämonen glaube ?
Helmuth hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 06:41 Mit Bibelkritik alleine kann ich umgehen, Unglaube schmeckt mir nicht. Der Schritt nun, dass diese Dämonen auch einen Oberdämon haben, ist damit nicht schwer und nicht von der Hand zu weisen. Die Schrift beschreibt sie als gefallene Engel, die nun auf Erden ihr Unwesen treiben, bis sie eines Tages im ewigen Sheol landen.
Wo steht, dass Dämonen gefallene Engel sind ? Und was sind Engel ? Darüber haben wir hier schon viel geschrieben.
Offenbarung 1,3 Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
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ProfDrVonUndZu
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Larson hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 08:36 So wie auch an anderen Stellen auch. Ebenso braucht Jesu auch das Vokabular der Gegner, wenn von Satan gesprochen wird, was aber nicht die Lehre darüber bestätigt, sondern nur um zu reflektieren.
Ich meine, dass auch für Jakob etwas Ähnliches umschrieben wird. Der unbekannte Mann sagt zu Jakob, dass Jakob mit Gott und Menschen "gerungen" habe. So steht es jedenfalls in den Übersetzungen und damit wird suggeriert, dass hier das gleiche Wort stehe, wie einige Verse vorher, wo der Kampf Jakobs mit dem Unbekannten beschrieben wird als "ringen". Der Unbekannte benutzt dieses Wort aber gar nicht. Somit meint der Unbekannte mit seiner Aussage auch gar nicht Jakobs Sieg über ihn, und auch nicht, dass er selber Gott sei. Er meint, Jakob habe den Götzendienst besiegt und die Angst vor Menschen. Kurz vorher wird noch erzählt, wie Jakob fürchterliche Angst vor der Wiederbegegnung mit seinem Bruder Esau hatte, weil er seine Rache fürchtete. Aber er hat diese Angst überwunden und sich trotzdem auf dem Weg zu ihm gemacht. Und es hat sich gelohnt.
Larson hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 08:36 Weiter stellt sich die Frage, ob Jesus das gr. Wort „Diabolos“ abwechselnd mit „Satan“ gebrauchte (im hebräisch / aramäischen Umfeld, was eigentlich nicht wirklich nachvollziehbar wäre. Also die Texte scheinen redaktionell schon geschliffen worden zu sein.
Möglicherweise steckt da eine Systematik dahinter, um den Griechischsprachigen eine Unterscheidung leichter zu machen. Man könnte zunächst meinen, die Übernahme eines hebräischen Wortes würde ein Eigenname bezeichnen. Aber gerade Petrus wird von Jesus als Satan bezeichnet.

Es können aus dem Hebräischen auch andere Wörter mit "dia-ballO" übersetzt werden. An der Septuaginta lässt sich das nachvollziehen.
Hesekiel 11,5 Und der Geist Jahwes fiel auf mich und sprach zu mir: Sprich: So spricht Jahwe: Also sprechet ihr, Haus Israel; und was in eurem Geiste aufsteigt (hebr. מעלות / gr. διαβουλια), das weiß ich.
Psalm 5,11 Laß sie büßen, o Gott; mögen sie fallen durch ihre Anschläge! (hebr. מעצותי / gr. διαβουλιων) Stoße sie hinweg wegen der Menge ihrer Übertretungen! Denn sie sind widerspenstig gegen dich gewesen.
Sprüche 6,24 um dich zu bewahren vor dem bösen Weibe, vor der Glätte (hebr. חלקת / gr. διαβολης) der Zunge einer Fremden.
Hosea 4,9 Und so wird, wie das Volk, der Priester sein, und ich werde ihre Wege an ihnen heimsuchen und ihre Handlungen (hebr. מעללי / gr. διαβουλια) ihnen vergelten;


Es muss also keineswegs so sein, dass da, wo im NT διαβολος steht, das hebräische שטן gemeint sein muss.
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Helmuth
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Helmuth »

Jetzt wird erfolgreich vom Thema abgelenkt und am Ende kommt heraus, Jesus wurde gar nicht vom Teufel versucht. Es gab nur psychische Spannungen in seinem Geist hervorgerufen durch eine physische Überstrapazierung seines Körpers in der Wüste.

Und noch einen Schritt weiter könnte man argumentieren, er war dort nicht einmal, weil es dafür keine Zeugen gibt. Man hat die ganze Begebenheit erfunden. Wo sind wir hier? Bibelkritik oder schon Glaubenszersetzung?

Was wäre dann der Sheol, die Hölle? Lt. Bibel finden dort der Teufel und die Dämonen ihren Verbleib. Das bezeugt Jesus, und diesmal vermutlich vor Zeugen im Zuge seiner Endzeitpredigten in Jerusalem:
Mt 25,41 hat geschrieben: Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist;
Wenn es diese Teufel und Dämonen aber nicht gibt, wären auch Jesu Worte wie Sheol nur eine fiktiver Ort oder gar nur erfundene Geschichten. Und auch die Schlange bei Eva ist nur fiktiv. Was bedeutete dann wieder ihr den Kopf zu zermalmen?

Und überdies haben wir dazu auch keine Zeugen. Es gab keine Zeugen bei Eva und es war auch noch keiner in dem Sheol, wo bei der Übertragung auf Koine wieder die Verwirrung von Gehenna und Hades entstanden ist. Ich nenne das dann kontextloses Deuten bis hin zur systematischen Zersägung des gesamten Ratschlusses Gottes.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Larson »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 13:55 So steht es jedenfalls in den Übersetzungen und damit wird suggeriert, dass hier das gleiche Wort stehe, wie einige Verse vorher, wo der Kampf Jakobs mit dem Unbekannten beschrieben wird als "ringen". Der Unbekannte benutzt dieses Wort aber gar nicht. Somit meint der Unbekannte mit seiner Aussage auch gar nicht Jakobs Sieg über ihn, und auch nicht, dass er selber Gott sei.
Ja, der Text lässt so etwas wirklich auch zu, und es ist ja unwahrscheinlich, dass ein Mensch physisch mit Gott kämpft. Und das mit der Angst wegen Esau, was ja im Kontext strakt hervortritt, ist durchaus plausiebel.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 18. Mär 2026, 13:55 Es muss also keineswegs so sein, dass da, wo im NT διαβολος steht, das hebräische שטן gemeint sein muss.
Tja, oft wäre es schön, wenn die Schreiber noch leben würden, dann könnte man sie fragen, statt (wild) zu spekulieren.
Kaum wird eine Lüge entlarvt, hat sie schon mehrere Kinder geboren, weil sie sehr fruchtbar ist.
Da hat es die Wahrheit schwerer. Es gibt sie nur einmal. Wie soll sie sich vermehren?
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Magdalena61
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Re: Die Versuchung Jesu nach Matthäus

Beitrag von Magdalena61 »

Wozu braucht man die Gabe der Geisterunterscheidung, wenn es keine "unreinen Geister" gibt?

Die Schweine in Mt. 8 litten dann wohl unter Zerrissenheit im Herzen und unter inneren Konflikten?
Das Matthäus-Evangelium wurde nach dem zuverlässigen Zeugnis der frühchristlichen Überlieferung von dem Apostel Matthäus (auch Levi genannt; vgl. Mt 9,9-13), einem Augenzeugen Jesu Christi, zwischen 40 und 60 n. Chr. niedergeschrieben.
schlachterbibel.de
Als das Matthäusevangelium in Umlauf kam, lebten viele der Zeitzeugen Jesu noch, vor allem auch Judenchristen.

Von daher sollte man davon ausgehen können, dass der oben verlinkte Bericht im Mt. 8 authentisch ist. Ansonsten hätte die junge Gemeinde der Judenchristen ihn verworfen.

Die Vernichtung der Herde bedeutete für den oder die Besitzer einen gravierenden wirtschaftlichen Schaden, der möglicherweise ihre Existenz bedrohte. Die Bewohner der Stadt forderten Jesus auf, das Gebiet zu verlassen. (Vers 34)
LG
God bless you all for what you all have done for me.
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