Zippo hat geschrieben: ↑Sa 19. Sep 2026, 13:03
Ich denke auch, daß es der Heilige Geist ist, der die Offenbarung des Boshaften zurückhält.

Die Übersetzungen dieser Verse, wie auch einiger anderer Verse, gestaltet sich sehr schwierig.
Was dann manchmal passiert ist, daß Übersetzer sich den Text so "hinbiegen" wie er für sie sinnvoll erscheint. (Das ist nicht unbedingt verwerflich.) Man erkennt solche Verse daran, daß die unterschiedlichen Übersetzungen sehr weit auseinandergehen. Wie das hier der Fall ist…
Man übersetzt den zweiten Teil von Vers 7 eben so gut man kann. Die griechischen Worte sind aber niemandem so richtig klar. Paulus fängt an in Vers 5 mit "Erinnert Ihr euch was ich sagte?" und unser Problem ist, wir waren nicht dabei. Und dadurch bleibt Vers 7 unklar.
Z.B. wird oft übersetzt "der, der zurückhält" - aber das muß kein "der" sein, genausogut könnte man auch übersetzen "was, das zurückhält" - also eine unpersönliche Kraft oder Situation.
Also das ist beim Übersetzen schon Interpretationssache.

Dann gehen wir mal an die Sache, ohne uns zu sehr von bestehenden Übersetzungen einengen zu lassen, aber freilich auch möglichst ohne die heidnische Mythologie heranzuziehen, wie das leider zu viele machen und gemacht haben.
Jetzt überleg mal. In Vers 7 am Anfang schreibt Paulus: das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am arbeiten.
Vers 7 hat geschrieben:Denn es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit, nur daß, der es jetzt aufhält, muß hinweggetan werden;
Das heißt schon damals, als Paulus schrieb, regte sich das Geheimnis der Bosheit. Es ist nicht so, daß es nicht arbeitete und aufgehalten wurde. Das ist unlogisch. Das Geheimnis der Bosheit war aktiv. Ist aktiv.
Man muß jetzt nicht auf die Sache gehen <<Wann>> beginnt das Geheimnis der Bosheit zu arbeiten?
Die Antwort ist klar: schon damals, zu Paulus Zeiten arbeitete das Geheimnis der Bosheit (oder Gesetzlosigkeit).

Was ist dann das mit dem <<zurückhalten>>? Ja, irgendwas wird es wohl sein. Wie gesagt, so richtig klar sind die Worte niemandem und da braucht auch keiner so tun als ob er es zweifellslos kapiert.
Aber wir gehen soweit daran, wie möglich, hier mal ein erster Schritt.
Vers 7 hat geschrieben:Denn es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit, nur daß, der es jetzt aufhält, muß hinweggetan werden;
Diese Übersetzung schreibt "der es jetzt aufhält" aber im Vers vorher…
Vers 6 hat geschrieben:Und was es noch aufhält, wisset ihr, daß er offenbart werde zu seiner Zeit.
…ist es jetzt plötzlich ein "was" - "was es noch aufhält."
Von meinen eigenen Studien her gehe ich aber von einem ganz anderen Sinnzusammenhang aus, der meines Erachtens eher dem Urtext zu entnehmen ist.
Paulus schreibt eben nicht widersprüchlich. Sondern, er schreibt zunächst "das Geheimnis der Gesetzlosigkeit" ist am arbeiten, aber jetzt ist der, der es zurückhält ebenfalls am arbeiten. (Anders als halt vorher.)
Das Neue war ja nicht, daß das Geheimnis der Gesetzlosigkeit arbeitet. Dies tut es seit Adams Entscheidung für die Sünde. Das Neue war, daß durch die Geburt der Kirche, der (oder das) was es aufhält, d.h. zurückdrängt angefangen hatte zu arbeiten.
Wir müssen beim Evangelium bleiben und uns nicht den heidnischen Fabeln zuwenden.
Das ergibt erstmal folgendes Bild (bis hierhin soweit):

Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit arbeitet seit dem Sündenfall im Garten Eden.

Der, der es zurückdrängt ist jetzt auch am arbeiten. Seit der Geburt der Kirche.
Das letzte Wort in Vers 7 im Urtext ist
μέσου welches etwa mit "Mitte" oder "Mittelpunkt" übersetzt werden kann.
Das ist in der Betrachtungsweise der Autoren des NT (und nicht unbedingt späterer Theologen und Übersetzer) ein Hinweis auf die Kirche, den innersten Kreis der Kirche.
Die meisten Übersetzungen skippen das Wort einfach oder übersetzen es mit mittels der Formulierung "aus dem Wege" oder "dem Wege" oder so ähnlich.
Weil sie den Gesamtkontext nicht verstehen, wie oben beschrieben.

Wer oder was hält dann zurück? Aus der Mitte der Kirche träfe dann auf den Heiligen Geist zu. Das ist sicherlich richtig, daß etwas, was das Geheimnis der Gesetzlosigkeit zurückdrängt vom Heiligen Geist gesalbt sein muß und nicht irgendwie außerhalb des Heiligen Geistes steht. Aber hier einfach nur den Heiligen Geist einzusetzen ist auch sehr oberflächlich und allgemein gehalten.
Um das besser zu verstehen, muß man in der Bibel lesen und zwar dort, wo von dem Geheimnis der Gesetzlosigkeit etc die Rede ist. Die Bibel legt sich selbst aus. Herumdoktorn an einem einzelnen Vers hilft nicht.
Was auch nicht hilft ist im antichristlichem Geiste zu stehen und nur auf das Geheimnis der Gesetzlosigkeit zu starren und es so zu erhöhen.
Die Bibel redet primär vom
Geheimnis Christi und dem gegenüber gestellt dem
Geheimnis der Gesetzlosigkeit.
Man wird nicht umhinkommen das Geheimnis Christi zu klären, bevor man das Geheimnis der Gesetzlosigkeit versteht.
Zippo hat geschrieben: ↑Sa 19. Sep 2026, 13:03
Aber vorher kommt eben der Sohn des Verderbens, eine Person, die ich zunächst mit dem zweiten Tier in Off 13 in Verbindung bringen möchte, weil sie große Wunder und Zeichen tut.

Diese Verbindung zwischen dem Mensch des Verderbens aus dem Thessalonicherbrief und den Tieren aus dem 13. Kapitel der Offenbarung ist ja nichts neues. Das findet man ja in der einschlägigen Literatur sehr häufig. Die älteste Quelle dieser Machart, die mir vorliegt ist in Irenäus bekanntem "Gegen die Häresien"
Irenäus zu Lyon hat geschrieben:
Daher sagt auch der Apostel: „Weil sie die Liebe Gottes nicht aufnahmen, um gerettet zu werden, deshalb wird sie Gott auch in das Wirken der Lüge schicken, daß sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern der Ungerechtigkeit beistimmten“2 . Das wird nämlich geschehen, wenn jener kommt und aus eigenem Entschluß in sich die Apostasie rekapituliert und aus freiem Willen und Gutdünken all das wirkt, was er wirken wird, und in dem Tempel Gottes sitzt, um sich von den von ihm Verführten als den Christus anbeten zu lassen, weshalb sie auch gerechter Weise in den Feuerpfuhl geworfen werden3 , wohingegen Gott in seiner Vorsehung alles vorausweiß und zur rechten Zeit den schickte, der ein solcher sein mußte, damit sie dem Falschen glaubten und alle gerichtet würden, die „der Wahrheit nicht glaubten, sondern der Ungerechtigkeit beistimmten.“ Seine Ankunft verkündete Johannes in der Apokalypse mit den Worten: „Und das Tier, das ich sah, war einem Pardel ähnlich, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Mund wie der Mund eines Löwen, und es gab ihm der Drache seine Kraft und seinen Thron und seine große Macht.
https://bkv.unifr.ch/de/works/cpg-1306/ ... isions/897
Du wirst bemerkt haben, Irenäus stellt die handelsübliche Verbindung zum Tier aus dem Meer her, während Du von dem zweiten Tier schriebst.
Wie auch immer, diese Verbindung herzustellen muß man natürlich irgendwie auch begründen können, mit der Bibel, wohlgemerkt.
Kann ich bisher nicht erkennen.

Vom Propheten Daniel wissen wir, daß die Tiere in Offenbarung 13 sich auf jeweils ein großes Kollektiv beziehen, wie zum Beispiel das Perserreich. Diese Tiere repräsentieren nicht eine individuelle Einzelperson. Auch die einzelnen Köpfe des Tieres repräsentieren keine Einzelperson. Insofern muß ich Irenäus Lehre als Häresie brandmarken und ablehnen.

Der Mensch des Verderbens ist ebenfalls ein Kollektiv und keine Einzelperson.
Vergleiche dazu auch z.B. Epheser Zwo:
Epheser 2, 15 hat geschrieben:nämlich das Gesetz, so in Geboten gestellt war, auf daß er aus zweien einen neuen Menschen in ihm selber schüfe und Frieden machte
Einen neuen Menschen. Mehrere, die zusammen einen neuen Menschen in Christus sind.
Davon redet das NT eine ganze Menge. Der neue Mensch in Christus, ein Kollektiv.
Und dem gegenübergestellt dann das Bild des Menschen des Verderbens, einem weiteren Kollektiv.
Zippo hat geschrieben: ↑Sa 19. Sep 2026, 13:03
Der Sohn des Verderbens begibt sich aber auch in den Tempel Gottes und behauptet, daß er Gott sei und das trifft auf die erste Tiergestalt zu, der in Off 13 wie einem Gott Anbetung zuteil wird.
(Nein, Anbetung zuteil wird in Offb 13 dem ersten Tier, nicht dem zweiten.)

Hier haben wir wieder die Kirche als den "Ort" des Verbrechens. Es wird klar angezeigt, "im Tempel Gottes", und was ist der
Tempel Gottes im NT? Die Kirche.
Vergleiche dazu z.B.
2. Korinther 6, 16 hat geschrieben:Was hat der Tempel Gottes für Gleichheit mit den Götzen? Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: "Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.
Der Wirkungsort der Menschen des Verderbens ist also die Kirche selber. Wenn wir wissen wollen, wer der Sohn des Verderbens ist, dann müssen wir uns der Kirchengeschichte zuwenden und ein kirchliches Kollektiv ausmachen.

Dieses kirchliche Kollektiv ist jemand, der alle diese Dinge tut, wovon da die rede ist. Wer könnten diese sein?