Eine Gotteserfahrung ist jenseits von wahr und falsch, wie der rationale Geist es versteht.Pluto hat geschrieben:Womit du sicherlich Recht hast.
Andererseits, wie willst du sicherstellen, dass du nicht bloß einer Illusion "auf den Leim" gegangen bist?
Buddhanussati
Re: Buddhanussati
Re: Buddhanussati
Das ist nur ein weiterer besonders triftiger Grund, um solche Erfahrungen in Frage zustellen.Demian hat geschrieben:Eine Gotteserfahrung ist jenseits von wahr und falsch, wie der rationale Geist es versteht.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.
Re: Buddhanussati
Der Verstand ist dualistisch. Er kann unmöglich das erkennen, was nondual ist. Die Wirklichkeit ist Alles in Einem. Sie ist ein ungeteiltes Ganzes. Der Verstand kann aber nur Teile begreifen. Und eine Gotteserfahrung ist eine Erfahrung umfassender Einheit und Liebe, in der wir unsre Zugehörigkeit zu diesem Einen erfahren. Das ist keine rationale und personale, sondern eine transpersonale Erfahrung.Pluto hat geschrieben:Das ist nur ein weiterer besonders triftiger Grund, um solche Erfahrungen in Frage zustellen.Demian hat geschrieben:Eine Gotteserfahrung ist jenseits von wahr und falsch, wie der rationale Geist es versteht.
Zuletzt geändert von Demian am So 26. Okt 2014, 03:11, insgesamt 1-mal geändert.
Re: Buddhanussati
Sehr schöne Worte übrigens. Dazu empfehle ich unteranderem die Lektüre "Christus in mir" von Javier Melloni, "Denn Christus lebt in jedem von euch" von Paul Ferrini und zur praktischen Reflexion "Meditation - Grundlagenkurs" von Barry Long.
Wind hat geschrieben:In Bezug auf die Wahrheit, welche der Anfang alles Seins ist, passt es aber nicht, wenn man nur in der Realität die Wirklichkeit erkennen will.Pluto hat geschrieben:Nein, das nicht.Demian hat geschrieben:Den Vergleich mit den Zeugen im Gerichtssal finde ich übrigens sehr bezeichnend. Gehört die Mystik auf die Anklagebank?
Aber alle Aussagen in der "ersten Person" gehören gründlich überprüft, bevor man sie für real hält.
Die Quelle (Wahrheit) ist immer das Ganze, aus der der Fluss (Realität) fließt.
Niemals kann man aus dem Fluss die ganze Quelle erfassen, sondern immer nur einen Teil da heraus. So dass man das Wasser, welches den Fluss füll, messen kann, aber nicht die gesamte Quelle.
Klar, der Vergleich hinkt. Aber er soll auch nur das Verhältnis zueinander anzeigen. Das was als real erkannt wird, ist immer nur ein Teil des Ganzen. Das Ganze ist aus dem Sichtbereich des kleinen Anteils vom Ganzen nicht erfassbar.
Die Wahrheit kann kein Mensch insgesamt erfassen. Man kann nur das messen, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist. Die Einen nehmen Dinge wahr, welche man sehen und anfassen kann, und damit real messen kann. Und andere nehmen Dinge wahr, die man nur "in der Tiefe des Seins" wahrnehmen kann - also nicht berechnen kann.
Das Ganze dann von der Wahrnehmung der Realtität abhängig zu machen, greift einfach zu kurz. Es gibt eben Dinge des Seins, die man nicht mit den berechenbaren Sinnen begreifen kann. Was aber kein Beleg dafür ist, dass sie nicht auch ein Teil der Wahrheit ist.
Re: Buddhanussati
Im Palikanon (Theravada) wird die Erfahrung des Bewusstseinsunendlichkeitsgebietes dem Gebiet der Jhanas (Vertiefungen) zugeordnet, und zwar als die zweite der vier unkörperlichen Vertiefungen (siehe hier, Punkt 6). Jhanas sind vergängliche (bedingt entstehende und vergehende) Geisteszustände. Deshalb können sie auch erlebt, erfahren und (mehr oder weniger genau) beschrieben werden. In ihnen sind Gier, Hass und Egozentriertheit für die Dauer des Jhana aufgehoben, kehren aber mit dem Abklingen des Jhana wieder zurück. Eine solche Erfahrung als das Absolute, die (höchste) Wahrheit, Gott oder Gotteserfahrung zu nennen schiesst über das Ziel hinaus.Demian hat geschrieben: Dieses SEIN, kann als lebendiger, grenzenloser „Bewusstseins-Raum“ erlebt werden, der mental nicht erfasst und ausreichend beschrieben werden kann.
Wenn wir die Möglichkeit eines vollständig realisierten Geistes (kilesa-nibbana) definieren wollen, dann als ein Geist, der für immer befreit ist von Gier, Hass und Verblendung - auch in den subtilsten Formen von Anziehung und Abstossung und Einbildung (Ich-Dünkel). Aber auch ein solcher Geist wäre immer noch Geist, immer noch Bewusstsein und als solcher vergänglich, genauso wie der Körper, der zu einem solchen Geist gehören würde.
Auf diese Weise sprechen wir über das, was wirklich erlebt und erfahren werden kann, und zwar als durchgängiges Entstehen und Vergehen.
Nein, dafür sind die Sinneswahrnehmungen (wohlverstanden: in meiner Definition immer inkl. Geist, der als der sechste Sinn gilt) kein Beleg. Es ist aber in gewisser Weise ein Akt menschlicher Demut (und auch Weisheit), sich die Begrenztheit der Erkenntnisfähigkeit einzugestehen und sich von Spekulationen über Nichterkennbares zu befreien.Wind hat geschrieben:Man kann nur das messen, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist... Das Ganze dann von der Wahrnehmung der Realtität abhängig zu machen, greift einfach zu kurz. Es gibt eben Dinge des Seins, die man nicht mit den berechenbaren Sinnen begreifen kann. Was aber kein Beleg dafür ist, dass sie nicht auch ein Teil der Wahrheit ist.
Die Frage, die ich bin, sucht nicht die Antwort in dem Sinn, dass ein Wort mir könnte klären, was nur die Frage kann gewähren.
Re: Buddhanussati
Die Gefahr, die eigene Wahrnehmung als die einzige Wahrheit zu erkennen, liegt aber in jeder Erkenntnis. Auch in der Erkenntnis der Realität.Pluto hat geschrieben:Das bestreite ich doch nicht.Wind hat geschrieben:Und andere nehmen Dinge wahr, die man nur "in der Tiefe des Seins" wahrnehmen kann - also nicht berechnen kann.
Mein Hinweis sollte nur davor warnen, Erfahrungen in der ersten Person unüberprüft als die einzige Wahrheit anzuerkennen.
Die Realität ist, ebenso wie die mystische Wahrnehmung, nur ein Teil der ganzen Wahrheit und darum besteht dort die gleiche Gefahr, wie du oben angibst.Pluto hat geschrieben:Wie greift es zu kurz. Erklär' mal.Wind hat geschrieben:Das Ganze dann von der Wahrnehmung der Realtität abhängig zu machen, greift einfach zu kurz.
Du gehst dann zwar davon aus, dass deine Wahrnehmung überprüfbar ist - die der Mystiker aber nicht. Das ist aber nicht richtig. Denn Mystiker untereinander können ebenso einander prüfen, wie Realisten. Wobei ich zB die Realität der Wissenschaftler nicht wirklich nachprüfen kann. Da kannst du mir tausend Formeln und Fachausdrücke vorlegen, die von anderen überprüft wurden. Ich verstehe sie nicht und kann nur das glauben, was man mir darüber erzählt. Ebenso sehe ich die Überprüfbarkeit von mystischem Erleben. Da kann ich auch nicht irgendwelchen Schmarrn erzählen, der mir gerade in den Sinn kommt. Wer ähnliches erlebt, findet in dem Erleben untereinander auch den sogenannten "roten Faden", der Gemeinsamkeiten feststellt und damit beweist.
Ich brauche nichts sicher zu stellen. Weil mir der Leim einer Illosion nichts anhaben kann. Es gibt schon auch Maßstäbe, nach denen ich erkennen kann, ob etwas zu mir passt, zu meinem Erleben. Diese Erfahrungen tauchen nicht wahllos irgendwie aus dem Nichts auf. Sie passen letztendlich in das Ganze. Was immer für mich das Ganze ist. Es ist zwar schwer erklärbar, weil Worte im Grunde auch eine Art der Realität ist, die begrenzt sind. Ich kann immer nur einen Hauch dessen beschreiben, eine Ahnung wecken. Wenn ich zu viele Worte benutze habe ich oft schon den Eindruck, die Erfahrung "zerredet" zu haben - ihr den Sinn genommen zu haben. Also kann ich nur eine Ahnung wecken und der Zuhörer darf diese dann für sich auswerten und anwenden, um möglicherweise durch eigene Erfahrungen dieselben zu verstehen.Pluto hat geschrieben:Womit du sicherlich Recht hast.Wind hat geschrieben:Es gibt eben Dinge des Seins, die man nicht mit den berechenbaren Sinnen begreifen kann. Was aber kein Beleg dafür ist, dass sie nicht auch ein Teil der Wahrheit ist.
Andererseits, wie willst du sicherstellen, dass du nicht bloß einer Illusion "auf den Leim" gegangen bist?
Re: Buddhanussati
Die Erfahrung von "Bewusstseinsunendlichkeit" verweist aber nicht nur auf sich selbst, sondern auf eine Wirklichkeit. Der transpersonale Bewusstseins-Raum kann praktisch entdeckt werden. Eigentlich ist Erfahrung nicht das passende Wort, denn im Grunde wird das Sein, wie es ist, als der bewusste und lebendige Raum entdeckt.Im Palikanon (Theravada) wird die Erfahrung des Bewusstseinsunendlichkeitsgebietes dem Gebiet der Jhanas (Vertiefungen) zugeordnet, und zwar als die zweite der vier unkörperlichen Vertiefungen (siehe hier, Punkt 6). Jhanas sind vergängliche (bedingt entstehende und vergehende) Geisteszustände.
Wir können die NATUR dieses RAUMES, als LIEBE beschreiben. Denn LIEBE ist das, was uns über die Begrenzung des egozentrischen Denkens für das SEIN öffnet, sodass ich zu der Formel komme: LIEBE ist der grenzenlose RAUM des LEBENS, der FREIHEIT und des BEWUSSTSEINS. Doch das sind einfach mögliche Begriffe innerhalb meiner eigenen Betrachtung!

Es ist die Überzeugung der christlichen Mystik, dass es darum gehen müsse, „Gott in allen Dingen zu ergreifen“ (Meister Eckhart), sodass das Leben transparent und durchscheinend wird für die Wahrheit. Dennoch können wir die Wahrheit niemals ausreichend in Worte fassen, sie bleibt ein Mysterium.Eine solche Erfahrung als das Absolute, die (höchste) Wahrheit, Gott oder Gotteserfahrung zu nennen schiesst über das Ziel hinaus.
Wir können das Leben als Ausdruck des Mysteriums, als Verkörperung der Wahrheit, die sich durch das Bewusstsein selbst entdeckt und genießt, beschreiben. Durch das Bewusstsein schaut sich das Universum selbst an und fragt nach seinem Sinn und Zweck.
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Re: Buddhanussati
Genauer gesagt gibt es viele verschiedene Schafherden, und manche davon zeichnen sich dadurch aus, dass deren Mitglieder gern Dinge sagen wie "alles ist Geist" und sich für ganz besonders "erleuchtet" halten. Aber bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass die genau so essen, schlafen und aufs Klo gehen müssen wie jedes andere Schaf auch.Demian hat geschrieben:Ein geistlicher Weg macht Dich NIE zu diesem "tadellosen" Mitglied der Schafsherde, sondern zu einem MENSCHEN.
Nicht nur kann das menschliche Gehirn fast jede beliebige Erfahrung erzeugen, sondern andersrum kann man auch jede beliebige Erfahrung für eine Gotteserfahrung halten.Eine Gotteserfahrung ist jenseits von wahr und falsch, wie der rationale Geist es versteht.
Ich hab eigentlich noch niemanden getroffen, der die eigene Wahrnehmung für falsch gehalten hätte.Wind hat geschrieben:Die Gefahr, die eigene Wahrnehmung als die einzige Wahrheit zu erkennen, liegt aber in jeder Erkenntnis.
Re: Buddhanussati
Darum geht es hier ja auch nicht.JackSparrow hat geschrieben:
Ich hab eigentlich noch niemanden getroffen, der die eigene Wahrnehmung für falsch gehalten hätte.Wind hat geschrieben:Die Gefahr, die eigene Wahrnehmung als die einzige Wahrheit zu erkennen, liegt aber in jeder Erkenntnis.
Es geht um die Gefahr, die eigene Wahrnehmung für die einzige Wahrheit zu halten.
Sie kann aber nur ein Anteil an DER Wahrheit haben. Ebenso wie die Wahrnehmung anderer.
Re: Buddhanussati
,Hier nur ist Wahrheit!', also redet man.Wind hat geschrieben:Darum geht es hier ja auch nicht. Es geht um die Gefahr, die eigene Wahrnehmung für die einzige Wahrheit zu halten. Sie kann aber nur ein Anteil an DER Wahrheit haben. Ebenso wie die Wahrnehmung anderer.
Nicht spricht man anderen Lehren Wahrheit zu.
Vielfältig festgelegt sind so Sektierer,
Vom eigenen Weg nur reden sie mit Nachdruck.
Und spricht er auch vom eigenen Weg mit Nachdruck,
Warum sollt' einen andern er für töricht halten?
Sich selber nur bringt er in Streitigkeiten,
Indem vom anderen er als 'Tor' und 'Unwahr' spricht.
Indem auf seinem Urteil man besteht,
Sich selber als den Maßstab nimmt,
Nur mehr noch kommt man in der Welt ins Streiten.
Doch wenn da aufgegeben alles Aburteilen,
Nicht wird man Streit erzeugen in der Welt.
(Buddha: Sutta-Nipata, Verse 893-895)
Die Frage, die ich bin, sucht nicht die Antwort in dem Sinn, dass ein Wort mir könnte klären, was nur die Frage kann gewähren.