Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

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Magdalena61
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Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Magdalena61 »

Discounter und Supermärkte werben damit, die Senkung der Mehrwertsteuer vollumfänglich an die Kunden weiter zu geben.

Gehst du einkaufen, kommst du aus dem Staunen nicht mehr heraus.

500 g Nudeln der Hausmarken von Lidl, Netto, Aldi, Kaufland und so weiter konnte man bis vor einiger Zeit für 39 ct. kaufen.
Jetzt kosten sie 47 ct.

Da ich kein Abitur habe, kann ich diesen Rechenweg nicht nachvollziehen. Vielleicht kann jemand mir erklären, warum die Nudeln jetzt nicht etwa günstiger, sondern um 20% teurer sind?

Dafür ist die Butter spottbillig. Letztens sah ich "Deutsche Markenbutter" für 1,15€ pro 250g- Stück.
Der Butterpreis fällt schon seit Längerem. Immer wieder gibt es Angebote für 1,39€ oder 1,49 €.

Vor einiger Zeit (2016?) wollten sie 2,59 € und mehr für 250 g mit der Begründung, man müsse die Landwirte anständig bezahlen, damit diese vom Verkauf der Milch leben können und ihre Tiere gut behandeln. Wie viel kann man noch an der Milch verdienen, wenn ein Stück Butter nur knapp über einen Euro kostet?

Sahne und Quark dagegen sind preisstabil.

Auch andere Waren sind teurer geworden.
Das Hundefutter in Dosen für Chico, das er im Wechsel mit Trockenfutter bekommt: 10%.

Wer profitiert tatsächlich von der Senkung der Mehrwertsteuer?
Wegen diesen 3% kaufe ich nicht mehr als sonst.
Und ihr?
LG
God bless you all for what you all have done for me.
Hiob
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Hiob »

Magdalena61 hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 02:33 Wer profitiert tatsächlich von der Senkung der Mehrwertsteuer?
Wegen diesen 3% kaufe ich nicht mehr als sonst. Und ihr?
Wir haben es noch gar nicht gemerkt - aber wir kennen Leute, die es merken. - Nämlich solche, die jetzt größere Anschaffungen machen (Auto, Wohnmobil, etc.). - Bei 20.000 Euro sind das immerhin um die 600 Euro.

Ich nehme an, dass es Ende des Jahres noch Zirkus gibt, weil dann große Unternehmen noch viel Rechnungen schreiben wollen, weil es dann Anfang Januar wieder 3% teurer wird. - Der Haken: Rechnungen darf man eigentlich erst stellen, wenn die Leistung erbracht ist. - Es wird also sehr viel Konjunktur für 2020 vorgetäuscht werden, weil Rechnungen vorzeitig gestellt werden. --- Piscator ist Steuerberater - mal sehen, was er dazu sagt.
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Travis
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Travis »

Magdalena61 hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 02:33 Wer profitiert tatsächlich von der Senkung der Mehrwertsteuer?
Teilweise die Endkunden, teilweise die Verkäufer im Endkundenbereich. Unternehmen die lediglich im B2B Bereich unterwegs sind, haben keine Vorteile. Ansonsten soll diese kurzzeitige Senkung der MwSt den Binnenumsatz ankurbeln. Bei der Frage, ob er dies tut, müssen wir im Jahr 2021 mal rückwirdend Bilanz ziehen. Die Marktsituation ist derzeit nervöser als sie es ohnehin ist. Auch an der Wirtschaft ist Corona nicht spurlos vorbeigegangen.
Magdalena61 hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 02:33 Wegen diesen 3% kaufe ich nicht mehr als sonst.
Und ihr?
Tatsächlich freuen sich einige Jungs im Freundeskreis meines Sohnes jetzt über neue PCs bei denen sie etliche Euro sparen konnten. Da hat es auch im Vorfeld keine Preiserhöhungen gegeben, die man auf die angekündigte Senkung der MwSt zurückführen könnte. Ich verfolge den Markt recht eingehend.
Hiob hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 07:47 Rechnungen darf man eigentlich erst stellen, wenn die Leistung erbracht ist. - Es wird also sehr viel Konjunktur für 2020 vorgetäuscht werden, weil Rechnungen vorzeitig gestellt werden.
Das Wort "eigentlich" kannst Du da streichen. Der Zeitpunkt der Lieferung bzw. der sonstigen Leistung ist maßgebend. Wer Rechnungen in dem Umfeld falsch ausstellt, hat bei der nächsten Betriebsprüfung seine "Freude". Allerdings gibt es eine "Nichtbeanstandungs"-Übergangsregelung von einem Monat. Wer trotzdem noch ins Klo greift, hat sich die Konsequenzen redlich verdient.
- Foren Concierge -
"Steter Trottel höhlt den Interlekt"

הִגִּ֥יד‮‬ לְךָ֛ אָדָ֖ם מַה־טֹּ֑וב וּמָֽה־יְהוָ֞ה דֹּורֵ֣שׁ מִמְּךָ֗ כִּ֣י אִם־עֲשֹׂ֤ות מִשְׁפָּט֙ וְאַ֣הֲבַת חֶ֔סֶד וְהַצְנֵ֥עַ לֶ֖כֶת עִם־אֱלֹהֶֽיךָ׃
Hiob
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Hiob »

Travis hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 07:49 Das Wort "eigentlich" kannst Du da streichen. Der Zeitpunkt der Lieferung bzw. der sonstigen Leistung ist maßgebend. Wer Rechnungen in dem Umfeld falsch ausstellt, hat bei der nächsten Betriebsprüfung seine "Freude". Allerdings gibt es eine "Nichtbeanstandungs"-Übergangsregelung von einem Monat. Wer trotzdem noch ins Klo greift, hat sich die Konsequenzen redlich verdient.
Prinzipiell richtig - man wird aber oft genug Wege finden, da was zu probieren. - Beim kleinen Unternehmer spielt das weniger eine Rolle, aber große Unternehmen haben dafür eine Armada an Fachleuten, die genau dafür da sind, auf diese Weise die Bilanz zu verbessern.
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AlTheKingBundy
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von AlTheKingBundy »

Die 2,50 € bei Einkäufen um die 100 €, wenn die Mehrwertsteuer denn weitergegeben werden würde, nützt dem kleinen Mann nichts. Profitieren werden die Reichen, dei ein paar 1000 € bei Immobilienkäufen sparen oder beim Kauf eines anderen Luxusartikels.
Beste Grüße, Al

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
(Albert Einstein, 1879–1955)
agitater

Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von agitater »

Dieses Post hatte eine bestimmte Würze, von daher kann ich nicht sagen wie explosiv der Geschmack ist.
Hiob
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Hiob »

piscator hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 11:34 Mir graust es vor der Zukunft, denn die vielen fehlenden Steuermilliarden wird der Staat gnadenlos von den Bürgern zurückholen und das zu Zeiten, in denen die Konjunktur ohnehin lahmen wird.
Von den demographisch ungünstigen Rahmenbedingungen ganz abgesehen. --- Ein Volkswirt hat mal (VOR Corona!) gemeint, dass es dem Deutschen in 10 Jahren immer noch gut gehen würde, er aber ein Drittel weniger zur Verfügung hätte. - Ein merkwürdiger und bemerkenswerter Satz, der bedingt, dass man sich generell auf weniger Konsum einzustellen hat. - Man darf gespannt sein, wie das die Gesellschaft aufnimmt. Gerade was Wahlen angeht.
agitater

Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von agitater »

Dieses Post hatte eine bestimmte Würze, von daher kann ich nicht sagen wie explosiv der Geschmack ist.
Hiob
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Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von Hiob »

piscator hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 12:19 Das fängt bei der im europäischen Vergleich sehr hohen Steuer- und Abgabenlast an und der Frage, was der Bürger davon zurückerhält und wer genau eigentlich davon profitert.
Da wird ganz unten und ganz oben profitiert - der Facharbeiter mit Familie profitiert sicherlich nicht.
piscator hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 12:19 Ein weiterer Punkt wäre der öffentliche Dienst und die Beamtenschaft, die durch die Corona-Krise keine Beinträchtigungen hatten, weder finanziell noch von der Lebensplanung her.
Naja - im öffentlichen Dienst gibt es ja keine Pensionen. Dort wird man es schon merken, wenn plötzlich nur 1200 Euro Rente da ist und eine Miete gezahlt werden muss.
piscator hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 12:19 Dann die Frage des ausufernden Sozialstaats, der letztendlich dazu führt, dass Nichtstun besser allimentiert wird als Arbeit.
Das halte ich für eine Urban Legend. Denn den Faulenzer-Hartz4-ler gibt es relativ selten. - Einer hat mal ausgerechnet, dass von dem Sozial-Etat in Höhe von ca. 180 Milliarden pa nur ca. 40 Milliarden da angekommen, was der Normalo unter "sozial" versteht (Hartz, Asyl, etc.). Viele wissen auch nicht, dass die ca. 80 Milliarden an Rentenkassen-Zuschuss nichts anderes sind als verdeckte Folgekosten der deutschen Einheit.

Ich sehe die Lösung wo ganz woanders: Man sollte Prof. Sinn folgen, der mal dankenswerter gemeint hat "Wir sind keine Leistungs-Gesellschaft, sondern eine Markt-Gesellschaft". - Denn der Wenig-Verdiener kommt besser damit zurecht, wenn ihm nicht auch noch die Ehre genommen wird durch unverschämte und inhaltlich falsche Sätze wie "Je mehr Du leistest, desto mehr Geld hast Du".

Eine Mutter mit 3 Kindern, die nebenbei einen 450-Euro-Job oder einen Halbtagsjob macht, kommt (WENN sie ihren Kinderjob gescheit macht) auf die selben 3000 intensiven Arbeitsstunden im Jahr wie ein Manager und leistet auf ihre Weise genauso viel wie dieser - dasselbe gilt für einen Facharbeiter mit Familie, der nebenbei einen 450-Euro-Job macht und ansonsten noch Kohle per SChwarzarbeit macht. - Wenn solche Leute dann von geschniegelten Arschlöchern hören, dass sie nicht "leistungsfähig" seien (sonst würden sie es ja in 1500 Stunden pa schaffen :devil: ), führt das irgendwann zu einer Explosion.
piscator hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 12:19 Wenn da in absehbarer Zeit keine Antworten kommen, bzw. nur Worthülsen wie bisher, wird das sehr schnell kritsch.
Aber wie löst es sich auf? - Ich vermute, dass es insgesamt eher nach links rückt, wenn die mittigen Parteien die Lage nicht erkennen. - Untere Gehaltsklassen noch mehr zu drücken, bringt nichts, weil man dann wirklich immer näher an Hartz4 kommt, welches ja gesetzlich garantiert ist.

Geistliche Antworten gäbe es zuhauf - aber diese sind zur Zeit nicht so arg gefragt. ---- Es gibt noch ein ganz anderes Problem: Mein einer Junior ist in der Versand-Logistik tätig und sagt, dass es unwahrscheinlich schwer ist, fürs Lager jemanden zu finden, der NICHT Vollpfosten ist (das gilt für jedes Alter). Zudem findet man kaum noch Deutsche dafür, weil denen ja eingeredet wird, dass man erst ab Abitur "leistungsfähig" sein könne. :devil: - Somit rennen in der Abteilung fast nur noch Ausländer rum, weil es die einzigen sind, die für Sub-Bachelor-Arbeiten noch einsetzbar sind. ---- Arbeitsmarkt-kulturell (falls es dieses Wort gibt) tickt hier aus meiner Sicht eine Bombe.
agitater

Re: Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020

Beitrag von agitater »

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