Abischai hat geschrieben: ↑So 5. Jul 2026, 13:19
Das muss dort nicht stehen, das sehe ich genau so wie Helmuth. Im Gleichnis verachtet und haßt er seinen Bruder, den, der umgekehrt ist.
Diese Geschichte ist ein Gleichnis, von denen Jesus einige erzählte. Das tat er, um seine Botschaften an die Menschen, die gerade zuhörten, verständlich zu machen.
Darum würde ich mal sagen: doch - es ist wichtig, was genau dort steht. Alles was nicht dort steht, ist Interpretation, oder Theologie ... oder wie immer man es nennen möchte.
Ich persönlich sehe in dieser Geschichte auch keinen Hass bei dem Bruder des Heimgekehrten. Er ist nur eifersüchtig, weil der Bruder jetzt gefeiert wird und er, der immer "brav" war, weniger Beachtung beim Vater findet als der Bruder, der doch so viel "Dreck am Stecken" gesammelt hat, und nun alles einfach geschenkt bekommt, was er selbst sich scheinbar erst mühselig erarbeiten musste.
Wenn man es genau nimmt, ist er viel mehr sauer auf den Vater, der scheinbar nicht schätzt, dass er immer gehorsam war.
Der Vater sagt auch nichts dagegen, was vermuten lassen könnte, der Sohn wäre "verloren". Er öffnet ihm nur die Augen dafür, was er alles die ganze Zeit schon hatte - es nur nicht in Anspruch genommen hat. Es gehört dem Sohn also immer noch. Und der Vater fordert ihn quasi noch dazu auf, auch zu feiern, was er gerne feiern möchte.
Ein Prediger hat mal einen Satz gesagt, der mich, im Zusammenhang der Meinung, dass Menschen, die sich später im Leben "bekehren", ja immerhin die "Freuden der Welt" wenigstens mal gekostet haben. Solche Aussagen kommen oft von Gläubigen, die den Glauben schon von Kindheit an angenommen haben.
Er sagte: "Meint ihr denn wirklich, das war wirkliche Freude, was die Menschen in der Zeit ohne Gott erlebt haben?" (so ähnlich)
Ich sehe dieses Verhalten auch im umgekehrten Sinne oft auch in den Aussagen von Gläubigen. Dann nämlich, wenn sie sich von Ungläubigen übervorteilt fühlen, und darauf setzen, dass Gott diese Ungläubigen schon richten wird und sie selbst dann die Belohnung bekommen, die ihnen hier, zu Unrecht, versagt wurde.
Genau das sagt doch der Vater zu diesem braven Sohn. Der Sohn hält sich sozusagen als Opfer dessen, was er alles nicht bekommen hat, während er alleine für seinen Vater schuften musste. Er hat nur das gesehen, was der Bruder "einfach so hinterher geworfen bekam". Dass sein Anteil aber viel größer war, weil er noch den Schutz der Familie und alle Freuden, die damit zusammenhingen, zu keiner Zeit verloren hat.
Jetzt, wo ich alt bin, sehe ich im erinnerndem Rückblick täglich, wie reich ich war und bin - einfach, weil ich durch Jesus die Verbindung zum Vater jederzeit in Anspruch nehmen kann. Gerade dann, wenn ich die Leiden von Menschen ohne Gott sehe, welche Enttäuschungen und Verluste erleben. Dann denke ich oft: die oder der Arme - der muss jetzt ganz ohne verlässliche Hilfe da durchkommen. Schon allein, dass mir die Möglichkeit den Weg zum Vater jederzeit nutzen zu können offen ist, ist unbezahlbar. Ich danke jeden Tag zuerst, dass Gott einfach "da ist" - egal, wie gut oder schlecht ich gerade "funktioniere". An der Wand neben meinem Bett hängt seit längerer Zeit eine Karte mit dem Spruch aus
1.Mose 16,13: "Du bist ein Gott, der mich sieht". Das ist das Erste und Beste, was mir je in meinem Leben geschehen ist.
Und genau das hat der Vater in dem Gleichnis zu dem "braven" Sohn gesagt. Nichts davon, dass er verloren sei - sondern, dass er etwas hat, das er nur nicht wirklich zu schätzen weiß. Und damit quasi die Aufforderung an ihn, die Feier zu genießen - und damit bewusst auch alle Gaben, die ihm ohnehin die ganze Zeit zur Verfügung standen.
Was ich auch noch bedeutend finde ist: auch der "verlorene Sohn" war schon vorher der Sohn. Die Sohnschaft hat er nicht verloren, denn der Vater hat jeden Tag Ausschau nach ihm gehalten, und ist ihm entgegen gelaufen, als er ihn von Weitem sah. Er hat den Sohn als Sohn wieder in die Arme genommen - bevor dieser seine vorgemerkten Sprüchlein aufsagen konnte. Ist für mich ein Gedanke, der so manches in Frage stellt, was unter Christen als Notwendigkeit einer "Bekehrung" verkündigt wird.