Spice hat geschrieben: ↑Mo 31. Mär 2025, 11:56
oTp hat geschrieben: ↑Mo 31. Mär 2025, 11:47
Bilder, Mythen, schön und gut. Aber das hindert mich nicht daran, diese Geschichten von Steiner, wie Lemuren und Atlanter als nur astreine Mythen zu sehen, anstatt darüber weiter zu brüten wie auf tauben Eiern, aus denen auch nichts an Realität raus kommt. Und mir klar zu sein: Da fabuliert Steiner, vielleicht glaubt er ja selbst, was er da erzählt.
Er musste es nicht glauben. Er sah es ja.
Der Zander bringt in seinem Buch viele Autoren und Texte, von denen er ausging, das Steiner abgeschrieben hat.
Hier ein Auszug aus seiner Steiner Biografie über den Flugverkehr in Atlantis:
Wenn man nun wissen will, wie Steiner die Ehe zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und höherer Einsicht vollzog, muss man nur genauer hinschauen. Ich greife dazu ein Beispiel aus den futuristisch anmutenden technischen Errungenschaften der Atlantiden heraus. Im Juli 1904 schreibt er, dass sie in der Lage waren, Fluggeräte zu benutzen: Es »wurden die in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier fortbewegt. Diese Fahrzeuge fuhren in einer Höhe, die geringer war, als die Höhe der Gebirge der atlantischen Zeit, und sie hatten Steuervorrichtungen, durch die sie sich über diese Gebirge erheben konnten.« Wie, um Himmels willen, gelangte Steiner an diese Informationen? Kritische Leser fragten schon damals sehr viel spitzer: Wo hat der Steiner das abgekupfert? Die Lösung liegt, wie bei Steiner praktisch immer, im unmittelbaren zeitlichen Nahbereich, nicht irgendwo in »uraltem« Schrifttum. Fündig wird man wieder bei Scott-Elliot, der 1896 von den flugtechnischen Großtaten der Atlantiden berichtet hatte: »Die Flughöhe belief sich nur auf einige 100 Fuß, so daß, wenn hohe Berge in der Fluglinie lagen, die Richtung gewechselt und der Berg umfahren werden mußte, – die verdünntere Luft leistete nicht länger die Stütze. Hügel von etwa 1000 Fuß waren das Höchste, was überfahren werden konnte.«17 Es ist evident, dass Scott-Elliot Steiners Vorlage war, Steiner hatte das ja auch selbst gesagt. Aber solche Abhängigkeiten sind ein wenig langweilig, weil das Strickmuster immer gleich ist: Steiner liest theosophische Literatur, überarbeitet sie und legitimiert sie als eigene höhere Erkenntnis. Und selbstredend ist klar, dass auch Scott-Elliot wieder Ahnväter hatte, den englischen Utopie-Schriftsteller Edward Bulwer-Lytton etwa mit seinem Roman The Coming Race. Spannender ist es hingegen, die Logik der Veränderung in Steiners Bearbeitung aufzudecken. Dies macht ein detaillierter Vergleich der beiden Passagen sichtbar: Da fällt auf, dass Steiner die Flughöhe, die bei Scott-Elliot noch auf »einige 100 Fuß« begrenzt ist, in die unbestimmte Formulierung einer »geringeren Höhe« überführte – die Grenzen der Flughöhe verschwimmen bei ihm. Dies war das Vorspiel für die Überwindung der Gebirge, die im nächsten Satz folgt: Bei Scott-Elliot müssen die Atlantier die Berge »umfahren«, wohingegen sie bei Steiner Steuermöglichkeiten besitzen, um sich darüber zu »erheben«. Bei dieser minimalen Differenz zwischen dem Umkurven und dem Überfliegen der Berge lacht das Herz des Historikers. Denn in der Geschichte des Fliegens stößt er auf revolutionäre Entwicklungen um 1900. Als Scott-Elliot 1896 seine Atlantis-Geschichte schrieb, waren die Europäer gerade dabei, den Himmel mit Luftschiffen zu bevölkern. Sogenannte Prallluftschiffe, aufgeblasene Zigarren mit einer Gondel, stiegen von Aerodromen in ganz Europa auf, um meist wohlbehalten wieder zu landen, manchmal aber auch wie ein Stein vom Himmel zu fallen. Exakt diese Fluggeräte hatte Scott-Elliot vor Augen, als er berichtete, dass sie nur in einigen 100 Fuß Höhe schweben konnten und Berge deshalb unüberwindbare Hindernisse darstellten. Genau diese Grenze war bei Steiner überwunden, denn seine Atlantier konnten über die Berge fliegen. Was war geschehen? Die Geschichte des Fliegens hatte am 17. Dezember 1903 eine große Innovation gesehen. Die Brüder Wright hatten das Luftschiff gegen einen Flugapparat mit Flügeln eingetauscht, der den Auftrieb mit Tragflächen anstelle von Gasen ermöglichte. Damit war eine bahnbrechende Steuerungstechnik verbunden: Klappen an den Flügeln, die sogenannte Tragflächenverwindung, sowie Höhen- und Seitenruder ermöglichten es, diese Flugzeuge in alle Richtungen zu steuern, eben auch in die Höhe, und ergo auch über Berggipfel hinweg. Damit waren Scott-Elliots unüberwindliche Berge Vergangenheit. Bilder derartiger Flugmaschinen waren bereits Anfang 1904 in Europa zu sehen, das technikverliebte frühe 20. Jahrhundert kabelte diese Dokumente des wissenschaftlichen Fortschritts umgehend über den Atlantik. Derartige Entwicklungen hatte Steiner vor Augen, als er im Juli 1904 Scott-Elliots Prallluftschiffe in Flugzeuge verwandelte.
Wir verdanken diesen Texten einen Einblick, wie Steiner seine »übersinnlichen« Lektüren im Weltgedächtnis mit dem jahresaktuellen Stand der Technik veränderte. Die uralte Weisheit war das Wissen der Zeitgenossen.
Seite 217 ff
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Erforsche mich. Ewiger, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg!