oTp hat geschrieben: ↑Do 20. Mär 2025, 08:53
Wer Konflikte mit seinem Nahtoderlebnis hat, wird wohl eher nicht davon berichten. Viele berichten ja noch nicht mal von ihrem positiven.
Von positiven reden sie nicht, weil da schon Zuhörer meinen, es sei Einbildung. Negative erzählt man wohl erst recht nicht. Damit läuft man höchstens zum Psychiater, wenn der Leidensdruck groß genug ist.
Leidensdruck weil man eine außerkörperliche Erfahrung hatte? Für die allermeisten, zumindest in unserer Kultur, sind es extrem befreiende Erlebnisse. Es kann aber auch befremdliches berichtet werden, so ist meine Sicht, dass Diesseits und Jenseits sich ja zunächst mal spiegeln, bzw die andere Seite einem so begegnet wie man hier lebt, womit man befasst war.
Ein deutscher Psychiater mit großem Forschungshintergrund schrieb in "Psychologie heute":
In den christlich orientierten Industrieländern dominieren diese durchweg positiven Nah-Todeserfahrungen.
Etwa jedes zehnte Erlebnis hat jedoch einen negativen oder gemischt negativ-positiven Inhalt.
Zumeist kommt es dabei nach einer Außerkörperlichkeits- und Tunnelphase zum Eintritt in eine dunkle, höllische Welt, wo Dämonen und andere finstere Figuren den Erlebenden verurteilen, bedrohen oder gar angreifen. Er sieht Bereiche voller haßerfüllter, sich gegenseitig schlagender oder gequälter Menschen, die ihren Süchten und schlechten Eigenschaften frönen. Auch kann es zum Eintritt in eine dunkel-kalte unendliche Leere kommen, die kein Entrinnen ermöglicht und die eigene Existenz bedroht. Schließlich können typisch positive Nah-Todeserlebnisse auch bedrohlich-ängstigend erlebt werden. All diese negativen Erfahrungen können aber auch in die genannten positiven Sequenzen übergehen.
https://www.psygrenz.de/wissenschaft/je ... sinuns.htm
Konflikte mit einem Nahtoderlebnis sind in jeder Vorstellung möglich, ganz sicher. Deshalb sagt ja zB die Bergpredigt, wie auch schon das Leben hier die Konflikte löst. Wer sich in seinen Begierden verstrickt, wird eventuell nachtodlich erstmal konfrontiert sein mit seiner Schattenwelt. Wer alte Menschen in den letzten Tagen begleitet, hört von Schuldgefühlen und Reue. Das ist immer, finde ich, ein Weckruf für einen selber: Im eigenen Leben jetzt aufräumen, sich versöhnen, Konflikte mit sich selbst und anderen klären.
Viele Menschen sind nach einem Sterbeerlebnis von der Existenz Gottes überzeugt und geben religiösen und ethischen Werten in ihrem Leben Vorrang vor allem anderen. Sie empfinden eine größere Liebe und Verbundenheit mit allen und allem, mehr Toleranz und Mitgefühl mit den Menschen, aber auch eine höhere Wertschätzung der eigenen Person. Sie wenden sich häufig von materialistischen, äußerlichen Werten ab und nehmen sozial-karitative Aufgaben an. Sie haben Lebensfreude und Selbstvertrauen, fühlen sich aber auch verantwortlicher. Sie suchen Selbsterkenntnis, Lebenssinn und Weisheit, fühlen sich insgesamt "lebendiger" und wissen um die Kostbarkeit der noch zur Verfügung stehenden Zeit.
Krankheiten werden besser ertragen, und psychische Leiden wie Depressionen oder Drogensucht können verschwinden.
Auch haben sich Nah-Todeserfahrungen als das beste Vorbeugemittel gegen Suizid erwiesen. Sogar die bloße gedankliche Beschäftigung mit solchen Erfahrungen scheint eine taugliche Medizin gegen Selbstmordgedanken zu sein.
Nah-Todeserlebnisse wirken auf Menschen wie ein "Kulturschock". In wenigen Minuten werden alle bisher gültigen Werte und Ansichten gründlich erschüttert. Infolgedessen sind Konflikte mit der Umwelt, in der die alten Werte fortbestehen, oft unvermeidbar. Berufswechsel, Spannungen in Freundschaften und Beziehungen bis hin zur Scheidung sind nichts Ungewöhnliches. Seltener werden auch psychische Störungen wie Depressionen, Todesangst oder Hilflosigkeit beobachtet.