Diese Zahl entbehrt damals wie heute jeglicher Grundlage. Sie "kam" auch nicht "raus" "nachdem muslimische Seelsorger mehr Geld beantragten". Du stellst es dar, als hätte es einen offiziellen Antrag gegeben, durch den diese Zahl bekannt wurde, stattdessen gab es vor etwas mehr als 15 Jahren einfach nur eine im Rahmen einer öffentlich geposteten Pressemitteilung gestellten Forderung* in der diese Zahl ohne Angabe irgendeiner Quelle als Behauptung gebracht wurde. Das hat die (damals) üblichen Verdächtigen natürlich nicht davon abgehalten diese Behauptung als 'alamierenden Fakt' weiterzuverbreiten und so wandert das Zitat bzw. die Behauptung halt seit Jahren durch diverse Foren und Kommentarsektionen.
Da die Angabe der Konfession bei der Inhaftierung nicht verpflichtend ist, gibt es keine vollständige Statistik. Je nach Bundesland und Jahr gibt es von verschiedenen Gruppen, Projekten etc Angaben um bzw über 20%, aber auch da ist teilweise nicht klar, wie das erhoben wurde.
Für Berlin gab es 2024 eine schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus, mit folgender Anwort bzgl. der Verteilung:
Soll man jetzt etwa einfach glauben, dass die 61%, die keine Angabe gemacht haben, alles Muslime sind? Ich glaube eher nicht.Zum Stichtag 31. März 2024 ergab sich folgendes Bild:
- 61 % aller Berliner Gefangenen und Sicherungsverwahrten haben keine Angaben zur Konfessionszugehörigkeit gemacht,
- 13 % waren ohne Bekenntnis,
- 10 % gehörten christlichen Kirchen an,
- 15 % islamischen Religionsgemeinschaften und
- 1 % hatten ein sonstiges Bekenntnis.
https://pardok.parlament-berlin.de/star ... -20763.pdf
* Es ging bei der Forderung übrigens nicht einfach darum, dass "muslimische Seelsorger mehr Geld" wollten, sondern es ging darum, dass es zu diesem Zeitpunkt laut der 'Islamischen Religionsgemeinschaft' gar keine muslimischen Seelsorger im Berliner Justizvollzug gab und die christlichen Seelsorger die muslimischen Häftlinge zwar mit betreuten, aber diese Hilfe aufgrund von 'Zeitmangel und kulturellen Schranken' nicht wirklich ankam. Die Forderung war zunächst also mal, dass es überhaupt muslimische Seelsorger in Berliner Gefängnissen gibt und daher hatte die IR angekündigt, dass man der Justizsenatorin entsprechende Vorschläge machen wolle, wie man die Situation verbessern könne.