Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Zippo hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 11:37 Die Warum Fragen bringen aber weiter.
Kommt drauf an, ich sehe das nicht undifferenziert. Wenn dich z.B. die Frage beschäftigt, warum du dich nicht bessern kannst und dir durch das Evangelium kundgetan wird, dass du dich als Sünder nicht aus eignere Kraft ändern kannst, dann kann es dazu führen, dass es dich zur Umkehr bewegt .

Und dazu wird auch das Evangelium gepredigt. Du sollst vor Jesus dein Leben ablegen, damit er es in die Hand nimmt und du aus deiner Sünde befreit werden kannst. So habe ich das mal getan. Aus dem Grund haben wir den Auftrag das Evangelium auch anderen Menschen zu predigen. Sie kommen nicht von alleine darauf, sonst wäre ich doch auch schon draufgekommen. Und es ging dabeie nicht um Wissen.

Geht es dir mehr um intellektuelle Fragen, völlig egal, ob sie biblischer Natur sind, ja sogar das Evangelium betreffed, so kannst du durchaus auch so Fragen beantwortet bekommen, allerdings was hilft dir das?

Ich anerkenne mal, dass es Gott gibt. Gut. Ich weiß, ich bin ein Sünder, weil mir diese Antwort plausibel scheint, warum es so viel Unheil auf der Welt gibt. Ok, also anerkenne ich das als Antwort. Ich weiß auch, ich kann mich aus eigener Kraft nicht bessern und die Erfahrung des eigenen Lebens bestätigt mir das sogar immer wieder aufs Neue. Ok, ich anerkenne diese Antwort.

Und ich kenne die Antwort durch das Evangelium, dass Jesus mich daraus retten kann. Man kann derart sogar Theologieprofesser sein, das studiert haben und das Evangelium als Unterrichtsstoff an Schulen oder auf Unis vortragen. Man hat das Wissen und Antworten. Was fehlt aber? Dazu aus dem Hebräerbrief dieses Wort:
Heb 3,18-19 hat geschrieben: Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren. Und wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens.
Es fehlt einfach der Glaube und so kommt es zu keiner Umkehr. Die Israelten in der 40-jährigen Wüstenwanderung hatten nicht nur das Wissen, wie Gottes Allmacht wirkt, sie waren mittendrin und Teil des Geschehens.

Und dennoch glaubten sie nicht, für mich heute als Glaubender unvorstellbar, aber das sind Fakten und Tatsachen. So hat man das Allerwichtigste nicht. Man hat keine Errettung. Du bleibst weiter ein Sünder, ein wissender zwar, der sogar die Botschaft vom Kreuz kennt, aber mitsamt deinem Wissen kannst du dann eines Tages genau diese Erfahrung machen:
Lk 13,28 hat geschrieben: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten sehen werdet in dem Reich Gottes, euch aber hinausgeworfen.
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Magdalena61
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Re: Das Leiden Jesu- warum diese unmenschlichen Qual?

Beitrag von Magdalena61 »

Zippo hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 11:51 Das ist vielleicht ganz ok. Ich habe gedacht, daß viele suchende Menschen, die sich mit dem Evangelium beschäftigen, vielleicht an dieser Frage scheitern werden: "Warum macht Gott so etwas ? " Ist Liebe die einzige Motivation oder gibt es da noch andere Beweggründe ?
O.k., das ist ein Aspekt. Genau genommen kommen wir damit aber zur Theodizeefrage "warum lässt Gott das zu?"- Das ist ein sehr umfangreiches Thema.
Deshalb besser in einem gesonderten Thread.
Ich meine, das Evangelium ist auch vor Grundlegung der Welt ersonnen worden, weil sich in der Himmelswelt ein Konflikt angebahnt hat, der sich auf die irdische Schöpfung verlagert hat. Und das Evangelium ist Gottes Art mit diesem Konflikt umzugehen.
Wie gesagt: Das Thema kann sehr ausufern.

Meine ausführlichere Antwort ist hier: viewtopic.php?p=623847#p623847

Aber das ist zu kompliziert... um es einem Neuling zu erklären.
LG
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Helmuth
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Re: Das Leiden Jesu- warum diese unmenschlichen Qual?

Beitrag von Helmuth »

Magdalena61 hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 14:09 Aber das ist zu kompliziert... um es einem Neuling zu erklären.
Sehe ich auch so, denn das Evangelium ist eben nicht Theologie, sondern eine frohe Botschaft, welche dich befreit aus der Sünde. Da muss rein gar nichts erklärt werden, weil das keine Sache des Intellekts ist, sondern ob du es auch annimmst oder nicht.

Ich kann es damit vergleichen einen herzhaft guten Apfel abzubieten, aber anstelle reinzubeißen um seine gesunde Wirkung zu spüren als auch den guten Geschmack, will man nur darüber reden, wie der Apfel biologisch aufgebaut ist, welche Sorten es gibt, wo sie wachsen, welche Farben sie haben, also Dinge, die auch interessant sind, dich aber nicht nähren.

Für mich ist entscheidend, ob ich feststellen kann, dass mein Gegenüber ein Gewissen und ein Sündenbewusstsein hat. Wenn das fehlt, finde ich keinen Angriffspunkt näher vorzudringen. Dann bleibt es bei Gesprächen und Nächstenliebe, bzw. kann ich in aller Kürze mein Zeugnis geben, mehr nicht, wenn es sich um jemand handelt, denn ich kenne. Mit völlig Unbekannten kommt ja im allgemeinen nicht in einen solchen Dialog,

Der persönliche Umgang ist auch anders als eine öffentliche Verkündigung. Und man predigt auch nicht einer Wand. Wenn der Boden hart wie Beton ist (in Anlehnung an das Sämannsgleichnis), dann erklärt uns bereits Jesus wie die zu erwartende Reaktion sein wird:
Mt 13,19 hat geschrieben: Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, der an den Weg gesät ist.
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Magdalena61
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Re: Das Leiden Jesu- warum diese unmenschlichen Qual?

Beitrag von Magdalena61 »

Helmuth hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 15:49 Ich kann es damit vergleichen einen herzhaft guten Apfel abzubieten, aber anstelle reinzubeißen um seine gesunde Wirkung zu spüren als auch den guten Geschmack, will man nur darüber reden, wie der Apfel biologisch aufgebaut ist, welche Sorten es gibt, wo sie wachsen, welche Farben sie haben, also Dinge, die auch interessant sind, dich aber nicht nähren.
Ja, so ungefähr.

Wenn die Theodizeefrage aufkommt, sollte man definitiv anerkennen, dass diese berechtigt ist. "Darüber können wir uns gerne unterhalten, man müsste dafür aber einige Zeit investieren"-- und der Hinweis, die beiden Fragen, nämlich die nach dem Warum und die Frage, ob Gott real ist, nicht gleichzusetzen.
Für mich ist entscheidend, ob ich feststellen kann, dass mein Gegenüber ein Gewissen und ein Sündenbewusstsein hat. Wenn das fehlt, finde ich keinen Angriffspunkt näher vorzudringen.
Der Begriff "Sündenbewusstsein" taugt wirklich nicht für Menschen ohne Vorkenntnisse.
Wenn mir jemand so käme, würde ich denken: Was geht es dich an? das ist anmaßend und viel zu privat- und so ist es ja auch.

Für "Beichten" sind im Volksdenken die Priester zuständig, und das auch nur in der katholischen Kirche; und die unterstehen einer Schweigepflicht. Warum sollte also jemand dir "bekennen", ob und inwiefern er sich verfehlt hat?

Jemanden der "Sündhaftigkeit" zu bezichtigen ist im Verständnis unserer Mitbürger eine deftige Schuldzuweisung. Und, in der Tat: Wer sündigt wird schuldig.

Aber wen geht das etwas an außer den Sünder und Gott und eventuell diejenigen, die von den Auswirkungen der Sünde betroffen sind?

Menschen spüren instinktiv: Es ist überlebenswichtig, keine Schwäche zu zeigen. Vertrauen, das man in andere investierte, wird viel zu oft mißbraucht und übel ausgenützt. Jetzt gerade kann man im Zuge der Epstein- Affaire beobachten, wie eine ganze Anzahl von Köpfen der Schattenregierungen rollt, zumindest die, die sie als Bauernopfer freigeben. Da war Insiderwissen nach außen gelangt; selbst der WEF-Chef Børge Brende tritt jetzt zurück, las ich vorhin.

Diese Barriere des Selbstschutzes zerschlagen zu wollen, kann das Vorhaben, das Evangelium zu vermitteln, gründlich torpedieren und scheitern lassen.

Mit "Fehlern" können die Leute besser umgehen. Fehler passieren jedem, meist unabsichtlich. Das kann man zugeben, ohne Gesicht zu verlieren, weil es eh jeder weiß.
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Magdalena61 »

Meine Argumentation lautet etwa wie folgt:

Menschen machen Fehler, weil sie unvollkommen sind; weil sie nicht den perfekten Durchblick haben, oder, weil sie sich irren oder auch, weil ihre Kraft nicht ausreicht, um es besser zu machen.

Gott ist vollkommen, und Er möchte, dass wir danach streben, vollkommen (= fehlerlos) zu werden. Gott ist heilig. Das bedeutet: Er kann unser Versagen nicht dauerhaft tolerieren, denn nichts Unheiliges darf in seine Nähe kommen.

Nun hat Er durch das Opfer Jesu Christi eine Möglichkeit geschaffen, uns in unserer Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit tatsächlich anzunehmen- weil Er uns das Leben schenken will, auch ewiges Leben. Wenn wir aus dem Gefängnis, in dem wir leben, herauskommen wollen, brauchen wir die Hilfe und die Kraft Gottes. Alleine schaffen wir es nicht; die Widerstände sind zu stark.

Ich habe niemanden darum gebeten, in diese Welt gesetzt zu werden. Als ich geboren wurde, war ich bereits ein Sünder, ohne eigenes Zutun, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, mich für oder gegen diese Realität entscheiden zu können.

Gott hat mich sozusagen in einen Moortümpel plumpsen lassen ohne mich zu fragen, ob ich damit einverstanden bin. Es ist anständig von Ihm, dass Er mich nicht hat darin versinken lassen... aber wenn ich ertrunken wäre, dann wäre ich bestimmt nicht selbst daran schuld gewesen, denn ich hatte mir ja weder mein Leben noch den Tümpel als Landeplatz ausgesucht. --

Warum sollte ich mich für meine Existenz und für mein Menschsein schämen, warum sollte ich Verantwortung übernehmen für etwas, wofür ich nichts kann?

(Das ist übrigens die zentrale Frage, eine berechtigte Frage! weshalb ich davor warne, unsensibel vorzugehen und Menschen überflüssigerweise vor den Kopf zu stoßen, indem man ihnen Schuld zuschreibt, derer sie sich nicht bewußt sind und die sie ja vielleicht auch gar nicht haben).

Man muss schon differenzieren:

Schuld... könnte man mir vorwerfen, wenn ich dem Rettergott widerstrebt hätte und mich nicht in die von Ihm geschaffenen und von Ihm kontrollierten Verhältnisse fügen würde.

Ich betrachte die Gnade Gottes als ein faires Angebot—und nehme es dankend an.
LG

Jetzt habe ich wieder getextet. :)
Warum ich das mache: Vielleicht kann der eine oder andere den einen oder anderen Gedanken gebrauchen und verwenden. Und jetzt gehe ich wieder Bäume schneiden.
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Helmuth
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Re: Das Leiden Jesu- warum diese unmenschlichen Qual?

Beitrag von Helmuth »

Magdalena61 hat geschrieben: Do 26. Feb 2026, 15:13 Der Begriff "Sündenbewusstsein" taugt wirklich nicht für Menschen ohne Vorkenntnisse.
Den Begriff muss man nicht einmal kennen, sondern dieses Bewusstsein muss man haben. Haben und kennen sind zwei Paar Schuhe. Wer hat, der weiß auch, auch wenn er nicht gleich die rechten Worte findet, aber umgekehrt ist es nicht zwingend gegeben.

Du kannst diesen inneren Zustand ohnehin kaum beschreiben, am besten passt noch das geplagte Gewissen oder die Scham, oder es pocht dir das Herz. Wer so ein Sündenbewusstsein hat, also hat meine ich, der merkt es und dem muss man das nicht auf psychologische Weise näherbringen. Darum meine ich, es ist keine Sache des Intellekts, sondern des Geistes bzw. Herzens.

Manche Menschen plagt sofort das Gewissen, wenn sie andere nur unabsichtlich auf die Zehen treten und andere fühlen nicht einmal dann etwas, wenn sie jemand mit dem Auto plattfahren. "Mensch, wieso kann denn der Depp nicht aufpassen" oder so was kommt dann anstelle: "Um Gottes willen, hoffentlich ist dem nur nichts Gröberes passiert", wobei das Herz rast.

Komme ich da mal etwas durch, oder wird der Punkt weiter nicht geklärt? Was will ich sagen? Die einen haben's, die anderen nicht. Dazu passt aus meiner Sicht auch dieses Wort Jesu:
Lk 19,26 hat geschrieben: Ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.
So werden die einen herangezogen zu Jesus und bekommen in dem Sinn immer mehr (z.B. Nähe), die anderen verstocken sich weiter. Wo ich Verstockung feststelle, gibt es keine Verkündigung, denn ich werfe die kostbarsten Perlen Jesu nicht vor die Säue.

Wer zugänglich ist, dort warte ich ab, ob mich der Heilige Geist auch unterstützt. Das z.B. wäre für mich ein Diskussionspunkt, aber wann es übergeht vom Gespräch zur --> Verkündigung.

Du bist m.E. weiter auf der Gesprächsebene, nicht falsch vestehen, dieses wird als Vorarbeit ebenso gebraucht und kann bzw. soll Nähe schaffen. Ich fokusiere aber weiter die Verkündigung, denn das Evangelium wird nicht besprochen. Das ist im Grunde genommen eine Prämisse. Ich werde dazu nach passenden Schriftstellen suchen.

Man versteht das Kreuz vor einer Bekehrung ohnehin nicht (mit seinem Verstand), sondern man nimmt es an oder nicht. Der springende Punkt ist dabei, ob du dich demütigen kannst, womit wir wieder bei der Herzenssache sind. Diese Dinge werden dir m.E. auch geoffenbart und darin lasse ich mich vom Heiligen Geist führen.
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Sunbeam
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Sunbeam »

Helmuth hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 06:25 Und warum geht keiner auf meine Beiträge ein? Ich frage ncht aus Eitelkeit? Sicher nicht, das ist mit fremd geworden. Wer sich mit mir nicht auseinandersetzen will, der muss das auch nicht, klar,
aber vielleicht deswegen, weil es viel spritzt?
:mrgreen:
So viel dann zu deinen Eitelkeiten!

Nein, bei dir besserwisserischen Pharisäer spritzt es nicht, und wenn, dann ist es das Spritzen des edelchristlichen Hochmuts, des christlichen Winkeladvokaten, der alle schiefen Kniffe der afterchristlichen Theologie stets zu einen Gunsten der Auslegung bis zur bitteren Neige ausschlürft.

Würdest du nicht immer auf die neutestamentliche Meinungshoheit pochen, und nicht allen Usern, die gegenteilige Glaubensansichten haben hier immer so "lamoryant" über das Maul fahren, vielleicht ergäbe sich dann eine völlig andere Diskussionsqualität auf gleicher Augenhöhe mit auch den Christenmenschen, die ihre ureigene und damit durchaus berechtigte Meinung vertreten.

Kann sich der christliche Glaube, die Diskussion um grundsätzliche Meinungsfragen überhaupt demokratisch oder humanistisch gestalten, im Pro und auch im Contra? Konnte es es je, oder wird er es je können?
(Für einen Christen wie du es bist, für den das Wort Humanismus allein schon aus dem Wörterbuch des Teufels entstammt, da dürfte da jede Hoffnung vergebens sein.)

Da lagen die Helden, die Wunden vorn
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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Folgendes will ich nicht unbeantwortet lassen:
Magdalena61 hat geschrieben: Do 26. Feb 2026, 15:13 Warum sollte ich mich für meine Existenz und für mein Menschsein schämen, warum sollte ich Verantwortung übernehmen für etwas, wofür ich nichts kann?
Besser könnte ein Atheist nicht argumentieren. In dir wuchert noch das Dogma der Erbsünde. Leg es ab. Du bist für deine Sünde verantwortlich, nicht Gott, nicht der Teufel oder sonst wer. Auf wen möchtest du sie denn schieben? Zippo versucht es mit dem Teufel, und du? Und was für einen Menschen gilt, gilt für alle seit Adam und Eva, es gibt keine Ausname.

Weiters orte ich Menschenfurcht. Um nur ja niemand vor den Kopf zu stoßen, wird ihm nicht gesagt, dass er sündigt? Wovon muss er dann erlöst werden? Auf diese Weise wird das Evangelium weder verkündigt noch erklärt. Warum sollte ich Jesus für etwas um Vergebung bitten, wenn ich mir keiner Schuld bewusst sein sollte? Ich sagte schon, dass es Sache des Herzens ist, nicht des Verstandes.

Mir wurde das sogar ohne Predigt klar, und zwar weil ich mich Jesus genähert habe. Das allerdings geschah erst durch die Verkündigung des Evangeliums mit einfachen Worten. Ohne diese wäre ich noch weiter auf meiner Sündenwelle geschwommen. Erkläre mir bitte, wozu Jesus den Aufruf zur Umkehr predigt? Es waren dies seine allerersten Worte, als er in den Dienst gestellt wurde:
Mk 1,14-15 hat geschrieben: Nachdem aber Johannes überliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: "Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium."
Zuvor tätigte den selben Aufruf schon Johannes der Täufer:
Mt 3,1-2 hat geschrieben: In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa und spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.
Sicher kann man eines sagen: Sowohl Johannes als auch Jesus waren vom Heiligen Geist erfüllt und es war der klare Auftrag des Vaters die Menschen zur Umkehr aufzurufen. Doch was ist mit den Menschen unserer Zeit? Johannes ist entschlafen und Jesus hat den Auftrag an seine Jünger delegiert. Doch auch diese sind entschlafen. Wie gelangt es nun zu allen Nationen und wer predigt unserer Generation?

Mein vorsichtiger Rat: Bleib du bei Gesprächen und unterlasse es zu verkünden, wenn du Angst hast andere vor den Kopf zu stoßen. Es gibt keinen Zwang, sondern man muss durch und durch davon überzeugt sein. Und es ist auch Sache der Gabe. Andere können den Aufruf zur Umkehr u.U. auch besser machen. Ich halte diese Vorgangsweise sogar für effizient, weil es auch heißt:
Mk 6,4 hat geschrieben: Und Jesus sprach zu ihnen: "Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus."
Ich mache beides, Gespräche führen und wenn der Geist drängt, dann verkündige ich oder ich bringe die Person zu einer evangelistischen Gruppe bzw. Versammlung. Gespräche allein führen nicht zur Umkehr, denn das Diskutieren hat oft kein Ende. Eher zeigt es den Unwillen sich gar nicht ändern zu wollen.

Du kannst bei der Eheschließung vor dem Altar auch nicht über die Ehe reden, weil dir Dinge immer noch nicht klar sind. Das werden sie so auch nicht, sondern man muss sich im Glauben darauf einlassen. Einmal muss sich jeder entscheiden und dann auch Ja sagen.

Alles andere, also auch nichts zu sagen und unentschlossen zu bleiben, ist ein Nein. Die Beziehung zu Gott ist in geistlicher Hinsicht eine Ehe. Wir zumindest sollten das verstehen. Und Jesus erteilt uns diesen Auftrag:
Lk 24,46-47 hat geschrieben: Und sprach zu ihnen: "So steht geschrieben, dass der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen sollte aus den Toten und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden sollten allen Nationen, angefangen von Jerusalem."
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Rilke
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Rilke »

Magdalena61 hat geschrieben: Sa 7. Feb 2026, 16:26 Aber Heiden, die noch nie eine ernsthafte Begegnung mit Gott hatten und auch nicht in den Schriften bewandert sind... die können und sollen natürlich auch einen Richtungswechsel vornehmen... dafür sind Einsicht und Verständnis erforderlich, doch "Umkehr" passt da nicht wirklich, denn sie sollen ja nicht in ein nichtiges Leben der toten Werke zurück "umkehren".
Das ist eine interessante Ansicht, die ich gewissermaßen nachvollziehen kann.
In den letzten Jahren bin ich auf immer mehr "neue Heiden" gestoßen, also Leute, die nie Christen waren und mit dem Christentum nie in Berührung gekommen sind. Kinder der neuesten Generation werden oft gar nicht mehr getauft und wenn, dann geht es mehr um ein Familienfest. Viele Menschen wachsen heute ohne bewusste religiöse Sozialisation auf. Religion wird von Politikern genutzt, um über "unsere christlichen Werte" zu sprechen und dabei die Kernaussage des Christentums zu umgehen.
Es ist ein wirklich interessantes Phänomen. Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken darüber gemacht und denke etwas zwiefältig darüber. Einerseits ist es schade, dass unsere Kultur und Gesellschaft als Ganzes in ein verrohtes heidnisches Selbstverständnis rückt und wir einen Verlust christlich geprägter Kultur und Werte in der Gesellschaft erleben. Andererseits bleiben die ernsthaften Christen in den Gemeinden zurück und christliches Leben ist weniger "kulturell bedingt" als vor einigen Jahrzehnten. Man kann von einer „Reinigung“ des Glaubens von bloßer Kulturtradition hin zu bewusster Entscheidung sprechen.

Der Umgang mit solchen "Neuheiden" ist dann naturgemäß anders als mit Menschen, die christlich aufgewachsen sind. Da fehlt oft ein grundlegendes Verständnis, das die eigene Weltanschauung geprägt hat. Biblische Begriffe wie Sünde, Gnade und Vergebung werden ganz anders aufgefasst und missverstanden.
Da geht es dann gar nicht um eine Rückkehr, sondern um eine Erstbegegnung.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Sa 28. Feb 2026, 07:09 Da geht es dann gar nicht um eine Rückkehr, sondern um eine Erstbegegnung.
Dass die Gesellschaft auf den Abfall hinsteuert, ist durch das prophetische Wort schon vorhergesagt. Aber ich denke nicht, dass deswegen das Wissen um das Evangelium verlorengegangen ist. Möglichweise unter moslemischen Einwanderen, da diese in ihren Ländern in der Tat falsch unterrichtet sind, weil ihr Wissen nur aus dem Koran stammt. Diese sind ein eigenes Kapitel.

Aber völlig unabhängig davon ist das Evangelium immer zu predigen und nicht als ein Kulturgut zu behandeln. Die RKK nimmt an dem Prozess leider nur gemäß ihrer Tradition teil, nicht aber wie Jesus uns den Auftrag zur Verkündigung gegeben hat. Du kannst das zwar für dich schönreden, aber ich sehe ja in Österreich wie das gehandhabt wird, denn in der Kultur bin ich wie du auch aufgewachsen.

Ich hätte ein braver Katholik werden können, aber kein Christ. Ich habe dazu ein Zeugnis, das ist mein Ex-Chef, der praktizierender Katholik war, auch im Kirchenchor tätig, aber über Jesus hatte er eine rein humanistische Sicht. Er war nicht sein Erlöser aus seiner Sünde, sondern nur Voribld für das Leben. Ich hoffe, du kennst mittlerweile den Unterschied.

Durch eine schwere Erkrankung vorzeitig aus dem Leben gerissen konnte ich ihm zuvor das Evangelium predigen und aufgrund seiner schweren Erkrankung hat er Jesus als seinen Erretter, vermutlich im Spital (AKH Wien) angenommen. Er gab mir sein Zeugnis während eines Besuchs, was ein tiefgreifendes Erlebnis war.

Gott muss Menschen oft durch widrige Umstände führen, eben um sie aus einem rein kulturellen Umfeld hin zu Jesus zu führen. Er war also ein Christ nach Tradition und nicht aufgrund einer Neugeburt, wie Jesus sie beschreibt. Gott konnte ihn aber so zur Bekehrung führen.

Wir haben ihn dann zu einem Apha-Kurs (kennst du das?) eingeladen, den er 2x besucht hatte. Ich war erstaunt, dass er auch seine Frau mitgenommen hatte und ihr überzeugend aus der Bibel vorgelesen hatte mit der Betonung, das ist die Wahrheit! Kurz danach verstarb er zwar an seinem Leiden, aber ich denke im Herrn. Er wurde in seinem letzten Erdenjahr vom Kulturchristen zum Nachfolger.
Zuletzt geändert von Helmuth am Sa 28. Feb 2026, 08:35, insgesamt 1-mal geändert.
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